Beiträge zur Umweltpolitik – Heft 27

Braunkohle-Chemie – Vergangenheit statt Zukunft

Zur Kritik der Verwertung von Braunkohle zu Treib- und Brennstoffen sowie Chemieprodukten

69 Seiten
Redaktionsschluss: April 2018
1. Auflage, 2018
Autor: Detlef Bimboes
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Auszug aus dem Vorwort

… Und die LINKE? In ihrer Programmatik hat sie – auch dank der Arbeit linker Ökologen und Umweltaktivisten – nicht nur soziale, sondern auch ökologische Zielstellungen zum verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt formuliert. Doch in der Öffentlichkeit wird sie nach wie vor nur als soziale Kraft wahrge- nommen, da sie sich bezüglich ökologischer Themen kaum artikuliert.

Das Thema Braunkohle ist da ein typisches Beispiel. Die Brandenburger LINKE hat, wie im Anhang G. Brandt feststellt, „schon seit vielen Jahren ein zwiespältiges Verhältnis zur Braunkohle.“

Um so wichtiger ist es, dass bei den LINKEN keine Illusionen hinsichtlich einer weiteren Nutzung der Braunkohle geweckt werden. Der Autor D. Bimboes6 stellt die Fakten klar: Die Braunkohle statt zu verbrennen (d. h. zu verstromen) stofflich zu nutzen, würde keinen Unterschied machen. Damit würde der Klimawandel genauso weitergehen wie bisher. „Ein lokaler Umbau der Braunkohleregionen muss in eine großräumige sozial-ökologische Regional- und Strukturpolitik eingebettet werden, die zukunftsfähige Arbeitsplätze schafft“, wie der Autor schreibt. …

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

5

1.

Einleitung

7

2.

Braunkohle zur Chemie- und Energieproduktion

11
2.1. Braunkohlechemie – gravierende Probleme für Natur und Gesellschaft 13
2.2. Hohe Investitionen für Chemieanlagen und Hinweise zu Produktkosten 14

3.

Das Verfahren der Kohlevergasung

16
3.1. Verfahrensbeschreibung 16
3.2. Klima- und Umweltprobleme der Kohlevergasung 19
3.2.1. Entstehung und Freisetzung von Kohlendioxid 19
3.2.2. Energiebedarf zur Aufbereitung von Braunkohle und Herstellung von Prozesssauerstoff 20
3.2.3. Wasserbedarf 20
3.2.4. Luftreinhaltung, Abwasser- und Abfallentsorgung 21
3.2.5. Abwärme 21

4.

Das Greenwashing-Konzept zur chemischen und energetischen Verwertung von Braunkohle

22
4.1. Prozessoptimierung und Gesamtmenge CO2 22
4.2. Verknüpfung mit erneuerbaren Energien 23

5.

Verbaute Zukunft – ein Konzept zur Braunkohlenutzung für die Lausitz

25
5.1. Konzeptgrundlagen und Folgen für den CO2 -Ausstoß 25
5.2. Hoher Stromverbrauch für großtechnische Wasserelektrolyse 26
5.3. Rosige Aussichten als Einstiegsdroge für die Kohlechemie 27
5.4. Standort Jänschwalde – Methangasproduktion und Ressourcenverbrauch 27

6.

Chemieproduktion – Erdöl und Erdgas effizienter als Kohle

29
6.1. Synthesegas aus Erdgas vorteilhafter als aus Kohle 30
6.2. Chemische Industrie setzt weltweit auf breitere Rohstoffbasis 31
6.3. Breitere Rohstoffbasis vertieft Ressourcenraubbau 32
6.4. Chemie ohne fossile Rohstoffe 33

7.

Regionalentwicklung ohne Braunkohle

34
7.1. Regionale Handlungsschwerpunkte 34
7.2. Diskussions- und Entscheidungsprozesse demokratisch vor Ort gestalten 35

8.

Zusammenfassung

36

9.

Anhang: Die Braunkohle und die Brandenburger LINKE.

Prof. Götz Brandt (Mitglied im Bundessprecherrat der Ökologischen Plattform). Referat auf der Tagung der LAG „Umwelt“ Brandenburg am 28.10.2017 in Fürstenwalde

39

Literatur

46

Tabellenverzeichnis

52

Abbildungsverzeichnis

53

Abkürzungsverzeichnis

54

Bibliographische Abkürzungen 54

Weitere Abkürzungen 54

Glossar

56

Autor

66

Übersicht über „Beiträge zur Umweltpolitik“

67

Zielstellung der Beiträge 67

Bisher erschienen 67

 

