Erklärung zum Diskussionsbeitrag für eine gemeinsame Position der Energiewende-Akteure zum „Grünbuch Strommarktdesign“ und zur Vorbereitung des EEG 3

Der Inhalt des Diskussionsbeitrages zum „Grünbuch Strommarktdesign“ und zur Vorbereitung der nächsten EEG-Novellierung sollte zu einem Forderungskatalog der Partei DIE LINKE qualifiziert werden, um das Börsenpreisdiktat der Energiekonzerne und der Übertragungsnetzbetreiber abzulösen.
Das Diskussionspapier des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ist offensichtlich von der Lobby der konventionellen Energiekonzerne zur Verhinderung eines Strommarktes für die Energiewende diktiert.

Marktpreise werden immer von Angebot und Nachfrage bestimmt. Andernfalls sind es Preisdiktate. Demnach sind die EU-weit gehandelten Börsenpreise für Strom keine Marktpreise: Keine Börse kann vorausbestimmen, wann und in welchem Zeiträumen am Angebotsort die kostengünstigsten Quellen und Gestehungskosten für Nutzenergie (unter Einbeziehung der externen Kosten, Netzdurchleitungskosten und Speicherkosten) vorhanden sind.
(siehe: „Verkehrte Welt an der Strombörse“)

Nur mit digitalen Erfassungssystemen (sie sind bereits Stand der Technik: „Intelligente Steuerung von Verbrauchseinheiten – Smart Metering in Forst“) können zeit-und ortsbezogene Gestehungskosten am Verbrauchsort dokumentiert und für die Preisbildung genutzt werden.

Die Gestehungskosten sind objektiv zu jeder Zeit und an jedem Ort unterschiedlich. Sie unterliegen dem Einfluss der zeitbezogen unterschiedlichen Quellenverfügbarkeit und den ortsbezogen unterschiedlichen Übertragungskosten.
Im Grünbuch bleibt dieser Zusammenhang ebenso wie die Notwendigkeit der Speicherung von Überschussenergie aus regenerativen Quellen unberücksichtigt.

Die gegenwärtigen Energiepreise sind von privatwirtschaftlichen Kapitalverwertungsinteressen bestimmte Erzeugerpreise konventioneller Energiekonzerne und Übertragungsnetzbetreiber. Durch Aufrechterhaltung des Börsenhandels wird ein Markt nur vorgetäuscht, um Preisbetrug zu Gunsten von Großverbrauchern zu verschleiern. Gleichzeitig werden Initiativen der Eigenversorgung aus erneuerbaren Quellen dieser Großverbraucher mit Sonderabgaben belastet, um langfristige versorgungstechnische Notwendigkeit klima- und umweltschädlicher Großkraftwerke und die Errichtung zusätzlicher Fernübertragungsleitungen auf Kosten der Allgemeinheit zu begründen.

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie vorgelegte Diskussionspapier soll offensichtlich die Erhaltung der bisherigen Wählertäuschung über die Existenz eines Strommarktes sichern. Vom Ministerium wird damit die Priorität der Erhaltung von Atom- und Braunkohlenkraftwerken im Interesse der Betreiber fortgesetzt, wie sie mit dem EEG 2012 begonnen und mit dem EEG 2014 fortgesetzt wurde (siehe hierzu auch „Unbegrenztes Festhalten an Verstromung atomarer und fossiler Energieträger ist Energiekonterrevolution“).

Die im Diskussionspapier enthaltene Verwerfung überschüssiger Nutzenergie aus regenerativen Quellen wegen Netzengpässen ist Perversion der Energiewende. Im Sinne der Energiewende sind Überschüsse Speichern zuzuführen, um Anteile atomarer und fossiler Energien zu reduzieren, sowie Versorgungssicherheit und transparente Preise entsprechend der Gestehungskosten am Verbrauchsort zu gewährleisten.

