PDS/WASG Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2005, Umweltabschnitt
(Vorschlag der Ökologischen Plattform bei der PDS beschlossen
auf dem Bundestreffen in Berlin-Malchow am 12.6.2005)
Ökologisch Wirtschaften
Sozial-ökologische Strukturreformen stehen im Zentrum einer integrierten
Nachhaltigkeitsstrategie. Wir wollen jene Eigentums- und Machtstrukturen,
die einem ökologischen Wandel entgegenstehen, schrittweise verändern.
Wir werden regionale Wirtschaftskreisläufe stärken und das ökologischen
Wirtschaften fördern, mit dem Ziel, einen sehr viel höheren
regionalen Beitrag der Versorgung zu erreichen. Die PDS setzt sich
dafür ein, dass sowohl die Produktionsprozesse als auch die Produkte
selbst umweltverträglich gestaltet werden. Schon bei der Konzipierung
von Produkten sind Umweltziele zu fixieren. Die Hersteller sind zur
Produktinformation und -haftung sowie Wiederverwendung oder Entsorgung
zu verpflichten. Wir treten für dezentrale und umweltverträgliche
Abfallbehandlungsverfahren anstelle von Müllverbrennung ein. Der
Vermeidung von Abfällen geben wir den Vorrang vor der Verwertung
und Beseitigung. Dafür streben wir eine Verpackungs- und Werbesteuer
an.
Energiewende durchsetzen
Die globale Klimaerwärmung muss durch eine maximale Reduzierung
der Emissionen von Treibhausgasen gebremst werden. Die PDS strebt an,
bis 2050 alle Energien aus erneuerbaren Potentialen zu gewinnen. Die
PDS setzt sich für eine ökologisch gewichtete Primärenergiesteuer
ein. Umweltverträgliches Handeln, Einsparung von Energie und Ressourcen
sollten finanziell belohnt und unzuträgliches Verhalten belastet
werden. Dabei sind die sozialen Fehlwirkungen der gegenwärtigen Ökosteuer
zu korrigieren. Wirtschafts- und Forschungssubventionen sind ökologisch
auszurichten.
Die PDS setzt sich dafür ein, das Erneuerbare-Energien-Gesetz
in vollem Umfang zu erhalten und Hemmnisse zur Breiteneinführung
der erneuerbaren Energien wirkungsvoll abzubauen, weil ohnehin die
nuklearen und fossilen Brennstoffe in der nächsten Generation
zur Neige gehen. Die Potentiale von Windkraft, Erdwärme, Wasserkraft,
Biomasse und Photovoltaik sind bei verbessertem Energiemanagement in
der Lage, auch Grundlastkapazitäten abzudecken. Bei der Wärmebereitstellung
gibt es erhebliche Möglichkeiten von der Solarthermie bis zur
Holzhackschnitzelanlage. Wir unterstützen Kraft-Wärme-Kopplung
und Nahwärmenetze.
Die PDS fordert den kurzfristigen Ausstieg aus der Atomenergie. Sie
lehnt den Neubau von Atomkraftwerken, den Export von AKW-Technik und
die Wiederaufarbeitung atomarer Brennstoffe sowie die damit verbundenen
Atommülltransporte ab. Bei der Auswahl eines Endlagers für
Atommüll müssen Sicherheitskriterien höchste Priorität
haben. Gorleben wird diesem Anspruch nicht gerecht. Die potentiellen
Gefährdungen durch schwach radioaktive Abrißstoffe, z.B.
im Straßenbau, müssen beseitigt werden. Sie wurden jedoch
durch die unter Rot-Grün beschlossene Abschwächung der Strahlenschutzverordnung
noch verstärkt.
Im gesamten Energiesektor sind Entflechtungen bei Erzeugern und Netzbetreibern
sowie eine wirksame und demokratische Energieaufsicht und –regulierung
notwendig. Die regionale und kommunale Energieversorgung ist zu stärken.
Verkehrswende herbeiführen
Der öffentliche Personenverkehr muss erheblich verbilligt und
ausgebaut und den sozialen und kulturellen Bedürfnissen angepasst
werden. Die Deregulierung und Privatisierung im öffentlichen Nahverkehr
sind zu stoppen und umzukehren. Das Streckennetz der Bahn muss wieder
ausgebaut werden. Die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene
und die vorhandenen Wasserwege ist geboten. Die Subventionen für
den klimaschädigenden Flugverkehr müssen gestrichen werden.
