atomstopp

Petition für AKW-Haftpflicht gestartet

Pressemittteilung, 1.2.2018 des Vereins atomstopp – atomkraftfrei leben (http://www.atomstopp.at/petition)

Genau drei Jahre nach Übergabe von gut 15.000 Unterschriften für eine angemessene Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke in Europa startet atomstopp_oberoesterreich erneut eine Petition an das Europäische Parlament.

„Es ist völlig unverständlich, dass sich die Europäische Kommission drei Jahrzehnte nach Tschernobyl und fünf Jahre nach Fukushima immer noch nicht zu einer angemessenen Haftpflichtversicherung für alle Reaktoren in der EU durchringen kann. Dabei ist die Notwendigkeit dieser Maßnahme eigentlich jedem klar. Wie sich bei der Diskussion in den Jahren nach Fukushima gezeigt hat, ist auch die Kommission durchaus dieser Überzeugung. Aber offensichtlich ist sie nicht in der Lage, diese Überzeugung gegenüber der Atomlobby durchzusetzen! Das ist äußerst fahrlässig, weil zum Schaden für die europäischen Bürgerinnen und Bürger!“,

kommentieren Gabriele Schweiger und Roland Egger, SprecherInnen von atomstopp_oberoesterreich, ihren erneuten Vorstoß.
Das EU-Recht sieht vor, dass jede BürgerIn jederzeit, allein oder zusammen mit anderen Personen, eine Petition an das Europäische Parlament richten kann.

„Dieses Recht nehmen wir wahr. Wir stellen damit an unsere direkt gewählten VolksvertreterInnen die Forderung, den Druck Richtung Europäische Kommission in Sachen Haftpflicht für Atomkraftbetreiber zu erhöhen und die eingeschlafene Diskussion wieder zu befeuern. Alle, die das auch so sehen, sind herzlich zur Mitunterzeichnung eingeladen!“,

so Schweiger und Egger weiter.

„Dass die Bereitschaft grundsätzlich hoch ist, die Versicherungssummen für einen AKW-Schadensfall endlich an die real zu erwartenden Kosten anzupassen, ist logisch, weil plausibel untermauert. Die Berechnungen dafür wurden auf solider Basis erstellt, es war die französische Gesellschaft für Reaktorsicherheit, die aus den Erkenntnissen von Fukushima einen zu erwartenden Schaden von weit über 400 Milliarden Euro ermittelte! Völlig aus der Luft gegriffen erscheinen vor diesem Hintergrund die lächerlichen Beträge, mit denen sich alle Atomreaktorbetreiber derzeit für hinreichend versichert halten: Das reicht von nur 2,5 Milliarden für alle Anlagen in Deutschland zusammen bis noch weiter hinunter zur unfassbar geringen Maximalhöhe von 91 Millionen Euro für Frankreich!“,

fassen Schweiger und Egger zusammen.

„Wir erwarten, dass die Europäische Kommission endlich ernsthaft zu einer angemessenen Regelung findet! Das würde gleich zwei erstrebenswerte Effekte haben: Zum einen werden die Atomkonzerne gezwungen, ihre Kostenrechnung zu korrigieren, und zum anderen kann die Bevölkerung im Falle eines Reaktorunfalls zumindest finanziell schadlos gehalten werden. Dem Verursacherprinzip muss unbedingt Rechnung getragen werden!“,

so Schweiger und Egger abschließend.

Mahnfahrt Fukushima-nie-vergessen

Liebe Anti- Atom- Engagierte, liebe Freunde und Bekannte.

Wir, die Inititative Fukushima-nie-vergessen e.V. (klick) aus Freiburg im Breisgau sind im Dreiländereck Frankreich / Schweiz / Deutschland speziell mit den maroden Atommeilern in Beznau (CH) und Fessenheim (Frankreichs ältestem Atommeiler) konfrontiert.

Am 24.4.16 werden Inititativ-Gruppen hier am Oberrhein mit Aktionen auf den Rheinbrücken Deutschland-Frankreich (klick) an die Reaktorunfälle in Tschernobyl und Fukushima erinnern und die sofortige Schließung von Fessenheim und aller AKW’s fordern.