Das Zieldreieck im Grünbuch unterschlägt ein wesentliches Ziel der Energierevolution:
Die Beendigung des Wettlaufes zur Ausbeutung atomarer und fossiler Ressourcen und der damit verbundenen globalstrategischen Auseinandersetzungen mit geheimdienstlichen und militärischen Mitteln.

Dieser Wettlauf verursacht unsägliches Leid durch Terror und Kriege, die von Magnaten der Konzerne und Oligarchen gegeneinander verursacht werden. Die Kosten der Kriege und die Kriegsfolgen werden den Völkern von willfährigen Politikern und Diktatoren auferlegt. Die damit verbundenen Flüchtlingsströme haben die vom II. Weltkrieg bereits übertroffen.

Dieter Brendahl

Ergänzung

In Cottbus werden „Zukunfts-Technologie-Tage“ durchgeführt.
Auf dem Kongress „Technologische Herausforderungen der Energiewende“ am 5.11.2014 hielt Prof. Krautz den Vortrag „Integration Erneuerbarer Energien im Verbund mit kohlenstoffbasierten Speichertechnologien„.
Dieser Vortrag verdeutlicht ein Beispiel für die Abhängigkeit der BTU von Drittmittelfinazierung der Energiekonzerne: Es werden mit großem Aufwand verbundene Entwicklungsvorhaben zur Erhaltung des Systems konventioneller Großkraftwerke angeboten, um die erforderliche Umstellung auf Dezentralisierung des Energieversorgungssystems zu vermeiden und die Steuerlast zu vergrößern, anstatt sie abzusenken. Bemerkenswert ist  darin die Gegenüberstellung der Energiedichte unterschiedlicher Speichersysteme und die Ignorierung von Brennstoffzellenkraftwerken.

Smartmeter und intelligente Stromnetze – Beitrag zu Energiewende, Kostensteigerung oder „gläsernem Bürger“?

Technische Probleme beim verstärktem Aufkommen erneuerbarer Energien

Die Energiewende ist nicht nur von dem Ersatz fossiler und atomarer Energiequellen durch regenerative gekennzeichnet, sondern auch durch Änderung der Struktur der Netze: Statt weniger großer Stromerzeuger nimmt die Zahl kleinerer Erzeuger zu. Darauf sind insbesondere die Niederspannungs-Ortsnetze nicht ausgelegt, an die die meisten (kleineren) Solaranlagen angeschlossen sind.
Das führt dazu, dass die zulässige Netzspannung zu Zeiten starker Einspeisung (viel Sonne und Wind) überschritten wird. Die Verteilungsnetzbetreiber müssen, um die Versorgungssicherheit zu garantieren, kostspielige Netzausbaumaßnahmen realisieren. Solange das noch nicht ausreichend erfolgt ist, sieht § 11 EEG vor, dass die Netzbetreiber  PV-Großanlagen ab 100 kWp (ebenso, wie Windkraftanlagen) unter bestimmten Voraussetzungen per Einspeisemanagement drosseln oder ganz abschalten können. Sinnvoll ist es aber nicht, erst Solar- und Windenergie in Elektroenergie zu wandeln und dann nicht zu nutzen. Bei einem Unterangebot von Sonne und Wind müssen dagegen andere Erzeuger die „Deckungslücke“ füllen.
Abhilfe können Energiespeicher schaffen, aber auch das ist aufwändig. Die meisten Speicher elektrischer Energie entladen sich mit der Zeit selbst, die Speicherdichte ist oft zu gering und einige benötigen seltene Erden in den Elektroden. Um sie in Verteilnetzen einsetzen zu können, sind, da sie typischerweise Gleichstrom speichern, außerdem noch Gleich- und Wechselrichter erforderlich. Viel versprechend für die Langzeitspeicherung ist die  Redox-Flow-Batterie. Redox-Flow-Zellen sind grundsätzlich verwandt mit Brennstoffzellen und auch mit Akkumulatoren. In diesen Batterien wird die Energie in zwei verschiedenen Elektrolyten außerhalb der Zelle gespeichert, die in getrennten Tanks gelagert werden können. Dadurch ist die Selbstentladung ausgeschlossen und die speicherbare Energiemenge kann (im Prinzip) beliebig vergrößert werden. Eine bereits angebotene Containerlösung mit 100 KWh (10 kW x 10 Stunden) ist mit einem Preis ab 80.000 € netto aber auch nicht gerade billig. Die Bundestagsfraktion der LINKEN setzt dagegen auf Demokratisierung der Energiewirtschaft und in diesem Zusammenhang auf dezentrale Speicherung. Damit würden Potentiale der Bürger stärker genutzt und Monopolstrukturen entgegen gewirkt. Sie hat diesen Vorschlag als Bestandteil des Entschließungsentwurfes unter der Überschrift „Mut zum Aufbruch ins solare Zeitalter“ als Drucksache  17/8892 in den Bundestag eingebracht.
Eine Alternative stellen regelbare Ortsnetztransformatoren (RONT – https://de.wikipedia.org/wiki/Regelbarer_Ortsnetztransformator) dar. Es handelt sich dabei grundsätzlich um einen konventionellen Transformator, dessen Ausgangsspannung dynamisch regelbar ist. Wenn der eingebaute Regler Informationen aus dem Verteilnetz verarbeitet, kann die geforderte Spannung auf Ortsnetzebene ohne zusätzliche Speicher gewährleistet werden.

