Ökologische Grenzen respektieren. Erklärung des Bundestreffens
der Ökologischen Plattform bei der Linkspartei am 10. und 11.
Juni 2006 in Wernigerode
Die TeilnehmerInnen diskutierten Grundsätze eines „Ökosozialistisches
Manifests“, das als Beitrag in die Debatte um ein Programm für
eine neue Linkspartei in Deutschland eingebracht werden soll. In diesem
Zusammenhang wurde auf die wachsenden Gefahren und Belastungen verwiesen,
die die sich verschärfende Umweltkrise für das Leben der
Menschen mit sich bringt. Die markantesten Anzeichen für diese
Krise, wie Verschmutzung der Atmosphäre und daraus resultierende
Klimaerwärmung nebst extremen Wettererscheinungen, Verknappung
und Verseuchung der Wasservorräte u. a. mehr treffen überall
auf der Welt zuallererst diejenigen, die keinerlei oder wenig Schuld
an der sich anbahnenden globalen ökologischen Katastrophe tragen.
Denn Schuld an dieser Entwicklung ist die kapitalistische Profitwirtschaft
in allen Industrieländern, auch dort, wo sie als soziale Marktwirtschaft
bezeichnet wird.
Seit einem halben Jahrhundert verschärft sich die Ausplünderung
und Verseuchung der Natur in einem Maße, dass Kriege um Erdöl
an der Tagesordnung sind, Militäreinsätze zur Sicherung des
Rohstoffnachschubs erfolgen, bald auch Kriege zur Sicherung der Wasserversorgung
wahrscheinlich werden. Im Interesse der ständigen Profitsteigerung
werden Rohstoffe mit immer höherem Energieaufwand gefördert,
was zu noch schnellerer Verseuchung der Erde und ihrer Atmosphäre
führt. In der Politik der Regierungen werden keine Auswege sichtbar.
Sie halten am Kurs Wirtschaftswachstum und Profitstreben um jeden Preis
fest und reagieren mit Sozialabbau und noch schärferer Ausbeutung
der unterentwickelten Länder. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte
zeigen, dass auf diesem Wege keine ökologische Wende möglich
ist.
Dieser Politik muss entschieden der Kampf angesagt werden. Die dringend
notwendige Umsteuerung ist nur mit rigoroser Einschränkung des
Ressourcenverbrauchs möglich und diese wiederum nur mit anderen
gesellschaftlichen Verhältnissen. Diese Einsichten müssten
Strategien, Programme und Politik aller gesellschaftlichen Kräfte
bestimmen. Leider ist das nicht so. Auch in der Linkspartei.PDS sind
Programm und „Programmatische Eckpunkte auf dem Weg zu einer
neuen Linkspartei in Deutschland“ noch zu sehr mit untauglichen
kapitalistischen Lösungsansätzen verbunden.
Im „Aufruf zur Gründung einer neuen Linken“ heißt
es: „Die Linke tritt für den ökologischen Umbau der
Industriegesellschaft ein: Um die Lebensgrundlagen künftiger Generationen
zu erhalten, müssen wir nachhaltig wirtschaften und mit der Atmosphäre,
dem Wasser und der Erde verantwortungsbewusst umgehen. Gerade die führenden
Industrienationen, die am meisten zur Verschmutzung von Luft und Wasser
beitragen, sind verpflichtet, ihren Umgang mit den natürlichen
Ressourcen zu verändern.“
Wenn das einmal Programm und Praxis werden soll, müssen grundsätzlich
andere Wege gegangen werden. Der Leitgedanke muss sein: Die Möglichkeiten
der Natur, menschliche Eingriffe zu absorbieren, sind begrenzt. Damit
ist der Rahmen für soziales und wirtschaftliches Handeln gesetzt.
Deshalb müssen die Völker selbst entscheiden, bis zu welchem
Umfang ihr eigener materieller Verbrauch für ein sinnerfülltes
Leben erforderlich ist und wo die Luxus- und „Müll“-Produktion
sinnlos und für ihr und ihrer Kinder Leben schädlich ist.
Sie dürfen die Entscheidung über wissenschaftlich-technische
und ökonomische Entwicklungen nicht den Konzernen überlassen.
Dann werden sie auch erkennen, dass alle Aufwendungen für Rüstung
und Krieg vermieden werden müssen. Regierungen, die dem nicht
Rechnung tragen, tragen zur Beschleunigung des Übergangs in die
globale Umweltkatastrophe bei, richten also großen Schaden für
ihre und andere Völker an und gehören deshalb schleunigst
abgewählt.