Langener LINKE ist gegen weitere Bannwaldrodung

Das Regierungspräsidium Darmstadt hat der Firma Sehring die Rodung von weiteren 8,1 ha Bannwald (https://de.wikipedia.org/wiki/Bannwald) genehmigt. Für die LINKE Langen ist dies nicht nachvollziehbar, da über die Klage des BUND, die seit vier Jahren anhängig ist, bis heute noch nicht endgültig entschieden ist.  Hier werden Tatsachen geschaffen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Für die Natur im Rhein-Main-Gebiet ist diese Entscheidung eine Katastrophe. Hier wird wertvoller, nicht zu ersetzender Bannwald zerstört. Gerade in einem Ballungsgebiet ist der Wald für die Reinigung der Luft und das Klima unersetzlich. Auch die Auswirkungen auf unser Grundwasser sind nicht unerheblich. Und den Bürgerinnen und  Bürgern unserer Gegend geht ein unbezahlbarer Erholungsraum verloren. Dies lässt sich auch nicht durch ein paar Froschteiche wie an der ehemaligen Ostgrube vertuschen.

Marianne Wurm, Sprecherin der LINKEN Langen, äußert ihr Unverständnis über die Entscheidung.  Vor allem ist unverständlich, dass dies unter der Leitung einer grünen Regierungspräsidentin geschieht. Es kann nicht sein, dass immer weiterer Bannwald dem Profit einer Firma geopfert wird, die sich dann durch Spenden an Langener Vereine als „Heilsbringer“ feiern lässt. Unverständlich ist für die LINKE Langen auch, dass es weitere Genehmigungen zur Rodung gibt, obwohl die Firma Sehring mit der Renaturierung der gerodeten Flächen seit Jahren nicht nachkommt.

https://www.die-linke-kreis-offenbach.de/nc/aktuelles/presse/detail/news/langener-linke-gegen-weitere-bannwaldrodung/

Nanopartikel in der Umwelt

Kohlenstoffnanoröhrchen bleiben jahrelang in Werkstoffen gebunden. Nanotitandioxid und Nanozink werden hingegen rasch aus Kosmetika ausgewaschen und reichern sich im Boden an. Ein neues Modell von Forschenden des Nationalen Forschungsprogramms „Chancen und Risiken von Nanomaterialien“ (NFP 64) zeichnet die Flüsse der wichtigsten Nanomaterialien in der Umwelt nach.

Wie viele menschgemachte Nanopartikel gelangen in die Luft, in den Boden oder ins Wasser? Um die Mengen abzuschätzen, hat eine Gruppe von Forschern um Bernd Nowack von der Empa in St. Gallen im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms „Chancen und Risiken von Nanomaterialien“ (NFP 64) ein Computermodell entwickelt. 1)
„Unsere Schätzungen sind die besten der im Moment verfügbaren Daten zu den Massenflüssen von Nanosilber, Nanozink und Nanotitandioxid sowie von Kohlenstoffnanoröhrchen in der Umwelt“, sagt Nowack.

Kosmetika und Tennisschläger

Im Gegensatz zu den bisher verwendeten statischen Berechnungen berücksichtigt das neue – dynamische – Modell nicht nur das starke Wachstum der Herstellung und des Gebrauchs von Nanomaterialien, sondern kalkuliert auch mit ein, dass unterschiedliche Nanomaterialien in verschiedenen Anwendungen Einsatz finden.
So sind zum Beispiel Nanozink und Nanotitandioxid vor allem in Kosmetika zu finden. Gut die Hälfte dieser Nanopartikel gelangt innerhalb eines Jahres ins Abwasser und von dort weiter in den Klärschlamm. Kohlenstoffnanoröhrchen hingegen werden in Verbundsstoffe integriert und sind deshalb in Tennisschlägern oder Velorahmen gebunden. Freigesetzt werden sie vielleicht erst in mehr als zehn Jahren, wenn diese Produkte in der Abfallverbrennung oder im Recycling landen.

39 000 Tonnen Nanoteilchen

Die an der Studie beteiligten Forschenden der Empa, der ETH und der Universität Zürich gehen zum Beispiel beim Nanotitandioxid von einer europaweiten Jahresproduktion in der Höhe von 39 000 Tonnen aus – bedeutend mehr als alle anderen Nanomaterialien zusammen. Das Modell berechnet, wie viel davon in die Luft, in die Oberflächengewässer, die Sedimente und in den Boden gelangt, wo es sich anreichert. In der EU erreicht das Nanotitandioxid durch die Düngung mit Klärschlamm (eine in der Schweiz verbotene Praxis) unterdessen eine Konzentration von durchschnittlich 61 Mikrogramm pro Kilo in den betroffenen Böden.

Die Massenflüsse in der Umwelt zu kennen, ist allerdings nur der erste Schritt in der Risikoabschätzung für Nanomaterialien. Nun gelte es, diese Daten mit ökotoxikologischen Versuchsresultaten und den gesetzlichen Grenzwerten zu vergleichen, sagt Nowack. Mit ihrem neuen Modell haben die Forschenden um Nowack noch keine Risikoevaluation gemacht. Frühere Arbeiten mit Daten aus einem statischen Modell zeigten jedoch, dass die ermittelten Konzentrationen aller vier untersuchten Nanomaterialien keine Auswirkungen auf die Umwelt erwarten lassen. 2)

Aber zumindest für Nanozink nähern sich die Umweltkonzentrationen dieser kritischen Grenze an. Deshalb müsse dieses Nanomaterial in künftigen ökotoxikologischen Studien prioritär untersucht werden. Dies obwohl Nanozink in kleineren Mengen als Nanotitandioxid hergestellt werde. Außerdem seien ökotoxikologische Versuche bisher vor allem mit Süßwasserorganismen durchgeführt worden. Nun drängten sich ergänzende Untersuchungen mit Bodenlebewesen auf, schließen die Forschenden.

