Grünes Mäntelchen für Kriegsvorbereitung

Wie die aleo solar GmbH, Tochter der Sunrise Global Solar Energy Co. Ltd. (Taiwan) am 4.2.2015 mitteilt, bezieht die Bundeswehr mobile Solarcontainer mit Hochleistungsmodulen des Herstellers aleo solar. Die Photovoltaikmodule sind in Containern des Herstellers Multicon Solar eingebaut, die als mobile Kraftwerke umweltfreundlichen Strom für Militärcamps und Feldlager der Bundeswehr erzeugen. Sie sollen Dieselgeneratoren ersetzen oder unterstützen.

„Die Bundeswehr ist auf eine zuverlässige Energieversorgung angewiesen und setzt daher in Krisengebieten ausschließlich eigene Dieselgeneratoren ein. Die Treibstoffbeschaffung für die Generatoren ist oft eine sehr gefährliche Aufgabe. Wir können daher Menschenleben schützen, wenn wir fossilen Kraftstoff einsparen und wir steigern damit die Durchhaltefähigkeit der Truppe. Der Solarcontainer ermöglicht eine sichere Stromversorgung, die überall verfügbar ist. Das ist für unsere Arbeit von unschätzbarem Wert.“ [1]

In der Pressemitteilung von aleo solar heißt es weiter:

„Die Multicon Solarcontainer werden als schlüsselfertige Solarsysteme mit eingebautem Batteriespeicher und intelligentem Energiemanagementsystem ausgeliefert. Vor Ort werden die verkabelten Photovoltaikmodule aus dem Container ausgeklappt, die Auf- und Abbauzeit beträgt weniger als eine Stunde. Bei Gefahren wie Sandstürmen, Unwetter oder Vandalismus sind die Module im Container sicher.“

Günter Schulze, der Geschäftsführer der aleo solar GmbH, meint:

„Weltweit haben über eine Milliarde Menschen keinen Strom und eine weitere Milliarde produziert den Strom mit umweltschädlichen Dieselgeneratoren. Der Solarcontainer kann auch Schwellen- und Entwicklungsländern helfen, ihren ständig wachsenden Energiebedarf zu decken. Wir sind stolz darauf, diese wegweisenden Solarinselanlagen mit unseren Modulen zu beliefern und dabei zu helfen, sauberen Strom überall auf der Welt zu erzeugen“.

Wer diesen Strom wofür braucht, scheint für Hernn Schulze kein Problem zu sein, jedenfalls werden die Solarcontainer bei der Bundeswehr keinen Beitrag dazu leisten, den genannten zwei Milliarden Menschen auf der Welt sauberen Strom zur Verfügung zu stellen. Sie sind eine Verschwendung von Ressourcen.
Schon 2011 führte Prof. Götz Brandt auf unserer Tagung „Nachhaltige Schrumpfung der Wirtschaft bei einem sozial-ökologischen Umbau der Eigentumsverhältnisse und Produktivkräfte“ aus:

„Weltweit arbeiten heute zwischen 30 und 50% aller Ingenieure und Wissenschaftler, in den USA sollen es 60% sein, direkt oder indirekt an militärischen Aufgaben. Was für eine Verschwendung von Entwicklungspotential, das nur die Rohstoffsicherung mit militärischen Mitteln unter Inkaufnahme der Tötung von Menschen zum Ziel hat. Weltweit werden 10 – 15% des Materials in die Produktion von Rüstungsgütern gesteckt.“

Was wird uns mit der Pressemitteilung untergejubelt?

Die Bundeswehr schützt, indem sie sich auf bewaffnete Auseinandersetzungen vorbereitet (in denen natürlich nicht  getötet wird!), Menschenleben durch Einsparung von fossilem Kraftstoff in Gebieten mit Sandstürmen, d.h. im Ausland.
Sollen uns als nächstes Kriege vorgestellt werden als notwendige Maßnahme im Kampf gegen Überbevölkerung?
Zur Charmeoffensive „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders“ jetzt also auch noch die Öko-Attacke?

Wie wäre es mit der Wahrheit?

2012 waren nach Angaben der Weltbank 0,4% der gesamten Arbeitskräfte in Deutschland „bewaffnetes Personal“; die Verteidigungsausgaben betrugen 1,3% des Bruttoinlandsproduktes. [2]
Mit anderen Worten: Jeder „Arbeitsplatz“, der aus dem „Verteidigungs“haushalt bezahlt wird, kostet uns rund drei Mal so viel, wie ein Arbeitsplatz im produktiven oder Dienstleistungssektor – ohne etwas nützliches für unsere Bevölkerung zu produzieren – Profit für die Rüstungsunternehmen und Tod brindende Waffen gehören jedenfalls nicht dazu.

Nebenbei:
Nach unserem Grundgesetz Art. 26, Abs. 1 und Art. 87a darf die Bundeswehr nur zur Verteidigung gegen einen bewaffneten Angriff eingesetzt werden.

Wolfgang Borchardt
9.2.2015


[1↑] Michael Schulz, Technischer Regierungsamtsrat bei der deutschen Bundeswehr

[2↑] siehe factfish



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