Kandidat*innenbefragung zum Parteivorstand DER LINKEN

Die Ökologische Plattform NRW hat die Kandidierenden für den Bundesvorstand zu Ihren Ambitionen befragt. Wie sie sich für eine Abkehr von einer Politik, die vorrangig auf Wirtschaftswachstum setzt, in der Partei einsetzen möchten. Wie wir vielmehr konsequent den Weg zu einer ökologischen Politik mit deutlich weniger Ressourcenverbrauch zusammen mit der Umweltbewegung erstreiten können. Lebensqualität und soziale Gerechtigkeit sind gut vereinbar, wenn die Politik gezwungen wird, entsprechende Rahmenbedingungen zu setzen.

Die folgenden 20 Kandidierenden haben geantwortet:
Tobias Bank, Simone Barrientos, Christine Buchholz, Kerstin Eisenreich,Thies Gleiss, Sebastian Koch, Ralf Krämer, Dennis Lander, Xaver Merk, Lucy Redler, Franziska Riekewald, Bernd Riexinger, Johanna Scheringer-Wright, Ilja Seifert, Uwe Tippelt, Axel Troost, Jochem Visser, Katrin Werner, Harald Wolf, Murat Yilmaz

Die Antworten finden sich hier: https://oekologische-plattform.dielinke-nrw.de/aktuell/aktuelle-themen/antworten-der-kandidierenden-zum-parteivorstand/

Meine Meinung:
Wer eine solche Kandidatenbefragung ignoriert, ist aus ökologischer Sicht für den Parteivorstand nicht wählbar.

Interessant ist auch die Reaktion des Parteivorstandes auf unseren Antrag G 23. (https://www.die-linke.de/fileadmin/download/parteitage/leipziger_parteitag_2018/antragshefte/Leipziger_Parteitag_-_Antragsheft_2.pdf; S. 43-45).
Faktisch ist dieser eine Untersetzung und deutliche Weiterentwicklung unseres Antrages an den 5. PT (siehe https://www.oekologische-plattform.de/2016/04/magdeburger-parteitag/) – allerdings mit dem Unterschied, dass der sozial-ökologische Umbau jetzt nicht mehr „nur“ ein Tagesordnungspunkt auf einem Parteitag, sondern eine gesonderte Tagung des Parteitages sein soll.
Doch die Reaktion desselben (Noch-) Parteivorstandes ist die gleiche, wie vor zwei Jahren:
Aus Zeitmangel in die Zukunft verschieben.
2016 hat dieser damals neu gewählte Vorstand beschlossen, das Thema spätestens 2019 auf die Tagesordnung eines Parteitages zu setzen (siehe https://www.oekologische-plattform.de/2016/08/den-sozial-oekologischen-umbau-mit-leben-fuellen/); jetzt soll der Sonderparteitag nicht „schon“ 2019 stattfinden.

Die Ergebnisse der Kandidatenbefragung geben zumindest Anlass zur Hoffnung, dass der jetzt neu zu wählende Vorstand den Beschluss der Klausurtagung vom 2./3.7.2016 seines Vorgängers nicht mit Hinweis auf den neuen Antrag G 23. aufweicht. Sollte dieser Fall eintreten, würde sich die Grundsatzfrage nach dem Wert von Beschlüssen stellen.

Wolfgang Borchardt
8.6.2018

Solidarisch leben und wirtschaften – sozial-ökologischen Umbau vorantreiben!

Antrag der Ökologischen Plattform an den 6. Parteitag

Der Parteitag erklärt:

Die bürgerliche Gesellschaft mit ihrer kapitalistischen Wirtschaftsweise bringt große Teile der Weltbevölkerung um ein menschenwürdiges Leben. Sie bedroht das Menschsein und die Menschheit. Fast 50 Jahre nach dem ersten Bericht des Club of Rome, der eine Übernutzung der globalen Ressourcen feststellte, werden forciert natürliche Lebensbedingungen zerstört. Seit 1995 stattfindende UN-Klimakonferenzen haben den Anstieg der globalen Erwärmung nicht gestoppt. Darunter leiden die global Ärmsten bereits seit Jahrzehnten. Die Hauptverursacher ihrer Nöte und Bedrohungen sind die Herrschenden in den Zentren der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Mit ihrem Profitstreben, mit der uns aufgezwungenen Lebensweise, mit ihrer „Sicherheits“-, Militarisierungs- und Rüstungspolitik werden die Ressourcen zur Lösung der globalen Probleme vernichtet. Die Herrschenden führen Kriege, treiben Menschen zur Flucht, schaffen neue Kriegsgefahren einschließlich eines globalen Atomkrieges.