Kontakt

Prof. Dr. Bernd Nowack
Empa
Environmental Risk Assessment and Management Group
Lerchenfeldstrasse 5
CH-9014 St. Gallen
Tel. +41 (0)58 765 76 92
E-Mail nowack@empa.ch


Fussnote(n)

[1↑] T. Y. Sun et al.: Dynamic probabilistic Modelling of Environmental Emissions of Engineered Nanomaterials. Environmental Science & Technology (2016); doi: 10.1021/acs.est.5b05828
[2↑] C. Coll et al.: Probabilistic environmental risk assessment of five nanomaterials (nano-TiO2, nano-Ag, nano-ZnO, CNT, and fullerenes). Nanotoxicology (2016); doi: 10.3109/17435390.2015.1073812

(Für Medienvertreter sind beide Publikationen als PDF-Datei beim SNF erhältlich: com@snf.ch)


Quelle:

Schweizerischer Nationalfonds (SNF) zur Förderung (klick zur Seite des SNF) der wissenschaftlichen Forschung

weitere Informationen

„Chancen und Risiken von Nanomaterialien“ (NFP 64)

Im Auftrag des Bundesrates führt der Schweizerische Nationalfonds das Nationale Forschungsprogramm „Chancen und Risiken von Nanomaterialien“ (NFP 64). Das Ziel ist, die Lücken im gegenwärtigen Wissen über Nanomaterialien zu schließen, von Herstellung bis zum Einsatz und Entsorgung. Die gesamten Schlussempfehlungen des NFP 64 werden 2017 in Syntheseberichten veröffentlicht.

Kommentare zur Abwasserpolitik

Zu: „Keine ökologisch unsinnige und sozial ungerechte Abgabe für Wasserentnahme“ (klick)

21.1.2016

Ja, auch linke Regierungen brauchen Geld.
Aber muss eine Regierung unter Führung der LINKEN nun unbedingt auch damit fortfahren, sich auf dem Weg des vermeintlich geringsten Widerstandes das Geld von den „kleinen Leuten“ zu holen?
Von SPD-Regierungen vom Typ Schröder sind wir ja nichts anderes gewohnt. Nun also auch dasselbe mit der LINKEN. Wollten wir nicht eine gerechte Umverteilung?

Harald Kulhanek
Chorin

26.1.2016

In Berlin gibt es für größere Abnehmer u. Brunnenbetreiber die GRUNDWASSERENTNAHNEGEBÜHR, die auch nicht dem Wasser insgesamt zugute kommt, sondern im Haushalt Berlins verschwindet.
Wir wollten die Gebühr z. B. für vermehrt auftretende Schäden durch steigendes Grundwasser nach der Deindustrialisierung des Ostens einsetzen, zumindest zum Teil. Das ist bislang nicht gelungen. Zudem machen die Wasserbetriebe riesige Gewinne aus dem Verkauf von Wasser und für die Abwasserbeseitigung, auch die versickern beim Finanzsenator.
Um Transparenz da rein zu kriegen, werden wohl noch einige Wahlperioden vergehen.

Mit solidarischen Grüßen
Eberhard Roloff

Zu: „Abwasserpolitik und Wasserhaltung in der Landschaft“ (klick)

3.2.2016

Sehr geehrter Herr Mascher,

der Problemanalyse in Ihrer Presseerklärung (klick) kann ich mit Einschränkungen zustimmen, keinesfalls jedoch folgenden darin enthaltenen Forderungen:

  1. „Bau von den Ortsgrößen angemessenen dezentralen Anlagen mit Rückführung des geklärten Abwassers in die örtliche Landschaft, Betrieb derselben durch Anliegergenossenschaften, Gemeinde- oder Ortsbeiräte“.
  2. „Aufhebung jedes Anschlusszwanges für Grundstücke, die über ökologischen und gesetzlichen Normen genügende Kleinkläranlagen verfügen.“

Die Einschränkung ist, dass Sie den wahren Grund des Sinkens der Grundwasserspiegel – trotz aufgrund des Klimawandels künftig stark zunehmender Niederschläge – entweder nicht kennen oder in der Presseerklärung verschweigen, zur Richtigstellung hier ein Zitat aus „Brandenburg gräbt sich das Wasser ab“ (klick):

„Zerfallende Stauwehre

Für Michels liegen die entscheidenden Ursachen in den Komplexmeliorationen. Und der Verlauf der Grundwasserabsenkung scheint ihm Recht zu geben. So wurden im Einzugsgebiet des Großen Kagelpfuhls die letzten großen Komplexmeliorationen vor etwa 15 Jahren abgeschlossen. Damit begann das Wasser zu sinken. Das Ziel dieser Meliorationen bestand in der Gewinnung neuer Nutzflächen.
Mit großem technischem Aufwand wurden dabei grundwasserbeeinflusste feuchte Böden entwässert. Zu diesem Zweck wurden Fließgewässer verdolt, Kleingewässer verfüllt, mehrere Meter tiefe Abzugsgräben angelegt und überschüssiges Wasser durch Pumpwerke weitergeleitet. Gerade in den 70er und 80er Jahren wurden diese Meliorationen mit schwerer Technik großflächig und sehr effektiv durchgeführt. Im Zuge dieser Meliorationen wurden jedoch immer Stauwerke errichtet. Mit diesen meist kleinen unscheinbaren Stauanlagen ließ sich der Wasserstand in den Gräben, der die Höhe des oberflächennahen Grundwassers mitbestimmt, noch in gewissem Rahmen regulieren. Waren die Stauanlagen geschlossen, konnte das Wasser lange in der Landschaft zurückgehalten werden. So, wie heute von der Projektgruppe Landschaftswasserhaushalt gefordert.

Rüdiger Michels verweist auf die ersten Jahre nach der Wende: „In den Amtsblättern wurden die Eigentümer, auf deren Flächen sich Stauwerke befanden, wiederholt aufgerufen, sich zu melden. Damals hätten wir sicher Mittel und Wege gefunden, die Anlagen zu erhalten. Aber kaum jemand hat sich in diesen Jahren gemeldet.

In ganz Brandenburg stehen heute noch ungefähr 13.000 dieser Stauwerke. Viele davon sind aber marode oder bereits völlig verfallen. Keiner war für Erhalt und Sanierung zuständig. Auch die Boden- und Wasserverbände nicht. Laut Gesetz sind sie nur für den schadfreien Abfluss des Wassers aus der Landschaft verantwortlich. Was vor zehn Jahren noch mit einem vergleichsweise sehr geringem finanziellen Aufwand möglich gewesen wäre, würde heute sehr teuer werden. In dieser Instandsetzung der Stauwerke liegt aber laut Rüdiger Michels der Schlüssel für die flächendeckende Sanierung des Wasserhaushaltes in Brandenburg.“

Aber nicht nur diese Ursache haben Sie in Ihrer Presseerklärung nicht erwähnt, auch mit Ihren oben angeführten Vorschlägen bin ich nicht einverstanden, Begründung:

