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Klima- und Hochwasserschutz
Beschluss der 1. Tagung des
8. Parteitages der PDS, Gera 12./13.10.2002
Die PDS hat sich konstituiert als die Partei des Friedens, der sozialen
Gerechtigkeit und der Gleichstellung der Geschlechter – als antikapitalistische
Partei. Die PDS setzt sich aus diesem Grund mit gleicher Kraft für
einen grundlegenden ökologischen Umbau der Gesellschaft ein. Angesichts
des beginnenden Klimawandels, des weltweiten Artensterbens, der Vernichtung
unwiederbringlicher Naturschätze oder des Raubbaus und der Übernutzung
natürlicher Ressourcen ist es eine Überlebensfrage, die natürlichen
Lebensgrundlagen weltweit und natürlich auch in Deutschland zu
schützen bzw. wieder herzustellen. In diesen Auseinandersetzungen,
die eine hohe soziale Relevanz haben, gilt es, das Profil der PDS deutlich
zu schärfen.
Die Hochwasserkatastrophen dieses Sommers in Deutschland, Tschechien, Österreich
und China haben Menschenleben gefordert, gewaltige Schäden hinterlassen
und Existenzen vernichtet. Es ist sicher, dass die Eingriffe des Menschen
in den Lauf der Flüsse und die Versiegelung der Böden die
Auswirkungen dieser Katastrophen verschärfen. Es ist weiterhin
sicher, dass der hauptsächlich durch den Menschen verursachte
Klimawandel Hochwässer begünstigt, und es liegt nahe, dass
der begonnene Klimawandel auch Einfluss auf die diesjährigen Hochwässer
gehabt haben könnte. Aus diesen Gründen fordert die PDS Ziele
und Schritte zur drastischen Verminderung des Ausstoßes von Klimagasen
und zur Abmilderung der Folgen des Klimawandels, insbesondere beim
präventiven Hochwasserschutz. Sie fordert konkret:
1. die Reduktion der Klimagasemissionen in Deutschland bis 2050 um
80 bis 90 Prozent, damit weltweit eine Reduzierung um mindestens 50
Prozent möglich wird und gleichzeitig arme Staaten einen Entwicklungsspielraum
bekommen. Die Bundesregierung wird aufgefordert, das eigene Klimaschutzziel
von 25 Prozent weniger CO2 bis 2005 gegenüber 1990 einzuhalten
und bis 2020 die Emissionen aller Klimagase, ausgedrückt in CO2-Äquivalent,
um 40 Prozent zu reduzieren.
2. die Einleitung einer Verkehrswende mit
den Bestandteilen:
-
Vermeidung und Verminderung der Verkehrsströme
durch Regionalisierung von Wirtschaftskreisläufen sowie durch
Anreize zu Verhaltensänderungen,
Ausbau des ÖPNV und der Bahn in der Fläche,
-
Verlagerung
der Straßentransporte auf die Schiene und den ökologisch
verträglichen Wassertransport,
-
Einführung der
Flugbenzinbesteuerung auf europäischer
Ebene,
-
nachvollziehbare und konsequente ökologische
Bewertung aller neuen Verkehrsbauten innerhalb eines
neuen Bundesverkehrswegeplanes.
3. bis zum Jahr 2050 die Stromproduktion vollständig
auf der Basis erneuerbarer Energien zu realisieren und
den Primärenergieverbrauch überwiegend
auf regenerative Energieträger umzustellen.
Die PDS ist zudem für einen schnellstmöglichen
Ausstieg aus der Atomwirtschaft. Auf dem Weg zur
Solarwirtschaft werden Kohle und Gas weiterhin ihren
Platz haben. Dabei sind insbesondere Brückentechnologien,
wie die Kraft-Wärme-Kopplung und hocheffiziente
GuD-Anlagen zur fördern.
Für die Industriestaaten muss die permanente
Energieeinsparung Grundlage jedes Energiemixes sein.
Dabei sind neben den Einsparungen
im Verkehrsbereich insbesondere die Wärmedämmung
und die Erhöhung der Energieeffizienz in
anderen Anwendungen sowie in der Energieumwandlung
notwendig.
4. eine Neugestaltung der Ökologischen Steuerreform (ÖSR).
Diese muss folgende Kernpunkte beinhalten:
-
Ein sozialer Ausgleich für untere Einkommensgruppen
muss selbstverständlicher
Bestandteil jeder ökologischen Steuerreform sein.
