Tarantel Nr. 75 (12/2016)

 
32 Seiten,
8 Abbildungen
Redaktionsschluss: 15.11.2016
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Inhaltsverzeichnis

Inhalt Seite
Editorial 2
In eigener Sache 3
Arbeitsplan der Ökologischen Plattform 2017 3
Sitzung des Koordinierungsrates (KR) am 12.11.2016 3
Aus den Ländern 4
Unser Widerstand hat sich gelohnt: Konzerne verzichten auf Ölförderung in Schleswig-Holstein! 4
NGOs 4
2. Europäisches Nyéleńi-Forum für Ernährungssouveränität mit 500 Teilnehmenden in Rumänien zu Ende gegangen 4
Mensch und Gesellschaft 6
Worte und Gedanken, subtil und manchmal subversiv 6
Gespräch mit Michael Succow 8
Energie 12
Großbatterien statt Netzausbau 12
Klima 13
Blitzkrieg gegen die Erde 13
Permafrost 21
Bücherecke
Von Mauerläufern und Umweltaktivisten 29
Ein Prozent ist genug 24
„Energiewende. Aber fair!“ Wie sich die Energiezukunft sozial tragfähig gestalten lässt 25
Der Mensch und das Meer 27
Impressum 30
Kontaktadressen 31

Rede zum Weltfriedenstag am 1.9.2016 in Cottbus

Auszüge

Die Mehrheit unserer gewählten Repräsentanten im Bundestag und Bundesrat hat unsere Beteiligung an Stellvertreterkriegen beschlossen, in denen die Magnaten der westlichen Welt und die östlichen Oligarchen gegeneinander Kriege führen lassen. Kriegsflüchtlinge sind ihnen nicht willkommen. Das Beispiel Syrien zeigt, dass die Zivilbevölkerung, vor dem Terror ausländischer Bomber und Söldner fliehen muss.

Die nationalen Globalstrategen, die Bombenflugzeuge und Bomben entsenden, lassen keinen legalen Zuzug von betroffenen Zivilisten in ihre eigenen Länder zu. Sie bezahlen Massenmedien, um ihre Kriegsstrategien als Verteidigung menschenfreundlicher Werte zu propagieren. Mit dieser Tafel (siehe Anhang) will ich auf die wesentlichste Kriegsursache, die Ausbeutung von Menschen und Ressourcen im Interesse von Kapitalvermehrung und Wirtschaftsmacht, hinweisen.

Die Art der Energieversorgung für den Privatgebrauch, für Industrie, Landwirtschaft, Handwerk, Dienstleistung und Verkehr ist entscheidend,

  • ob wir den durch Industrialisierung vor 180 Jahren begonnenen menschengemachten Klimawandel noch aufhalten können und
  • ob es uns gelingt, atomare und fossile Energieträger gegen Sonnen- und Windenergie austauschen.

Ich kann mir schwer vorstellen, dass es möglich ist, um Sonne und Wind Kriege anzuzetteln, in denen wie jetzt an Stelle der kriegsverursachenden Eliten ganze Völker leiden müssen.

Die Kriege, bei denen es faktisch um Ausbeutung der Ressourcen ferner Länder und Meere geht, haben inzwischen schon mehr Menschen das Leben gekostet, als der II. Weltkrieg.

Doch nun zur Tafel im Anhang (die Tafel in der Größe eines Wahlplakates hatte ich mir umgehängt): Sie ist mit Sicherheit unvollständig, denn ich bin nicht Moses und Moses hatte 2 Gesetzestafeln.

Nach gegenwärtigem Stand von Wissenschaft und Technik können Industrie, Landwirtschaft und Haushalte sich weltweit selbst aus Sonne und Wind mit Energie versorgen, ohne von einem Kartell der Energieversorger und Übertragungsnetzbetreiber abhängig zu sein. Befreiung von Kartellabhängigkeit ist nur mit dezentraler Eigenversorgung der Verbraucher zu erreichen. Aber, die Gesetze sind nicht so: Sie verlangen Abgaben für Konzerne, Großhändler und Kriegsbeteiligung. Mit gesetzgeberischen Tricksereien wird indirekt die Besteuerung von Sonne und Wind eingeführt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie täuscht einen Strommarkt vor, wo Spekulationsgrundlagen für Gewinne aus Selbstzerstörung durch Kriege und Klimawandel geschaffen werden. Zum vom Bundestag beschlossenen EEG 2016 gehört der Börsenhandel mit Lieferversprechen für Strom aus Atomenergie und Kohle.

