Konzernkannibalismus – Was uns bevorsteht

Neue Oligopole sollen entstehen, die Saatgut, Sorten, Agrargifte, Düngemittel, Maschinen, Satelliten, EDV und Versicherungen beherrschen

von Silvia Ribeiro (klick); Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von poonal (klick);

Die Fusion zwischen Monsanto und Syngenta, zwei der weltweit größten und am meisten bekämpften Unternehmen, die Gensaatgut und Agrargifte herstellen, schien auf einem schlechten Traum zu beruhen. Heute ist sie jedoch wahrscheinlich und es handelt sich nur um einen der spektakulären Zusammenschlüsse, die vor sich gehen. Obwohl Syngenta die Monsanto-Offerte zum zweiten Mal ausschlug – der Konzern will mehr Geld – vereinbarten mit DuPont (Eigentümerin von Pioneer) und Dow Chemicals zwei weitere Giganten vor wenigen Tagen die Unternehmensverschmelzung. Monsanto gibt zudem das Werben um Syngenta nicht auf. Es handelt sich nur um einen kleinen Teil des Szenariums. Die Pläne der Konzerne sind weitgehender: Sie wollen immer größere Schlüsselsektoren der landwirtschaftlichen Produktion kontrollieren.

1981 prangerte ETC Group (klick) (damals noch unter dem Namen RAFI) 1) an, dass die Agrochemie-Unternehmen Saatgutbetriebe aufkauften und ihr Ziel darin bestand, Pflanzensaatgut zu entwickeln, das die von den Unternehmen selbst produzierten Gifte tolerierte. Die Landwirte sollten zum einen abhängig werden und zum anderen mehr Agrargifte – das lukrativste Geschäft – kaufen. Wir wurden Panikmacher genannt. Es wurde gesagt, eine solche Technologie werde niemals existieren – bis die Industrie 1995 genau dieses gentechnisch veränderte Saatgut ausbrachte.

Panikmache wird Realität

Damals gab es weltweit mehr als 7.000 Betriebe, die Saatgut für den Markt produzierten. In der Mehrzahl handelte es sich um Familienunternehmen. Keines davon kontrollierte mehr als ein Prozent des Marktes. 34 Jahre später sind es sechs Multis, die 63 Prozent des globalen Saatgutmarktes und 75 Prozent des globalen Marktes für Agrargifte beherrschen. Monsanto, Syngenta, DuPont, Dow, Bayer und Basf – alle ursprünglich Giftfabrikanten – sind die sechs Giganten, die die Produktion der Agrargifte und des Saatgutes sowie 100 Prozent der landwirtschaftlich genutzten gentechnisch veränderten Organismen (GVO) dominieren. Da kaum noch andere Unternehmen bestehen, widmen sie sich nun dem Kannibalismus. Syngenta ist der weltweit größte Produzent von Agrargiften. Deswegen machte auch sein chinesisches Pendant ChemChina ein Übernahmeangebot. Doch ChemChina bot nicht genug Geld. „Konzernkannibalismus – Was uns bevorsteht“ weiterlesen

Gentechnikfreisetzung durch Transportunfälle

poonal (klick) berichtet am 23.1.2015, dass in Mexico (Bundesstaaten Chihuahua, Guanajuato und Veracruz)  bei Transportunfällen innerhalb weniger Jahre 800 Tonnen genverändertenr Mais und Reis frei gesetzt wurden.

Die verantwortlichen Konzerne sind Monsanto Comercial, Bayer de México, Almidones Mexicanos und CPIngredientes.

weiter lesen

Marsch gegen MONSANTO!

Wann:

Samstag, 12. Oktober 2013                    14:00 – 19:00

Wo:

am Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus
Rathausstraße, 10178 Berlin am Alexanderplatz
march_against_monsanto

Genmais ist nicht koscher

Französische Wissenschaftler widerstehen Monsanto. Ihre Studie wies bei Ratten Gesundheitsschäden durch Verzehr einer manipulierten Sorte nach. Sie wird seither vergeblich als unseriös diffamiert

Von Peter Clausing

Vor knapp einem Jahr, am 19. September 2012, veröffentlichte Professor Gilles-Eric Séralini von der Universität Caen, Nordfrankreich, zusammen mit sieben weiteren Autoren in der Fachzeitschrift Food and Chemical Toxicology die Ergebnisse einer Langzeitstudie. Dabei wurden krebserregende Wirkungen und andere Gesundheitsschäden an Ratten nachgewiesen, nachdem diese 24 Monate lang mit gentechnisch verändertem NK603-Mais gefüttert wurden. Die Publikation schlug ein wie eine Bombe, denn sie stellt die laxe Risikobewertung für gentechnisch modifizierte (GM) Pflanzen, wie sie bislang von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und anderswo praktiziert wird, in Frage.