DIE LINKE. als sozialistische Partei, die das Soziale in das Zentrum ihrer Politik gestellt hat und an der Vision einer Gesellschaft der Freien und Gleichen festhält, hat der herrschenden Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik den Kampf angesagt. Sie sieht sich gefordert, ihr Ringen um solidarisches Wirtschaften und somit um einen gerechten sozial-ökologischen Umbau zu intensivieren. DIE LINKE. will alle Formen und Instrumente demokratischer Politik nutzen, um die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und der Europäischen Union wirksamer mitzubestimmen. Insbesondere will sie das gesellschaftliche Wirtschaftsleben demokratisieren.

Solche gesellschaftlichen Veränderungen beginnen erst, wenn wir uns selbst verändern.

Der Parteitag beschließt:

  1. Die Mitglieder der Partei, ihre Gliederungen, Zusammenschlüsse bzw. Arbeitsgemeinschaften und Vorstände werden aufgerufen, lokale und regionale Foren zum sozial-ökologischen Umbau und so zum solidarischen Wirtschaften zu organisieren und durchzuführen. Dort sollen Erfahrungen, Vorstellungen, Projekte und Vorschläge, die auf solidarisches und daher insbesondere ökologisch verantwortungsvolles Handeln zielen, diskutiert werden. Ein mögliches Motto ist: „Solidarisch wirtschaften damit es für alle gut reicht – bei uns, in der EU und Europa, weltweit“.
  2. Der Parteivorstand bildet eine Arbeitsgruppe, die die Ergebnisse der Foren analysiert und Vorschläge für weitergehende bzw. vernetzende Aktivitäten bzw. Vorhaben unterbreitet. Die Arbeitsgruppe bereitet ein bundesweites Forum der Partei zum solidarischen Wirtschaften und so zum sozial-ökologischen Umbau vor. Es sollte im Kontext mit einer zentralen Veranstaltung bzw. Konferenz, die praktische Problemlösungen und Konzepte der Partei möglichst öffentlichkeitswirksam präsentiert und debattiert, veranstaltet werden. Das Forum und die Veranstaltung sollen eine Tagung des Parteitages im Jahre 2019 vorbereiten bzw. mit dieser verbunden werden.
  3. Die Arbeitsgruppe organisiert die Herausgabe eines Materials für die innerparteiliche politische Bildung, das „solidarisches Wirtschaften“ wie sozial-ökologischen Umbau erklärt. Es soll Zusammenhänge zwischen der Ökonomie, dem Sozialen, der Ökologie und der Demokratie aufzeigen, Diskussionen anregen und auf konkretes politisches Handeln zielen.
    Die Öffentlichkeitsarbeit wird die ökologische Dimension in unserer Gesamtpolitik und die entsprechenden wirtschaftspolitischen Konzepte der Partei stärker kommunizieren.
  4. Auf den unter 1. und 2. genannten Foren bzw. auf der zentralen Veranstaltung/Konferenz und der Tagung des Parteitages interessiert insbesondere, wie die verschiedenen Formen demokratischer Politik – von der Straßenblockade aus Protest (z. B. gegen Castor- und Rüstungstransporte), über partizipative Prozesse, Aktivitäten im politischen Alltag, parlamentarische Arbeit und Teilhabe an Verwaltungs- und Regierungshandeln – koordiniert genutzt werden können, um Politikwirksamkeit zu erhöhen. Probleme und Widersprüche sollen offen und solidarisch debattiert werden.
  5. Die fachpolitischen Mandatsträgerinnen und Mandatsträger der LINKEn in den Parlamenten, Verwaltungen bzw. Regierungen werden gebeten, sich in die Vorbereitung und Durchführung der Foren aktiv einzubringen. Die in der Bundesstiftung und im Stiftungsverbund der RLS tätigen Genossinnen und Genossen der Partei werden aufgerufen, sich an der innerparteilichen politischen Bildung und insbesondere an der Erarbeitung des unter Punkt 3. genannten Bildungsmaterials engagiert zu beteiligen.