Damit wird ignoriert, dass in der Bundesrepublik schon jetzt über 30 Prozent des gesamten Stromverbrauchs von schwankendem Strom aus Sonne und Wind bestimmt wird. Es gibt keine zeitliche Übereinstimmung der Verfügbarkeit von Sonne und Wind mit dem Stromverbrauch. Nur Betrüger können mit Vorabhandel von Strom an der Börse Geld verdienen.

Die Konzerne weigern sich, in dezentrale Speicher für Überschussstrom zu investieren, mit denen die natürlichen Schwankungen von Sonne und Wind ausgeglichen werden können. Das neue Gesetz hilft ihnen, sie von dieser lebenswichtigen Aufgabe zu entbinden. Im Gegenteil: Der Bundestag und die Bundesregierung lassen zu, dass von privatwirtschaftlich organisierten Netzbetreibern die Kosten für einen Netzausbau eingetrieben werden, der nur dem Macherhalt der auf Gewinnmaximierung orientierten Konzerne dient.

Es gibt im Land Brandenburg eine Region, in der mehr als 180 % des Strom-Eigenbedarfs aus Wind- und Solarenergie erzeugt wird. Die Bewohner haben davon nicht etwa Preisvorteile, sondern ihnen werden die Kosten des Abtransportes des Stromüberschusses als Strompreis und Steuern übergeholfen. Wir hier, die Cottbuser Bürgerinnen und Bürger, müssen für die Transportkosten zum Export von überschüssigem Kohlestrom mit aufkommen. In unseren Strompreisen werden zusätzlich die Kosten für vom Ausland nicht erwünschten Import von Kohlestrom und die Kosten für weggeworfenen Wind- und Solarstrom versteckt. Es gibt scheinbar ein Tabu, nach dem Oppositionsparteien, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen, Bürgerenergie-, Naturschutz-, und Umweltverbände vor der Vorlage eines gemeinsam erarbeiteten gemeinnützigen Gegengesetzentwurfs zurückschrecken.

Ein Gesetzentwurf, der mit den Strommarktlügen bricht, ist möglich. Einem Gesetz, dass dem Eigennutz der Kapitaleigner von Konzernen dient, stünde dann der Entwurf eines gemeinnützigen Gesetzes entgegen. Damit kann das von der Kartell- und Konzernlobby beeinflusste und von der Regierungskoalition des Bundestages durchgewinkte EEG 2016 verhindert werden.

Ein Gesetzentwurf für dessen Annahme sich eine wahrhaftige Mehrheit des Volkes einsetzt, wäre als Begleitmusik für Friedensveranstaltungen wie unserer heutigen, ein Beitrag zum Erfolg.

Anmerkung:

Die westdeutsche Initiative für diesen Gedenktag ging vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) aus, der erstmals am 1. September 1957 unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ zu Aktionen aufrief. Auf dem Bundeskongress des DGB 1966 wurde ein Antrag angenommen

„…alles Erdenkliche zu unternehmen, damit des 1. September in würdiger Form als eines Tages des Bekenntnisses für den Frieden und gegen den Krieg gedacht wird.“

Dieter Brendahl


Anhang [zurück↑]

Frieden und Beseitigung der Ausbeutung als wesentliche Kriegsursache erfordert gesetzliche Rahmen für

  • steuerfreie Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien der Industrie, des Handwerks, der Landwirtschaft und der Haushalte
  • demokratisch/staatliche Hoheit über Energieverbundnetze
  • Verurteilung der Strommarktlügen
  • Beendigung der Subventionierung von Atom- und Kohlekraftwerken
  • Elektrifizierung der Landwirtschaft und des Verkehrs
  • Sanktionen gegen Ausbeutung atomarer und fossiler Ressourcen für Arbeitsenergie und Waffenproduktion

Welche Energieunion brauchen wir?