Kohlevergasung & Kohlechemie – keine Option für die Zukunft

Der Durchbruch der erneuerbaren Energiewende im Jahre 2000 mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) setzte die fossile Energiewirtschaft unter großen Druck und führte insbesondere bei den Beschäftigten in den Kohletagebaugebieten mit Kohlekraftwerken zu Sorgen um ihre Arbeitsplätze. Zur Sicherung langfristiger Geschäfte für die Kohlekonzerne nahmen seitdem zwei wichtige technologische Entwicklungen an Fahrt auf, die auf alten Kenntnissen und Erfahrungen aufbauen konnten. Das waren zum einen Gas- und Dampfkraftwerke mit integrierter Vergasung von Kohle oder anderen fossilen Energieträgern (IGCC-Kraftwerke) und zum anderen die Kohlevergasung mit dem Ziel der Gewinnung von Brenn- und Treibstoffen, Kunststoffen und Chemikalien aller Art. Im Folgenden werden beide Entwicklungen kurz umrissen.

IGCC-Kraftwerke

Bei IGCC-Kraftwerken werden Gasturbinen mit Brennstoff betrieben, der reich an Wasserstoff und Kohlenmonoxid ist und hierzulande durch die Vergasung von Kohle gewonnen werden soll. Bei dem Vergasungsverfahren entstehen große Mengen an Kohlendioxid (CO2). Es war geplant, diese verfahrenstechnisch abzuscheiden und dauerhaft unterirdisch zu speichern (CCS). Der Widerstand gegen CCS führte dazu, dass diese Pläne bislang aufgegeben werden mussten. Dadurch ist es um diese Kraftwerke in der Öffentlichkeit stiller geworden. Gleichwohl finanzierte das Bundeswirtschaftsministerium seit 2002 aufwendige und breit gefächerte Forschungen im Rahmen des COORETEC-Projekts unvermindert weiter. Seit längerem sind in dem Forschungsnetzwerk prominent die TU Bergakademie Freiberg/Sachsen, TU München und das Forschungszentrum Jülich sowie die Konzerne RWE und Air Liquide vertreten. Air Liquide ist durch die frühere Übernahme von LURGI-Anlagenbau auch im Vergasergeschäft tätig. Die Projektförderung ist bislang bis 2019 vorgesehen. Ein wichtiger Punkt sind für die letzten Jahre Betrachtungen zur Wirtschaftlichkeit für solche Kraftwerke, denn bislang ist die Einführung dieser Kraftwerkstechnik zu teuer. Eine entscheidende Ursache dafür ist der anhaltend niedrige Ölpreis.

Die IGCC-Kraftwerkstechnologie ist inzwischen weiterentwickelt worden und zwar zu einem Anlagenkonzept der Polygeneration. Hier kann parallel zur Stromerzeugung das Vergasungsprodukt auch für die bereits erwähnte Herstellung von Chemikalien, Brenn- und Kraftstoffen genutzt werden. Selbst das im Rahmen des Vergasungsverfahrens anfallende CO2 kann beispielsweise zur Herstellung von Kunststoffen eingesetzt werden. Die besondklickere Flexibilität des Konzepts beruht darauf, dass der Anlagenteil Gaskraftwerk im Gegensatz zu einem konventionellen Kohlekraftwerk rasch zum Lastausgleich einspringen kann, wenn durch Windflaute oder wenig Sonne nicht genug erneuerbarer Strom zur Einspeisung in das Netz zur Verfügung steht. Damit wird deutlich, dass die konzeptionelle Weiterentwicklung auch dem Druck mit geschuldet ist, der sich zunehmend durch erneuerbar gewonnenen Strom aufgebaut hat.

Ein wichtiger Punkt ist, dass sich durch die Verknüpfung des Verfahrens mit erneuerbarem Strom das ansonsten in großen Mengen am Anlagenstandort anfallende CO2 drastisch vermindern lässt. Damit wird die Abtrennung und Speicherung des CO2 praktisch nicht mehr gebraucht. Es gibt nur einen gravierenden Haken an der Sache. Denn damit wird lediglich – zum Näheren sei auf meinen weiter unten genannten Beitrag zur Braunkohle-Chemie verwiesen – die Produktausbeute im Zuge des Vergasungsverfahrens erhöht. Konkret heißt das, die erzeugte Produktmenge steigt an. Das CO2, das damit am Anlagenstandort vermieden wird, fällt dann andernorts am Ende des Lebensweges der hergestellten Produkte an. Ein Beispiel sind Kraftstoffe, bei deren Verbrennung CO2 entsteht. Der Einführung von erneuerbarer Energie in das Verfahren führt damit sozusagen zu einem reinen „Verschiebebahnhof“ für CO2. Für den Klimaschutz ist also nichts gewonnen.