Intelligente Netze und Zähler (Smart Grids und Smart Meter)

Seit einiger Zeit wird in den Medien über intelligente (Strom-) Zähler, sogenannte Smartmeter, berichtet. Sie sollen  Verbrauchern helfen, ihre Energiekosten zu senken. Zu diesem Zweck sollen die Stromzähler die Verbrauchsdaten in kurzen Zeiträumen messen und den Verbrauchern anzeigen. Damit ist es möglich, Stromfresser im Haushalt zu identifizieren und diese auszutauschen oder – zeitvariable Tarife vorausgesetzt – in Billigtarifzeiten zu betreiben. (Auch bei Gaszählern gibt es so eine Entwicklung.)
Und ihre Daten sollen zukünftig dazu dienen, intelligente Stromnetze und die effiziente Nutzung erneuerbarer Energien zu steuern. Dafür liefern Smart Meter Verbrauchsdaten an die Energieversorger, damit diese den Bedarf ihrer Kunden besser vorhersehen und flexibel darauf reagieren können. Das kann dazu führen, dass geringere Reservekapazitäten vorgehalten werden müssen und diese effektiver ausgenutzt werden.

Mit der Kenntnis der Verbrauchswerte sollen „von der Tageszeit abhängige und gegebenenfalls billigere Energiekosten angeboten werden um damit dem Energieversorger im Gegenzug die Möglichkeit zu geben, die vorhandene Kraftwerkinfrastruktur besser ausnutzen zu können sowie Investitionen für Spitzenlastausbau vermeiden oder zurückstellen zu können:“ (Wikipedia)

So weit – so gut.

Smartmeter sollen es den Energieversorgern aber auch ermöglichen, die Versorgung der Verbraucher aus der Ferne zu unterbrechen – vordergründig, um die Netzstabilität bei verstärkter Einspeisung erneuerbarer Energien zu gewährleisten. Diese Möglichkeit kann aber auch dazu genutzt werden, säumigen Stromkunden sofort „den Saft abzudrehen“.

Wirtschaftlichkeit von Smartmetern

Damit steht vor Verbrauchern zunächst die Frage, ob sie wirklich einen merklichen Nutzen von Smartmetern haben, oder nur das Versorgungsunternehmen.

In anderen Ländern sind Smartmeter breiter eingeführt als in Deutschland. Was sagen die Erfahrungen dort?