Im letzten Jahr waren wir bereits mit dem Motorboot unterwegs (klick). Dabei ging es darum, die Bürger rheinabwärts über eine „mögliche radioaktive Welle“ und Verseuchung des Rheins nach einem „SUPERGAU“ im AKW in Fessenheim zu informieren mit dem Ziel: das AKW Fessenheim sofort abzuschalten.

Unsere Petition mit hunderten von Protestbriefen der BürgerInnen an den französischen Staatspräsidenten Holland sollte dieser Forderung Nachdruck verleihen, da Holland die Abschaltung des AKW in Fessenheim während seiner Amtszeit zugesagt hatte. (Bilder dazu auf unserer Internetseite – klick).

Die positiven Erfahrungen 2014 mit dem Boot und den Aktionen in den Städten haben uns dazu ermutigt, in diesem Jahr mit dem Motorboot nach Berlin zu fahren.

Start

ist am 24.4.2016 mit der Fahrt von Fesenheim zur Brücke Breisach (klick zur Karte). Wir rechnen mit 4 Wochen Fahrzeit.
UND WIR KOMMEN auch bei Ihnen/Euch VORBEI. (siehe: Fluss-Karte und Zeitplan – klick)

Wir laden euch ein,

  1. uns eure Sorgen und Forderungen auf die Reise nach Berlin mitzugeben,
  2. eure Ideen einzubringen und
  3. euch mit eigenen Aktionen zu beteiligen.

Wir würden uns freuen, wenn unterwegs Kontakte und Aktionen entstehen würden, d.h. – gerne könnt ihr unsere Boots-Aktion in eurer Stadt zum Anlass für lokale Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen nehmen und die optische Wirkung unserer Bootsaktion einbauen – einzelne Personen können einen oder mehrere Tage auf unserem Boot mitfahren. Unser Boot hat 6 Schlafplätze und Raum für bis zu vier „Tages-MitfahrerInnen.

Die Bootsfahrt trägt sich selbst und wird finanziert durch die MitfahrerInnen (20-25€/Tag, zuzüglich Selbstverpflegung) sowie durch Spenden.

Die Mitfahrt soll möglichst nicht an den Kosten scheitern. Aktionen vor Ort müssen von den Initiativen selbst getragen werden.

Wir hatten überlegt, auf der Strecke nach Berlin einige inhaltliche Schwerpunkte zu setzen (siehe: Termin- und Aktionsplan – klick).
Dies könnten wir aber nur mit lokalen Gruppen gemeinsam realisieren.

Vielleicht gibt es ja auch andere Ideen. Eine Petition mit dem Boot mitzunehmen, geht immer! Wir freuen uns, von euch zu hören, und hoffen, dass unsere Aktion bei Euch auf Resonanz stößt.

Um eine weitere Planung zu ermöglichen, bitten wir euch, uns eine Rückmeldung zu geben,

  1. was ihr von unserer Aktion haltet,
  2. ob ihr die Aktion nutzen und euch beteiligen wollt.

Auch wenn ihr noch nicht genau wisst, wie Eure Pläne/Beteiligung aussehen kann, sind wir für eine Rückmeldung (klick zum Formular) dankbar.
Euch allen erstmal alles Gute für eure eigenen Aktionen.

Mit freundlichen Grüßen
Michael, Wolfgang, Uwe, Ria und Jörg
Fukushima-nie-vergessen Planungsgruppe Mahnfahrt Berlin

Spendenkonto:
IBAN DE06 6809 0000 0037 8888 00
BIC: GENODE61FR1
Fukushima-nie-vergessen e.V.
Verwendungszweck: „Mahnfahrt Berlin“

Atomianer wieder aktiv

Wir veröffentlichen hier das

Flugblatt der „Atomianer“

Können Sie Mittelhochdeutsch?

Verstehen Sie die Sprache der Minnesänger oder können Sie sogar so sprechen?
Diese Sprache wurde in unserem Kulturraum vor ca. 800 Jahren gesprochen.

Beispiel: Diu vil michel ere was da gelegen tot – bedeutet:
Vom Tode war verschlungen die alte Herrlichkeit.

In welcher Sprache und mit welchen Zeichen sollen die Menschen nach uns vor dem „Todesmüll“, den wir ihnen hinterlassen, gewarnt werden?