Die Vorschläge der Europäischen Kommission in der Debatte

Wie wirken sich die Initiativen der Europäischen Kommission zur Umgestaltung des Strommarktdesgins auf Erneuerbare Energien und Energiegenossenschaften aus? Wie kann ein Netzausbau gestaltet werden, damit der Anteil der Erneuerbaren Energien im Strommarkt wachsen kann? Wie muss der Strommarkt gestaltet sein, um Anreize in den Ausbau Erneuerbarer Energien zu bewirken? Wie kann für den Ausbau Erneuerbarer Energien mobilisiert werden? Was muss sich an der europäischen und nationalen Gesetzgebung ändern, um eine stärkere Verbreitung von Energiegenossenschaften zu ermöglichen? Welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus für die UN-Klimakonferenz COP21?

Gemeinsam mit internationalen Gästen und Expert_innen möchten wir zu aktuellen Fragen und unterschiedlichen Aspekten ins Gespräch kommen.

Wir möchten Sie hiermit herzlich zur Energiekonferenz am 27. November in Berlin einladen und würden uns freuen, Sie als Gast bei uns begrüßen zu dürfen.

Mit den besten Grüßen,
Dr. Cornelia Ernst
Mitglied des Europäischen Parlaments
Mitglied im Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres.

Zeit

Freitag, 27. November 2015, ab 10 Uhr

Ort

Best Western Premium Hotel Berlin, Stephanstraße 41, 10559 Berlin (klick)

Flyer (klick) und Programm herunterladen (klick)

Um eine Rückmeldung über Ihre Teilnahme wird gebeten bis zum 22. November an:
oder per Telefon: +32 (0)228/ 476 60

neue Fernleitungen?

Unter der Überschrift „Braucht die Energiewende neue Fernleitungen?“ stellt Matthias Diehl am 2.5.2015 fünft Thesen auf:

  1. Die konventionelle Energiewirtschaft versucht, Braunkohlekraftwerke künstlich am Netz zu halten.
  2. Wir werden in absehbarer Zeit bezahlbare Stromspeicher haben.
  3. Der billigste und sofort verfügbare Energiespeicher sind große Wassertanks.
  4. Auch im Süden muss die Wind- und die Sonnenenergie massiv ausgebaut werden.
  5. Wir brauchen einen flexiblen Strompreis an jeder Steckdose.

Er kommt zum Ergebnis:

Mit all diesen verschiedenen Maßnahmen kann es gelingen, ein Industrieland wie Deutschland nachhaltig mit 100% Erneuerbaren Energien zu versorgen. Mit all den volkswirtschaftlichen Vorteilen, die sich daraus ergeben. Ich hoffe, dass auch in der Politik allmählich die Erkenntnis heranreift, dass man die Zukunft weder mit Braunkohle noch mit Atomenergie gewinnen wird und dass große Fernleitungen weder ökonomisch noch technisch der richtige Weg dorthin sind.

Stromnetzausbau

Die Umfrage „Ausbau der Stromnetze im Rahmen der Energiewende“ ist abgeschlossen. Erste Ergebnisse liegen vor. 4.309 Fragebogen enthalten Antworten zu mindestens 80% der Fragen und sind in die Auswertung einbezogen worden. Der größte Teil der TeilnehmerInnen (2.619) sind „interessierte Einzelbürger“, gefolgt von VertreterInnen aus Wissenschaft und Forschung (884) und Wirtschaft (749). Diese Teilnehmerstruktur hat sicher Auswirkung auf das Ergebnis.

63,7% befürworten den zielgerichteten Ausbau erneuerbarer Energien, 60,5% den Ausstieg aus der Kernenergie und 60,5% die Reduzierung der Verwendung fossiler Energieträger, während mehr als 50% den Ausbau der Stromnetze nicht oder „eher nicht“ befürworten.

Für die Umsetzung der Energiewende sehen 61,5% den Ausbau von Stromspeichern als das Wichtigste an, gefolgt von Einsparungen und Effizienzsteigerungen im Energiebereich (57,2%), intelligenten Verteilnetzen zur Nutzung von dezentral erzeugtem Strom (52,4%) und mehr dezentralen Kraftwerken in Verbrauchernähe (43,8%).