  • In Australien sind die Energiepreise nach Einführung von Smartmetern explodiert (Wikipedia):
    „Insbesondere ärmere, ältere Personen und Familien sind benachteiligt, da sie den Tagesverlauf komplett umstellen müssen um den Strombezug in den Zeiten niedriger Strompreise – z. B. der Wasch- und Geschirrspülmaschine – zu verlegen.[4] Der Strompreis am Tag ist dann z. B. viermal so hoch wie in der Nacht. Die Umstellung des Tagesablaufs und damit des Strombezugs ist bei Jüngeren und Kinderlosen wesentlich leichter und somit ist das System eine neue Form der sozialen Ungerechtigkeit gegenüber Familien und Älteren.“
  • Nach Angaben der Energiewirtschaft in Österreich kann ein durchschnittlicher Haushalt ca. 12 € pro Jahr einsparen.
    CapGemini hat in einer Studie Kosten und Nutzen für Österreich ermittelt:
    „Die 2,533 Milliarden Mehrkosten für die österreichischen Stromnetzbetreiber bis 2028 würden bei einer Finanzierung der Unterdeckung nach der Annuitätenmethode eine jährliche Annuität von 268 Mio. EUR oder 43 EUR pro Zählpunkt p.a. bedeuten. „
  • Das Immobilienportal news.immobilo.de berichtete am 7. März 2011 unter der Überschrift Smart Meter: mangels attraktiver Stromtarife nur wenig Sparpotential, dass sich lautVergleichsportal Verivox zeitlich gestaffelte Stromtarife für den Verbraucher derzeit kaum lohnen.
    Wird das „Standardlastprofil“ eines privaten Musterhaushaltes mit einem Verbrauch von jährlich 4.000 kWh zugrundegelegt, lassen sich mit einem zeitvariablen Stromtarif durchschnittlich gerade einmal 18 Euro pro Jahr sparen. Dabei nicht eingerechnet sind die Kosten für den Einbau des „intelligenten“ Stromzählers, der mit Kosten von 80 bis 150 Euro zu Buche schlägt.“ Bei maximal möglicher Anpassung können Verbraucher ca. 10% der Stromkosten einsparen: ca. 44€ im Jahr.
    Verivox kommt zu dem Ergebnis: „Der Aufwand werde derzeit noch nicht ausreichend mit günstigen Preisen belohnt.“
  • Am 8.10 12 berichtet Verivox über eine Gesprächsrunde von EnCT GmbH (Forschungsgruppe für Energie- und Kommunikationstechnologien) mit führenden Interessenvertretern der Energiewirtschaft zum Thema intelligente Stromzähler.
    Das Fazit: „Die Suche nach interessanten Verwendungsmöglichkeiten von Smart Metern geht weiter.

Da ist es doch logisch, dass nach EnWG § 21, in Neubauten ab 2010 und ab 2013 generell Messsysteme (=“im Sinne dieses Gesetzes ist eine in ein Kommunikationsnetz eingebundene Messeinrichtung zur Erfassung elektrischer Energie, das den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegelt.„) einzubauen sind – oder nicht? (Die unterstrichenen Formulierungen beschreiben eben die Smartmeter.)

Mein Deja Vu: In der DDR gab es einen Witz über die staatliche Plankommission, der ging so:
Häschen rennt schreiend durch den Wald und ruft: „Versteckt Euch, die staatliche Plankommission kommt und hackt allen Tieren das fünfte Bein ab.“ Die anderen Tiere sagen: „Kein Problem, wir haben nur vier.“
Häschen: „Ja, aber die hacken erst ab und zählen dann.“