Flugbenzin ist endlich zu besteuern. Die PDS fordert, das Beschleunigungsgesetz
für die Verkehrswegeplanung abzuschaffen. Mit der Verkehrs-, Struktur-
und Regionalplanung ist eine Strategie der kurzen Wege durchzusetzen.
Die Nutzung umweltfreundlicher, wenig lärmender und verschmutzender
Verkehrsarten sollte steuerlich gefördert werden. Der Dieselfilter
ist innerhalb der nächsten Legislaturperiode durchzusetzen.
Naturschutz verbessern
Luft, Boden und Wasser sind vor schädlichen Einträgen zu
bewahren. Wir unterstützen deutschland- und europaweit die Entwicklung
eines zusammenhängenden Schutzgebietssystems zur Bewahrung des
Artenreichtums. Rahmenrichtlinien, die den Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft
und den Schutz von Wasser, Boden und Luft befördern, sind schnell
und konsequent umzusetzen. Flankierende Förderinstrumente für
den Schutz von Natur und Landschaft sollen ausgebaut und verstärkt
werden, so z.B. das Programm LIFE Nature und die Programme für
FFH- und Vogelschutzgebiete.
Geeignete Maßnahmen sind zu ergreifen, um den Flächenverbrauch
für Infrastruktur drastisch zu reduzieren und die Böden zu
entsiegeln, wo dies möglich ist. Einen weiteren technischen Ausbau
von Flüssen lehnen wir ab. Natürliche Überschwemmungsgebiete,
die Hochwässer aufnehmen und speichern können, sind von Bebauung
freizuhalten und nach Möglichkeit zurückzugewinnen.
Land- und Forstwirtschaft ökologisch gestalten
Der Übergang zu ökologischem Land- und Waldbau ist dringend
geboten. Der Einsatz von Nährstoffen und Pestiziden muss auf ein
Maß reduziert werden, welches Gesundheitsschäden für
Mensch und Tier und ökologische Schäden vermeidet. Freiwillige ökologische
Leistungen beim Landbau, die über diese Mindestanforderungen hinausgehen,
sollten finanziell gefördert werden. Alle Tiere sind in Haltungssystemen
unterzubringen, die sich an der natürlichen Lebensweise der Tierarten
orientieren. Leistungsförderer und Antibiotika gehören nicht
ins Tierfutter. EU-Landwirtschaftssubventionen sind kritisch zu hinterfragen
und stärker auf nachhaltige Produktionsmethoden auszurichten.
Steuern auf Pestizide und Mineraldünger können zur Verbesserung
der Marktfähigkeit ökologisch angebauter, gesunder Lebensmittel
eingesetzt werden.
Den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft lehnen wir ab. Gentechnisch
veränderte Kulturpflanzen und Nahrungsmittel können unkalkulierbare
Folgen für die Biosphäre und die Gesundheit haben und bergen
große Risiken für die Bauern. Die PDS unterstützt die
Schaffung gentechnikfreier Zonen. Die Sicherheitsforschung ist auf
einem völlig unzureichenden Stand. Für ökologische und
wirtschaftliche Schäden durch die Gentechnik sind nicht nur die
unmittelbaren Verursacher heranzuziehen, sondern vor allem Hersteller
und Entwickler. Die Kennzeichnungspflicht von gentechnischen Bestandteilen
ist bis auf die Nachweisgrenze zu senken. Sie hat auch für Lebensmittel
zu gelten, die von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten
Futtermitteln gefüttert wurden. Wir lehnen die Patentierung von
Lebewesen und Genen ab.
Umweltbewusstsein entwickeln
Für Umweltorganisationen streben wir mehr demokratische Planungs-,
Kontroll- und Einspruchsrechte an. Dem Ausbau der Umweltbildung messen
wir große Bedeutung bei. Ökologische Zukunftsfragen sind
ein zentrales Anliegen der Bildung und Ausbildung und sollten eine
Querschnittsaufgabe im Unterricht sein.