Begründung:

Nur ein radikales Umsteuern der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung wird ein menschenwürdiges Leben für jede und jeden und damit soziale und ökologische Gerechtigkeit weltweit ermöglichen. Die Herausforderung ist eindeutig: JETZT endlich müssen Elend, Armut und soziale Ausgrenzung wirksamer bekämpft, der weiteren Zerstörung des Klimas, der biologischen Vielfalt, der natürlichen Lebensbedingungen Einhalt geboten werden. Das heißt zunächst und vor allem: JETZT Schluss zu machen mit Austeritätspolitik und Ausplünderung, mit einer „Sicherheitspolitik“, die Krieg toleriert und Unsicherheit mehrt, mit profitfixierter Wirtschaftspolitik. JETZT muss ihr Ersatz beginnen – mit sozial gerechter Umverteilung von Einkommen, Vermögen und Ressourcen, mit der systematischen Verbesserung der Bedingungen für „gute Arbeit“, mit Hilfen für die Opfer von Gewalt und mit Entspannungspolitik, mit dem Umbau der Produktions- und Konsumtionsstrukturen, mit der Umstellung der individuellen und kollektiven Lebensstile. Dieser sozial-ökologische Umbau der Gesellschaft beginnt und geht einher mit dem Ringen um die Demokratisierung politischer Entscheidungsprozesse durch jene, die solidarisch leben und wirtschaften wollen.

DIE LINKE. hat auf den verschiedenen politischen Ebenen in vielfältigen politischen Aktivitäten – von Straßenblockaden, Demonstrationen, Petitionen über Projekte der Lokal-, Kommunal- und Landes-, Bundes-, EU- und Europapolitik bis hin zu parlamentarischen Initiativen und zur Teilhabe an Verwaltungen und Regierungen – bewiesen: soziale Gerechtigkeit, Demokratie, Frieden, Gleichstellung der Geschlechter und Ethnien, gleichgestellte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderungen am gesellschaftlichen Leben, solidarisches Miteinander und damit insbesondere Internationalismus und Ökologie sind ihr wichtig. Es gibt eine große Anzahl von Konzepten, Programmen und anderen Ausarbeitungen, darunter auch und insbesondere „Plan B“, die belegen, dass in der Partei an Zukunftsvisionen und konkreten Wegen des sozial-ökologischen Umbaus gearbeitet wird. Aber seltener werden eigene konkrete Referenzprojekte für Problemlösungen in der Kommune und im Land initiiert und vertreten. Erlangte Erfolge werden nicht ausreichend durch die Landes- und Bundespartei kommuniziert. Die Parteigliederungen werden in ihrer Breite nicht konsequent als Orte solidarischen, ökologischen und alternativ-kulturellen Lebens wahrgenommen. Es besteht zwar ein großes öffentliches Interesse an sozialökologischen Themen und wirtschaftspolitischen Konzepten, jedoch werden diese nur wenig mit linker bzw. sozialistischer Politik in Verbindung gebracht.

Unser Antrag zielt auf die Aktivierung aller Gliederungen der LINKEn, sich für den sozial-ökologischen Umbau in Wort und Tat zu engagieren. Mit unserer Initiative knüpfen wir an die vielfältigen emanzipativen Aktivitäten anderer demokratischer Akteure an.

 

Solidarität leben – Solidarisch Wirtschaften – sozial-ökologischen Umbau erstreiten!

Diskussion unseres Parteitagsantrages

Nach unserem ersten bzw. zweiten großen Brainstorming haben wir den Antragstext fort- bzw. neu geschrieben. Die Diskussion und das Formulieren sind Elemente eines doppelten kollektiven Suchprozesses. Da geht es zum einen um die Suche der LINKEN nach weiterer politischer Profilierung und nach Wegen zu mehr Politikwirksamkeit. Und zum anderen geht es um die Suche nach Wegen, wie wir dies maximal unterstützen bzw. forcieren können. Da hilft es nicht, lediglich zu wiederholen, was im Partei- und/oder Wahlprogramm steht oder mehr oder weniger erregt zu erklären, was „die Partei endlich tun solle“ und was „man tun muss“.