In Deutschland wurde im Juli dieses Jahres ein seit August 2011 laufender Test abgeschlossen, an dem ca. 200 Haushalte aus Südhessen teilgenommen haben. Diese wurden an ein so genanntes intelligentes Netz (Smart Grid) angeschlossen. In einer Informationsveranstaltung am 12.9.12 berichtete der Projektleiter Bernhard Fenn von der HSE (Südhessische Energie AG): „Dank dieser Technik wussten die Teilnehmer immer, wann sie wie viel Strom verbrauchen.“ Zudem erfuhr jede Familie auf der Grundlage von Wetterprognosen bereits am Vorabend, ob und zu welchem Zeitpunkt am nächsten Tag besonders viel regenerativer Strom erzeugt würde. Die ständige Selbstkontrolle und Sensibilisierung für das Thema hat bei einigen Verbrauchern zum Stromsparen geführt, aber: „Einige Kunden stellten jedoch auch fest, dass sie sich nicht immer an die Ampelphasen halten können, wenn sie nicht auf ihre täglichen Gewohnheiten verzichten möchten.“ Die Umstellung des normalen Tagesablaufes, z.B. durch Einschalten der Waschmaschine zu der Tageszeit, in der laut Wetterprognose viel regenerativer Strom zur Verfügung steht, war nicht immer möglich. Programmierbare Haushaltsgeräte können das Problem lösen helfen; zukünftig sollen Haushaltsgeräte so weit entwickelt werden, dass sie die Stromdaten automatisch auswerten. Fenn: „Jeder Kunde soll dann Energie verbrauchen, wenn sie regenerativ erzeugt wird, denn Strom wird künftig günstiger sein, wenn er üppig zur Verfügung steht. … Durch ein intelligentes Stromnetz können die Kunden aktiv mitwirken und sind in der Lage, Tarife und Verbräuche besser zu steuern.

Einen anderen, groß angelegten Test mit 10.000 Wohnungen hat Vattenfall seit Sommer 2010 in Berlin durchgeführt. Vattenfall erklärt dazu: „Neben den Zählern mit Basistechnik können sich die Anwohner im Rahmen einer Aktion für spezielle Zusatztechniken bewerben, die das Ablesen von Verbrauchsdaten noch komfortabler machen. Unabhängig vom Stromlieferanten haben die Anwohner damit die Möglichkeit, ihren Stromverbrauch besser zu kontrollieren und zu steuern.
Auch bei dem Vattenfall-Test wurden jedoch bisher keine Zahlen (Kosten der Installation, Einsparungen etc.) bekannt gegeben.

Die realen Einsparungen sind bisher nur (?) Theorie. In der Praxis werden aber merkliche Effekte nur dann auftreten, wenn die erwähnten „intelligenten“ Haushaltsgeräte angeschafft werden.
Auf Grund der Erfahrungen mit den bisherigen Bundesregierungen ist zu befürchten, dass diejenigen, die sich diese Geräte nicht leisten können, von dieser Technik keine Vor- sondern nur finanzielle Nachteile haben, dass damit die Umverteilung „von unten nach oben“ weiter geht.

Datenschutz

Smartmeter sind seit längerem aber auch aus Datenschutzgründen in der Kritik. Das fasst Wikipedia folgendermassen zusammen:

Das Profil des Stromverbrauchs gestattet je nach Schaltvorgängen, Stromstärken oder Frequenzmustern eine Analyse des Verbrauchers. So ist erkennbar wann Personen im Hause anwesend sind (Einbruchgefahr, behördliche Ermittlungen), wie viele Personen zum Haushalt gehören (Steuern, Miete), welcher Film auf dem TV angeschaut wird (Überwachung von Urheberrechte), welche zeitlichen Gewohnheiten der Verbraucher hat (Werbung) usw. Da Daten digitalisiert selbst noch nach Jahrzehnten zur Verfügung stehen, können rückwirkend unerwartete Problematiken für den Verbraucher entstehen. (Abruf 23.10.12)

Um diese Problematik näher zu untersuchen, hat das Labor für IT-Sicherheit der FH Münster im Rahmen des Projektes DaPriM (=Data Privacy Management) eine Untersuchung darüber durchgeführt, inwieweit Smartmeter den Nutzer zum „gläsernen Bürger“ macht. Nach einer Vorab-Version der Untersuchungsergebnisse im September 2011 berichtete nano auf 3sat am 12.1.2012.