Eine Verschärfung der Prüfvorschriften würde die Zulassung von GM-Sorten deutlich erschweren und das Zulassungsverfahren für sie generell verlängern und verteuern. Außerdem müssten auch bereits zugelassene, positiv getestete Sorten vom Markt genommen und aufwendig neu bewertet werden. Genau dies forderten im vergangenen Jahr französische Spitzenpolitiker nach Erscheinen der Studie. Erwartungsgemäß heftig fiel die Reaktion der Gentechnikindustrie und -lobby aus. Innerhalb von 24 Stunden nach Veröffentlichung des Artikels entfaltete sich im englischen Sprachraum eine über diverse Medien verteilte Diffamierungskampagne, in der die Zeitschrift unter anderem zur Rücknahme des Artikels aufgefordert wurde. Zwar wurde dies nicht erreicht, aber es muss als Erfolg der Gentechniklobby gewertet werden, dass bei Food and Chemical Toxicology wenige Monate später der Posten eines speziellen Herausgebers für Publikationen zum Thema Biotechnologie geschaffen – und mit einem ehemaligen Monsanto-Mitarbeiter besetzt wurde. Ein zweites Ziel war die Diskreditierung Séralinis und seiner Kolleginnen und Kollegen. Beides folgte einem Muster, das schon bei früheren gentechnikkritischen Artikeln angewendet wurde. So berichtete der ungarische Wissenschaftler Arpad Pusztai bereits 1999 zusammen mit Stanley Ewen über Immunschäden nach Fütterung von GM-Kartoffeln an Ratten. Dies kostete ihn seinen Job am Rowett Research Institute im schottischen Aberdeen. 2005 erhielt er den Whistleblower-Preis der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler. Ähnliches widerfuhr Ignacio Chapela, als er zusammen mit seinem Doktoranden David Quist im Jahr 2001 aufdeckte, dass sich, bis dahin unbemerkt, GM-Mais im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca ausbreitete. Chapela konnte seinen Verbleib an der Universität Berkeley gerichtlich ertrotzen, seine in der renommierten Zeitschrift Nature erschienene Publikation wurde jedoch unter dem Druck der Gentechniklobby von deren Herausgeber nachträglich für ungültig erklärt.

Labor Séralini hält stand

Im Fall von Séralini funktionierte dieses Spiel nicht, wenn man von der erwähnten Installation des Biotechnologieexperten bei Food and Chemical Toxicology absieht. Der Professor und sein Team hatten von Anbeginn die Solidarität eines breiten Kreises von Akademikern, was bei solchen über die »Wissenschaftsschiene« geführten Auseinandersetzungen besonders wichtig ist. Über die stark besuchte, mehrsprachige Website wird den Angriffen transparent und offensiv begegnet.

Und erstmals in der Geschichte der Kontroversen um die Folgen der Genmanipulation an Organismen reagierte die Politik, wenngleich ziemlich halbherzig: In Frankreich gibt es seit dem 12. Juli 2013 eine Ausschreibung für die Etablierung eines Konsortiums zur »Untersuchung der gesundheitlichen Auswirkungen des Langzeitverzehrs von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln«, dem 2,5 Millionen Euro Forschungsmittel zur Verfügung
stehen sollen. Und die EU-Kommission lobte bereits im Juni eine mit drei Millionen Euro dotierte Studie zur Untersuchung der krebserzeugenden Wirkung von NK603-Mais aus, deren Beginn für 2014 geplant ist. Halbherzig sind beide Entscheidungen insofern, als im Sinne eines verantwortungsbewussten Risikomanagements die im Jahr 2004 erteilte Zulassung für NK603 als Nahrungsmittel so lange suspendiert werden müsste, bis die geplante Kanzerogenitätsstudie ausgewertet ist.