Orden der Atomianer

Diese kleine Vorstellung hier ist eine Fiktion, aber eine mit einem sehr realen Hintergrund in Anlehnung an den Vorschlag von Experten. Die wollen aufgrund ihrer Ratlosigkeit im Umgang mit dem Atommüll – für den es weltweit keine sichere Endlagerung gibt – das Problem der Verständigung über etwa eine Million Jahre durch eine „Priesterschaft des Atommülls“ lösen!
(Ewiges Feuer, Spiegel spezial, Nr. 7 (1995) (klick);
Radio-Feature „Countdown für die Ewigkeit – Atommüll als Kommunikationsproblem“ ,Reinhard Schneider, DLF 30.12.2003)

Wer soll die Sicherheit vor dem hochgiftigen Atommüll für mindestens eine Million Jahre sicherstellen? Wer soll das Wissen über unzählige Generationen, Kulturen und Sprachen hinweg bewahren?
Das kann nach Meinung von Wissenschaftsexperten nur durch eine hochmotivierte „Priesterschaft des Atommülls“ geleistet werden. Die Zeit drängt.
Bevor der Atommüll zum ersten Mal auf diesem Globus in einem „Endlager“ deponiert werden kann, muss diese „Priesterschaft“ mit allem dazugehörenden Wissen versehen werden, denn sie soll ja von Anfang an

  • auf die Gefahren des todbringenden Atommülls hinweisen,
  • den Atommüll bewachen,
  • Sicherheitsmängel bemerken,
  • Reparaturen durchführen,
  • durch ständige Forschungstätigkeit die Menschheit vor dem Untergang retten und das Weiterleben alles Lebendigen auf dieser Erde überhaupt möglich machen und
  • durch Ernennung neuer Mitglieder das Überleben des Ordens auf ewige Zeiten sichern.

Am Vorabend des Untergangs der Menschheit haben wir wenigstens in einem Land der Erde diese Priesterschaft gegründet und sind nun auf der Suche nach weiteren Ordensmitgliedern. Treten Sie ein in den

Orden der Atomianer!

Bild: Atomianer im Wendland

Information/Koordination:
www.attac-netzwerk.de/wendland/atomianer (klick)wendanix@t-online.de (klick); Tel.: 02566-9709087

Die Katastrophe hat schon begonnen! Werden Sie aktiv! – Unsere „Politiker“ muten uns täglich das atomare Inferno zu. Halten Sie die Atomenergie für verantwortbar und mit den Menschenrechten vereinbar? „Atomianer wieder aktiv“ weiterlesen

bundesweite Atommüllkonferenz

Der Asse-II-Koordinationskreis, die BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, die Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD und die BI Morsleben laden wieder herzlich zur nächsten bundesweiten Atommüllkonferenz.

31.08. 2013 Sonnabend 11.00 – 17.00 Uhr
Volkshochschule Kassel, Wilhelmshöher Allee 19- 21, 34117 Kassel

Widerstandsmarathon – Atomanlagen Gorleben

Am 24.08.2013 starten wir im Landkreis unsere Sommeraktion. Vierundzwanzig Stunden lang werden wir die Atomanlagen in Gorleben umkreisen und vier Wochen vor der Bundestagswahl noch einmal daran erinnern, dass wir den
längeren Atem im Gezerre um Gorleben haben werden.

24.-25.08.2013/ 13 – 24h

Einen ersten Ablaufplan und laufend aktualisierte Informationen findet ihr unter :
http://www.bi-luechow-dannenberg.de/?page_id=28

Diskussionsveranstaltung mit Direktkandidat_innen zur Bundestagswahl 2013

Das Anti-Atom- Bündnis Berlin Potsdam und die Regionalgruppee Berlin vom IPPNW laden ein zur Diskussionsveranstaltung mit Direktkandidat_innen zur Bundestagswahl 2013

Themen:

Der Forschungsreaktor BER II (Helmholtz Zentrum Berlin, HZB) und die Landessammelstelle

Termin

am 15. August 2013, Donnerstag 19:30

Ort:

Scheune von Mutter Fourage, Chausseestr. 15a, 14109 Berlin- Wannsee
Anfahrt: Bus 118 oder 316 bis Rathaus Wannsee

EURATOM-Fachgespräch

Auflösung von EURATOM – Gründe, Möglichkeiten und Alternativen

Fachgespräch der Bundestagsfraktion DIE LINKE.

