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  Die Ökologische Plattform und die neue Satzung

Detlef Franek, Marko Ferst

In welche Richtung entwickelt sich die neue Linkspartei?

Die Vereinigung von WASG und Linkspartei.PDS vollzieht sich und führt zu einer in ganz Deutschland etablierten linken Partei. Das ist bei allen Schwierigkeiten, die damit verbunden waren und sind, ein Anlass zur Freude. 8,4 % in Bremen sind ein beachtliches Ergebnis. Auch die Ökologische Plattform setzte sich für diesen Vereinigungsprozess ein. Wir freuen uns sehr, dass sich jetzt in Nordrhein-Westfalen eine Ökologische Plattform gegründet hat, die zu erheblichen Anteilen aus der WASG hervorgegangen ist.
Davon motiviert wollen wir uns bemühen, diesen Prozess auch in anderen Bundesländern zu unterstützen. Wir haben eine Umfrage vorbereitet, die der aktuellen „tarantel“ beiliegt. Über diesen Weg möchten wir ausloten, welche Möglichkeiten und Potentiale wir zur Verfügung haben, um den Ausbau des ökologischen Flügels in der Linkspartei zu forcieren. Auch wollen wir erkunden, wo Verbesserungen in unserer Arbeit notwendig sind bzw. erwartet werden und wer dabei mithelfen kann. Wir würden uns freuen, wenn Ihr Euch ein paar Minuten Zeit nehmt, um die Fragen zu beantworten und konkrete, konstruktive Verbesserungsvorschläge zu notieren. Wir werden die Antworten im Sprecher- und Koordinierungsrat sorgfältig auswerten und prüfen, was davon mit unseren Mitteln und Möglichkeiten umgesetzt werden kann, da wir alle ehrenamtlich arbeiten.
Der Klimawandel wird unumkehrbar die Zivilisation auf unserem Planeten in schwere ökologische Bedrängnis bringen und Werte in unvorstellbarem Ausmaß vernichten. Damit wird die ökologische Frage, d. h. die Erhaltung der Erde als Lebensgrundlage für die Menschheit - auch in der Öffentlichkeit - endgültig ins Zentrum der Politik im 21. Jahrhundert rücken. Ökologische Politik sichert mittel- und langfristig die soziale Balance.
Um so wichtiger ist es, dass wir als Ökologische Plattform unsere Verantwortung in vollem Umfang wahrnehmen. Teamarbeit ist notwendig, was kontroverse Debatten nicht ausschließt. Auch bisher wird die Plattform nicht nur von Mitgliedern der Linkspartei.PDS geprägt. Wir würden uns freuen, wenn noch mehr Aktive aus den Umweltverbänden etc. bei uns mitarbeiten und mitdiskutieren würden. Erfreulich ist auch, dass die Zusammenarbeit mit der vorwiegend parlamentarisch geprägten BAG Umwelt-Energie-Arbeit oft gelingt und einige auch in der Ökologischen Plattform aktiv mit-
wirken. Dort, wo Sachfragen im Mittelpunkt stehen, werden am Ende häufig zumindest kleine, gelegentlich auch größere Erfolge erreicht. Auch künftig wollen wir uns als Ökologische Plattform kontinuierlich in die Arbeit der Partei einbringen. Es muss versucht werden, die Arbeit auf zahlreichere Schultern zu verteilen und dabei insbesondere jüngere Mitglieder zu gewinnen - unser Erscheinungsbild und unsere Arbeitsweise sind darauf einzustellen.
Mit dem Zusammenschluss zu einer neuen Partei wurde unter anderem eine neue Bundessatzung ausgearbeitet, die die statuarische Grundlage nach dem 16. Juni bilden wird. Auch wir haben dazu viele Anträge diskutiert und einige Vorschläge für unserer Meinung nach notwendige Änderungen eingebracht. Die neue Satzung stellt unseres Erachtens allerdings keinen „großen Wurf“ dar. Es gibt zwar auch positive Aspekte - z. B. die Einführung des Mitgliederentscheids -, gerade aber hinsichtlich der parteiinternen Zusammenschlüsse (AGs und IGs) sind Veränderungen zum alten Statut von 1993 vorgenommen worden, die die Arbeit erschweren und den Stellenwert innerhalb der Partei stark mindern. Als Folge ergeben sich für uns außerdem umfangreiche bürokratische Aufwände. Aus dem Brief von Manfred Wolf im Auftrag des Sprecherrats, der Euch vor kurzem erreicht hat, ist das ersichtlich.