Zur Zeit erfolgt die umfassende Auswertung der Online-Befragung. Die Arbeiten werden voraussichtlich im April 2015 abgeschlossen. Danach geben wir eine gründlichere Darstellung der Ergebnisse.

Öffentlichkeitsbeteiligung an politischen Entscheidungsprozessen angestrebt

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) hat eine neue Online-Plattform geschaffen – das Stakeholder Panel Technikfolgenabschätzung (TA)[1] [2]. Es soll den Erfahrungs- und Meinungsaustausch mit gesellschaftlichen Akteuren über Herausforderungen und Folgen von Wissenschaft und Technik fördern. „Gesellschaftliche Herausforderungen und Folgen von Wissenschaft und Technik sollen frühzeitig erkannt und erörtert werden.“ Mit der Durchführung wurde das  IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung beauftragt.

Als erstes beginnt heute die Umfrage „Ausbau der Stromnetze im Rahmen der Energiewende“ durchgeführt. Weitere Themen sind „Online-Bürgerbeteiligung“ und „Neue elektronische Medien und Gefahrenpotenziale exzessiver Nutzung

Nutzen Sie die Chance und bringen Sie Ihre Ansichten zu diesem Thema ein. Beteiligen Sie sich an der Befragung!


[1↑] Stakeholder sind gesellschaftliche Akteure und Interessengruppen
[2↑] Die Methode der Panelbefragung stammt aus der Marktforschung:

„Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) [‚zœp] ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung von über 12.000 Privathaushalten in Deutschland. Die Befragung wird im jährlichen Rhythmus seit 1984 immer bei denselben Personen und Familien (= stets demselben Panel) durchgeführt. Die befragten Personen und Familien wurden „zufällig“ ausgewählt, so dass sie die in Deutschland lebenden Menschen repräsentieren.“ (Wikipedia)

Da sich bei dem Stakeholderpanel – im Gegensatz zum SOEP jedeR registrieren kann, ist eine repräsentative Auswahl hier eher unwahrscheinlich. Um so wichtiger ist es, dass Akteure, deren Meinungen sonst eher unter den Tisch fallen, die Gelegenheit nutzen und sich einbringen.

Speicherung Erneuerbarer Energie in Brandenburg und Mecklenburg/Vorpommern

Download Tagungsband (klick)

Datum:

15.11.2014 von 10.00 bis 16.00 Uhr

Ort:

Märkisches Ausstellungs- und Freizeitzentrum (MAFZ),
Gartenstr.1 – 3 in Paaren im Glien

Veranstalter:

Ökologische Plattform bei der LINKEN
Fraktion Die Linke im Landtag Brandenburg
Bioenergiedorf-Coaching Brandenburg e.V.

Anmeldungen bitte an

  • info(at)bioenergiedorf-coaching.de oder
  • info(at)oekologische-plattform.de

Programm

Downlaod hier

 

Download der Vorträge hier

 
von bis Thema ReferentIn
 
I. BLOCK: Ankunft, Begrüßung und Einführung
09:30 10:00 Ankommen der Gäste und Ausgabe Tagungsunterlagen
10:00 10:05 Begrüßung Prof. Dr. Dr. Götz Brandt
Ökologische Plattform bei der LINKEN
10:05 10:10 Begrüßung Andrea-Liane Spangenberg, Vorsitzende Bioenergiedorf-Coaching Brandenburg e.V.
10:10 10:25 EEG-Novelle und ihre Auswirkungen auf die Energiewende Ralph Lenkert, MdB, DIE LINKE
 