Kohlechemie

Die Diskussion um eine stoffliche Verwertung von Kohle zu Chemikalien, Kunststoffen, Brenn- und Treibstoffen begann ebenfalls ab dem Jahr 2000 wieder an Fahrt aufzunehmen. Angestoßen wurde sie von Ostdeutschland aus. Hier waren über 1990 hinaus in der Lausitz am Standort Schwarze Pumpe (Spremberg) große Vergasungsanlagen für Braunkohle in Betrieb. Ab 1995 bis 2007 wurden in großem Umfang vor allem Plastikabfälle aus der „Gelben Tonne“ vergast und daraus überwiegend Methanol gewonnen. Der Betrieb wurde dann seitens des damaligen Eigners Sustec GmbH eingestellt, weil preislich nicht mehr wettbewerbsfähig produziert werden konnte. Der Konzern Siemens wiederum übernahm im Jahreklick 2005 die Geschäftsanteile der Future Energy GmbH von der Firma Sustec Holding AG. Die aufgekaufte Firma ging aus dem ehemaligen Gaskombinat Schwarze Pumpe der DDR hervor. Damit verschaffte sich Siemens Zugang zu Patenten, Technologien und Testanlagen in Freiberg/Sachsen für das in der DDR entwickelte Flugstromvergasungsverfahren. Siemens konzentrierte sich fortan auf den chinesischen Markt als Absatzgebiet für Kohlevergasungsanlagen. In Freiberg/Sachsen verfügt die TU Bergakademie zudem mit Prof. Dr. Meyer über einen prominenten Fachmann zur Vergasungstechnik und Fürsprecher zur Nutzung von Kohle für die Chemieproduktion. Er kann sich bundesweit auf ein von ihm selbst mit aufgebautes Netzwerk an Befürwortern stützen, vorrangig vertreten durch SPD und CDU, IGBCE, Chemieindustrie sowie universitäre und außeruniversitäre Forschung. Gutachterlich war Prof. Meyer auch im Rahmen der Enquetekommission des Landtages NRW zur Zukunft der Chemischen Industrie tätig, die von der SPD und Grünen gestellten Landesregierung initiiert wurde. Dies fand seinen Niederschlag im Abschlussbericht vom April 2015. Danach sollen trotz allem wenn und aber – darunter maßgeblich ökonomische Gründe – längerfristig Wege für ein neues Kohlezeitalter der chemischen Verwertung freigehalten werden.klick

Warum bei Kohle „die Chemie nicht stimmt“

Kohlechemie ist die falsche Option für die Zukunft mit Blick auf Klimaschutz und Arbeitsplätze. Das lässt sich gut am Beispiel von Braunkohle zeigen, die hierzulande mit großen Vorräten aufwarten kann. Im Grundsatz gilt das auch für andere Kohlearten. Aus einer Tonne Braunkohle kann man viel weniger Treibstoff oder Kunststoff herstellen, als aus einer Tonne Erdgas oder Erdöl. Entsprechend größer ist der Ausstoß des Klimakillers CO2, weil aus einer Tonne Braunkohle immer dieselbe Menge CO2 gebildet wird, egal ob man sie verbrennt oder vergast und daraus Produkte herstellt. Verbrennt man Braunkohle, dann wird sie sofort vollständig in CO2 umgewandelt. Vergast man Braunkohle, wird zwar zunächst eine geringere Menge an CO2 freigesetzt, der Rest entsteht aber später aus den hergestellten Produkten am Ende ihres Lebensweges. Das passiert bei Brenn- und Treibstoffen sofort, wenn sie verbrannt werden, bei Kunststoffen und anderen Chemikalien, wenn sie nicht mehr gebraucht und entsorgt werden, z. B. in einer Müllverbrennungsanlage. Zudem bleiben, ob Braunkohle nun energetisch oder stofflich genutzt wird, auch die Umweltprobleme, der Ressourcen- und Landschaftsverbrauch auf Dauer gleich.

Näher wird darauf in meinem ausführlichen Beitrag „Braunkohle-Chemie – Vergangenheit statt Zukunft“ eingegangen unter: http://www.detlef-bimboes.de/Energie-und-Rohstoffe

Grundlegend bestätigt wird der Beitrag durch eine Studie von Friends of the Earth International vom Juli 2016 mit dem Titel „Fuelling the Fire: the chequered history of Underground Coal Gasification and Coal Chemicals around the world“.