Im Vorabbericht heißt es auf Seite 2:

… können Daten, die ca. viertelstündlich erhoben werden, in einer Weise ausgewertet werden, dass feststellbar ist, wann sich Personen zuhause aufhalten, wann sie dort schlafen und wann sie Mahlzeiten zubereiten. Erhöht man die Granularität in den Minuten- oder Sekundenbereich, sind auch Aussagen möglich, ob das Frühstück warm oder kalt zubereitet wurde, wann Wäsche gewaschen oder der Fernseher eingeschaltet wurde – oder ob die Kinder alleine zu Hause waren.“

Der abschließende Bericht wurde auf der Fachtagung „Sicherheit 2012 – Sicherheit, Schutz und Zuverlässigkeit“ in Darmstadt 7. – 9. März 2012 vorgestellt und ist auch im Internet verfügbar unter http://1lab.de/pub/GrJuLo_Smartmeter.pdf.

Die Forscher erklären: „Wir können experimentell nachweisen, dass neben der Erkennung von im Haushalt befindlichen Geräten eine Erkennung des Fernsehprogramms und eine Identifikation des abgespielten Videoinhalts möglich ist.“

Der weiterhin festgestellte Mangel, dass – abweichend vom Vertrag – die Übermittlung der Daten ins Internet unverschlüsselt (und unsigniert) erfolgte, wird möglicherweise bei zukünftigem breiten Einsatz der Geräte behoben. Ohne entsprechende IT-Qualifikation kann der „normale Nutzer“ das jedoch nicht überprüfen.

Schlussfolgerung zum Datenschutz: Insbesondere bei sekundengenauer Ablesung ist der Datenschutz der Nutzer von Smartmetern nicht gewährleistet.

 

 

Wolfgang Borchardt
24.10.2012

Der Angriff auf die Energiewende

Apropos Netzausbau:

Neue Stromtrassen behindern die dezentrale Energiewende mehr, als dass sie diese fördern.

Deshalb ist es jetzt wichtig, gerade jetzt wachsam zu sein:

Noch bis zum 10. Juli gibt es die Möglichkeit, Einwendungen gegen den Netzentwicklungsplan zu schreiben.

Ein Plädoyer zur Einmischung in eigener Sache;
Gastbeitrag von Anika Limbach, Bonn

Zur Zeit treiben die Energiekonzerne und ihre angeschlossenen Lobbyisten mit Hilfe der Medien und der Politik ein übles Spiel. Sie versuchen, die Energiewende auszuhebeln, ohne dass es die Öffentlichkeit merkt. Sie verbreiten Lügen, während sie hinterrücks Tatsachen schaffen – wie etwa die Kürzung der Solarförderung.

Nachdem sie dafür gesorgt haben, dass die Industrie auf Kosten privater Stromverbraucher weitgehend vom Netzentgelt und der EE-Umlage befreit wurde, behaupten sie nun, es seien die Erneuerbarer Energien, die den Strompreis in die Höhe trieben. (Das Gegenteil ist der Fall: Durch die Photovoltaik ist der Strompreis an der Börse in den letzten Jahren sogar etwas gefallen). Darüber hinaus erwecken sie den Eindruck, als sei das Gelingen der Energiewende von Offshore-Windanlagen und von neuen Stromtrassen abhängig.

Was dahinter steckt, ist in Wirklichkeit der Versuch, die Kontrolle über den Strommarkt zu behalten und auszubauen. Die geplanten großen Stromtrassen von Norden nach Süden quer durch die Republik sind das Rückgrat – nicht der Energiewende, so wie behauptet wird – sondern der zentralistischen Versorgung, die seit jeher die Macht der Energiekonzerne sicherte.

Und dennoch, es ist für die Konzerne und ihre Töchter oder ehemaligen Tochterfirmen, die Übertragungsnetzbetreiber, schwerer geworden, ihre Absichten zu verbergen. Seit Wochen hat die Öffentlichkeit Einblick in den sogenannten Netzentwicklungsplan, der die Grundlage für den Bau der Stromtrassen liefern soll.