  • Gemeinde- oder Ortsbeiräte sind gewählte Volksvertreter, werden dadurch aber mitnichten zu Fachleuten auf dem Gebiet der Abwasseraufbereitung. Die „Grüne Liga Brandenburg e.V.“ weiß das sicher, und fordert daher auch „Personelle Aufstockung der Unteren Wasserbehörden zur besseren Beratung und Kontrolle der Abwasserbetriebe und Bürgerberatung.“ Meinen Sie ernsthaft, eine solche Beratung ersetzt ein Fachstudium, dass gemeinhin erforderlich ist bei Bewerbungen des technischen Leitungspersonals für Betrieb und laboranalytische Überwachung solcher Anlagen? Ein solcher Standpunkt kann nur monetär oder politisch begründet sein, er lässt m.E. jedenfalls jede Wertschätzung gegenüber den auf dem Gebiet der Abwasserbehandlung tätigen Fachleuten und Ingenieuren vermissen – und für die Umwelt das Schlimmste befürchten, wenn Ihren Vorstellungen entsprochen würde.
  • Auch eine den gesetzlichen Normen genügende Kleinkläranlagen muss fachgerecht betrieben werden, wie soll das bei einer stark alternden Bevölkerung immer gewährleistet bleiben, doch nicht vom Pflegedienst? Richtig ist Ihr Vorschlag dezentraler, bedarfsgerechter Anlagen, jedoch müssen diese eine wirtschaftliche Mindestgröße haben, um moderne Abwasserreinigungsmethoden qualifiziert zur Anwendung zu bringen – mit „Klärung“ allein ist das nicht getan. Individuelle Kleinkläranlagen zu fordern bringt Brandenburg wieder auf einen frühen Stand des vorigen Jahrhunderts – das kann die Gründe Liga doch nicht ernsthaft fordern?
  • „Rückbau überdimensionierter Kläranlagen und Leitungsnetze, stattdessen Bau von den Ortsgrößen angemessenen dezentralen Anlagen.“ – Haben Sie sich auch Gedanken darüber gemacht, wieviel Geld Ihr Vorschlag zur Zerstörung und den Wiederaufbau der Abwasserinfrastruktur kostet und wer das bezahlen soll wenn nicht der Bürger? Freilich wäre dieses Geld nicht weg, sondern eine Möglichkeit der Wirtschaftsförderung für entsprechende Bauunternehmen, deren Lobbyisten sicher Ihren Vorschlag begrüßen?
  • Unsere Bürgerinitiative, entstanden aus dem Widerstand gegen die Umwandlung eines EBS-Kraftwerkes in eine Müllverbrennungsanlage, kämpft gegen negative Umweltauswirkungen wie Gerüche, Feinstaub, Anlagen- und Verkehrslärm und unzulässige Abfallverbringung. In diesem Kampf mussten wir lernen, dass gerade die kleinen Anlagenbetreiber entweder fachlich überfordert fahrlässig oder aus eigenwirtschaftlichen Motiven in Summe die weitaus größeren lokalen Umweltbeeinträchtigungen verursachen als große Industriebetriebe, die stark im Fokus der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Überwachungsbehörden stehen.
    Gerade die kleinen Anlagenbetreiber werden viel zu selten bis gar nicht kontrolliert, ob sie Ihre Umweltauflagen einhalten – sonst gäbe es die wahrnehmbaren Umweltprobleme nicht, denn nach dem Stand der Technik sind sie alle vermeidbar.

Es gibt auf kommunaler Ebene – so unsere Erfahrung – keine effektive Kontrolle der nicht vom LUGV überwachten Gewerbebetriebe, hierfür fehlen offensichtlich in der Tat oft die personellen und fachlichen Voraussetzungen und auch der politische, dies zu ändern. Das ist z.B. ein Grund dafür, dass Brandenburg berühmt-berüchtigt wurde für seine vielen Müllkippen-Skandale. Bitte überdenken Sie Ihre Forderungen, damit auf dem Gebiet der Abwasserwirtschaft nicht ähnliches passiert.

Wenn es ihrem Verein wirklich darum geht, dass die Grundwasserstände wieder steigen, dann setzen Sie sich dafür ein, dass die 13.000 Stauanlagen aus DDR-Zeiten wieder in Betrieb genommen werden können.

Mit freundlichen Grüßen

Dipl.-Chem. Jürgen Rudorf

Bürgerinitiative GLAS (Gesund Leben am Stienitzsee e.V.)
Web: http://www.gesund-am-stienitzsee.de/ (klick)


4.2.2016

Dies ist eine seit langer Zeit breits fällige Initiative, die es energisch zu unterstützen gilt.

Solidarische Grüße,
Dr. Heinz Preuß


15.2.2016

Dezentrale Abwasserentsorgung ist in Fällen geringer Siedlungsdichte nicht kostengünstiger. Lange Leitungswege sind zusammen mit überdimensionierten Kläranlagen ein Grund der hohen Kosten für „Abwasser im Osten“ (klick). Dass die Gebühren nicht gereicht haben, brachte die Brandenburger Regierung auf die Idee, auch die Altanschließer an den Kosten „zu beteiligen“ – mit einer juristischen Spitzfindigkeit (klick), die das Bundesverfassungsgericht zu Recht verworfen hat.
Soweit ist das eine finzanzielle und rechtliche Betrachtung.

Doch Abwasserentsorgung hat auch einen ökologischen Aspekt: Durch zentrale Abwasserbehandlung in Großkläranlagen wird Grund- und Oberflächenwasser aus einem großen Einzugsbereich – dem der Trinkwasserquellen – konzentriert und in Vorfluter abgeleitet. Dadurch wird das Grundwasser beeinträchtigt (klick). Das ist auch ein Aspekt im Positionspapier der GRÜNEN LIGA Brandenburg zur Wasserrückhaltung (klick) aus dem Jahr 2010, in dem das Problem des Wasserhaushaltes breit behandelt wird.

Der Einwand von Jürgen Rudorf, dass Kommunen und Eigentümer von Kleinkläranlagen fachlich und personell meist nicht in der Lage sind, für einen regelkonformen Betrieb der Anlagen zu sorgen, ist berechtigt. Die Forderung der Grünen Liga nach dezentralen Anlagen kann die brandenburgische Tendenz zur Dezentralisierung der Verantwortung und damit Rückzug des Staates für die Umweltpolitik verstärken (siehe beispielsweise „Petition: Mehr Naturschutz in Brandenburg!“ – klick und insbesondere „Ein Wolf im Schafspelz?“ – klick) oder „Brandenburg: Ist der Naturschutz nur noch lästiger Ballast für die Landesregierung?“ – klick). Auch stärkere Belastungen des Grundwassers sind möglich – insbesondere, wenn z.B. bei Pflanzenkläranlagen Bauvorschriften nicht eingehalten werden und ungeklärtes Wasser versickern kann. Dass individuelle Kleinkläranlagen jedoch „Brandenburg wieder auf einen frühen Stand des vorigen Jahrhunderts“ zurückbringen, stimmt nur, wenn diese mit Dreikammergruben verwechselt werden.