Erschütterte Fundamente

Die Ergebnisse von Séralini werden unter anderem deshalb so aggressiv bekämpft, weil sie an den Grundfesten der Argumentation der Gentechnikindustrie rütteln. Diese lautet, dass GM-Pflanzen zwangsläufig ohne Nebenwirkungen sein müssen, da es sich ja nur um eine Beschleunigung »natürlicher Veränderungen« ihrer genetischen Konstitution handele, ähnlich, wie sie im Verlaufe der Evolution ohnehin passieren würden. Auf Basis dieser Philosophie beklagen die Gentechnikbefürworter zu jedem sich bietenden Anlass selbst das von der EFSA geforderte Minimalprogramm einer Sicherheitsbewertung als Schikane, die ihnen die Gegner des biotechnologischen Fortschritts eingebrockt hätten. Dabei kann den Saatgutkonzernen auf Antrag sogar ein Teil der für bestimmte GM-Pflanzen empfohlenen Sicherheitsprüfungen erlassen werden. Das ist ein gravierendes Problem, zumal zahlreiche Mitglieder der Entscheidungsgremien dieser EU-Zulassungsbehörde Interessenkonflikte aufgrund ihrer Beziehungen zu GM-Produzenten haben, wie Anfang 2012 von Corporate Europe Observatory, einer in Brüssel ansässigen Nichtregierungsorganisation, dokumentiert wurde. Deshalb stellt die für NK603 ausgelobte Studie, die weit über die in der EFSA-Richtlinie von 2011 geforderten Prüfungen hinausgeht, einen Sieg jener kritischen Wissenschaftler dar, die seit Jahren strengere Maßstäbe für das Zulassungsverfahren einfordern.

Noch im Dezember sträubte sich die EFSA grundsätzlich gegen Langzeitstudien zu GM-Pflanzen. Erst unter dem Druck der Ereignisse scheint in der Behörde ein Sinneswandel einzutreten: Neben den – von EFSA-Vertretern offiziell als unzureichend bezeichneten – Ergebnissen aus dem Labor Séralini fällt offenbar die mittlerweile von neun EU-Ländern ausgesprochene Rücknahme der Zulassung für die GM-Mais-Sorte MON 810 ins Gewicht.

Aber auch aus molekularbiologischer Sicht gibt es allen Grund, die Anforderungen für die Zulassung von GM-Pflanzen zu revidieren. So konnte ein Forscher-Team um den chinesischen Professor Chen Yu Zhang von der Nanjing-Universität sogenannte Mikro-RNA von Pflanzen im menschlichen Blut nachweisen. Dies ist ein Beleg dafür, dass diese genetischen Steuermoleküle in der Lage sind, die menschliche Darmwand zu passieren und so auf Gene einzuwirken. Die Forschung von Chen Yu Zhang und Kollegen ist darauf ausgerichtet, die molekularbiologischen Mechanismen der traditionellen chinesischen Medizin aufzuklären. Gleichwohl weist die Tatsache, dass pflanzliche Mikro-RNA in den menschlichen Körper gelangen kann, auf noch näher zu untersuchende Risiken durch Nahrungsmittel mit genmanipulierten Komponenten hin.

Es ist also höchste Zeit, dass die Vorschriften für die Zulassung von GM-Pflanzen den verschiedenen neuen Erkenntnissen Rechnung tragen. Außerdem muss eine Unabhängigkeit der Sicherheitsprüfungen und ihrer Bewertung gewährleistet sein. Zugleich muss sichergestellt werden, dass – dem Verursacherprinzip folgend – die Unternehmen für die entstehenden Kosten aufkommen. Es bleibt zu hoffen, dass dafür gesorgt wird, bevor »das Kind in den Brunnen gefallen ist«. Denn auch vor der 1961/62 aufgedeckten Contergan-Tragödie vertraten die Pharmakonzerne und Behörden die Ansicht, bestimmte Tests seien nicht notwendig. Im Fall der Gentechnik wird sich bei näherem Hinsehen zudem erweisen, dass sich der Aufwand gar nicht lohnt, denn mit effizienten agrarökologischen Anbauverfahren und nicht zuletzt mit moderner konventioneller Züchtung, wenn deren Ergebnisse nicht Profitinteressen dienen, ist der Menschheit weitaus mehr gedient als mit aus GM-Pflanzen bestehenden Monokulturen.

Im September erscheint im Unrast-Verlag Peter Clausings neues Buch »Die grüne Matrix. Naturschutz und Welternährung am Scheideweg«
http://www.unrast-verlag.de/die-gruene-matrix-detail

junge welt,  7.8.2013 (https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=%2Fbeilage%2Fart%2F265155%3Fsstr%3Dkoscher)

Darf Wissenschaft Konzerninteressen widersprechen?