Dämpfer aus China für stoffliche Kohlenutzung

Inzwischen hat die stoffliche Verwertung von Kohle einen kräftigen Dämpfer durch China erhalten. China hat seine Kohlepolitik geändert. Hier dürfte – neben beschränkten Absatzmöglichkeiten in anderen Weltregionen – der eigentliche Grund liegen, warum der Konzern Siemens Ende 2015 beschlossen hat, seinen Gesklickchäftsbereich Vergaser zu verkaufen. Seit 2013 steuert China um. Der Kohleverbrauch sinkt, erneuerbare Energien werden massiv ausgebaut, maßnahmenbezogene Luftreinhaltepläne und höhere Anforderungen an die Luftreinhaltung von Verbrennungsanlagen beginnen zu greifen. Bis 2030 hat sich das Land dazu verpflichtet, den Anstieg seiner Treibhausgasemissionen zu stoppen. Andrew Minchener vom IEA Clean Coal Centre gab in diesem Zusammenhang noch einige interessante Hinweise anlässlich eines Vortrages in Köln im Juni 2016 1). Danach würde ein zu großer Ausbau der Kohlechemie mit der geplanten Verringerung der CO2-Emissionen bis 2030 kollidieren. Zudem wurde deutlich, mit welch hohen Wasserverbräuchen und CO2-Emissionen die Herstellung von Chemieprodukten aus Kohle verbunden ist. Wichtig noch im Vortrag, welche unterschiedlich hohen Ölpreise in Dollar/Barrel gebraucht werden, damit die Produkte wirtschaftlich tragfähig produziert werden können. So müsste sich beispielsweise für künstliches Methan der Ölpreis zwischen 60 – 70 Dollar/Barrel bewegen.

Klimaschutzplan 2050 – Hintertür für stoffliche Nutzung von Kohle

Die Bundesregierung konnte gerade noch rechtzeitig zur UN-Klimakonferenz in Marrakesch ihren Klimaschutzplan 2050 vorlegen. Statt einem konkreten und geordneten Ausstieg aus der Kohle bis 2040, wie von der Partei die Linke seit langem schon gefordert, ist nur von einem „schrittweisen Ausstieg“ die Rede. Dafür haben die Interessen der immer noch starken fossilen Energiewirtschaft und der wirtschaftliche, politische und gewerkschaftliche Druck aus den Braunkohleregionen gesorgt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß in dem Klimaplan lediglich auf die energetische Nutzung von Kohle Bezug genommen wird. So muss danach „Die Energieversorgung spätestens bis 2050 nahezu vollständig dekarbonisiert erfolgen“ und sich auf „alle Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger“ richten (s. S. 27/28). Damit ist eine Hintertür offen geblieben für die stoffliche Kohlenutzung und mithin ihre chemische Verwertung. Bei einem entsprechenden Anstieg und dann dauerhaft hohen Ölpreisen dürfte sie wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden. Dafür wird das Netzwerk der Kohlelobby und Kohlechemie dann sorgen. Angesichts wachsender globaler Krisen- und Kriegsgefahren ist das Argument einer sicheren Versorgung aus heimischen Rohstoffquellen jetzt schon zu vernehmen.

Zukunft ohne Kohle steht schon lange vor der Tür

Als Fazit bleibt: die Vergasung von Braunkohle setzt den fossilen Entwicklungspfad fort, anstatt ihn zu beenden, trägt weiter zur Verschärfung des Klimawandels bei und schafft Arbeitsplätze, die wegen der genannten Folgen sehr bald wieder gefährdet werden. Statt Braunkohle mit einem Aufwand von vielen Milliarden zu neuen Kunststoffen und anderen Chemikalien zu verarbeiten, sollte man das Geld lieber in bessere Recycling-Technologien stecken, die verhindern, dass Anlagen für neue Kunststoffe und andere Chemikalien gebaut werden müssen. Und in die Entwicklung energieeffizienterer Technologien, die große Mengen Treibstoffe einsparen könnten. Damit könnten sichere Arbeitsplätze geschaffen werden und Industrieanlagen, die nicht durch immense Emissionen das Weltklima und damit die Zukunft unserer Kinder gefährden.

Dr. Detlef Bimboes, geb. 1946, Mitglied der Ökologischen Plattform bei der Partei DIE LINKE
Bearbeitungsschluss: 20.11.2016


Fussnote(n)

[1↑] Minchener, Dr Andrew (General manager IEA Clean Coal Centre): Gasification based coal to chemicals in China: economic and environmental challenges, Vortrag auf der 8 th International Freiberg Conference zum Thema Innovative Coal Value Chains vom 12.-16. Juni in Köln.

US-Wahlen: Sieg für Trump und BAYER

Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V., 9.11.2016

433.000 US-Dollar spendete BAYER für den aktuellen Wahlkampf von Trump über so genannte Politische Aktionskomitees (PACs). Aus dem Budget des Leverkusener Multis für die Präsidentschaftskampagne gingen fast 80 Prozent an republikanische KandidatInnen. Antonius Michelmann, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren, kommentiert:

„Der Sieg Trumps ist auch ein Sieg für BAYER.“

BAYER gehört traditionell zu den wichtigsten ausländischen Groß-Spendern im US-Wahlkampf und hat mit dem aktuellen Spendenvolumen einen neuen Rekord aufgestellt. Um 65 Prozent steigerte das Unternehmen sein aktuelles Engagement im Vergleich zum Jahr 2012, wo er den Republikanern „nur“ 261.000 Dollar zur Verfügung gestellt hatte.