Im Zuge der „Verwaltungsstrukturreform Brandenburg“ sollen angeblich Kosten eingespart werden. Aber nach der Übertragung von Umweltschutzaufgaben an die Landkreise sind diese ebenso fachlich und personell überfordert, wie Kommunen, Beiräte und Einzeleigentümer mit dem Betrieb von Kläranlagen.
Verallgemeinert: Der Staat hat kein Geld und zieht sich aus seinen Aufgaben zurück. Doch daraus sollte nicht der Widerspruch zu ökologisch sinnvollen Forderungen abgeleitet werden.
Im Gegenteil: Die Verantwortlichen müssen fachlich qualifiziert und personell so ausgesattet werden, dass sie ihre Aufgaben erfüllen können. Das ist allerdings ein Aspekt, der in der Presseerklärung der Grünen Liga mit den Formulierungen „Personelle Aufstockung der Unteren Wasserbehörden … und „Angemessene finanzielle Beteiligung des Landes …“ etwas zu kurz kommt.

Wolfgang Borchardt

Abwasserpolitik und Wasserhaltung in der Landschaft

Presseerklärung der Grünen Liga Brandenburg e.V.

Potsdam, d. 28.1.2016

Die Grüne Liga Brandenburg e.V. (klick) fordert nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Ungültigkeit zehntausender Bescheide der Abwasserwirtschaft ein Umdenken in der Abwasserpolitik des Landes.

In der DDR vergifteten ungeklärte Abwässer aus Haushalten, Industrie und Landwirtschaft ober- und unterirdische Gewässer. Seit dem Beitritt zu BRD und EU wurden Milliarden in den Aufbau neuer Klärwerke und deren Zuleitungen investiert. Die Gewässergüte verbesserte sich erheblich. Dabei wurden aber regionale Kreisläufe vernachlässigt, die das gereinigte Abwasser wieder der Landschaft zuführen. Stattdessen entstanden große Zentralanlagen für mehrere Ortschaften. Die Abwässer werden großflächig über lange Strecken zu den Anlagen geleitet. Riesige Abwassermengen werden dort nach der Klärung in Vorfluter und dann in Flüsse geleitet und fließen aus der Region ab. Dies führt zu einer großflächigen Absenkung der Grundwasserstände, sodass Gräben, Teiche und Seen austrocknen, die Bodenfeuchtigkeit abnimmt und die Waldbrandgefahr sich erhöht.

Der Bevölkerungsrückgang im Land Brandenburg führte dazu, dass viele Anlagen nicht ausgelastet sind und somit sehr hohe Unterhaltungskosten entstehen. Mitunter sind die Leitungsquerschnitte zu groß dimensioniert, so dass sauberes Trinkwasser zur regelmäßigen Spülung der Leitungsnetze zum Erhalt des Durchflusses verwendet und vergeudet wird. Diese Mehrkosten bezahlen die an das Netz angeschlossenen Bürger. Um die Struktur der Abwasserzweckverbände zu erhalten, werden sogar sogenannte „Altanschließer“ zur Kasse gebeten, obwohl die nach 1990 gegründeten Abwasserzweckverbände keine Anschlussleistungen für diese Bürger erbracht haben. Diese gegen das Vertrauensprinzip und das Rückwirkungsgebot verstoßende Verwaltungspraxis wurde nun von den Karlsruher Richter gestoppt.
Ungeachtet der Frage, wie die Rückzahlung der zu Unrecht eingezogenen Gelder an die betroffenen Bürger zu erfolgen hat, ist jetzt die grundsätzliche Frage nach der Zukunftsfähigkeit von Großkläranlagen und Abwasserzweckverbänden zu stellen.

Fakt ist, dass zunehmender Wassermangel in der Landschaft, der Klimawandel, die steigenden Energiekosten und die Entvölkerung des ländlichen Raumes ein grundsätzliches Umdenken verlangen.

Die Grüne Liga Brandenburg fordert daher:

  • Sofortiger Investitionsstopp für alle Abwassersysteme bis zur Neubewertung der ökologischen und ökonomischen Parameter.
  • Nachweis der Wirtschaftlichkeit jeder Großkläranlage und jedes Abwasserverbandes. Nicht wirtschaftliche Anlagen sind mittelfristig stillzulegen, nicht lebensfähige Verbände in die Insolvenz zu überführen und die Anlagen den Gemeinden kostenlos zu übergeben.
  • Rückbau überdimensionierter Kläranlagen und Leitungsnetze, stattdessen Bau von den Ortsgrößen angemessenen dezentralen Anlagen mit Rückführung des geklärten Abwassers in die örtliche Landschaft, Betrieb derselben durch Anliegergenossenschaften, Gemeinde- oder Ortsbeiräte.
  • Aufhebung jedes Anschlusszwanges für Grundstücke, die über ökologischen und gesetzlichen  Normen genügende Kleinkläranlagen verfügen.
  • Personelle Aufstockung der Unteren Wasserbehörden zur besseren Beratung und Kontrolle der Abwasserbetriebe und Bürgerberatung.
  • Änderung der Vorschriften zur Planung von Abwassersystemen mit dem Ziel, effektive statt überdimensionierte Anlagen zu errichten.
  • Angemessene finanzielle Beteiligung des Landes am Umbau der Abwasserwirtschaft.
  • Öffentliche Entschuldigung bei allen Bürgern, deren private Kläranlagen zum Nutzen der Verbandsinteressen zerstört wurden, Rücknahme der Strafen gegen Anschlussverweigerern, Entschädigung für zerstörte Investitionen und unrechtmäßige Anschlussgebühren.
  • Potsdam, den 28.01.2016

Grüne Liga Brandenburg e.V.