Gentechnisch modifizierter Mais von Monsanto hat Ratten im Versuchslabor getötet. Das geht aus einer Studie [1] der Universität Caen [2] hervor. Das Pikante daran: Die Erhebung wurde sofort nach ihrer Veröffentlichung kritisiert. Die Ergebnisse sind bis heute in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Ergebnisse bereits 2012 veröffentlicht Die Forschungsergebnisse wurden bereits im September 2012 veröffentlicht. Laut Gilles-Eric Seralini von der Universität Caen kann der Verzehr des gentechnisch veränderten Maises extreme Gesundheitsschäden hervorrufen. Organschäden, Tumore und letztendlich ein verfrühter Tod gehören dazu. Im Interview mit pressetext erklärt Dirk Zimmermann, Gentechnik-Experte von Greenpeace: „Langfristige Effekte können nicht kritisch genug betrachtet werden. [3]“ Die Genmais-Lobby bezeichnet die Studie hingegen als „absurd“, „unangebracht“ und „Standards nicht erfüllend“. So Julian Little, Vorsitzender des Agricultural Biotechnology Council, das unter anderem Monsanto repräsentiert. Laut Little sind die Anschuldigungen, die Studienergebnisse würden von Monsanto zurückgehalten, verrückt. Es handle sich um eine „Verschwörungstheorie, die nicht zündet“. Mehr als drei Billionen Mahlzeiten mit gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln seien weltweit bereits verzehrt worden – ohne Gesundheitsprobleme. Multi-Milliarden-Dollar-Industrie unter Beschuss „Die Studie bedroht existenziell die Grundlage einer Multi-Milliarden-Dollar-Industrie“, beschreibt Claire Robinson, Mitglied der Umwelt-Gruppe GM Watch, den Hintergrund [4]. „Die Attacken auf Seralinis Forschungsmethoden sind besonders verdächtig, weil er einfach die gleiche Methode wie Monsanto selbst angewandt hat. Er hat den Versuch nur in die Länge gezogen.“ (asp/pte [5])


[1↑] http://bit.ly/14SnESB
[2↑] http://www.unicaen.fr/recherche/mrsh/annuaire/1614849
[3↑] http://www.greenpeace.de/gentechnik
[4↑] http://bit.ly/1dzDwhC
[5↑] http://www.pressetext.com/news/20130902014

 

Monsantos „Rückzug“ ist unglaubwürdig

Pressemitteilung des BUND

18.7.2013

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht in der Ankündigung des Gentechnikkonzerns Monsanto, Zulassungsanträge für den Anbau von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen in der Europäischen Union zurückziehen zu wollen, keinen Grund zur Entwarnung.

Heike Moldenhauer, BUND-Gentechnikexpertin: „Wir halten den von Monsanto angekündigten Rückzug aus der EU für Theaterdonner. Monsanto will vor allem aus der öffentlichen Negativwahrnehmung verschwinden, um dann hinter den Kulissen bei den Verhandlungen um das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU umso effektiver lobbyieren zu können. Ziel von Monsanto ist es natürlich nach wie vor, den EU-Markt mit seinen Produkten zu erobern.“

Monsantos Rückzugsankündigung sei unglaubwürdig, solange nicht auch der Wiederzulassungsantrag für den Gentech-Mais Mon 810 zurückgenommen werde. Zudem halte das Unternehmen auch an 46 Zulassungsanträgen für gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel fest, die als Importe auf die EU-Märkte gelangen sollen. Völlig unverständlich sei, warum Monsanto seine Zulassungsanträge für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen erst in den nächsten Monaten zurückziehen wolle und dies nicht sofort umsetze.

