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Erklärung des Bundestreffens der Ökologischen Plattform bei der PDS am 15.6.2002 in Lychen

Nur regionalisierte Wirtschaftskreisläufe bieten die notwendige Voraussetzung für eine schadstoffarme und letztlich schadstofffreie Nahrungsmittelkette - für Mensch und Tier

Der zügellose wachstumsorientierte Ausbau zentralisierter Versorgungsstrukturen durch Großanbieter von Futtermitteln, Saatgut, Pflanzenschutz- und Düngemitteln ist jedem Versuch, eine nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben, abträglich. Die industrialisierte und zentralisierte Landwirtschaft mit nicht artgerechter Massentierhaltung produziert Skandale am laufenden Band: Gifte im Trinkwasser, Fischsterben, Schadstoffe in der Nahrungsmittelkette wie jetzt Nitrofen, Rinderwahn, Schweinepest, Maul- und Klauenseuche. Alle scheinbar billigen Nahrungsmittel kommen alle teuer zu stehen, finanziell, ökologisch und gesundheitlich.

Ökologische Landwirtschaft ist die sinnvollere Agrarökonomie, weil sie Folgekosten spart. Doch wie der Nitrofenskandal zeigt, muss sich jede Form des Landwirtschaftens befreien von zentralisierten, teilweise europa- und weltweit agierenden Lieferanten von Futtermitteln, Saatgut usw.. Nur dezentral organisierte regionale Erzeugerringe sind in der Lage zu verhindern, dass mit gepanschten und mit Giften kontaminierten Produkten ein ganzes Land oder gar ein Kontinent überschwemmt werden kann.

Gegen die "selbstmörderische Sinnlosigkeit der modernen Landwirtschaft", wie der brasilianische Agrarfachmann und ehemalige Landwirtschaftsminister José Lutzenberger die industrialisierte Landwirtschaft charakterisierte, hilft nur radikales Umsteuern: 20 % ökologische Landwirtschaft bis 2010, wie von der Bundesregierung vorgesehen, können nur ein erster notwendiger Schritt sein - etwas weniger Selbstmord nützt wenig

Professor Arnim Bechmann, Chef des Zukunftsinstitut in Barsinghausen, hat schon 1993 errechnet, dass mit den Methoden des ökologischen Landbaus alle Menschen überall auf der Welt ernährt werden könnten. Es reicht auf unserer Erde grundsätzlich für jedermanns Bedürfnisse, es reicht freilich nicht für jedermanns Habgier. (Franz Alt in Publik Forum)

Als internationaler Solidarität Verpflichtete fordern wir weltweit die Stärkung der Regionalvermarktung statt einer Weltmarktintegration von Kleinbauern und Kooperativen, Alternativen zu Risikotechnologien wie Gentechnik und Einsatz von Pestiziden, Maßnahmen gegen internationale Biopiraterie - besonders deutscher und europäischer Konzerne

Wir fordern die Länder des Südens dabei zu unterstützen, ihre Fähigkeit wiederzuerlangen, die Ernährung aus eigenen Ressourcen zu sichern. Beim Import aus diesen Ländern fordern wir Vorzugskonditionen für die Erzeugnisse, die aus nachhaltigen kooperativen Wirtschaftsstrukturen stammen und die sozial und ökologisch den Standards des fairen Handels entsprechen

Durchschaubare Strukturen vom Erzeuger zum Verbraucher sind möglich, regional, und mit den genannten Einschränkungen und Schwerpunkten sogar global.


Erklärung des Bundestreffens der Ökologischen Plattform bei der PDS am 15.6.2002 in Lychen

Nachhaltige Entwicklung

Das Bundestreffen der Ökologischen Plattform hat sich auch mit Blick auf die Rio-Nachfolgekonferenz in Johannesburg mit dem Thema nachhaltiger Entwicklung beschäftigt. Die von der Bundesregierung vorgelegte Nachhaltigkeitsstrategie wurde kritisiert: Die Ziele der Energie-, Rohstoff-, Klima- und Verkehrspolitik sind unzureichend, um die Verpflichtungen der Bundesrepublik zum Klimaschutz zu erreichen. Ziele zur Kreislauf- und Abfallwirtschaft fehlen völlig und die Selbstverpflichtung, 0,33% des BIP für Entwicklungszusammenarbeit einzusetzen, liegt weit unter den Vorgaben der UNO. Bei vielen Indikatoren fehlen quantitative Zielvorgaben, bei den anderen sind die Instrumente nur grob skizziert und/oder die Vorgaben dokumentieren nur das, was zu der bisherigen Regierungspolitik passt. Notwendig wäre jedoch, zuerst die Ziele festzulegen und ausgehend davon und von der gegenwärtigen Situation die erforderlichen Schritte und Instrumente zu bestimmen.

Dem Anspruch an eine Nachhaltigkeitsstrategie werden allerdings auch die dokumentierten Absichten der PDS nicht gerecht: So finden sich insbesondere im Wahlprogramm ökologisch anmutende Formulierungen, die aber durch die allgemeine, unkritische Fixierung auf Wirtschaftswachstum konterkariert werden. Auch im Beschluss"Gerechtigkeit, Entwicklung, Integration &endash; für einen starken Osten" wird zum Beispiel im Widerspruch zu den Erfahrungen von Millionen Arbeitslosen und unterbezahlten Menschen die Steigerung der Massenkaufkraft als Schlüssel zur Schaffung existenzsichernder Arbeitsplätze angesehen. Die Vorschläge zur Verkehrs- und Infrastrukturpolitik ignorieren die bereits in der PDS erarbeiteten Verkehrskonzepte.

Insgesamt ist festzustellen, dass nicht einmal die kritischen Bemerkungen und Empfehlungen der Sachverständigen für Umweltfragen im Umweltgutachten 2000 berücksichtigt sind.