Noch bis zum 10. Juli gibt es die Möglichkeit, Einwendungen zu schreiben – per Post oder Email. Diese dürfen nicht einfach ignoriert werden und beeinflussen deshalb die Neufassung des Plans, der dann dem Parlament vorgelegt wird. Es wäre also geradezu fahrlässig, wenn wir als Bürgerinnen und Bürger diese Chance nicht nutzen. Das Bündnis Antiatom Bonn hat dafür einen Musterbrief entwickelt, der sich bequem nutzen läßt.

Netzentwicklungsplan: Daten verzerrt und tendenziös

In der Tat ist der Netzentwicklungsplan (NEP) entlarvend – nicht so sehr der irreführende Text, dafür aber die zugrundeliegenden Daten.
Wenn man sich diese genauer anschaut, stechen folgende Punkte heraus:

  1. Kohlestrom wird völlig überdimensioniert:
    Wie der BUND in seiner Analyse feststellte, gehen die Autoren des NEP für das Jahr 2022 von einer gigantischen Menge Kohlestrom aus. Sie wäre mit keinem ernsthaften Szenario zu rechtfertigen. Bei einer solchen Entwicklung würden nicht einmal die Klimaziele der Bundesregierung eingehalten werden.
    Sechs der im NEP aufgeführten neuen Kohlekraftwerke sollen in der Küstenregion gebaut werden, dort, wo es ohnehin ein großes Windstromangebot gibt. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die geplanten Leitungen vor allem den überschüssigen Kohlestrom abtransportieren sollen.
  2.  Photovoltaik grob unterschätzt:
    Es wird im NEP angenommen, dass der Zubau von Solaranlagen drastisch zurückgehen wird auf 2,3 Gigawatt pro Jahr. (Zum Vergleich: Für 2011 registrierte die Bundesnetzagentur einen Zubau von 7,5 Gigawatt) Trotz der Kürzungen wird Solarenergie in Zukunft aber weiter anwachsen. In wenigen Jahren sind die Module so preiswert, dass Anlagenbauer nicht mehr auf Förderung angewiesen sind, sondern Strom für den eigenen Bedarf erzeugen.
  3.  Onshore-Windkraft-Anlagen:
    Inzwischen haben die südlichen Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg die Hürden für Onshore-Anlagen abgebaut, wodurch ein starker Anstieg der Windenergie in den nächsten 10 Jahren dort zu erwarten ist. Im NEP ist dagegen der Onshore-Anteil für 2022 sehr gering angesetzt (3,9 Gigawatt für Bayern und 3,6 Gigawatt für Baden-Württemberg). Das Fraunhofer Institut hat dagegen ein Windenergiepotenzial errechnet, das 90 Prozent des Stromverbrauchs abdecken würde.
  4. Energieeffizienz und Lastmanagement:
    Das Potenzial der Energieeffizienz, vor allem in der Industrie, ist enorm.
    Laut der Deutschen Energieagentur können die meisten Unternehmen mit einfachen Maßnahmen Energieeinsparungen von 5 bos 10 Prozent erreichen. Bei Investitionen sind in der Regel sogar 30 bis 40 Prozent möglich.
    Die Bundesregierung hat die Zielvorgabe, innerhalb von 10 Jahren den Stromverbrauch um 10 Prozent zu senken. Dies entspricht nicht dem eigentlichen Potenzial. Zum anderen hat sie gerade in den letzten Monaten Regelungen eingeführt, die verhindern, dass sich Unternehmen um mehr Energieeffizienz bemühen.
    Auch das Potenzial der Spitzenlastreduktion in der Industrie (Aluminiumherstellung, Kühlhäusern oder chemischer Industrie) liegt größtenteils brach, weil die Regierung es versäumt hat, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen.
    Bezeichnenderweise beziehen die Autoren des NEP die Effekte von Energieeinsparung und Lastreduktion nicht in die Szenarien ein, sondern behandeln sie erst anschließend in einer „Sensitivitätsbetrachtung“.
  5. Der Atomausstieg wird vorgeschoben:
    In den Szenarien des NEP führen die vier großen Stromtrassen bis in das Verteilernetz der Atomkraftwerke im Süden, die laut Regierungsbeschluss bis zum Jahr 2022 abgeschaltet werden. Notwendig für den Atomausstieg wäre dies auf keinen Fall. Schon vor gut einem Jahr kamen Experten zu dem Ergebnis, dass sogar ein zügiges Abschalten aller AKW bis zum Jahr 2015 ohne Umbau der Netze problemlos möglich wäre.

