Wald und Wild in Einklang bringen

von Kirsten Tackmann

DIE LINKE steht für naturnahe Waldbewirt­schaftung. Das Ökosystem Wald ist für viele Tiere und Pflanzen ein wich­tiger Lebensraum. Wälder sind multifunktionale Alleskönner. Sie dienen zur Holzproduktion, zum Spaziergang und als Luftfilter. Gleich­zeitig sind viele Wälder geprägt vom Erbe alter Forstanbausys­teme, d. h. reine Wirt­schaftswälder mit einer Baumart – meist Kiefer oder Fichte – und alle Bäume im glei­chen Alter. Weil solche Wälder in ihrer öko­logischen und klimati­schen Funk­tion subop­timal sind, werden sie seit 30 Jahren schritt­weise nach neuen waldwirtschaftlichen Erkenntnissen umge­baut. Der Wald der Zukunft soll junge und alte Bäume und mehr Baumarten, insbe­sondere Laub­bäume, beherbergen. Doch dieser Umbau klappt oft nur, wenn man um den neuen Wald ein Gatter baut. Denn hohe Schalen­wildbestände (v. a. Reh- oder Rotwild) füh­ren dazu, dass mehr junge Bäume durch Fegen, Schälen oder Verbei­ßen geschädigt werden. Sie wachsen lang­samer oder krumm oder werden von der verschont gebliebenen Nachbar-Konkur­renzpflanze bedrängt.

Naturverjüngung und Baumartenvielfalt, da sind sich fast alle ExpertInnen einig, geht nur mit angepassten Wildbeständen. Weni­ger Rehe finden mehr Futteralternativen und verbeißen weniger Jungbäume. Teure Gatter würden nicht gebraucht. So weit ist sich die Fachwelt einig. Der Streit beginnt, wenn über Ursachen der hohen Wildbe­stände, der Verbissschäden und Wege zu ihrer Vermeidung diskutiert wird. Eine effek­tivere Bejagung muss dabei unstrittig eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehört auch die gesellschaftliche Anerkennung des großen Engagements vieler JägerIn­nen. Ohne eine vor Ort verankerte Jäger­schaft, zu der auch sozial Benachteiligte Zugang haben, wird das aus Sicht der LINKEN nicht zu leisten sein. Fakt ist aber auch, dass die Land­wirtschaft ihren Beitrag leisten muss, denn z. B. der Anbau von Pflanzen, die eine große Anziehung auf das Wild ausüben, und schwierige Beja­gungsbedingungen auf dem Acker tragen europa­weit zu steigen­den Wildbeständen bei. Auch Beunruhigung im Revier durch SpaziergängerInnen und ReiterInnen oder die Zerschneidung der Lebensräume können dazu beitragen, dass sich das Wild verstärkt an Jungbäumen ver­greift.

JägerInnen, FörsterInnen, Land­wirtInnen und Flächeneigentüme­rInnen können das Problem also nur gemeinsam lösen.

Um den dafür notwendigen Dialog zu unter­stützen, lud die Bundestagsfraktion DIE LINKE am Dienstag zu einem jagdpoliti­schen Fachgespräch ein. Wir wollten von den anwesenden ExpertInnen wissen, wel­che Probleme sie im Bereich der Jagd und welche Defizite sie bei den Gesetzen (Bun­desjagdgesetz und Landesjagd­gesetze), bei der Umsetzung oder der Kommunika­tion vor Ort sehen. Das Ergeb­nis war kon­struktiv, aber auch so bunt, wie der eingela­dene Teilnehmerkreis. Wir nut­zen die Erkenntnisse, um über weitere parlamenta­rische Schritte nachzudenken. Das Ziel bleibt klar: Wir wollen Wald und Wild in Ein­klang bringen und dabei möglichst viele Beteiligte einbeziehen.

http://www2.kirstentackmann.de/uploads/110701_position_linke_anforderungen_waldstrategie2020.pdf
und die Waldstrategie 2020:   http://www.bmelv.de/waldstrategie2020