Haus der Natur
Lindenstraße 34
14467 PotsdamTel.: 0331-2015520
Fax: 0331-2015522
Email: presse@grueneliga-brandenburg.de (klick zum Schreiben einer E-Mail)
Web: www.grueneliga-brandenburg.de (klick)

Gülle-Unfall in Bockhorst, Versmolds unappetitliche Seite

Stellungnahme von DIE LINKE. Kreis Gütersloh

Mit dem Slogan „Versmold macht Appetit“ wirbt die Stadt (https://www.versmold.de/). Weniger charmant wird Versmold auch als „Wurstküche Westfalens“ oder gar als „Fettfleck Deutschlands“ bezeichnet. Seit Jahrzehnten bildet die Fleischwarenindustrie die Basis des Versmolder Wohlstandes und sichert viele Arbeitsplätze. Der Austritt von 200.000 Liter Gülle (klick) aus zwei Gülle-Hochbehältern am Dienstagabend in Bockhorst zeigt die unappetitliche Kehrseite. Der Unfall ereignete sich auf einem Betrieb mit 200 Milchkühen und 200 Kälbern. Dank des Einsatzes von Feuerwehr und Landwirten scheint der Unfall für die Hessel, das Naturschutzgebiet Versmolder Bruch

Foto vom Versmolder Bruch
Versmolder Bruch; Foto von Hagar66Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, $3

und das Grundwasser glimpflich auszugehen. Aber es bedarf derartiger Katastrophen gar nicht, um unser Wasser zu vergiften.

Der „Fleischatlas“ der Heinrich-Böll-Stiftung bescheinigt dem Grundwasser in weiten Teilen des Kreises Gütersloh einen „schlechten Zustand“. Mit mehr als 50 mg Nitrat je Liter Wasser überschreitet es den aktuellen Grenzwert laut der deutschen Trinkwasserverordnung. Dafür verantwortlich sind Gülle, Mineraldünger und Gärreste aus Biogasanlagen. Ein „guter Zustand“ findet sich nur im Norden und im Südosten des Kreises. Ein großer Teil der Ems läuft durch den „schlechten Zustand“.
Artikel lesen (klick)

Der Kreis Gütersloh sollte besonderen Wert auf gutes Grundwasser legen. Denn nirgends in NRW gibt es so viele Privatbrunnen wie im Kreis Gütersloh. Mehr als 28 % der Privatbrunnen in NRW liegen im Kreis Gütersloh. Von den 15.000 Brunnen im Kreis weisen 825 erhöhte Nitratwerte auf (klick). Die Reduktion des Nitrats zu Nitrit führt zur Bildung von krebserregenden Nitrosaminen. Besonders gefährdet sind Säuglinge.

Es wäre zu einfach, allein die Landwirte als Brunnenvergifter anzuklagen. Die Landwirte handeln im Spannungsfeld von politischen Vorgaben und betriebswirtschaftlichen Zwängen. Zugleich sind sie der Marktmacht der Nahrungsmittelindustrie und des Einzelhandels ausgeliefert. Alle Bürgerinnen und Bürger entscheiden im Rahmen ihrer Möglichkeiten über ihr Konsumverhalten. Wer oft und billig Fleisch und Wurst auf dem Teller haben will, trägt maßgeblich zur Situation bei. Die Bürgerinnen und Bürger sind es auch, die mit ihrem Verhalten den politischen Rahmen beeinflußen.

Wichtiges politisches Werkzeug sind die EU-Agrarsubventionen. Es gibt inzwischen viele Auflagen und ein Teil der Mittel fließt in „Agrarumweltmaßnahmen“. Ein Blick auf die 152 Empfänger von EU-Agrarsubventionen in Versmold zeigt aber, dass auch viele Betriebe subventioniert werden, die nicht für eine nachhaltige Landwirtschaft stehen. Auf der Seite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung kann eingesehen werden, wer wie viel erhält (klick).

Die Umstellung auf eine nachhaltige, regional, saisonal und ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft kostet Geld und verteuert die Produkte. Der radikale Umbau der Agrarsubventionen ist also ebenso unumgänglich wie eine Stärkung der Kaufkraft der Verbraucher. Löhne und Renten, aber auch Sozialleistungen müssen derart bemessen sein, dass sich jeder eine Ernährung leisten kann, die gesund und ausgewogen ist und die Rechte von Tieren und den Naturschutz achtet.

Uschi Kappeler, Sprecherin;
Michael Pusch, Sprecher

DIE LINKE. Kreis Gütersloh
info@die-linke-guetersloh.de,
Tel. 05423-4740952
http://www.dielinke-guetersloh.de/

Die saufen irgendwann alle ab.

Das meint ein Bergwerksdirektor zu den „Versatzbergwerken“ in Salzstöcken, die als Untertagedeponien (UTD) für Atommüll und Giftmüll genutzt werden. Seit 1992 sind Salzstöcke als UTD zugelassen und es wurden Millionen Tonnen Giftstoffe in viele ehemaligen Salzbergwerke Deutschlands eingelagert.

Alle Betreiber und Gutachter haben die Deponie-Bergwerke bisher als sicher eingestuft. Nach Gutachten unabhängiger Gutachter sind sie das aber nicht. Beim Einsickern von Wasser in die Salzgruben entsteht auf Grund verschiedener Druckgefälle ein hydraulischer Kreislauf, der die eingelagerten Schadstoffe nach oben bringt. Trotz aller Abdichtungen und Drainagen, das Wasser findet immer seinen Weg. Festgestellt wurde, nicht nur in Asse II, dass Gewölbe einbrachen, Wasser in die Lager einsickerte, das Grundwasser kontaminiert wurde mit Arsen und Quecksilber. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Grundwasser in Grubennähe vergiftet wird. Das kann erst in 50 Jahren der Fall sein, aber eben auch früher. Künftige Generationen müssen dieses Problem dann lösen, was ihnen heute eingebrockt wird. Die Deponiebertreiber, die auch Giftmüll aus dem Ausland annehmen, haben aus Profitgründen kein Interesse an langfristiger Sicherheit. Sie lagerten 500 verschiedene Müllsorten mit 200  hochgiftigen Stoffen ein, darunter Cadmium, Arsen, Quecksilber, Dioxine und Furane.

Deshalb muss der Staat die Vorsorge und die Regelung in die Hand nehmen, der Markt ist hierzu nicht in der Lage. Die Verantwortung für sauberes Trinkwasser liegt in der Hand der Kommunen und des Staates.

(Interview mit dem Schweizer Geologen  Marcos Buser in der JW vom 9./10. 11. 2013)

Götz Brandt 29.11.2013

„Verbesserung der Akzeptanz von CCS“

Liebe CCS-Gegner,

wir schreiben heute seit längerer Zeit einen Newsletter an alle, die sich in unsere Mitstreiterliste eingetragen haben. Wir bitten alle dringend um Unterstützung, nehmt euch ausnahmsweise einmal Zeit diese etwas längere Nachricht durchzulesen.