Moldenhauer: „Ein echter Rückzug aus Europa sieht anders aus. Für niemanden in der EU sollte es jetzt Entwarnung geben. Gerade beim Freihandelsabkommen muss sich die EU jetzt umso stärker gegen Einflüsterungsversuche der Gentech-Industrie zur Wehr setzen.“

Mehr Informationen

Pressekontakt: Heike Moldenhauer, BUND-Gentechnik-Expertin, Tel.: (0 30)2 75 86-4 56, heike.moldenhauer@bund.net bzw.  Almut Gaude, BUND-Pressereferentin, Tel.: (0 30)2 75 86-4 64, presse@bund.net

Monsantos „Rückzug“

Scheibchenweise gelangen darüber Informationen an die Öffentlichkeit, dass Monsanto seine Gentechnik-Ambitionen in Europa beenden will. Bereits im Mai hatte ein Unternehmenssprecher gegenüber der „taz“ erklärt, dass Monsanto die Lobbyarbeit in Europa aufgebe, weil Genpflanzen hier auf zu starke Ablehnung stoßen.
Die Freude bei den Gentechnikgegnern war groß – zu groß, denn die Ankündigung wurde kurz danach wieder dementiert.

Jetzt verkündete José Manuel Madero, neuer Leiter des europäischen Geschäfts von Monsanto, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters am 17. Juli 2013, dass Monsanto „alle laufenden Zulassungsanträge für den Anbau gentechnisch verbesserter Nutzpflanzen in der Europäischen Union zurücknehmen will“. Das betrifft Anträge für sieben genveränderte Sorten, die gegen Roundup resistent sind und/oder Insektengifte enthalten: fünf für genetisch veränderten Mais, einen für Sojabohnen und einen für Zuckerrüben.
Der Grund sind die laut Monsanto schlechten wirtschaftlichen Aussichten und die langsamen Zulassungsprozeduren.

Doch an der Neuzulassung der bereits 1998 für zehn Jahre zugelassene Maissorte MON 810 will man festhalten. MON 810 kann bis dahin dennoch angebaut werden, außer in einigen Ländern, in denen der Anbau verboten ist. Dazu zählt auch Deutschland.
Monsanto will sich aus Europa nicht zurückziehen. Das Geschäft im Bereich Saatgut und Pflanzenschutz wird ausgebaut. Dazu will ca. 300 Millionen US- Dollar in die Züchtung und Produktion von konventionellem Saatgut in Europa investieren.

Inwieweit die Rücknahme der sieben Anträge tatsächlich einen Rückzug und nicht eine billige PR-Aktion darstellt, ist zweifelhaft. So schreibt Telepolis:

„Insoweit können sich die Gentechnikgegner freuen, einen Sieg über Monsanto errungen zu haben, allerdings könnte das Thema der Zulassung über das geplante Freihandelsabkommen wieder ganz anders aussehen. Noch gibt sich die Bundesregierung stark, Kanzlerin Merkel hat erst einmal versprochen, dass die Gentechnik-Bestimmungen in Europa nicht denen in den USA angepasst würden. Vielleicht weiß Monsanto aber schon mehr und wartet erst einmal ab.“

Auch andere Gründe sprechen dagegen: Testbiotech verweist darauf, dass von dieser Ankündigung  Zulassungsanträge für gentechnisch veränderte Pflanzen für den Import als Futter- und Lebensmittel wie den Mais SmartStax nicht betroffen sind.

So schreibt auch Dr. Kirsten Tackmann, MdB in ihrer Pressemitteilung am 19.7.2013:

„Monsanto sollte Gentech-Anbau in der EU ganz aufgeben“

„Monsanto sollte konsequent sein und alle Gen-Anbau-Anträge in der EU zurückziehen. Dazu gehört auch der umstrittene Gentech-Mais MON 810 und der kurz vor der Zulassung stehende Gentech-Mais SmartStax“, so Dr. Kirsten Tackmann. Die agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion kommentiert die Pläne des US-Konzerns Monsanto, einige seiner Anträge auf Anbauzulassung gentechnisch veränderter Pflanzen in der EU zurück zu nehmen.