Das gesteigerte Interesse des Global Players, Einfluss auf die US-Politik zu nehmen, hängt eng mit seiner Neuausrichtung zusammen. Mit der Übernahme MONSANTOs will er der größte Agrochemie-Konzern der Welt werden und allein über 90 Prozent des weltweiten Marktes für gentechnisch verändertes Saatgut kontrollieren. Die USA sind hier mit großem Abstand einer der wichtigsten Märkte: Mehr als 39.5 Prozent aller Gentechnik-Pflanzen weltweit wachsen dort. Und durch den MONSANTO-Deal hofft die bundesdeutsche Aktien-Gesellschaft auch das US-Geschäft mit seinen Pestiziden ankurbeln zu können.

Mit der Übernahme des Consumer-Care-Bereichs des US-Pharma-Riesen Merck hat sich das Interesse im Pharma-Bereich ebenfalls deutlich nach Westen verschoben. Die USA zählen überdies für das zurzeit wichtigste BAYER-Präparat XARELTO – ein Blutverdünner mit einem Jahresumsatz von 2,25 Milliarden Euro im Jahr 2015 – zu den Top-Märkten.

Der Chemie und Pestizid-Riese BASF ist neben BAYER ein weiterer wichtiger deutscher Förderer Trumps. In den aktuellen Wahlkampf investierte das Ludwigshafener Unternehmen über seine PACs insgesamt 399.000 Dollar. „US-Wahlen: Sieg für Trump und BAYER“ weiterlesen

Öko-Schwindel

Einsatz von CO2 in der Kunststoff-Produktion: „Öko-Schwindel statt Nachhaltigkeit“

CBG – Presse Information vom 6. April 2016

Am 17. Juni eröffnet die BAYER-Tochterfirma COVESTRO ihre sogenannte Dream Production. In der Anlage im Werk Dormagen soll Kohlendioxid bei der Herstellung von Polyurethan eingesetzt werden. BAYER bezeichnet das Verfahren daher als „ganzheitlichen Ansatz zur Nachhaltigkeit“. Auch das NRW-Wissenschaftsministerium lobt die Anlage als Vorreiter für den Klimaschutz. Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert die Dream Production mit vier Millionen Euro; an der Eröffnung soll auch Staatssekretär Thomas Rachel vom BMBF teilnehmen.

BAYER beauftragte eigens die Agentur Ketchum Pleon mit einer Marketing-Kampagne. In einer Präsentation heißt es unverblümt, dass die Anlage „gegenüber der Politik, Geschäftspartnern, Mitarbeitern und Öffentlichkeit als Musterbeispiel für ein nachhaltiges Projekt kommuniziert werden“ solle. Die Agentur organisierte nicht nur Veranstaltungen, sondern verfasste offenbar auch Artikel für Publikums- und Fachzeitschriften.

Unabhängige Experten bezeichnen die Dream Production jedoch als „Öko-Schwindel“. Sie bemängeln den hohen Energie-Aufwand zur Aktivierung von Kohlendioxid und sehen in dem Verfahren keinen ökologischen Fortschritt. Stattdessen fordern sie eine Reduzierung des Kunststoffverbrauchs, wirksame Schritte zur Vermeidung von Plastikmüll sowie die Förderung nachhaltiger Verfahren:

Dr. Hermann Fischer, Präsidiumsmitglied des Naturschutzbund (NABU), Gründer der Auro AG und Autor des Buchs „Stoff-Wechsel“:

Man kann sich kaum eine ökologisch katastrophalere Strategie ausdenken, als ausgerechnet das auf dem niedrigsten Energielevel ruhende Molekül CO2 zum Aufbau komplexer, energiereicher Verbindungen nutzen zu wollen. Die Physik kann man nicht überlisten – der riesige energetische Abstand zwischen CO2 und komplexen Kohlenstoff-Verbindungen ist eben nur mit ebenso riesigem Energieaufwand zu überwinden. Nur Illusionäre glauben, man könne diesen Energieeinsatz aus regenerativen Quellen beziehen. Wir brauchen die regenerative Energie viel dringender für die Energiewende. Es gibt nur ein System, das Kohlendioxid nachhaltig und mit regenerativer Energie in komplexe chemische Stoffe umwandelt: Pflanzen in einer intakten Biosphäre (Photosynthese).

Dass man ausgerechnet CO2, also das am wenigsten geeignete Molekül, als Synthesegrundlage propagiert, hat ganz andere Gründe: Billige Pseudo-Öko-PR. Es macht sich einfach gut, mit einem Verfahren zu prahlen, welches das „böse“ CO2 in harmlose und nützliche Verbindungen umwandelt. PR-Strategen haben daher Kohlendioxid zum neuen Lieblings-Spielzeug der Chemie erwählt. Man baut darauf, dass die Öffentlichkeit den energetischen und verfahrenstechnischen Irrsinn hinter dieser Aktion nicht hinterfragt.