Wir müssen leider feststellen, dass sich das CCS-Karussell jetzt auf EU-Ebene beschleunigt weiter dreht. Zur Zeit gibt es dort starke Aktivitäten und eine Gesetzesinitiative für einen neuerlichen Anschub der CO2-Speicherung und der CCS-Technologie. Dazu und zur „Verbesserung der Akzeptanz von CCS“ wurde ein so genannter Konsultationsaufruf von
der EU-Kommission gestartet, an dem sich jeder EU Bürger beteiligen kann und den wir gerne nutzen wollen, um unseren Beitrag hierzu zu leisten.

Wir haben uns die Argumente der Befürworter auf EU-Ebene angesehen und haben festgestellt, dass sie mit einem krassen Unwissen um die damit verbundenen Probleme argumentieren. Um die Kommissare und deren Mitarbeiter zum Thema etwas genauer zu informieren, haben wir den unten stehenden Text verfasst.

Wenn Sie dem zustimmen können, klicken Sie auf die unten angefügte E-Mailadresse. Es öffnet sich dann eine leere E-Mail mit dieser E-Mailadresse als Adressat. Markieren Sie den darunter stehenden Text, kopieren ihn (rechte Maustaste…) und fügen ihn in die neue noch leere E-Mail ein. Zum Schluss schreiben Sie am Textende ganz unten Ihre eigenen Absenderangaben hinzu (wichtig, weil nur EU-Bürger an der EU-CCS-Kommunikation berücksichtigt werden) und schicken die E-Mail ab.

Gerne kann dieser Text auch erweitert oder verändert und in weiteren E-Mailverteilern verbreitet werden.

Mit herzlichen Grüßen

Bürgerinitiative CO2ntra Endlager Neutrebbin/Märkisch Oderland

Stefan Schick


Bitte senden an: „„Verbesserung der Akzeptanz von CCS““ weiterlesen

Online-Aktion für generelles Fracking-Verbot

6.3.2013

Das Umweltinstitut München hat eine Online-Aktion zum generellen Verbot von Fracking gestartet. Dort heißt es:

Wir fordern ein generelles Fracking-Verbot!

Fracking erlauben, Erneuerbare ausbremsen – sieht so die Energiewende der Bundesregierung aus? Anstatt den Ausbau der erneuerbaren Energieversorgung voranzutreiben, öffnet die Regierung der unkonventionellen Gasförderung Tür und Tor.

Doch diese birgt unberechenbare Risiken:

  • Durch unkonventionelle Gasförderung kann das Grundwasser vergiftet werden. Niemand kann sagen, wie sich die eingesetzten Chemikalien in der Tiefe verbreiten. In einigen Fracking-Regionen in den USA ist das Trinkwasser so belastet, dass die Bevölkerung mit Tankwagen versorgt werden muss.

  • Auch Oberflächengewässer und Böden werden durch die eingesetzten Gifte gefährdet.

Angeblich könnten die deutschen Schiefergasvorkommen den hiesigen Gasbedarf für etwa 13 Jahre decken. Wollen wir dafür das Risiko eingehen, unser Trinkwasser für Jahrzehnte, vielleicht sogar für Jahrhunderte zu vergiften?

Wir sagen „Nein!“ und fordern einen konsequenten Umstieg auf erneuerbare Energien und ein generelles Verbot unkonventioneller Gasförderung!

Es wird dazu aufgerufen, eine Mail an Frau Bundeskanzlerin Merkel, Herrn Bundesumweltminister Altmaier und Herrn Wirtschaftsminister Rösler zu schicken.

Anmerkung:

Nach neueren Erkenntnissen gehört zu den Risiken auch die starke Klimaschädigung (siehe Globale Erwärmung durch Fracking).

Uran

Das Umweltbundesamt hat im Juni 2012 die StudieUran in Boden und Wasser“ fertig gestellt, in der untersucht wurde, in welchem Maße Uran durch den massenhaften Düngereinsatz in der konventionellen Landwirtschaft in den Boden und möglicherweise in das Grundwasser gelangen kann. In der Einleitung heißt es:

„In Deutschland überwiegen konventionell wirtschaftende Betriebe, die hohe Erträge durch den Einsatz von Mineraldünger und Pflanzenschutzmitteln erzielen. Dabei gelangen insbesondere aus mineralischen Phosphatdüngern auch unerwünschte Schwermetalle wie Uran und Cadmium in den Boden (Schnug & Haneklaus, 2008; Khater, 2008) und damit potentiell auch in das Grundwasser. Das birgt mittel- bis langfristig die Gefahr einer Belastung auch des Trinkwassers mit diesen Spurenelementen (Smidt et al., 2011). Während das deutsche Düngerecht für Cadmium eine indirekte Begrenzung der Einträge in die Böden durch eine Grenzwertsetzung in Verbindung mit einer Kennzeichnungspflicht für das Inverkehrbringen der mineralischen Phosphatdünger vorsieht, existiert eine entsprechende Regelung für Uran derzeit nicht.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie mittel- bis langfristig ein ausreichender Schutz vor einer nicht mehr vernachlässigbaren, unerwünschten Anreicherung von Uran in Böden und einer möglichen Verlagerung ins Grundwasser gewährleistet werden kann.“

Bereits am 20. März 2012 erklärte die Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt (KBU) zum Thema

Uran-Einträge in landwirtschaftliche Böden durch Düngemittel

„Die derzeit im Mittel der letzten 10 Jahre mit P-Düngern in Deutschland ausgebrachte jährliche U-Menge (167 t/a) könnte langfristig zu einer kostenintensiveren Trinkwasseraufbereitung führen.
Da die mineralische Phosphordüngung die derzeit einzige relevante Eintragsquelle für Uran in der Fläche darstellt, ist eine generell gültige Rechtswertsetzung im Bodenschutzrecht (z.B. Vorsorgewerte) nicht zielführend. Vielmehr empfiehlt sich eine Fracht- und Konzentrationsbegrenzung für U im Düngemittelrecht.
Die KBU empfiehlt

  1. den U-Gehalt in P-Düngern (entsprechend bei Cadmium) in der Düngemittel-Verordnung wie folgt zu regeln: Kennzeichnung ab 20 mg Uran je kg P2O5, Grenzwert 50 mg U je kg P2O5. Dies entspricht der Regelung für Cadmium.
  2. Anstrengungen zu unternehmen, um sowohl für Cadmium,  als auch für Urangehalte in Düngemitteln eine europäische Regelung zu schaffen.“