Wir laden nunmehr zu einer weiteren Beratung ein, um den Antragstext zu vereinbaren und die Diskussion zum Bedingungslosen Grundeinkommen und zum Fortbestand der EU weiterzuführen.

Wir treffen uns dazu am

21. April 2018, 10.30, im ND-Haus Franz-Mehring-Platz 1 (klick zur Karte), 10243 Berlin, Raum 739.

Vorschlag für die Tagesordnung

10.30 Begrüßung und Information zum Diskussionsstand, Nachfragen, kurzer Austausch

11.00 Diskussion zum Entwurf unseres Antrages an den Parteitag

12.30 Pause

12.50 Diskussion zur Position „Garantierte soziale Mindestsicherung und Bedingungsloses Grundeinkommen“ (klick öffnet neues Fenster)  und zur Position „Fortbestand der EU (klick öffnet neues Fenster)“.

14.30 Verabredungen

15.00 Ende der Beratung.

Mit solidarischem Gruß

AG Wirtschaftspolitik in der Ökologischen Plattform
Judith Dellheim, Frank Thiel

aktueller Entwurf:

Solidarität leben – Solidarisch Wirtschaften – sozial-ökologischen Umbau erstreiten!

Der Parteitag erklärt:

Die herrschende bürgerliche Gesellschaft mit ihrer kapitalistischen Wirtschaftsweise hat große Teile der Weltbevölkerung um ein menschenwürdiges Leben gebracht. Sie bedroht das Menschsein und die Menschheit. Fast 50 Jahre nach dem ersten Bericht des Club of Rome, der eine Übernutzung der globalen Ressourcen feststellte, werden forciert natürliche Lebensbedingungen zerstört. Seit 1995 stattfindende UN-Klimakonferenzen haben den Anstieg der globalen Erwärmung nicht gestoppt. Darunter leiden die global Ärmsten bereits seit langen Jahrzehnten. Die Hauptverursacher ihrer Nöte und Bedrohungen leben in den Zentren der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Sie wälzen die Folgen ihres Tuns auch auf die eigenen Kinder und Enkel ab. Mit ihrer „Sicherheits- bzw. Militarisierungs- und Rüstungspolitik vernichten sie Ressourcen für die Lösung der globalen Probleme und spitzen diese zu. Sie führen Kriege, treiben Menschen zur Flucht, schaffen neue Kriegsgefahr einschließlich eines globalen Atomkrieges.

DIE LINKE. als sozialistische Partei, die das Soziale in das Zentrum ihrer Politik gestellt hat und an der Vision einer Gesellschaft der Freien und Gleichen festhält, sieht sich gefordert, ihr Ringen um solidarisches Wirtschaften und somit um einen gerechten sozial-ökologischen Umbau zu intensivieren. DIE LINKE. will alle Formen und Instrumente demokratischer Politik nutzen, um die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und der Europäischen Union wirksamer mitzubestimmen. Insbesondere will sie die Wirtschaftspolitik und das gesellschaftliche Wirtschaftslebens demokratisieren und die eigene Arbeitsweise zu verändern.

Gesellschaftliche Veränderung beginnt erst, wenn wir uns selbst verändern.

Der Parteitag beschließt:

  1. Die Mitglieder der Partei, ihre Gliederungen, Zusammenschlüsse bzw. Arbeitsgemeinschaften und Vorstände werden aufgerufen, lokale und regionale Foren zum sozial-ökologischen Umbau und so zum solidarischen Wirtschaften zu organisieren und durchzuführen. Dort sollen Erfahrungen, Vorstellungen, Projekte und Vorschläge, die auf solidarisches und daher insbesondere ökologisch verantwortungsvolles Handeln zielen, diskutiert werden. Ein mögliches Motto ist: „Solidarisch wirtschaften damit es für alle gut reicht – bei uns, in der EU und Europa, weltweit“.
  2. Der Parteivorstand bildet eine Arbeitsgruppe, die die Ergebnisse der Foren analysiert und Vorschläge für weitergehende bzw. vernetzende Aktivitäten bzw. Vorhaben unterbreitet. Die Arbeitsgruppe bereitet ein bundesweites Forum der Partei zum solidarischen Wirtschaften und so zum sozial-ökologischen Umbau vor. Es sollte im Kontext mit einer zentralen Veranstaltung bzw. Konferenz, die praktische Problemlösungen und Konzepte der Partei möglichst öffentlichkeitswirksam präsentiert und debattiert, veranstaltet werden. Das Forum und die Veranstaltung sollen eine Tagung des Parteitages im Jahre 2019 vorbereiten bzw. mit dieser verbunden werden.
  3. Die Arbeitsgruppe organisiert die Herausgabe eines Materials für die innerparteiliche politische Bildung, das „solidarisches Wirtschaften“ wie sozial-ökologischen Umbau erklärt. Es soll Zusammenhänge zwischen dem Sozialen, der Ökologie, Ökonomie und Demokratie aufzeigen und auf konkretes politisches Handeln zielen. Dabei wäre auch und insbesondere ökologisches und ökonomisches Wissen zu vermitteln. Zugleich soll das Zusammenspiel der verschiedenen politischen Handlungsebenen von der lokalen bis zur globalen diskutiert werden.
  4. Auf den unter 1. und 2. genannten Foren bzw. auf der zentralen Veranstaltung/Konferenz und der Tagung des Parteitages interessiert nicht erst zuletzt, wie die verschiedenen Formen demokratischer Politik – von der Straßenblockade aus Protest (z. B. gegen Castor- und Rüstungstransporte), über partizipative Prozesse, Aktivitäten im politischen Alltag, parlamentarische Arbeit und Teilhabe an Verwaltungs- und Regierungshandeln – koordiniert genutzt werden können, um Politikwirksamkeit zu erhöhen. Probleme und Widersprüche sollen offen und solidarisch debattiert werden.
  5. Die fachpolitischen Mandatsträgerinnen und Mandatsträger der LINKEn in den Parlamenten, Verwaltungen bzw. Regierungen werden gebeten, sich in die Vorbereitung und Durchführung der Foren aktiv einzubringen. Die in der Bundesstiftung und im Stiftungsverbund der RLS tätigen Genossinnen und Genossen der Partei werden aufgerufen, sich an der innerparteilichen politischen Bildung und insbesondere an der Erarbeitung des unter Punkt 3. genannten Bildungsmaterials engagiert zu beteiligen.

Begründung:

Nur ein radikales Umsteuern der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung wird ein menschenwürdiges Leben für jede und jeden und damit soziale Gerechtigkeit weltweit ermöglichen. Die Herausforderung ist eindeutig: JETZT endlich müssen Elend, Armut und soziale Ausgrenzung wirksamer bekämpft, der weiteren Zerstörung des Klimas, der biologischen Vielfalt, der natürlichen Lebensbedingungen Einhalt geboten werden. Das heißt zunächst und vor allem: JETZT Schluss zu machen mit Austeritätspolitik und Ausplünderung, mit einer „Sicherheitspolitik“, die Krieg toleriert und Unsicherheit mehrt, mit profitfixierter Wirtschaftspolitik. JETZT muss ihr Ersatz beginnen – mit sozial gerechter Umverteilung von Einkommen, Vermögen und Ressourcen, mit der systematischen Verbesserung der Bedingungen für „gute Arbeit“, mit Hilfen für die Opfer von Gewalt und mit Entspannungspolitik, mit dem Umbau der Produktions- und Konsumtionsstrukturen, mit der Umstellung der individuellen und kollektiven Lebensstile. Dieser sozial-ökologische Umbau der Gesellschaft bzw. diese sozialökologische Transformation beginnt und geht einher mit dem Ringen um die Demokratisierung politischer Entscheidungsprozesse durch jene, die solidarisch wirtschaften wollen.