Berlin, Europahaus (Pressesaal)
Unter den Linden 78, 10117 Berlin
20. März 2012, 18-20 Uhr

Mit
Patricia Lorenz (Friends of the Earth, Initiatorin der Kampagne zur Abschaffung des EURATOM-Vertrages),
Kerstin Rudek (Vorsitzende der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg),
Uwe Hiksch (Stellv. Vorsitzender der NaturFreunde Deutschlands),
Alexander Ulrich (MdB, DIE LINKE)

Moderation:
Sabine Wils (MdEP, DIE LINKE)

Die finanzielle und politische Förderung der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM) ist längst nicht mehr zu verantworten. Seit Jahrzehnten steckt die EU Milliardenbeiträge nicht etwa, wie immer wieder behauptet wird, in den Strahlenschutz oder in die Verbesserung der Sicherheitsstandards von AKWs. Das meiste Geld des EURATOM-Budgets fließt in die Erforschung der Kernspaltung und Kernfusion sowie in den Bau neuer Reaktoren. Damit wird der Ausbau einer Hochrisikotechnologie gefördert, die inzwischen von der Mehrheit der EU-Bevölkerung ganz klar abgelehnt wird.

Das europäische Uraltgestein EURATOM, durch den der europaweite intelligente Ausbau Erneuerbarer Energien gehindert wird, muss endlich abgeschafft werden! In unserem Fachgespräch wollen wir mit Expertinnen und Experten der Antiatomkraftbewegung diskutieren, welche Projekte momentan durch EURATOM finanziert werden, wie die rechtlichen und politischen Möglichkeiten aussehen, den Vertrag aufzulösen und welche Grundlagen geschaffen werden könnten, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Europa voranzutreiben.

Anti-Atomkraft-Demo am Ostermontag in Gronau

Mehr als 15 000 Atomkraftgegner kamen am Wochenende (25. April 2011) zum Ostermarsch nach Gronau. Unter ihnen auch viele LINKE-Mitglieder aus dem Kreis Borken, aus ganz NRW sowie den benachbarten Niedersachsen. Aber auch aus den Niederlanden waren zahlreiche Atomkraftgegner angereist. In lautstarken Sprechchören forderten sie immer wieder „Abschalten“. Hamide Akbayir, Mitglied der Landtagsfraktion DIE LINKE. NRW, erzählte während des fünf Kilometer langen Fußmarsches zur Urananreicherungsanlage über die Initiativen und Aktivitäten der LINKEN im Düsseldorfer Landtages im Bezug auf die Atomanlagen im Kreis Borken. Am Ende der fast fünfstündigen Groß-Veransaltung hat sich gezeigt, dass die Anti-Atomkraft-Bewegung lebt und ganz sicherlich erfolgreich sein wird.

Atomkraft ist ein Desaster

Interview mit Wolfgang Ehmke

Es geht um Milliarden-Profite: Energiekonzerne benutzen die Klimaschutzdebatte, um den Ausstieg aus der Kernkraft zu verhindern. Doch mit den jüngsten Protesten gegen die Castor-Transporte hat auch der Widerstand der Anti-Atom-Bewegung zugenommen. Wolfgang Ehmke, Mit-Organisator der Proteste im Wendland, im Gespräch mit marx21

marx21: Mit insgesamt rund 16.000 Teilnehmenden waren die Anti-Atom-Proteste Anfang November im niedersächsischen Wendland so groß wie schon lange nicht mehr. Woran lag das?