II. BLOCK: Verschiedene Speichertechnologien, ihre Anwendung und Erlössituation
10:25 10:40 Speicherbedarf für Erneuerbare Energien bei Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien Dipl.-Phys. Wolfgang Borchardt
Ökologische Plattform bei der LINKEN
10:40 10:55 Batteriespeicher, Kleinwindanlagen und PV für Privathaushalte Annett Dehmel, Geschäftsführung
CEO WinBat Technology GmbH
10:55 11:10 Kurzzeitbatteriespeicher: Wichtiger Baustein der Energiewende – Am Beispiel des ersten Großbatteriespeichers in Schwerin Benedikt Pulvermüller,
YOUNICOS AG
11:10 11:25 Erneuerbare Energien im Mix (Wind, Photovoltaik, Biogas) zur Versorgung des ländlichen Raumes in Brandenburg an den Beispielen: Energieautarke Gemeinde Feldheim und Energiepark Falkenthal + Regelenergiekraftwerk Feldheim auf Basis einer Lithium-Ionen-Batterie mit einer Leistung von 10 MW Renè Just + Dr. Thomas Roßner,
Energiequelle GmbH
11:25 11:45 Erlössituation im aktuellen Markt der Energiespeicher aus der Sicht eines Energieunternehmens (klick) Dr.-Ing. Christoph Schöpfer, Trianel GmbH
11:45 12:00 NACHFRAGEN Moderation Andrea-Liane Spangenberg, Bioenergiedorf-Coaching Brandenburg e.V.
12:00 13:00 MITTAGSPAUSE  
       
III. BLOCK: Speichertechnologien und Praxisbeispiele
13:00 13.45 h Ringwallspeicher (klick) Prof. Dr.-Ing. Matthias Popp
Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
13:45 14:00 Pumpspeicherwerke in vorhandenen, künstlichen Strukturen Thomas Weiss, Helmut-Schmidt-Universität
Universität der Bundeswehr Hamburg
Fakultät für Elektrotechnik
Mitarbeiter an der Professur für Elektrische Energiesysteme
14:00 14:15 Power-to-gas-Technologie (klick) Dr. Detlef Bimboes
Ökologische Plattform bei der LINKEN
14:15 14:30 Erfahrungen mit Speichern Dr.-Ing. Brigitte Schmidt,
SolarZentrum Mecklenburg-Vorpommern (angefragt)
14:30 14:45 NACHFRAGEN Moderation Andrea-Liane Spangenberg, Bioenergiedorf-Coaching Brandenburg e.V.
14:45 15:00 KAFFEPAUSE  
       
IV. BLOCK: Finanzierung von Speichern und Wirtschaftlichkeit
14:45 15:00 Finanzierung von Speichern und Wirtschaftlichkeit Dipl.-Kfm. Guido Mumm,
Akis GmbH/Deutsche Leasing AG
15:00 15:15 Förderung von Speichern durch Bund und Land Dr.-Ing. Jochen F. Möller, Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg
15:15 16:00 NACHFRAGEN UND GEMEINSAME DISKUSSION Moderation Andrea-Liane Spangenberg, Bioenergiedorf-Coaching Brandenburg e.V.
ENDE DER VERANSTALTUNG
    Eventuelle Änderungen am Programm bzw. im Programmablauf vorbehalten.  

Ziel der Veranstaltung:

Wissensvermittlung, Vorstellung des Standes der Technik, Darstellung verschiedener Technologien, Informationsaustausch, Motivation, Netzwerkherstellung, Finanzierungsratschläge

Zielgruppen:

Amts- und Verantwortungsträger/innen, Verwaltungen, Landwirte, Bürger/innen, Gewerbetreibende, Gemeinden, Institute, Nichtregierungsorganisationen, Parteimitglieder und Funktionäre

Diskussion:

Szenarien erneuerbarer Energieversorgung, Energieautarkie, regionale Versorgung mit Strom, notwendiger und sinnvoller Ausbau von Speichern und Netzen

Kampagne „Die Wende – Energie in Bürgerhand“

Das Bündnis „Die Wende – Energie in Bürgerhand“ hat als Antwort auf die Versuche der Regierung, die Energiewende abzuwürgen, im März eine Kampagne gestartet.

Zu den Gründungsmitgliedern des Bündnisses gehören der BUND, die Initiative „Bürgerenergie Berlin“, die das Stromnetz in der Hauptstadt kaufen will [1], das Genossenschaftsbündnis „Energiewende Jetzt“ und die „100 % erneuerbar Stiftung“, die zum überwiegenden Teil vom rheinland-pfälzischen Projektentwickler Juwi finanziert wird, sowie die Haleakala-Stiftung und die GLS-Bank Stiftung.
Die Kampagne will zeigen, wer die Menschen sind, die dieses Zukunftsprojekt vorantreiben. Zugleich soll ihnen im Jahr der Bundestagswahl eine starke Stimme für eine engagierte Fortsetzung der Energiewende gegeben werden. Sie gliedert sich in drei Phasen.