Ausblenden, Ignorieren, Zurückhalten

Anfang Juni berichtete die TAZ über eine Studie des Umweltbundesamtes zum Potenzial der dezentralen Versorgung. Diese soll erst im Herbst, nach der Entscheidungsphase im Bundestag veröffentlicht werden. Kein Wunder also, dass die Erneuerbaren Energien im NEP kaum Beachtung finden. Die dazu passenden, dezentralen Strukturen werden gleich völlig ignoriert.

Intelligente Netze („Smart Grid“) sind ein wichtiger Bestandteil solcher Strukturen. Durch diese Technik werden verschiedene, sich gegenseitig ergänzende EE-Anlagen miteinander verknüpft. So können etwa die Schwankungen von Sonnen- und Windstrom durch das Zuschalten vieler kleiner Blockheizkraftwerke ausgeglichen werden. (Beispiel: Schwarm-Projekt der Firma Lichtblick).

Gemäß diesem Prinzip haben sich in Deutschland inzwischen über hundert Regionen und Kommunen dem Ziel einer autarken Versorgung aus 100 Prozent Erneuerbaren Energien angeschlossen.

Speicher bilden einen weiteren Baustein. Für Windparks ist das Verfahren, Strom in Methan umzuwandeln, besonders geeignet, für Solaranlagen bieten sich Batterie-Speicher an. Die Firma Panasonic ist vor Kurzem in die Massenproduktion von Lithiumspeicher eingestiegen. Das riesige Potenzial in diesem Bereich wird in den nächsten Jahren also sicher genutzt werden.

Der Trend, sich von die Abhängigkeit von Übernetzbetreibern und Konzernen zu lösen, wird unweigerlich zunehmen, auch und vor allem auf kommunaler Ebene, zumal der Ausbau lokaler erneuerbarer Energien eine zusätzliche Wertschöpfung für die Gemeinden bedeutet. Die Verbraucher werden bei dieser Entwicklung von sinkenden Strompreisen profitieren.

Fazit: Die dezentrale Energiewende verbunden mit Maßnahmen zur Energieeffizienz ist sinnvoll, naheliegend und letztendlich preissenkend.

Vor allem aber ist sie gegenüber einer zentralisierten Lösung wesentlich schneller umzusetzen. Kleinere Einheiten lassen sich nun mal viel zügiger errichten als Großprojekte. Onshore-Windkraftanlagen können innerhalb von Monaten gebaut werden. Dagegen ist die Windenergie auf hoher See eine noch nicht ausgereifte Technik, die viel mehr Zeit in Anspruch nimmt. Auch der Zeitraum für den Bau riesiger Stromtrassen steht in keinem Verhältnis zu den vielen, weniger aufwändigen Alternativen.

Was noch hinzukommt:

Je mehr Geld in die Planung und den Bau von Stromtrassen gesteckt wird, desto größer wird der Sachzwang, diese Netze auch voll auszulasten. Die Verantwortlichen würden also eher den Strommarkt dieser Fehlplanung anpassen wollen als umgekehrt. Mit anderen Worten: Es würden Tatsachen geschaffen, die in eine falsche Richtung führen.

 

Anika Limbach, Jahrgang 1967, arbeitete mehrere Jahre als Schauspielerin, später auch als Regisseurin, bevor sie Schriftstellerin wurde.
Zur Anti-Atom-Bewegung stieß sie im März 2009 mit den Protesten gegen RWE und das Belene-Projekt.

 


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