DIE LINKE. hat auf den verschiedenen politischen Ebenen in vielfältigen politischen Aktivitäten – von Straßenblockaden, Demonstrationen, Petitionen über Projekte der Lokal-, Kommunal- und Landes-, Bundes-, EU- und Europapolitik bis hin zu parlamentarischen Initiativen und zur Teilhabe an Verwaltungen und Regierungen – bewiesen: soziale Gerechtigkeit, Demokratie, Frieden, Gleichstellung der Geschlechter und Ethnien, gleichgestellte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderungen am gesellschaftlichen Leben, solidarisches Miteinander und damit insbesondere Internationalismus und Ökologie sind ihr wichtig. Es gibt eine große Anzahl von Konzepten, Programmen und anderen Ausarbeitungen, darunter auch und insbesondere „Plan B“, die belegen, dass in der Partei an konkreten Wegen des sozial-ökologischen Umbaus bzw. der sozialökologischen Transformation gearbeitet wird.
Aber: Seltener werden eigene konkrete Referenzprojekte für Problemlösungen in der Kommune und im Land initiiert und vertreten. Erlangte Erfolge werden nicht ausreichend durch die Landes- und Bundespartei kommuniziert. Die Parteigliederungen werden in ihrer Breite nicht konsequent als Orte solidarischen, ökologischen und alternativ-kulturellen Lebens wahrgenommen. Es besteht ein eher beschränktes öffentliches Interesse an unseren Vorstellungen und Vorhaben zum sozial-ökologischen Umbau/zur sozialökologischen Transformation. Entsprechende Wirtschaftskonzepte sind kaum bekannt.

Unser Antrag zielt auf die Aktivierung aller Gliederungen DER LINKEN, den sozial-ökologischen Umbau in Angriff zu nehmen. Mit unserer Initiative knüpfen wir an die vielfältigen emanzipativen Aktivitäten anderer demokratischer Akteure an.

Solidarisch Wirtschaften damit es für alle gut reicht – bei uns, in der EU und Europa, weltweit

Diskussion zum Antrag an den Parteitag

Am 24. Februar 2018 wollen wir einen ersten Entwurf unseres Antrages  zu diesem Thema beraten. Den Entwurf findet ihr unten (klick).

Der Ort des Geschehens ist das ND-Haus, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, (klick zur Karte), Seminarraum 1.

Wir hoffen auf rege Teilnahme aus der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaftspolitik und der Ökologischen Plattform. Der Seminarraum 1 ist geräumig.

Als Tagesordnung schlagen für wir vor:

10.30 Uhr: Beginn, Organisatorisches und Information über die Resonanz aus der Partei zu unserer Initiative.

11.00 Uhr: Beginn der Diskussion zum ersten Entwurf des Antrages (wird kurz vor der Beratung vorgelegt)

12.30 Uhr: Pause

12.45 Uhr: Fortsetzung der Diskussion

14.30 Uhr: Vereinbarung zum weiteren Vorgehen

14.50 Uhr: Verständigung zu zwei Positionen: Bedingungsloses Grundeinkommen und Haltung zur Europäischen Union (dazu werden bis zum 15.2.18 zwei kurze Papiere verschickt.

16.00 Uhr oder früher: Ende

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Antrag an den Parteitag

Der Parteitag möge beschließen

  • Das Projekt der Bundespartei „Solidarisch Wirtschaften damit es für alle gut reicht – bei uns, in der EU und Europa, weltweit“
  • die damit verbundenen inhaltlichen Grundpositionen
  • erste konkrete Arbeitsaufträge.

Solidarisch Wirtschaften damit es für alle gut reicht – bei uns, in der EU und Europa, weltweit

Gewalt gegen Menschen, die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft, die Zerstörung der natürlichen Lebensbedingungen, die Ausplünderung der Ressourcen zugunsten einer globalen Minderheit und zu Lasten der Mehrheit der Weltbevölkerung schreiten fort. Sie gehen mit Politik einher, die durch Aggressivität, Demokratiefeindlichkeit, Gewalt und Unsicherheit geprägt ist. Nur ein radikales Umsteuern der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung wird ein menschenwürdiges Leben für jede und jeden ermöglichen. Nur über ein solches Umsteuern kann je eine Gesellschaft entstehen, in der die freie Entwicklung des einzelnen Menschen als Bedingung für die Befreiung aller gilt. Die Herausforderung ist eindeutig: JETZT endlich müssen Elend, Armut und soziale Ausgrenzung bekämpft, die Zerstörung des Klimas, der biologischen Vielfalt, der natürlichen Lebensbedingungen beendet werden. Das heißt zunächst und vor allem: JETZT Schluss zu machen mit Austeritätspolitik und Ausplünderung, mit einer „Sicherheitspolitik“, die Krieg toleriert und Unsicherheit mehrt, mit profitfixierter Wirtschaftspolitik. JETZT muss ihr Ersatz beginnen – mit sozial gerechter Umverteilung von Einkommen, Vermögen und Ressourcen, mit Hilfen für die Opfer von Gewalt und mit Entspannungspolitik, mit dem Umbau der Produktions- und Konsumtionsstrukturen, mit der Umstellung der individuellen und kollektiven Lebensstile. Dieser sozial-ökologische Umbau der Gesellschaft bzw. diese sozialökologische Transformation beginnt und geht einher mit dem Ringen um die Demokratisierung politischer Entscheidungsprozesse durch jene, die solidarisch wirtschaften wollen.