Wir hatten insgesamt 5 Anträge zur Satzung eingereicht (siehe tarantel Nr. 36), diskutiert hatten wir zahlreiche weitere. - Alle Änderungsanträge von uns, die das Statut betrafen, sind von der Antragskommission abgelehnt worden. Um wenigstens den Antrag bzgl. der Zuteilung von Parteitagsmandaten für AGs/IGs auf dem Parteitag auf die Tagesordnung stellen zu können, sammelten unsere Delegierten die erforderlichen 35 Unterschriften. Dieser Antrag fand aber auch auf dem Parteitag keine Mehrheit.
Schon vor drei Jahren stellte Halina Wawzyniak (zzt. stellvertretende Parteivorsitzende im Land Berlin) ein Papier vor, dass die Rechte der AGs und Plattformen neu fassen sollte (siehe Disput 1/2004). Damals wurden solche Vorstellungen einer engeren Reglementierung der AGs und Plattformen auf Grund des Ein

spruchs der AGs/IGs nicht umgesetzt. Im Rahmen der Diskussion um das neue Statut soll jetzt die WASG-Seite gegen den Fortbestand der AGs und Plattformen argumentiert haben, doch haben sich die beteiligten Genossen der Linkspartei.PDS ausreichend für die Zusammenschlüsse eingesetzt?
Als sich mit der Wende die SED/PDS und ihre verbliebenen Mitglieder Schritt für Schritt mit den Ursachen des Scheiterns auseinandersetzten, wurde nach Wegen gesucht, auf den verschiedensten Gebieten Ideen für eine Erneuerung zu entwickeln. Mit den Arbeitsgemeinschaften, Interessengruppen und Plattformen entstanden neue Formen politischer Betätigung. Sie wurden mit statuarischen Rechten und Mandaten ausgestattet, damit die Meinung der Mitglieder nie wieder unterdrückt und auch praktisch auf Parteitagen artikuliert werden kann. Die AGs und Plattformen haben sich in den anderthalb Jahrzehnten seit der Wende fest im Parteileben etabliert, wenn auch das Engagement nicht mehr so hoch ist wie am Anfang der 90er Jahre, weil damals auch bei vielen PDS-Mitgliedern noch die Illusion bestand, dass die demokratische Mitwirkung des einzelnen an der Gestaltung dieser Gesellschaft gewünscht sein könnte – und real die Möglichkeit auch in einem messbaren Umfang bestände. In der SED war es, wie wir aus unserer Parteigeschichte wissen, nicht möglich, sich in Gruppen zusammenzufinden, um eigene Vorstellungen zu entwickeln und zu artikulieren. Die Meinung der Mitglieder war unerwünscht, Basisdemokratie unbekannt.
Es will wahrscheinlich keiner zurück zur SED, doch wollen wir eine „stinknormale“ Volkspartei sein? Wie auch schon unter dem nach der Wahlniederlage von 2002 konstituierten Ausschuss zur Parteireform unter Michael Chrapa festgestellt wurde: Letztendlich kommt es darauf an, wohin sich die Partei entwickeln will/soll. Wollen wir eine Mitgliederpartei als Bewegung mit möglichst breit getragener Mitwirkung und Verantwortung sein oder soll es eine Funktionärspartei werden, bei der eine Elite bestimmt, welche Schwerpunkte gesetzt werden und wo es für das einfache Mitglied letztendlich nur darum geht, für die Mobilisierung der notwendigen Stimmen bei Wahlen zur Verfügung zu stehen?
Genau deswegen erfüllen uns diese Änderungen mit Sorge: Als Folge der neuen Satzung dürften reguläre Parteitagsmandate für fast alle AGs Geschichte sein. Es wird überwiegend Gastmandate ohne Rechte geben. Das neue Statut behandelt die Parteimitglieder ungleich. Es ist jetzt mindestens die Mitwirkung von 250 Mitgliedern der Partei in einer AG notwendig, um Mandate zu erhalten. Im Gegensatz zu den AGs wird bereits für rund 144 Mitglieder auf der kommunalen Ebene ein Mandat für den Parteitag vergeben. (bei ca. 72 000 Mitgliedern und 500 Mandaten). Hier muss eine Gleichbehandlung erfolgen, d. h. auch für die AGs und Plattformen – und übrigens zudem für die Jugendorganisation – sollte dieselbe Grundlage gelten Und die Mitgliederzahlen der meisten AGs und Plattformen liegen an der unteren Grenze. Unsere Partei weiß doch gut genug,
was solche Hürden bedeuten (siehe die angebliche „demokratische“ 5 % Klausel).