Im Mai feierten einige Umweltschützerinnen und Umweltschützer bereits das Ende des Monsanto-Genmais-Spektakels in der EU. Doch Kritikerinnen und Kritiker wiesen zurecht darauf hin, dass sich die Propagandaabteilung des US-Konzerns lediglich auf gentechnikfreundliche Staaten konzentrieren wollte. Die Anbauzulassungsanträge, die Monsanto bei der EU gestellt hatte, wurden damals nicht zurückgezogen. Doch nun scheint der Agrar-Gigant erkannt zu haben, dass seine Gentech-Pflanzen bei uns nicht gewollt sind. Er hat angekündigt, sieben Anbauzulassungen in den kommenden Monaten zurückzuziehen. Das betrifft fünf Maissorten, eine Sojapflanze und eine Zuckerrübe. Leider will Monsanto jedoch an MON 810 festhalten. Die einzige Gentech-Pflanze, die in der EU überhaupt angebaut, aber in zahlreichen EU-Mitgliedstaaten verboten ist, auch in Deutschland. Auch der achtfach gentechnisch veränderte Mais SmartStax steht weiterhin kurz vor der Zulassung. Wenn Monsanto seinen EU-Rückzug ernst meint, muss der Konzern auch auf diese beiden Gentech-Pflanzen verzichten. Andernfalls wäre die Meldung nichts weiter als ein neuer PR-Gag zur Verunsicherung der gentechnikkritischen Bewegung in Europa. Stattdessen sollte er lieber dem Beispiel der BASF folgen und das Gentechnik-Kapitel in der EU für beendet erklären.“

„Grüne“ Gentechnik geht in die zweite Runde

Das „Grüne“ an der Gentechnik kennzeichnet die Anwendung bei Pflanzen, in der Landwirtschaft. Es ist aber auch eine Beschönigung und wird verwendet, um die Gegner milder zu stimmen.

Neue gentechnische Verfahren

Das ist um so wichtiger, als zur Zeit neue gentechnische Verfahren in die Freiland-Erprobung gehen: Kartoffeln mit Resistenzgenen gegen Kraut- und Knollenfäule und Weizen, der mit Duftstoffen Läuse abwehrt. Der – zumindest theoretische – Vorteil ist, dass nicht Gifte eingesetzt werden müssen, um Schädlinge zu vernichten, sondern die Pflanzen diese selbst vertreiben bzw. widerstandsfähig werden.
Dazu wurde den Kartoffeln ein Resistenzgen von Wildkartoffeln übertragen. Bisher werden gegen Kraut- und Knollenfäule bis zu 15 Mal im Jahr Spritzungen mit Fungiziden durchgeführt, die entfallen könnten.
Weizen wurde so modifiziert, dass er – wie Hopfen oder Minze – einen Duftstoff bildet, den auch Blattläuse unter Stress erzeugen, wodurch sie sich gegenseitig vor Gefahren warnen. Wenn die Versuche erfolgreich sind, könnten auch hier Spritzungen entfallen.
Ob der Weizen dann ohne Hopfenzusatz zu Bier vergoren werden oder das Brot nach Minze schmecken soll, ist nicht bekannt.

In Schweden wurden in Gerste zwei Gene eingeführt, die zu einer besseren Stickstoffverwertung führen (sollen). Stickstoff wird ausser von Hülsenfrüchten nur aus dem Boden aufgenommen und muss diesem in Form von Kunstdünger oder Gülle zugeführt werden. Bei Überdosierung, die nicht selten vorkommt, gelangt er als Nitrat in das Grundwasser.

Den genannten Verfahren ist gemein, dass durch gentechnische Modifikationen der Einsatz chemischer Mittel (Gifte, Dünger) reduziert werden könnte. Insofern wären sie ein Beitrag zu Verbesserung der Ernährungssituation weltweit. Das wäre auch die Begründung dafür, dass das BMBF in der Antwort auf eine Anfrage der Grünen den Anteil an Forschung zu gentechnisch veränderten Pflanzen in den einschlägigen Initiativen im Bereich Welternährung derzeit ca. 15 Prozent schätzt.

So viel zu den Heilsversprechen der „grünen“ Gentechnik. Wie sieht die Praxis aus?

Seit Jahren kämpft der Hobbyimker Karl Heinz Bablok aus Kaisheim im Landkreis Donau-Ries gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Bereits im Herbst 2011 hatten er und andere Imker beim Europäischen Gerichtshof erreicht, dass Honig mit Spuren genveränderter Pflanzen ohne Lebensmittelzulassung nicht verkauft werden darf.
Jetzt wollen sie vor Gericht einen Schutzanspruch erreichen, der den Freistaat verpflichtet, ihren Honig vor einer Verunreinigung mit gentechnisch modifiziertem Pollen zu schützen. Ohne die Entscheidung des EuGH konnte sich das Bayerische Verwaltungsgericht in einem früheren Verfahren nicht dazu entschliessen, den damals beklagten Freistaat zu Schutzmaßnahmen zu verpflichten. Das damalige Urteil hatte aber unter anderem zur Folge, dass seit 2009 kein Mais der Sorte MON810 mehr angebaut werden darf.