  1. Zunächst steht die Willensbildung im Vordergrund. Energiebürger und alle, die die Energiewende von unten unterstützen, haben die Möglichkeit, eine Energiewende-Charta zu unterzeichnen. In ihr wird die Vorfahrt für Energie in Bürgerhand gefordert.
  2. Auf einer zweiten Ebene sollen die „Energiebürger“ sichtbar werden. Sie sind aufgefordert, in vielen Aktionen vor Ort zu zeigen, dass Bürgerenergie vielerorts heute schon Teil der Lebensrealität ist. Und sie sollen ihr Bekenntnis zu einer Fortführung dieser Bürgerenergiewende zum Ausdruck bringen. Die Kampagne will diese Aktionen lokal anstoßen und überregional zusammenbinden.
  3. Drittens können sich die „Energiebürger“ in die politischen Debatten und den Wahlkampf einmischen und die Bundestagskandidaten ihres Wahlkreises dazu zu bringen, sich für die Fortführung der Bürgerenergiewende auszusprechen.

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger:

Wir werden deutlich machen, dass die Bürgerenergiewende wählbar ist. Die Parteien werden zu spüren bekommen, dass viele zehntausend Engagierte die Energiewende wollen und dass sie es nicht hinnehmen werden, wenn der Umbau des Energiesystems politisch ausgebremst wird. Dieses Signal geht heute von Berlin aus, es wird überall in der Republik verbreitet werden und wieder in Berlin angekommen sein, wenn im Herbst eine neu gewählte Bundesregierung ihre Arbeit aufnimmt. … Die vom Bürgerengagement getragene Energiewende ist Grundlage für die hohe Zustimmung der Bevölkerung für den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien. Die aktuelle Politik der Bundesregierung droht leider die Energiewende in Deutschland abzuwürgen“.

Luise Neumann-Cosel von „Bürgerenergie Berlin“ charakterisiert das Ziel so:

„Den Initiatoren geht es darum, dass Bürger weiterhin die Möglichkeit haben, ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten. Sie tun das als Betreiber von Anlagen, die Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen produzieren, oder setzen vor Ort Effizienzmaßnahmen um. Sie werden Netzeigentümer oder sind verantwortungsbewusste Energieverbraucher“.

Der Begriff „Energiebürger“ kennzeichnet das Ziel des Prozesses: den Übergang vom Konsumentenverhalten der Bürger zum selbstbestimmten, gemeinsamen und somit demokratischen Gestalten der Energieinfrastruktur.
Er entspricht damit den Vorstellungen, die im „Plan B – Das rote Projekt für einen sozial-ökologischen Umbau“ entwickelt wurden. Die Mitgliedschaft in der „Fraktion für Bürgerenergie“ [2] sollte daher zumindest für alle Bundestagsabgeordneten DER LINKEN eine Selbstverständlichkeit sein. Das ist bei den meisten (noch) nicht der Fall.

Ich finde, wir alle (nicht nur DIE LINKEN!) sollten die Bundestagsabgeordneten unserer Wahlkreise auffordern, der „Fraktion für Bürgerenergie“ beizutreten. Auf die Weise schaffen wir im Wahlkampf etwas Druck für die Wende zu 100% Erneuerbarer Energie und zur Demokratisierung der Energiewirtschaft.

W. Borchardt
29.7.2013


[1↑] siehe 2. NetzGipfel der BürgerEnergie Berlin
[2↑] Die „Fraktion für Bürgerenergie“ war (30.9.14) der Versuch, die Mitglieder des Bundestages Parteien übergreifend zusammenzufassen und für die Weiterführung der Energiewende entsprechend der Charta zu mobilisieren.
Die Internetseite der Kampagne hat an dieser Stelle allerdings auch einen gravierenden Nachteil: Längst nicht alle Mitglieder des Bundestages können auf der Seite ausgewählt werden.

Netzausbaupläne dienen der fossilen Energieerzeugung

Die Netzbetreiber rechnen auch künftig mit Dauerbetrieb von Kohlekraftwerken – trotz des Ausbaus der Erneuerbaren.

Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) hat ein neues Vergleichsdossier über die mögliche Entwicklung der Volllaststunden von Kraftwerken in Deutschland erstellt.
Es zeigt, dass der Weiterbetrieb der fossilen Kraftwerke auch in Zukunft vorgesehen bzw. von den Übertragungsnetzbetreibern geplant ist.

Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass in verschiedenen Studien Aussagen zur künftigen Auslastung von Kraftwerken gemacht werden. Die Gründe und Herangehensweisen der Studien sind unterschiedlich. Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) hat diese verglichen und festgestellt, dass trotz steigender Kapazitäten bei den Erneuerbaren Energien vor allem die Übertragungsnetzbetreiber von einer sehr hohen Auslastung der Braunkohlekraftwerke ausgehen. Durch diese hohe Auslastung der Kohlekraftwerke wird immer öfter mehr Strom erzeugt, als in der Republik abgenommen wird. Dadurch sinken die Börsenpreise und die EEG-Umlage steigt – ebenso, wie die Netzbelastung.
Da Stromerzeugung und -abnahme übereinstimmen müssen, wird der überschüssige Strom exportiert.

Den Szenarien der Übertragungsnetzbetreiber zufolge werden sich diese Zusammenhänge trotz politisch proklamierter Energiewende in Zukunft nicht ändern. Auch im Jahr 2023 und 2033 rechnen die Netzbetreiber unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen im Strommarkt mit einer durchgängig hohen Auslastung insbesondere von Braunkohlekraftwerken und einer Zunahme des Stromexports. Im als am wahrscheinlichsten dargestellten Szenario B des Entwurfs für den Netzentwicklungsplan 2013 prognostizieren die Übertragungsnetzbetreiber, dass Braunkohlekraftwerke auch im Jahr 2023 fast rund um die Uhr laufen. Bei einer installierten Leistung von 17,6 Gigawatt würden sie 129,4 Terawattstunden Strom erzeugen. Rechnerisch liefen die Braunkohlekraftwerke an 7.371 Stunden im Jahr mit voller Leistung (= Volllaststunden). Das wäre sogar mehr als die rund 6.000 Volllaststunden im Jahr 2011, die sich aus den Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums und der AG Energiebilanzen für die installierte Leistung und die Stromerzeugung von Braunkohlekraftwerken berechnen lassen (Demnach erzeugten Braunkohlekraftwerke mit einer installierten Leistung von 25 Gigawatt im Jahr 2011 rund 150 Terawattstunden Strom.) Hohe Volllaststunden sind ein Indikator dafür, dass Braunkohlekraftwerke auch dann noch auf voller Leistung laufen, wenn Sonnen- und Windenergieanlagen viel Strom produzieren.

Braunkohlestrom passt nicht zur Energiewende

Wenn allerdings gleichzeitig Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen und Kohlekraftwerken im Netz transportiert werden muss, erfordert dies mehr Übertragungskapazität. „Im Umkehrschluss bedeutet das: Der erforderliche Netzausbau und die damit verbundenen Kosten bis 2023 könnten vermutlich geringer ausfallen, wenn das Übertragungsnetz neben der Stromeinspeisung aus Erneuerbaren Energien nicht noch zusätzlich eine quasi unverminderte Einspeisung des Kohlestroms ermöglichen müsste“, erklärt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. „Werden konventionelle Kraftwerke nicht vom Netz genommen, wenn Erneuerbare-Energien-Anlagen einen Großteil der Nachfrage decken, entstehen Stromüberschüsse, die zum Beispiel zu negativen Preisen ins Ausland exportiert werden müssen. Das ist energiewirtschaftlich unnötig und widerspricht eklatant den Klimaschutzzielen“, kritisiert Vohrer.

Der aktuelle Netzentwicklungsplan der Übertragungsnetzbetreiber gibt den Stromexport im Szenario B für das Jahr 2023 mit 87 Terawattstunden an. (Zum Vergleich: Im Jahr 2012 exportierte Deutschland 66,6 Terawattstunden Strom ins Ausland.) Damit würde Deutschland sogar Frankreich überholen, dessen Exportmenge im Leitszenario für 2023 auf rund 84 Terawattstunden geschätzt wird.