Manuel Fernández vom Bereich Chemikalienpolitik des Bund für Umwelt und Naturschutz:

Der Einsatz von Kohlendioxid bei der Produktion von Polyurethan stellt aus Sicht des BUND keinen echten Fortschritt in Sachen Klimaschutz dar. Wenn BAYER im Zusammenhang mit diesem neuen Verfahren von einem „ganzheitlichen Ansatz zur Nachhaltigkeit“ spricht, muss sich die Konzernleitung nicht über den Vorwurf wundern, Öko-PR in eigener Sache zu betreiben. Der Nutzen eines solchen Verfahrens ist schon angesichts des benötigten Energieaufwands fragwürdig und steht in keinem Verhältnis zu den Mengen an CO2, mit denen wir alljährlich die Umwelt belasten. Ein ganzheitlicher Ansatz zur Nachhaltigkeit führt für den BUND nach wie vor nur über eine drastische Reduzierung der Kunststoffproduktion und des Einsatzes von fossilen Brennstoffen.

Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, Chemiker und langjähriges Mitglied der Kommission für Anlagensicherheit:

Es handelt sich hierbei nicht um eine dream reaction, sondern um eine Reaktion der Illusionen. Eine mögliche Nutzung von CO2 in der Kunststoff-Produktion spielt angesichts der um Zehnerpotenzen größeren Mengen, die bei energetischen Verbrennungsprozessen freigesetzt werden, eine zu vernachlässigende Rolle. Dies zeigt schon ein Blick auf die Zahlen: BAYER will 5.000 Tonnen Polyol auf CO2-Basis herstellen und hierbei 1.000 Tonnen Kohlendioxid einsetzen. Das ist gerade mal ein Tausendstel des jährlichen CO2-Ausstoßes von BAYER in Höhe von rund fünf Millionen Tonnen.

Prof. Dr. Gerd Liebezeit, Meeres-Chemiker:

Selbst wenn hocheffektive Katalysatoren zur Verfügung ständen (deren Herstellung ja auch wieder Energie kosten würde), wird für die Produktion noch immer Energie in großer Menge benötigt. Das ist Greenwashing, mit dem sich das Unternehmen ein grünes Mäntelchen umhängen möchte. Ökologisch akzeptabel ist nur der Einsatz langlebiger Kunststoffe mit intelligentem Design, die später recycelt werden können. Kurzlebige Kunststoffe wie Einmalverpackungen und Plastiktüten müssen ganz vermieden werden.

Philipp Mimkes, Physiker und Vorstandsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG):

Die schönfärberisch benannte Dream Production ist allenfalls minimal besser als der Status Quo, aber in keiner Weise nachhaltig. Staatliche Fördergelder sollten aber nicht die Chemie-Industrie subventionieren, sondern einen wirklichen ökologischen Fortschritt unterstützen. Wir fordern eine drastische Reduzierung des Kunststoff-Verbrauchs; der verbleibende Rest muss aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden. Hierbei müssen Rohstoffe wie Algen, Holzreste oder Stroh zum Einsatz kommen, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion stehen.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat zur Dream Production einen Gegenantrag zur anstehenden Hauptversammlung der BAYER AG eingereicht. Die CBG wirft dem BAYER-Konzern vor, die Umstellung auf nachwachsende Rohstoffe und biologisch abbaubare Endprodukte verschlafen zu haben. So heißt es im Geschäftsbericht des Unternehmens: „Der Einsatz nachwachsender Rohstoffe spielt bei Bayer noch eine untergeordnete Rolle.“ Zudem stammt gerade mal ein Prozent der von BAYER selbst erzeugten Energie aus regenerativen Quellen.

Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. (CBG)
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40081 Düsseldorf
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Kommentar