Eine weitere Forderung der Satzung an die AGs: Es müssen mindestens 0,5 % der Parteimitglieder (entspricht etwa 350) als Mitglieder eines Zusammenschlusses ausgewiesen werden, um bundesweit anerkannt zu werden (Ausnahmen sind möglich).
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind etwas über 100 Rückmeldungen auf den „Registrierungsbrief“ des Sprecherrats eingetroffen, die ihre Mitgliedschaft in der Ökologischen Plattform bei der Linkspartei bestätigt haben. Das reicht aber bei weitem nicht aus. Wir versuchen, soweit wir in Basisorganisationen Mitglieder sind, dort entsprechende Unterschriften zu sammeln und erhalten auch zahlreiche Unterstützung. Dies würden wir auch Euch ans Herz legen. Schließlich zählen auch Mitglieder, die als Sympathisanten der Ökologischen Plattform bzw. der bisherigen Organisationsstruktur mit AGs/IGs ihre Unterschrift geben, auch kann und muss nicht jeder in der Linkspartei für die ökologischen Belange werben – ein paar mehr Aktive wären aber sehr hilfreich. Denn was nützt die Einforderung von sozialer Gerechtigkeit, wenn die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit nicht mehr gegeben sind. – Aber hier gibt es bekanntlich noch viel zu tun, der unsägliche Wachstumsfetischismus um jeden Preis ist leider auch in der Linkspartei noch weit verbreitet.
Die Parteispitze möchte offenbar mit der Erfassung der Mitglieder der AGs ein objektives Kriterium für die Mandatsverteilung an die AGs erhalten. Ob dies durch die Unterstützungserklärungen für die AGs und Plattformen der Fall ist, darf bezweifelt werden. Unser abgelehnter Antrag zu diesem Punkt hätte unter anderem bedeutet, dass auch die Nicht-mehr-Parteimitglieder und Sympathisanten von denen z. B. auch wir zahlreiche in unseren Reihen haben, mitgezählt worden wären. Insofern wäre anzuraten, zukünftig wieder auf die bisherige Verfahrensweise bzgl. der Mandatserteilung zurückzugreifen. Eine solche Forderung sollten die AGs und Plattformen in ihrer Gesamtheit erheben.
Die bürokratische Verfahrensweise beim Erfassen der Mitglieder ist freilich keine Regelungdes Statuts. Gelingt eine Änderung im oben genannten Sinn nicht, ist aber unbedingt darauf zu dringen, dass der Aufwand zur Mitgliedererfassung zukünftig auf ein Mindestmass reduziert wird. Die Arbeitsgemeinschaften würden die Mitgliederabgänge und Zuwächse dokumentieren. Das ist ein Arbeitsaufwand, der realisierbar ist. Dies könnte vor jeder Wahl der Delegierten für einen neuen Parteitag erfolgen. Es kann aber nicht sein, dass erhebliche ehrenamtliche Ressourcen dadurch gebunden werden, dass jährlich neu gezählt werden muss. Zudem steht zu befürchten, dass die Zählungen später auch noch auf der Länderebene verlangt werden. Generell sollten auch in Zukunft alle Arbeitsgemeinschaften zumindest ein reguläres Mandat bekommen. Bei dieser Verfahrensweise wäre zu empfehlen, dass sich die AGs dafür stark machen, dass dann ihre Mitgliederlisten über den Verwaltungsapparat der Partei durch Abgleich mit den Mitgliederlisten der Kreisorganisationen autorisiert werden, damit nicht wieder die vielen Erklärungen von den Plattformmitgliedern eingeholt werden müssen.
Es soll hier noch einmal betont werden: Die Legitimation der AGs und Plattformen für Mandate ergibt sich aus unseren historischen Erfahrungen mit der DDR und der stalinistischen SED! Das sollte man nicht vergessen!