Die Übertragungsnetzbetreiber erstellen den Netzentwicklungsplan jährlich seit 2012, um den zukünftigen Ausbaubedarf zu ermitteln. Auf Basis der oben genannten Annahmen kommen sie zu dem Fazit, dass bis 2023 rund 4.000 Kilometer neue Leitungen benötigt würden. Die Investitionskosten dafür beliefen sich auf 21 Milliarden Euro. Ein so modernisiertes Netz wäre in der Lage, nicht nur den Strom von Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt 139,5 Gigawatt zu transportieren, sondern gleichzeitig auch den Strom aus den vorhandenen Kohlekraftwerken.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) geht davon aus, dass insbesondere die geplanten neuen Stromautobahnen des Korridors A zwischen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg und des Korridors D zwischen dem Leipziger Raum und Bayern dazu beitrügen, Strom aus Kohlekraftwerken zu verteilen. „Sobald der Verdacht besteht, dass der Netzausbau nicht mehr vorrangig der Energiewende dient, sondern stattdessen die klimaschädliche Kohleverstromung manifestiert, wird die Glaubwürdigkeit der Netzausbaupläne beschädigt und die Akzeptanz für neue Stromleitungen schwindet“, warnt Vohrer.

Das vollständige Dossier mit Vergleichsgrafiken zu Volllaststunden-Prognosen einzelner Kraftwerkstypen ist auf der Internetseite des Forschungsradars Erneuerbare Energien abrufbar.

Der „Studienvergleich: Entwicklung der Volllaststunden von Kraftwerken in Deutschland“ kann auch hier heruntergeladen werden.

13.7.2013

Tarantel Nr. 61 (6/2013)

Tarantel 61
32 Seiten,
11 Abb.
Redaktionsschluss: 15.5.2013
Link zur Ausgabe

 

Inhaltsverzeichnis

Seite

Editorial

Bericht vom Bundestreffen der Ökologischen Plattform am 20/21. April 2013 in Bad Sachsa  3
Energiewende nicht abwürgen, sondern durch Ausbau mit dezentralen Speichern für regenerativeEnergien beschleunigen!
Erklärung des Bundestreffens der Ökologischen Plattform in Bad Sachsa am 21.April 2013
 4
100 % sozial, aber auch ökologisch ! Bericht vom Bundesparteitag in Dresden  5
Wir sind auf dem falschen Dampfer  7

Berichte aus den Ländern

Besuch bei der URENCO  8

International

Bericht vom Weltsozialforum in Tunis im März 2013
Wann kommt die zweite Etappe der Revolution?
10

Energieversorgung

100% Erneuerbare Energie durch Stromnetz- oder Speicherausbau? 15

Klimawandel

Vom Wetter zum „Un“Wetter
Der „Frühling“ der Extreme 2013 zeigt überdeutlich, die atmosphärische Zirkulation ist nachhaltig verändert.
20

Natur- und Tierschutz

Naturschutz und Allmenden gehören zusammen 23

Ökologische Plattform – Flyer

Netzausbau soll Eneuerbaren Energieausbau bremsen 27
Vollversorgung mit Erneuerbarer Energie nur mit ausreichender Speicherkapazität möglich 28
Strompreise senken 29

Autorenangaben

30

Impressum

30

Kontaktadressen


Richtigstellung

Auf der letzten Seite des Artikels „Vom Wetter zum „Un“Wetter“ schrieb Jürgen Tallig, dass die CO2-Emissionen seit 92 von 20 auf 30 Billionen Tonnen angestiegen sei.

Das ist leider nicht korrekt (nur im Amerikanischen), in Europa, also auf Deutsch sind es Milliarden oder auch Gigatonnen.

Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.
Nach den jüngsten Zahlen der IEA von diesem Jahr sind es aktuell inzwischen 34 Milliarden Tonnen oder 34 Gigatonnen CO2 die weltweit emittiert werden. 1990 lagen die Co2- Emissionen bei 20 Mrd. Tonnen. Allgemein anerkanntes globales Reduktionsziel bis 2050 sind 50%, die Industrieländer sollen ihre Emissionen um 80 % reduzieren.

Somit wurden die Emissionen nicht reduziert, sondern haben um fast 75% zugenommen.