Brennelementefabrik Lingen: Viele Fragen bleiben ungeklärt

Ob Radioaktivität in dem an die Fertigungshalle angrenzenden Labor, in dem der Brand ausgebrochen war, ausgetreten sei und – wenn ja – in welcher Menge, ist laut BMU genauso ungeklärt wie die genaue Brandursache. Das ist ein weiterer Grund, die Brennelementefabrik Lingen endlich in den deutschen Atomausstieg einzubeziehen, ebenso die Urananreicherungsanlage in Gronau.

Auf Antrag der Fraktion DIE LINKE. hat sich der Umweltausschuss des Bundestags am Mittwoch (12.12.2018) mit dem Brand in der Uranfabrik in Lingen befasst. Seit längerem fordern Atomkraftgegner*Innen und DIE LINKE. die Stilllegung der Uranfabrik der Framatome-Tochter Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF), in der ohne jede Befristung Brennelemente zum weltweiten Einsatz in Atommeilern hergestellt werden. Dazu erklärt der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE), Sprecher für den Atomausstieg:

„In ihrem mündlichen Bericht hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) mitgeteilt, dass der Betrieb der Uranfabrik vollständig gestoppt ist. Nach Auffassung des BMU wird die Anlage erst wieder in Betrieb gehen können, wenn der Vorgang umfassend aufgeklärt ist. Es habe keine Kontamination gegeben. Auf meine Nachfragen teilte das BMU mit, dass die Staatsanwaltschaft bisher nicht eingeschaltet worden sei. Ob Radioaktivität in dem an die Fertigungshalle angrenzenden Labor,  in dem der Brand ausgebrochen war, ausgetreten sei und – wenn ja- in welcher Menge, ist laut BMU genauso ungeklärt wie die genaue Brandursache. Diese offenen Fragen seien erst nach Abschluss der Untersuchungen durch die Landesatomaufsicht in Niedersachsen zu beantworten.

Über den Auslöser des Brandes hat der NDR mittlerweile berichtet: ‚Demnach haben bei dem am vergangenen Donnerstag in einem Labor ausgebrochenen Brand zwei chemische Stoffe, Natronlauge und Aluminium, ein brennbares Gas gebildet. Dieses entzündete sich an der Luft und explodierte, hieß es. Wie es dazu kommen konnte, nachdem angeblich in dem Labor drei Tage keine Stoffe verdampft wurden, ist allerdings weiter unklar.‘

In der Debatte im Umweltausschuss habe ich sehr deutlich meine Empörung über die Desinformationspolitik bezüglich des Vorgangs zum Ausdruck gebracht. Verharmlosend sprach der Betreiber Framatome der Uranfabrik in Lingen zunächst von einem Brand im Laborbereich und natürlich hätte es keinerlei Gesundheitsbeeinträchtigungen gegeben. Immerhin 150 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Auch das Niedersächsische Umweltministerium veröffentlichte zunächst nur eine solche Meldung und plapperte damit das nach, was Framatome vorgegeben hatte. Nachdem es zunächst geheißen hatte, dass das Feuer im nichtnuklearen Bereich ausgebrochen war, musste der Betreiber einige Tage später einräumen, dass der nukleare Bereich der Anlage betroffen war. Das ist skandalös. Die Atomfabrik in Lingen ist keine Schokoladenfabrik, sondern eine kerntechnische Anlage. Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, korrekt und zeitnah über mögliche Gefahren informiert zu werden.

Auf meine Nachfrage, ob der Brand Konsequenzen haben werde, teilte das BMU mit, dass am 18. Dezember eine Sitzung von Vertretern aus sechs Bundesministerien und dem Bundeskanzleramt geplant ist. Darin soll es auf Arbeitsebene darum gehen, wie der beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie bis Ende 2022 weiter umgesetzt werden soll. Dazu gehört auch die im Koalitionsvertrag festgelegte Prüfung eines Verbots von Brennstoff-Exporten aus den deutschen Uranfabriken in einzelne besonders marode ausländische AKWs.

Schon seit langem fordere ich die sofortige Stilllegung der Uranfabrik in Lingen. Es wird höchste Zeit, dass sie endlich in den deutschen Atomausstieg einbezogen wird. Gleiches gilt für die Urananreicherungsanlage in Gronau. Dass eine Stilllegung dieser Uranfabriken möglich ist, haben Rechtsgutachten im Auftrag des Bundesumweltministeriums gezeigt. Das muss nun auch endlich umgesetzt werden.“

Am heutigen Donnerstag haben Umweltverbände zu einer Mahnwache aufgerufen. Mit der Aktion vor dem Bahnhof in Lingen fordern Atomkraftgegner, dass die Brennelementefabrik sofort geschlossen wird.