Bei aller berechtigten Kritik an der Herstellung von Polyurethan unter Mitverwendung von CO2 darf nicht übersehen werden, das diese Verfahrensentwicklung als typischer Januskopf zu bewerten ist. Es sind Entwicklungen zwischen Profit und Zukunftsfähigkeit. Die Kritik ist richtig, soweit fossiles CO2 zur Herstellung verwendet wird und damit der fossile Entwicklungspfad und entsprechende Wirtschaftsinteressen weiter befestigt werden. Sinnvoll wäre es aber, für die Herstellung CO2 zu verwenden, das bei chemischen und biologischen Prozessen zwangsläufig anfällt und nicht vermieden, sondern nur verringert werden kann. Hierbei ist an Kalkbrennereien, Ziegeleien, Zementfabriken oder Kläranlagen zu denken. Der sich abzeichnende Wandel der Ressourcenbasis wird insgesamt dazu führen, das Wind, Sonne, Wasser und CO2 in fernerer Zukunft die Regie für Energieversorgung und Chemieproduktion übernehmen werden. Aufgrund des hiermit bislang verbundenen erneuerbaren Energieaufwandes bleibt es völlig richtig, dass auch hier Müllvermeidung und drastisch weniger Plastikverwendung oberste Richtschnur bleiben müssen. Aus nachwachsenden Rohstoffen kann im übrigen ebenfalls eine breite Palette von Chemieprodukten gewonnen werden, nur darf es hier – worauf auch hingewiesen wird – zu keiner Konkurrenz mit der prioritären Nahrungsmittelproduktion kommen.

Detlef Bimboes
12.4.2016

Braunkohleveredlung?

In der Wochenendausgabe des ND vom 22./23.08.2015 ist ein großer Beitrag zur Schwarzen Pumpe erschienen, dem einstigen Zentrum zur energetischen und stofflichen Verwertung von Braunkohle in der DDR. Am 29. August soll das 60. Jubiläum festlich begangen werden. In dem Beitrag wird dargelegt, bei einem Ende der Verbrennung von Braunkohle „wenigstens an deren Veredlung zu arbeiten; Kohle ist als Kohlenstoffquelle eine Alternative zum Erdöl; aus ihr können Treib- und Kunststoffe hergestellt werden“.

Bei aller Wertschätzung der Leistungen der Beschäftigten im Kombinat Schwarze Pumpe und der heute dort im Industriepark Beschäftigten ist das die falsche Option für die Zukunft mit Blick auf Klimaschutz und Arbeitsplätze. Denn aus einer Tonne Braunkohle kann man viel weniger Treibstoff oder Kunststoff herstellen, als aus einer Tonne Erdgas oder Erdöl. Entsprechend größer ist der Ausstoß des Klimakillers CO2, weil aus einer Tonne Braunkohle immer dieselbe Menge CO2 gebildet wird, egal ob man sie verbrennt oder vergast und daraus Produkte herstellt. Verbrennt man Braunkohle, dann wird sie sofort vollständig in CO2 umgewandelt. Vergast man Braunkohle, wird zwar zunächst eine geringere Menge an CO2 freigesetzt, der Rest entsteht aber später aus den hergestellten Produkten am Ende ihres Lebensweges. Das passiert bei Brenn- und Treibstoffen sofort, wenn sie verbrannt werden, bei Kunststoffen und anderen Chemikalien, wenn sie nicht mehr gebraucht und entsorgt werden, z. B. in einer Müllverbrennungsanlage. Zudem bleiben, ob Braunkohle nun energetisch oder stofflich genutzt wird, auch die Umweltprobleme, der Ressourcen- und Landschaftsverbrauch auf Dauer gleich.

Als Fazit bleibt: die Vergasung von Braunkohle setzt den fossilen Entwicklungspfad fort, anstatt ihn zu beenden, trägt weiter zur Verschärfung des Klimawandels bei und schafft Arbeitsplätze, die wegen der genannten Folgen sehr bald wieder gefährdet werden.

Statt Braunkohle mit einem Aufwand von vielen Milliarden zu neuen Kunststoffen und anderen Chemikalien zu verarbeiten, sollte man das Geld lieber in bessere Recycling-Technologien stecken, die verhindern, dass Anlagen für neue Kunststoffe und andere Chemikalien gebaut werden müssen. Und in die Entwicklung energieeffizienterer Technologien, die große Mengen Treibstoffe einsparen könnten. Damit könnten sichere Arbeitsplätze geschaffen werden und Industrieanlagen, die nicht durch immense Emissionen das Weltklima und damit die Zukunft unserer Kinder gefährden.

Dr. Detlef Bimboes
14057 Berlin

Bild zum Chemieunfall in Oberbayern

Zu unserer Nachricht zum Chemieunfall in Oberbayern erreichte uns folgendes Bild vom Alzfluss:

Foto v.d. Alz (Brücke Emmerting)

Man kann genau sehen, wie und wo die Chemikalien das Flussbett vergiftet haben: Die Steine sind blank, es gibt kein Algenbewuchs mehr. Zu sehen ist die Breite der Alz an den Tag, an dem der Industriepark Gendorf 9 Stunden lang den Fluss vergiftet hat. Selbst nach einen starken Hochwasser war der Flussboden noch nie algenfrei!

Kellermann Erwin
19.4.2012

Folgenreichste Vergiftung während der letzten 30 Jahre

Chemieunfall in Oberbayern

Am Abend des 6.3.12 kam es um 19.45 Uhr zu einem Brand in einem Produktionsgebäude des Gendorfer Werkes der Clariant AG.