Dennoch wurden beim Bundesamt für Verbraucherschutz insgesamt 330 ha in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt für den Anbau von MON810 angemeldet – für den Fall, dass der Anbau vor Beginn der Aussaat wieder zugelassen wird. Sachsen ist mit 11 von 21 Anmeldungen (in Dreiheide, Bad Düben, Laußig, Wiednitz und Zabeltitz) führend bei der Anbauplanung.
Dabei wird offenbar ignoriert, dass in den USA eine Gruppe von Wissenschaftlern die EPA darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Wirksamkeit (Insektenresistenz) des Bt-Mais gegen den Maiswurzelbohrer in bedrohlichem Ausmaß sinkt („Scientists warn EPA on Monsanto corn rootworm“).

Auch der Bt-Mais (MON810 ist eine Bt-Mais-Sorte) wurde entwickelt, um den Pestizideinsatz zu senken, weil der Mais selbst ein Gift produziert. Tatsächlich konnte die Umweltbelastung durch Pestizide um ca. 30% gesenkt werden. Im Zusammenhang mit den aufgetretenen Resistenzen rät Monsanto1) nun, beim Anbau mit anderen Biotech-Pflanzen zu rotieren oder Insektizide einzusetzen. Zwar wäre das sicher im Interesse des Chemieriesen, würde aber die Resistenzbildung wahrscheinlich noch mehr verschärfen.
Es wäre für viele Farmer ein Leichtes, auf Bt-Mais zu verzichten, aber seine Verbreitung ist bereits so weit fortgeschritten, dass in einigen Gebieten gentechnikfreie Ware einfach nicht verfügbar ist.

Das Resistenzproblem wird möglicherweise durch eine unerwartete Wechselwirkung verschärft:
Chinesische Wissenschaftler von der Universität Tianjin haben bei Bakterien nachgewiesen, dass Aluminiumoxid-Nanopartikel die Verbreitung von Resistenzgenen fördern können.
Genaustausch ist bei miteinander verwandten Organismen nichts Neues; bei Bakterien führt er zu einer besonders schnellen Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen und im Speziellen durch Austausch von Resistenzgenen zur Bildung von Resistenzen bei ganzen Stämmen. Allerdings tritt das normalerweise nur bei nah verwandten Arten auf, z.B. bei Escheria coli untereinander. Als die Forscher jedoch verschiedene Nanopartikel zu den Proben gaben, führte das dazu, dass wesentlich mehr Resistenzgene aus E. coli-Bakterien in Salmonellen auftraten, als üblich. Besonders hoch war der Einfluss von Aluminiumoxid, wobei auch Titan-, Eisen- und Siliziumoxid in Nano-Größe getestet wurden. Das ist besonders bedeutsam, weil Nanoteilchen aus Aluminiumoxid sehr weit verbreitet sind. Sie kommen zum Beispiel in vielen Farben, Lacken, Putzen, Schleif- und Poliermitteln vor. Was davon letztendlich in den Boden gelangt, ist nicht vorauszusagen.
Auch kann aus den Laboruntersuchungen zur Zeit keine direkte Umweltrelevanz abgeleitet werden, denn in der natürlichen Umwelt ist mit geringeren Konzentrationen zu rechnen als in den Laborversuchen und außerdem  können die Teilchen leicht verklumpen und ihre Wirkung dadurch verlieren. Eine Entwarnung ist damit aber keinesfalls gegeben….

Was kann Mensch tun?

Es gibt viele Indizien und Beweise, dass „grüne“ Gentechnik nicht die versprochene Lösung der Ernährungsprobleme liefert.
Im Gegenteil: Auch das BMBF schätzt in seiner oben genannten Antwort ein, „dass sehr unterschiedliche Auffassungen von Bedeutung und Umfang der sozioökonomischen Dimension des Anbaus von GVO bestehen. Dies betrifft auch den Beitrag zur Sicherung der Welternährung…:“
Lobby-„Arbeit“ im Interesse der profitierenden Konzerne ist dagegen die treibende Kraft für die Gentechnikbefürworter. Die muss niemand unterstützen und wer sich gegen ihre wirtschaftliche Stärkung wehren und gleichzeitig kein unnötiges Risiko eingehen will, kann beispielsweise handeln, wie Mailin und Heiner und sein persönliches Einkaufen und Handeln entsprechend anpassen…

 