Die soziale Abfederung der Ökosteuern soll über
Instrumente wie Steuerermäßigungen
für niedrige Einkommen, Finanzierungszuschüsse
für Job-
und Arbeitslosentickets sowie für Energiesparinvestitionen
im Haushalt, die Verbilligung der BahnCard und Ausweitung
der Wochenend-Tickets,
Bafög-Erhöhungen, Heizölzuschüsse,
Wohngelderhöhungen
sowie über die Erhöhung der Regelsätze für
Sozialhilfe u.a.m. zu erfolgen.
-
Die Einnahmen aus der Erhebung
von Ökosteuern sind zur Finanzierung
eines ökologischen Umbauprogramms zu verwenden.
An den Einnahmen des Bundes sind die Länder und
Gemeinden so zu beteiligen, dass größtmögliche
Effekte für den ökologischen
Umbau und für die Schaffung von Arbeitsplätzen
entstehen.
-
Regenerative Energien sind von der Ökosteuer
systematisch zu befreien, auf Atomenergie ist ein Risikozuschlag
zu
erheben
-
innerhalb der europäischen Union ist eine
EU-weite Besteuerung von Primärenergieträgern
anzustreben, die mittelfristig die jetzige Besteuerung
von einzelnen
Energieerzeugnissen ersetzt. Somit
wirken die Kosten dieser Steuer wettbewerbsneutral
durch alle Wirtschaftsbereiche, womit der ökologische
Lenkungseffekt der ÖSR deutlich erhöht
wird.
-
Alternativ zur Primärenergiesteuer wäre
auch eine Mengenregulierung auf europäischer Ebene
denkbar, die mittels einer Limitierung von Verkaufsrechten,
z.B. bei Raffinerien, Gasimporteuren und Kohlegroßhändlern, ähnliche
Effekte wie eine Primärenergiesteuer erzielen könnte.
5. jede weitere Begradigung und Kanalisierung von
Flüssen und
Strömen abzulehnen. Die Binnenschiffe müssen an die Flüsse
angepasst werden und nicht umgekehrt die Flüsse immer stärker
ausgeschachtet werden, damit sie von immer größeren Kähnen
befahren werden können. Insbesondere sind die Pläne für
einen Ausbau der Elbe, wie sie von Bundesverkehrsminister Bodewig auch
nach der Flutwasserkatastrophe gefordert wird, abzulehnen. Die Ausbaupläne
bzw. -maßnahmen an Saale, Havel und Oder sind
zu stoppen.
6. einen
neuen Ansatz in der Hochwasserprävention. Natürliche Überschwemmungsgebiete,
die Hochwässer aufnehmen und speichern können, sind von Bebauung
freizuhalten und nach Möglichkeit zurückzugewinnen. Ein Programm
zur Renaturierung von Fließgewässern, ein Auwaldprogramm
sollen dies unterstützen. Die entwaldeten Berghänge längs
der tschechischen Grenze zu Deutschland sollten gemeinsam mit unserem
Nachbarland soweit wie möglich wieder aufgeforstet werden. Das
Bundesnaturschutzgesetz und das Bodenschutzgesetz sind so zu novellieren,
dass als Steuerungsmittel Entsiegelungsgebote für nicht mehr benötigte
Flächen und Versiegelungsabgaben bei der Bebauung von bisher unversiegelten
Flächen möglich werden. Der Kiesabbau in Talräumen und Überschwemmungsgebieten
ist zu unterbinden, um dem Wasser nicht weitere Versickerungsmöglichkeiten
zu entziehen. Einkaufsflächen auf der grünen Wiese sind grundsätzlich
in Frage zu stellen – sie bedeuten nicht nur weitere groß angelegte
Versiegelungen; mit ihnen werden gleichzeitig Einkaufsmöglichkeiten
im Nahbereich und die damit verbundenen Arbeitsplätze zerstört,
gleichzeitig werden damit zusätzliche Verkehrsleistungen induziert.
Notwendig ist zudem eine Beseitigung bzw. Stillegung von Industrieanlagen,
Deponien und Endlagern sowie Kernkraftwerken in überschwemmungsgefährdeten
Gebieten.
(auf Antrag der Ökologischen Plattform und anderer ökologisch
motivierter PDS-Gliederungen)
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