Das Feuer hatten die Feuerwehren nach wenigen Minuten unter Kontrolle gebracht, aber auf zunächst ungeklärte Weise gelangten 800kg bis max. 1000kg Genamin – ein Waschmittelrohstoff – in die benachbarte Alz. Die erste Erklärung war, dass der Stoff durch das Löschwasser in den Vorfluter geschwemmt wurde. Diese Version wird auch von InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG, dem Betreiber des „Industriepark Werk GENDORF“ in der Pressemitteilung vom 9.3.12 vertreten, wobei darauf verwiesen wird, dass „das Werk seit Jahren hohe Sicherheits- und Umweltstandards einhält und immer alle erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutze der Umwelt unternommen hat.“ Dass dem nicht so ist, lesen wir im RegioWiki für Niederbayern und Altötting unter dem Suchwort „Alz„:

„Infolge eines Unfalls im damaligen Hoechst-Werk Gendorf verpesteten am 9. März 1983 rund 200 Kilogramm Amine die Alz. Mehrere tausend tote Fische waren die Folge. Von zwei Tonnen Fischkadavern war in der damaligen Ausgabe der Heimatzeitung zu lesen.“

Leidet Clariant AG, die 1997 das Spezialchemikaliengeschäft der Hoechst AG und damit das Werk Gendorf gekauft hat, unter Gedächnisverlust oder hofft sie auf denselben bei den Lesern?

In der InfraServ-Pressemitteilung heisst es auch: „Genamin ist als sehr giftig für Wasserorganismen eingestuft, aber biologisch leicht abbaubar.“
Offenbar soll der Nebensatz beruhigen. Das ist angesichts 6 Tonnen toter Fische, die die Feuerwehren innerhalb fünf Tagen aus dem Fluss bergen mussten, kaum möglich; die Fischer sprachen zur gleichen Zeit sogar von 12 Tonnen toter Fische. Die „Passauer Neue Presse“ berichtete am 8.3.12 von der Sorge der Ornithologen und Umweltschützer, dass sich Wasser- und Greifvögel entlang der 14km Alz bis zum Inn über die Aufnahme der Fische ebenfalls vergiften könnten, denn Genamin konnte auch in noch lebenden Fischen nachgewiesen werden.
Das Landratsamt gab eine eine offizielle Warnung heraus, entlang des Flusses Grundwasser zu entnehmen. Allerdings sei die Trinkwasserversorgung nicht gefährdet. Für die Zukunft teilt der BUND diese Auffassung  jedoch nicht.

Am 12.3.12 meldete die Passauer Neue Presse mit Bezug auf eine Erklärung des Landratsamtes, dass das Genamin LA 302 D nicht über das Löschwasser in die Alz gelangte. Der Weg, den das Gift genommen hat, sei aber weiter unklar.

Am 24.3.12 teilte Landrat Erwin Schneider beim 12. Landrats-Diskurs mit, dass die „Sicherheitsvorkehrungen verbessert werden müssten“, und dass „erste bauliche Veränderungen am Werk bereits vom Landratsamt genehmigt und von der Industrie in die Wege geleitet“ sind. Das ging schnell: Analyse der Ursachen für den Störfall, Planung der technischen Lösung, Bauantrag stellen, bearbeiten und genehmigen und die Veränderungen in die Wege leiten. Oder waren die Schwachstellen und Lösungsmöglichkeiten schon lange bekannt?

Eine mögliche Erklärung dafür liefert der Alt-Neuöttinger Anzeiger am 30.3.12: Dr. Christian Magerl, der Vorsitzender des Umweltausschusses, hat das Werk selbst besucht und erfahren, dass es bereits vor dem Brand einen anderen Störfall gegeben hat. Dieser hat dazu geführt, dass die Notsysteme des Werkes Alarm gegeben und das Kühlwasser zeitweise in die Rückhaltebecken umgeleitet haben. Demzufolge waren die Schieber und/oder Rückhaltebecken zum Zeitpunkt des Brandes nicht voll einsatzbereit. Das sei der Grund dafür, dass das Kühlwasser erst 13 Minuten nach der Brandmeldung vollständig in die Becken gepumpt werden konnte.
Ausserdem sind die Messsonden im Kühlwasserkanal falsch – am Boden – angebracht während das Genamin in erster Linie obenauf schwimmt. Die Sensoren können daher den Schadstoff, den sie überwachen sollen, nicht (vollständig) registrieren.

Es fragt sich, ob die Anbringung bewusst gewählt wurde, um niedrigere Messwerte zu liefern? Immerhin kann die Überschreitung von Grenzwerten für Einleiter von Wasser in Vorfluter teuer werden.

Die strafrechtliche Aufarbeitung des Störfalles steht noch am Anfang. …