In UBA aktuell 4/2012 hat das Umweltbundesamt die Position der KBU übernommen:

Urangehalt von Düngemitteln muss begrenzt werden

„Etwa 167 Tonnen Uran werden pro Jahr in Deutschland mit Düngemitteln auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht, teilweise ins Grundwasser ausgewaschen und können so zu einer gesundheitsgefährdenden Belastung des Trinkwassers führen. Die Kommission Bodenschutz (KBU), die das UBA in Fragen des Bodenschutzes berät, empfiehlt deshalb, den Urangehalt in Düngern gesetzlich zu begrenzen. Das UBA schließt sich dieser Empfehlung an und rät, kurzfristig eine Kennzeichnungspflicht für uranhaltige Dünger einzuführen.“

 

Für Trinkwasser gibt es ab 01.11.2011 einen Uran-Grenzwert. So schrieb foodwatch:

Ab heute gilt Grenzwert für Uran im Trinkwasser

„In Deutschland darf ab heute kein Wasser mehr aus dem Hahn fließen, das mehr als 10 Mikrogramm Uran pro Liter enthält. Das ist ein großer Fortschritt für die Verbraucher, denn bisher gab es keinerlei gesetzliche Obergrenze. Jahrelang hatte foodwatch kritische Werte öffentlich gemacht und einen Grenzwert gefordert. Babys und Kleinkindern sind damit aber noch immer nicht ausreichend geschützt.“

Doch ausreichender Schutz fehlt nicht nur bei Babys und Kleinkindern; wenn nötig können Grenzwerte sogar mit amtlicher Genehmigung um 200% überschritten werden:

Wie der Zweckverband Ostuckermärkische Wasserversorgung und Abwasserbehandlung bekanntgab, hat das Gesundheitsamt Uckermark mit einer „Erste(n) Zulassung der Abweichung vom Grenzwert für den chemischen Parameter Uran für die Wasserversorgung Schönfeld vom 25.06.2012 – 31.12.2014“ dem Antrag des Wasserverbandes stattgegeben, die 10 Mikrogramm/Liter-Grenze zu überschreiten. Bei  Routinekontrollen des Trinkwassers im Jahr 2012 wurden wiederholt erhöhte Uranwerte von 17 Mikrogramm pro Liter gemessen. Es wurde sogar gestattet, dass der Urangehalt bis 30 Mikrogramm pro Liter betragen darf. [1]

Uran ist mit durchschnittlich 2,5 – 4 mg/kg ein natürlicher Bestandteil der Erdkruste und es lässt sich daher überall, in Gesteinen, Mineralen, Boden, Wasser und Luft nachweisen.
Am 17. Mai 2010 (noch vor der Einführung des o.g. Grenzwertes) berichtete die Süddeutsche Zeitung über eine foodwatch-Studie, wonach die 10 Mikrogramm-Grenze im Trinkwasser von 150 Orten in Deutschland überschritten wurde. Norddeutsche Wasserwerke waren nicht dabei. Und jetzt 17 Mikrogramm pro Liter Trinkwasser im Norden der Uckermark?! Das legt die Vermutung nahe, dass die Uranquelle dort aus dem Dünger stammt.

Daher ist das, was das UBA vorschlägt, dringend: Es kommt daher darauf an, nicht nur Grenzwerte für das Trinkwasser festzulegen – wobei 10 Mikrogramm pro Liter immer noch zu hoch ist – und diese einzuhalten, sondern an der Quelle, dem Dünger anzusetzen und diesen Uran-frei zu produzieren. Wie Strahlentelex mit ElektrosmogReport unter der Überschrift „Uran in Phosphor-Düngemitteln und dessen Verbleib in der Umwelt“ schreibt, ist das technisch möglich und sogar wirtschaftlich, wenn aus dem Dünger abgetrenntes Uran als Kernbrennstoff verstromt würde und die Folgekosten der Atomkatastrophen unberücksichtigt bleiben. …
Im Fazit des gesamten Artikels (Stx612-613.2012.3-10 – 8 Seiten) beschreibt der Autor das Problem aus rein monetärer Sicht:

„Um  dem  geneigten  Leser  das Groteske  der  Situation  noch schärfer  vor  Augen  zu  führen, lohnt  sich  ein  Zahlenspiel  mit den  Sanierungskosten  der Asse:  die  dort  (geschätzt) lagernde  Menge  an  Uran entspricht  in  etwa  dem,  was jährlich  mit  Phosphor-Düngern auf  Äcker verbracht  wird. Würde nun  das  Uran in  der Asse  binnen  eines  Jahres gleichmäßig  auf  Deutschlands landwirtschaftliche  Nutzfläche verteilt, im  gleichen  Jahr  auf die  Phosphor-Düngung  verzichtet  (was  angesichts  des guten  Phosphor-Status  deutscher  Böden  ohne  Probleme möglich  wäre),  könnten  die geschätzten  4  Milliarden Euro Sanierungskosten der  Landwirtschaft als Ertrag zufließen, 250 Euro/ha, soviel wert wie 5 Sack  Weizen  und  das  ohne Böden  und  Umwelt  mehr Uran als  derzeit  üblich zuzumuten. Genial fatal!“

Genial fatal ist es, alles nur unter finanziellen Aspekten zu sehen. Das wäre die Konsequenz:

  • „Atommüll – kein Problem: Alles breit verteilen.“
  • „Sauberer (uranfreier) Dünger – kein Problem: ab in die Atomkraftwerke! Das leistet einen Beitrag zum Klimaschutz.“

In diesem Zusammenhang sollten wir nicht vergessen, dass auch geringe Dosen über längere Zeit Krebs und Erbkrankheiten erzeugen oder zumindest fördern (siehe „Der lange Abschied von der unschädlichen Dosisschwelle – Anerkannte Strahleneffekte im Niederdosisbereich und ausstehende Korrekturen“).

Wolfgang Borchardt
22.1.2013


[1↑] Nachtrag

Am 23. September 2013 erfolgte der Spatenstich zum Bau der neuen Trinkwasserleitung von Damitzow nach Schönfeld. Die Einwohner von Schönfeld, einem Ortsteil der amtsangehörigen Gemeinde Tantow, werden seit dem 12. Dezember 2013 mit Trinkwasser aus dem Wasserwerk Tantow versorgt. Die Baumaßnahme kostete 127.333,95 €, wovon 55% Fördermittel des Landes Brandenburg sind. Die Nutzungseinschränkungen des Landkreises Uckermark vom 25. Juni 2012 wurden mit sofortiger Wirkung aufgehoben.