Wolfgang Ehmke: Es kommen verschiedene Faktoren zusammen. Zum einen trommelt die Atomwirtschaft schon seit Monaten unter wechselnden Überschriften für die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. Roboterhaft wiederholt – nicht nur – Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), Atomstrom sei ein Beitrag zum Klimaschutz. Die Versuche, eine Renaissance der Atomkraft herbei zu schreiben, werden permanent fortgesetzt, gerade muss ein Ex-Greenpeace-Mann als „Zeuge“ für diese kruden Versuche herhalten. Ich spreche von Patrick Moore. Man kann das medial sogar verorten: „Focus“, „Zeit“ und „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, aber auch der „Spiegel“ warten im Permanenz mit diesen Thesen auf.
Dann aber wurde regierungsoffiziell eingestanden, was wir schon lange wissen: Die beiden Atommülldeponien Asse II und Morsleben sind havariert. In der Asse strömen seit 1988 täglich 12 Kubikmeter Wasser aus dem Deckgebirge ein, die Lauge hatte eine Einlagerungskammer erreicht und die kontaminierten Wässer wurden illegal verpresst. Rund 126.000 Fässer mit Atommüll liegen dort drin. Morsleben droht einzustürzen und wird gerade stabilisiert, dort lagern ca. 37.000 Kubikmeter Atommüll, das meiste nicht aus der Zeit, als die Grube für den Kraftwerkkomplex Bruno Leuschner genutzt wurde, sondern aus den 90er Jahren.
Da geht doch manch einem ein Licht an: Wie kann man Atomkraftwerke betreiben, wenn die Atommülldesaster so offensichtlich sind. Jeder Betreiber einer Pommesbude muss nachweisen, wo er seine Abfälle entsorgt, aber die Betreiber von Atomkraftwerken lassen Fässer stapeln, verstürzen oder stark strahlende Castorbehälter in luftigen Hallen aufstellen. Folge der ganzen Sache ist, dass der Parteienstreit um die Atomkraft und Gorleben voll entbrannt ist.

War die Größe des Protestes eine „Eintagsfliege“ oder kann man von einer Renaissance der Anti-Atom-Bewegung sprechen?

Ich bin vorsichtig. Es war in der Phase der Mobilisierung zu spüren, dass deutlich mehr Menschen sich auf den Weg ins Wendland machen würden, von der Teilnehmerzahl waren wir selbst positiv überrascht.
Wir werden im Wahljahr 2009 unter Beweis stellen, dass es keine Eintagsfliege war. Es wird an den AKW-Standorten wie Biblis, Neckarwestheim und Brunsbüttel beziehungsweise Krümmel im Wahljahr Proteste geben. Denn die Dauerreparaturen an den genannten AKWs, die laut Atomkonsens noch in dieser Legislaturperiode vom Netz gehen sollten, sind ein durchsichtiges Manöver der Energiewirtschaft, diese Meiler über die Zeit zu retten, in der Hoffnung, ab dem Herbst 2009 könne eine neue Regierung die per Atomgesetz regulierten Laufzeiten annullieren. Jedes Jahr Weiterbetrieb der genannten Reaktoren spült den Energiekonzernen rund 250 Millionen Euro zusätzlich die Kasse.

Wie breit war der Protest? Welche Leute haben teilgenommen?
Die Menschen in der Region sind hoch politisiert und bilden bei jedem Castortransport mit rund 5.000 bis 6.000 Menschen den harten Kern. In diesem Jahr gab es eine breite Unterstützung: Hauptredner war Hartmut Meine, Bezirksleiter Niedersachsens und Sachsen-Anhalts der IG Metall. Das Thema Atomkraft rief die Grünen und die LINKE auf den Plan. Die Bauern fuhren mit 350 Traktoren zur Demo vor und blockierten den Castortransport sowohl mit Traktoren als auch mit der bekannt gewordenen Betonpyramide, an die sie sich angekettet hatten, über Stunden. Auffällig sind die vielen jungen Leute, die sich engagieren. Die Schülerinnen und Schüler im Wendland demonstrieren übrigens nicht nur, wenn der Castor rollt, sondern in jedem Jahr.

Haben die globalisierungskritischen Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm 2007 einen Einfluss gehabt?