Im übrigen kann man nicht jedes Mitglied dazu verpflichten, kommunale Parteiarbeit über eine Basisorganisation zu leisten. Die Arbeit in den Zusammenschlüssen und der Jugendorganisation muss als gleichwertig anerkannt werden und könnte schon heute viel erfolgreicher sein, wenn dort mehr Initiative und Mittel durch die Partei investiert würden. Wie sieht es denn aus in vielen Basisorganisationen vor Ort, speziell im Ostteil? Die älteren Genossen wissen es selbst nur zu gut: Auf Grund der Altersstruktur und anderer Effekte sind Basisorganisationen kaum regenerationsfähig und die Mehrzahl wird im Laufe der Zeit verschwinden. Deshalb ist es notwendig, rechtzeitig dafür zu sorgen, alternative Formen und Möglichkeiten der Parteiarbeit aufzubauen.
Wir hatten anfangs diskutiert, ob wir diese Zählerei überhaupt mitmachen sollen. Aber letztendlich hilft eine Verweigerungshaltung hier nicht, weil wir zumindest versuchen wollen, weiterhin Delegierte zu stellen. Die Ökologische Plattform war z. B. über Jahre hinweg in der Antragskommission vertreten, Reden in der Generaldebatte wurden gehalten und wir konnten im Plenum Stellung zu unseren Anträgen nehmen. Auf diese Mitwirkungsmöglichkeiten wollen wir nicht kampflos verzichten. Und es steht die Frage im Raum, welche Entwicklungen sich für die AGs und Plattformen in der nächsten Zeit nach der Etablierung als neue Linke ergeben werden.
Im bisherigen Statut waren übrigens Arbeitsgruppen der parlamentarischen Vertreter keine Zusammenschlüsse im Sinne des Statuts. Diese Regelung ist ersatzlos weggefallen. Es ist keine Frage, dass Vertreter der verschiedenen parlamentarischen Ebenen den Meinungs- und Erfahrungsaustausch pflegen sollen und müssen, aber diese Gruppen erfüllen doch letzt-
endlich eine ganz andere Aufgabe als die klassischen AGs und Plattformen, die sich vorwiegend aus einfachen Basisgruppenmitgliedern zusammensetzen, die zwangsläufig eine andere – nicht so stark von den parlamentarischen Notwendigkeiten geprägte – Sichtweise auf die Probleme haben, auf die die Partei nicht verzichten sollte.
Möglichst alle basisdemokratisch denkenden Kräfte in der Partei und alle Arbeitsgemeinschaften sollten eine neue Statutenkommission fordern, da dieses Statut noch ein grosses Potential für Verbesserungsmöglichkeiten aufweist. Damit könnte man dann demokratische Strukturen zumindest stetig einfordern, wenngleich für eine Durchsetzung mehr notwendig ist. Neben der 50%igen Frauenquotierung - und diese wird trotzdem unterlaufen (die gegenwärtige Bundestagsfraktion hat da bei der Postenverteilung ja ein mustergültiges negatives Beispiel geliefert) - wäre es beispielsweise unbedingt notwendig, bei Parteitagen die Zahl der Funktionsträger und ihrer Mitarbeiter als Delegierte zu reduzieren, was wir u. a. auch als Antrag vorgeschlagen hatten. Denn die Parteitage verabschieden in der Regel die grundlegenden Dokumente und sollten schon zweifelsfrei die Meinung der einfachen Parteimitglieder widerspiegeln. In Berlin z. B. gab es auf dem Landesparteitag eine fast durchgehende Befürwortung für die Fortsetzung der Koalition mit der SPD, in der Basis war das Meinungsbild dagegen weitgehend geteilt, so dass eine Urabstimmung – wie vom Ehrenvorsitzenden Hans Modrow gefordert – wohl der einzige Weg gewesen wäre, wirklich demokratisch festzustellen, welche Auffassung die Mehrheit hat. - Aber hier ist auch jedes einzelne Mitglied gefordert: Jeder einzelne muss selbst entscheiden, ob er nicht z. B. auch als Delegierter auf einem Parteitag seine Meinung kundtun will. Man sollte es nicht immer wieder denselben, durchaus engagierten, aber dann manchmal vielleicht den Kontakt zur Basis verlierenden bzw. im parlamentarischen Betrieb eingeengten Funktionären, bequemerweise überlassen, diese Aufgabe zu übernehmen. Diese können sich natürlich besser darstellen. Dann braucht man sich aber auch nicht über die „da oben“ aufzuregen! Absolut unverständlich bleibt auch die Etablierung des Bundesausschusses. Es ist vorgesehen, dass dieser den Parteivorstand kontrollieren soll. Wieso ist dann aber festgelegt, dass 12 Mitglieder des Parteivorstandes involviert werden sollen und auch stimmberechtigt sind? Das widerspricht demokratischen Gepflogenheiten und – als gelernter DDR-Bürger drängt sich ungewollt die Assoziation von Politbüro und Zentralkomitee auf. Hier ist unbedingter Nachbesserungsbedarf vorhanden!