Wolfgang Borchardt; 7.4.2012

1)   Zu Monsanto und seinen Produkten siehe zum Beispiel

zurück

Illegaler Gen-Mais in Polen

Pressemitteilung des Umweltinstitutes München, 29. März 2012

Verkaufsstopp gefordert

Die deutsche KWS Saat AG drängt mit genmanipuliertem Maissaatgut auf den polnischen Markt, obwohl der Verkauf von Gen-Saatgut und der kommerzielle Anbau dort verboten sind. Seit vier Jahren werden etwa 3000 Hektar Gen-Mais illegal in Polen angebaut. Die polnische Regierung hat bisher nicht eingegriffen. Nun will die KWS den illegalen Anbau offensichtlich ausweiten und wirbt bei polnischen Landwirten für Gen-Saatgut.

Erst im August 2011 hatte Polens Präsident Komorowski in letzter Minute den Einzug der Agro-Gentechnik blockiert. Dem Präsidenten wird zwar keine besonders kritische Haltung gegenüber der Gentechnik zugeschrieben, der Großteil der polnischen Bevölkerung lehnt sie jedoch ab.

„Mit der dreisten Verkaufsoffensive will die KWS Fakten schaffen und die wankelmütige polnische Regierung zur Aufgabe des strikten Anti-Gentechnik-Kurses zwingen“, sagt Anja Sobczak, Gentechnik-Referentin am Umweltinstitut München. „Es kann nicht sein, dass ein Saatguthersteller der Regierung das weitere Vorgehen diktiert“, so Sobczak weiter. Daher fordert das Umweltinstitut München die KWS Saat AG auf, den Verkauf von genmanipuliertem Saatgut in Polen sofort zu stoppen.

„Während die BASF sich mit ihrer Agro-Gentechnik aus Europa zurückzieht, gehört die KWS offensichtlich zu den unverbesserlichen Gentechnikfreaks“, kritisiert Harald Nestler, Vorstand im Umweltinstitut München. „Einerseits versucht die KWS, sich das Mäntelchen von Ökologie und Nachhaltigkeit mit der Produktion von Biosaatgut umzuhängen, auf der anderen Seite ist sie auf dem Stand ihres ersten Freisetzungsversuchs im Jahre 1993 stehen geblieben. Schon damals begann die KWS bei der ersten Freisetzung von genmanipulierten Zuckerrüben, Bauern und Verbraucher zu belügen und zu täuschen“, so Nestler. So wurde z.B. ein von Gentechnik-Kritikern vermutetes Vertriebskonzept hinter der Kombination aus resistenten Gen-Pflanzen und damit kompatiblem Agrargift als frei erfunden und Schwarzseherei diskreditiert. Heute wissen wir, dass die angebauten Gen-Sorten fast ausschließlich eine Herbizidtoleranz enthalten oder selbst ein Gift im Pflanzenkörper produzieren.

Die KWS Saat AG aus dem niedersächsischen Einbeck ist mit mehr als 40 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften in 70 Ländern Deutschlands größtes Saatgutunternehmen und gehört zu den fünf größten Saatgutherstellern weltweit. Bei genmanipuliertem Saatgut kooperiert sie seit langem mit dem Marktführer Monsanto. Unter dem Markennamen YieldGardÒ wird der Gen-Mais MON 810 von Monsanto in Europa vertrieben.

Rückfragen gerne an:

Umweltinstitut München e.V.
Anja Sobczak
Referentin Gentechnik und Landwirtschaft
Tel. (089) 30 77 49 – 14
as@umweltinstitut.org

Pressestelle:
Katja Bachert
Tel. (089) 30 77 49 – 19
kb@umweltinstitut.org

Marienkäferdebatte

Unter der Überschrift

Und er tötet doch! – Neues zur Marienkäferdebatte

bringt Genfood-nein-danke (klick) einen lesenswerten Bericht über eine neuere Untersuchung von Forschern der ETH Zürich, in der nachgewiesen wird: „Das von genmanipuliertem Mais wie MON810 gebildete Bt-Toxin Cry1Ab tötet Mareinkäferlarven“.

Eine ältere Studie aus dem Jahr 2008 war ebenfalls zu diesem Ergebnis gelangt und von der Gentechniklobby massiv angegriffen worden. In der neuen Studie wurden die damaligen Kritikpunkte berücksichtigt und brachten dasselbe Ergebnis: Und er tötet doch! (klick)