Bestimmt, auch wenn es mühselig ist, die unterschiedlichen Protestszenen zu vernetzen. Das Engagement gegen den G8-Gipfel war in unserer Initiative umstritten. Einigen fehlte die Ausrichtung auf die Verteilungskämpfe in der Welt um Öl und Gas und die Rolle der Atomkraft als zivil-militärische Option. Um es ehrlich zu sagen, das zentrale Thema, das über Krieg und Frieden entscheidet, spielte eine untergeordnete, aber unterschwellige Rolle. Wie überhaupt das Thema Atomkraft latent Menschen beschäftigt, beunruhigt und immer wieder auf die Straße treibt. Auch die Aktionsformen in Heiligendamm waren schon im Wendland erprobt, sogar die Auseinandersetzung um das Demonstrationsrecht. Schließlich erleben wir die gleiche Polizei in gleicher Personenstärke – rund 16.000 Polizistinnen und Polizisten.

Die Atomindustrie sagt, dass Atomstrom billig sei. Stimmt das?

Atomkraft ist nur deshalb kostengünstig, weil die versteckten und offenen Investitionen, die in diese Form der Energiegewinnung geflossen ist, sich nicht auf den Gestehungspreis für eine Kilowattstunde auswirken. Das „Deutsche Institut für Wirtschafsforschung“ errechnete Begünstigungen in Höhe von 50 Milliarden Euro in der Zeit von 1956 bis 2006. Würde man das umrechnen auf die Kilowattstunde Atomstrom, so läge der Preis nicht bei 3,5 Eurocent, sondern bei 4,7 Eurocent. Gestehungskosten für Strom aus Windkraft liegen derzeit nur noch bei 6 bis 10 Eurocent pro Kilowattstunde, ein wirklicher Kostenvorteil ist dahin geschmolzen.
Entscheidend ist, dass der Preis an der Leipziger Energiebörse ausgehandelt wird. Dort beträgt der Spotpreis für die Grundlast 5,64 Eurocent, die Differenz streichen die Konzerne ein, deshalb kämpfen sie so zäh um die Laufzeitverlängerung. Ein Neubau ohne staatliche Zuschüsse treibt den Gestehungspreis auf über 10 Eurocent.
Nehmen wir Olkiluoto in Finnland. Der Reaktor der „neuen Linie“ sollte 3,2 Milliarden Euro kosten, jetzt schon ist klar, dass er mindestens 1,5 Milliarden teurer wird. Er wird nicht 2009, sondern frühestens 2012 ans Netz gehen. Frankreichs EDF (Electricité de France) ist weit davon entfernt, „liberalisiert“ zu sein, es ist ein Staatskonzern, der sich mit Hilfe von Sarkozy als fliegendem Teppichhändler und „Staatsknete“ anschickt, in der Welt Atomkraftwerke anzubieten. Abu Dhabi, Ägypten, Marokko… stehen auf der Kundenliste. Die Gefahr der Proliferation? Ausgeblendet.

Droht eine „Versorgungslücke“, wenn Atomkraftwerke abgeschaltet werden? Müssen nicht mehr Kohlekraftwerke gebaut werden, wenn auf Atomkraft verzichtet wird?

Sie spielen auf die Position der „Deutschen Energie-Agentur“ (dena) an?

Ja. Die dena wird in der Presse oft als neutrale Institution präsentiert und ihr im März vorgelegter Bericht hat Atomkraftbefürworter bestärkt…

Die Agentur hatte mit dieser Veröffentlichung für Aufmerksamkeit gesorgt, in der sie einer angeblich drohenden Stromknappheit in Deutschland das Wort redete. Zwar nicht heute, aber immerhin im Jahre 2020 würden im Land insgesamt gut 11.000 Megawatt fehlen. Wie die dena zu ihren Erkenntnissen gelangt ist, daraus machte sie kein Hehl: Gespräche mit großen Energiekonzernen. Die nötigen Kontakte dürfte die Agentur nicht erst aufbauen müssen, immerhin werden ihre laufenden Kosten laut dem Online-Lexikon Wikipedia zu 50 Prozent von den vier Stromriesen EON, Vattenfall, RWE und EnBW übernommen.
Ich halte mich zunächst an aktuelle Daten. Im Jahr 2008 wird sich der Strom, der ins Ausland verkauft wird, auf voraussichtlich 25 Milliarden Kilowattstunden summieren, das ist Rekord. Obwohl die Reaktoren in Brunsbüttel, Biblis und Krümmel dauerrepariert werden, also eigentlich belegen, dass Atomkraft kein verlässlicher Stromlieferant ist. Umgerechnet auf die Kraftwerksleistung arbeiten drei Atomkraftwerke nur für den Export. Die Überschüsse gehen auf das Wachstum der regenerativen Energien zurück.
Das „Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie“ ergänzt, die prognostizierte „Stromlücke“ sei eine Legende. Es gibt immer noch riesige Energiesparpotentiale. Binnen 10 Jahren könnten 100 bis 120 Terrawattstunden Strom eingespart werden – durch die Erhöhung der Energieeffizienz, Gebäudeisolierung etc.