Ein anderer Punkt ist die Verfahrensweise mit Parteitagsanträgen: Es gibt die normalen Anträge, bei denen die Antragskommission nur Ablehnung oder Zustimmung durch die Delegierten auf dem Parteitag empfehlen kann oder die bei Zeitmangel auf der Tagung an den Parteivorstand überwiesen werden. Stellt man
aber z. B. zu Leitanträgen der Partei Änderungsanträge und lässt die Antragskommission diese durchfallen, dann können sie trotzdem auf die Tagesordnung gesetzt werden, wenn eine entsprechende Anzahl von Unterstützerunterschriften auf der Tagung des Parteitags von Delegierten gesammelt wird. Wer schon mal auf einem Parteitag Unterschriften gesammelt hat, weiß, wie schwer das ist. Warum wurde im neuen Statut die Zahl der dafür notwenigen Unterschriften von 35 auf 50 erhöht (zudem für Dringlichkeits- und Initiativanträge)? Basisdemokratie wird dadurch weiter erschwert. Überdies sollte man die Praxis abstellen, dass die Antragskommission auf dem Parteitag zu allen Anträgen empfiehlt, wie die Delegierten abstimmen sollen. Vielmehr sollte sie darüber aufklären, was die Unterschiede der jeweiligen Option bedeuten. Die Parteitagsdelegierten müssen sich objektiv ein eigenes Urteil zu den jeweiligen Anträgen bilden und sollen schließlich nicht einfach nur eine bereits bestehende Meinung einer Kommission - die durchaus begründet sein kann - bestätigen.
Es müssen auch unbedingt Regularien aufgenommen werden, die die zunehmende Ämterhäufung bei immer weniger Personen verhindern. Es ist richtig, dass wir nicht mehr so viele Mitglieder haben, aber keiner darf unersetzlich sein, und die Ämter müssen gesplittet werden, weil nur so innerparteiliche Demokratie gewahrt und die Mitverantwortung möglichst vieler Mitglieder aktiv eingefordert wird. Die Trennung von Regierungs- oder Parteiamt und Mandat muss eine Selbstverständlichkeit werden. Auch das Wechselverhältnis zwischen Fraktionen und Vorständen bedarf der Überprüfung. So sollen die Mitglieder der Partei- und der Landesvorstände zwar mehrheitlich keine Mandatsträger der oberen Ebene sein, aber wäre es nicht angeraten, diese Dopplung möglichst ganz zu vermeiden? Zu DDR-Zeiten gab die Partei (ZK, Bezirksleitungen usw.) vor, was die gewählten Volksvertreter zu tun hatten, heute scheint sich die Waage weitestgehend in die andere Richtung bewegt zu haben, da ja auch die Fraktionen mehr Finanzen haben. Ein Vorstand sollte zumindest unabhängig von der vom Parlamentarismus geprägten Fraktion sein. Und von den Abgeordneten darf man erwarten können, dass sie weitgehend die Meinungen der Parteibasis und der von Ihnen
gewählten Vorstände vertreten, denn schließlich werden Sie auch von Ihr aufgestellt. Im anderen Fall sollten sie ihre Mandate zurückgeben bzw. abgewählt werden. Das wäre der basisdemokratische Anspruch, den wir auch als Plattform vertreten.
Wir wollten hier nur unsere Bedenken und ein paar Vorschläge hinsichtlich der neuen Satzung zu Gehör bringen. Auf jeden Fall sollte man die Verbesserung des Statuts nach der Vereinigung nicht aus dem Auge verlieren. Paul Tiefenbach hat in seinem Buch „Die Grünen. Verstaatlichung einer Partei“ sehr deutlich darauf hingewiesen, welche Deformationen auch in alternativen Parteien auftreten. Dem muss produktiv entgegen gewirkt werden. Wir brauchen keine erstarrte Linke, sondern eine Linke die aus Fehlern lernt! Und wir brauchen Arbeitsgemeinschaften und Plattformen, deren Ideen und Engagement gewünscht und gefördert werden, die optimale Arbeitbedingungen haben und nicht immer mal wieder mit bürokratischen Auflagen bedacht werden. Also kämpfen wir gemeinsam!