CO2-Verpressung in Erdöl- und Ergasfelder kann nur durch Änderung des Bergrechts verhindert werden

Wir veröffentlichen hier die

Pressemitteilung des „Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse e.V.“ (VSR-Gewässerschutz) vom 23.4.2012

Auch in Deutschland soll in Zukunft wie schon in anderen Ländern Kohlendioxid (CO2) in Erdgas- und Erdölfelder zur Erhöhung der Ausbeute eingepresst werden. Dabei verbleibt das CO2 dann weitgehend im Untergrund. Es treten für die Umwelt dann die gleichen Gefahren wie bei der CO2-Endlagerung auf, obwohl geringere rechtliche Anforderungen bestehen. Der VSR-Gewässerschutz fordert daher dringend eine entsprechende Ergänzung im Bundesberggesetz. Für die Verpressung von Kohlendioxid zur Stimulation in Erdöl- und Erdgaslagerstätten sind nach heutigem Recht die Bergbehörden der Länder zuständig. „Diese müssen weder den Politikern im jeweiligen Bundesland noch der Bundesregierung Informationen über eine CO2-Verwendung zur besseren Ausbeutung von Erdgas- und Eröllagerfeldern übermitteln. Es liegt noch nicht einmal eine Mengenbeschränkung im Verhältnis zur Erhöhung der Gas- und Ölausbeute  vor. Dies ist ein unglaublicher Zustand“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Ob allein Ergänzungen im Entwurf für ein CCS-Gesetz dies zukünftig verhindern können ist eher unwahrscheinlich.

Bereits seit Jahrzehnten wird weltweit Kohlendioxid bei der Erdölförderung eingesetzt. Lässt der natürliche Lagerstättendruck nach, so dass der Erdölfluss zu versiegen droht, kann durch das Einpressen von CO2 der Druck erhöht werden. Der Ölfluss wird wieder angekurbelt und die Ausbeute des Erdölfeldes erhöht. Dieses Verfahren wird „Enhanced Oil Recovery“ (EOR) genannt. Auch bei der Erdgasförderung lässt sich mit Hilfe von Kohlendioxid die Fördermenge erhöhen. Bisher war das hierfür extra produzierte CO2 allerdings sehr teuer. Daher wurde das Verfahren nur selten eingesetzt. Da die CO2-Verpressung in Erdöl- und Erdgaslagerstätten nicht durch die Richtlinie der Europäischen Union über die geologische Speicherung von Kohlendioxid erfasst wird, besteht die Gefahr, dass auch das deutsche CCS-Gesetz dazu keine Regelungen vorgibt.

Außer dem Konzern GDF-Suez, der CO2 zur Erhöhung der Gasausbeute in der Altmark einsetzen will, könnten verschiedene andere erdöl- oder erdgasfördernde Konzerne Interesse am abgeschiedenen CO2 aus Kraftwerken haben. In Mecklenburg-Vorpommern sowie in Brandenburg suchen bereits einige Firmen nach Öl. Hier sind die kanadische Firma Central European Petroleum (CEP) und die britische Celtique Energy aktiv.

Es wird behauptet, dass sich heutzutage aufgrund des hohen Ölpreises auch die Ausbeutung kleinerer Öllagerstätten lohnt. Doch der VSR-Gewässerschutz sieht einen anderen Zusammenhang: Bisher ist es teuer, die Ausbeutung eines Ölfeldes mittels CO2 zu erhöhen. Da das Kohlendioxid inzwischen in Kraftwerken als Abfallprodukt anfällt, wird die Verwendung für die Erdölindustrie lukrativ werden. Auch RWE Dea könnte zusammen mit der BASF-Tochter Wintershall auf eine höhere Erdölausbeute ihrer Förderfelder in der Nordsee mittels CO2 setzen. Neue Anträge zur Erweiterung der Erdölförderung wurden schon gestellt. Je größer die Lagerstätten, umso mehr CO2 passt rein. Aus Sicht eines Konzerns wie RWE mit den Kohlekraftwerken seiner Tochter RWE Power und den Erdölfeldern seiner Tochter RWE Dea kann das sehr lukrativ sein. Während die Betriebe damit ihre Gewinne maximieren, müssen die Bürger dann mit den Auswirkungen für das Trinkwasser sowie für die Fluss- und Meeresökologie leben.

Wenn eine Landesregierung allerdings von solchen Planungen erfährt, hat sie die Möglichkeit Informationen einzuholen und in das Genehmigungsverfahren einzugreifen. So konnte die Regierung von Sachsen-Anhalt die CO2-Verpressung in das Erdgasfeld in der Altmark vorläufig stoppen, nachdem sie Informationen von Umweltverbänden über die bergbaulichen Planungen in der lokalen Presse erhielten. Ansonsten würde GdF-Suez das CO2 von Vattenfall aus dem brandenburgischen Spremberg bereits verpressen. GdF-Suez brauchte nach aktueller Rechtslage nicht auf das CCS-Gesetz warten, sondern war zwecks Genehmigung mit dem zuständigen Bergamt in Halle zur Injektion des abgeschiedenen CO2 schon in Verhandlungen. Der Konzern rechnete fest mit der Genehmigung. Die oberirdischen Anlagen zur CO2-Injektion waren bereits genehmigt und errichtet worden. Da die Konzerne auch in Zukunft auf solche Genehmigungen der Landesbergämter hinarbeiten, weist der VSR-Gewässerschutz darauf hin, dass neben der kritischen Beobachtung der Entwicklung der CCS-Gesetzeslage dringend auch die Bergbehörden zwecks Genehmigungen von vorbereitenden Maßnahmen für die CO2-Injektionen nach Bergrecht kontaktiert werden müssen.

Geldern, den 23. April 2012

Dipl.-Phys. Harald Gülzow
Pressesprecher
Der direkte Kontakt: 0170 3856076

Weitere Informationen zu der der CO2-Speicherung in Erdgas- und Erdöllagerfelder :

Artikel in WATERKANT 1/2012 von unserer Mitarbeiterin Susanne Bareiß-Gülzow:
CO2-Abscheidung ist trotz erfolgreichen Widerstands hierzulande noch lange nicht erledigt: Durch CCS winken satte Gewinne in Export und Ölförderung

Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Grünen: CO2-Verpressung zur Stimulation von Erdgasbohrungen in Niedersachsen

Weitere Informationen über unsere Arbeit finden Sie unter www.VSR-Gewaesserschutz.de
Bildmaterial finden Sie unter http://www.vsr-gewaesserschutz.de/28.html