Was ist die Alternative zu Atom und Kohle?

Ich zitiere weiter das Wuppertal-Institut: Es gibt umweltfreundlichen und kostengünstigen Ersatz für die alten Kraftwerke: im Grundlastbereich Biomasse, Windkraft aus Anlagen im Meer, Geothermie sowie Solarstrom-Import aus der Mittelmeer-Region. Dann Strom aus dezentralen Anlagen in Kraft-Wärme-Koppelung. Und erst am Schluss stelle sich die Gretchenfrage, ob hocheffiziente, mit Klimaschutzzielen kompatible Kohlekraftwerke, wenn möglich eben auch in Verbindung mit der Kraft-Wärme-Koppelung, benötigt werden.
Was soll mit dem bereits entstandenen Atommüll geschehen, wohin damit? Interessant, dass wir diese Frage immer wieder gestellt bekommen, wo doch seit 40 Jahren Forschungsinstitute und Behörden vergeblich an der Lösung arbeiten. Unsere gesellschaftliche Rolle ist nicht die einer Forschungseinrichtung, wir übernehmen eine Wächterfunktion.
Nur so viel kann ich sagen: Gorleben ist für die Lagerung hochradioaktiver Abfälle politisch und geologisch verbrannt. Das weiß man seit Mitte der 80er Jahre, als die Ergebnisse der Tiefbohrung ausgewertet wurden. Die Parallelen zwischen der Asse II und Gorleben drängen sich förmlich auf, auch in Gorleben hat der Salzstock Wasserkontakt. Ob Salz überhaupt als Lagergestein geeignet ist? Nicht untersucht sind bisher die Auswirkungen von Strahlung und Hitze auf das Salzgestein.
Es muss in jedem Fall ein vergleichendes Suchverfahren ohne Gorleben im Pool geben, Ton und kristalline Gesteine müssen einbezogen werden, aber das Geld dafür wollen die Verursacher nicht herausrücken, obwohl sie fast 30 Milliarden Euro an Rückstellungen – übrigens steuerfrei – gebildet haben.
Eine wichtige Überlegung ist, ob es nicht eine Zwischenlösung geben sollte, nämlich eine rückholbare Lagerung. Wir sind allerdings strikt gegen den Atommüllexport, das Verschieben des Mülls und des Problems in Länder, die für die Lagerung kassieren würden, wo aber Umweltstandards keine Rolle spielen.

Nächstes Jahr sind Bundestagswahlen. Dann wird Atomenergie auch Wahlkampfthema. Wird sich die Anti-Atom-Bewegung einmischen?

Wir arbeiten parteienunabhängig, also wird es keinerlei Wahlempfehlungen geben. Über die Parteienkonkurrenz in Sachen Atomausstieg freuen wir uns. Wir messen im Übrigen die Parteien an ihren Taten, nicht an Worten.

Welche nächsten Schritte plant die Anti-Atom-Bewegung und was kann man tun, um diese zu unterstützen?
Anfang Februar trifft sich die Atomlobby, das „Deutsche Atomforum“, zu ihrer Wintertagung in Berlin. Dort wollen wir die Herrschaften argumentativ und demonstrativ im Tagungslokal umzingeln. Am 26. Februar ist eine Lichterkette von Braunschweig zum Atommüll-Lager Asse II geplant und von dort zum geplanten Endlager für schwachaktiven Müll Schacht Konrad, das als Grab für die schwach- und mittelaktiven Abfälle vorgesehen ist – immerhin eine Strecke von rund 40 km. Übrigens: Jeder kann sofort etwas tun, nämlich zu einem Öko-Strom-Anbieter wechseln.

(Die Fragen stellte Frank Eßers)
Quelle: www.marx21.de