Die zu realisierenden Prozesse sind langandauernd, widersprüchlich und komplex. Sie müssen gegen den Widerstand derjenigen durchgesetzt werden, die sie und die neuen gesellschaftlichen Grundlagen nicht wollen. Das sind vor allem die herrschenden Kapitaleliten. Als sozialistische Partei stellen wir uns diesen Herausforderungen, denn nach wie vor heißt unser Ziel Sozialismus. Wir wissen, dass solidarisches Wirtschaften beginnt mit: der Veränderung der eigenen Alltagspraxen, fundierten theoretischen und praktischen Vorschlägen, sensibler Überzeugungsarbeit und demokratischer Bündnispolitik. Gesellschaftliche Mehrheiten für die erforderlichen Veränderungen können nur durch das Miteinander sehr verschiedener sozialer und politischer Akteure zustande kommen.

„Solidarisches Wirtschaften damit es für alle gut reicht – bei uns, in der EU und Europa, weltweit“ zielt auf die Umwälzung der gesellschaftlichen der Produktions- und Lebensweisen, der gesellschaftlichen Verhältnisse, insbesondere der Produktions- und damit der Eigentumsverhältnisse.

Solidarisches Umsteuern, Umverteilen, Umbauen und Umwälzen können beginnen und fortschreiten, wenn uns im Bündnis mit anderen politischen Kräften ein doppelter Prozess gelingt: zum einen die Möglichkeiten, heute und kurzfristig selbstbestimmter, solidarischer und daher auch und insbesondere ökologischer zu leben, zu nutzen. Und zum anderen nachhaltig gegen die Grenzen für ein selbstbestimmtes, solidarisches und daher ökologisches Handeln politisch zu opponieren. Sie zu verschieben und zu beseitigen.

DIE LINKE. will als solidarische und internationalistische Akteurin des sozial-ökologischen Umbaus bzw. einer sozialökologischen Transformation wirksamer werden. Sie wird überzeugender und nachhaltiger zeigen bzw. beweisen, dass

  • sie soziale und globale Gerechtigkeit durchsetzen und daher den Ressourcenverbrauch, die Verschmutzung der Luft, des Wassers und der Böden drastisch reduzieren will
  • ihre Mitglieder und Sympathisanten sich für Frieden, Solidarität, Demokratisierung und Ökologisierung der gesellschaftlichen Lebensweise engagieren und bereit sind, ihre Lebensstile zu verändern
  • die Mitglieder und Sympathisanten der LINKEn für das Recht auf sinnvolle und daher insbesondere auf existenzsichernde und ökologisch verantwortbare Arbeit eintreten
  • die Partei „Wirtschaftskompetenz“ nicht schlechthin an Unternehmenserträgen bewertet, sondern an Konzepten, Projekten und praktischer Wirtschaftspolitik, die demokratisch Ressourcen zur Erlangung sozialer und ökologischer Ziele einsetzt und nutzt
  • sie bereit, offen und fähig ist, demokratische Suchprozesse nach Problemlösungen und Wegen des sozial-ökologischen Ab-, Um- und Neubaus von Wirtschaftsstrukturen zu organisieren; dass sie solche und ähnliche Initiativen anderer Akteure an- und aufnimmt.

Gesellschaftliche Veränderung beginnt nur, wenn wir uns selbst verändern.

Die Mitglieder, Gliederungen und Zusammenschlüsse, die Vorstände und Fraktionen der Partei sind aufgerufen, ihre bereits laufenden Aktivitäten solidarischen Wirtschaftens so öffentlich zu machen, dass sie in der Partei und über diese hinaus besser wahrgenommen werden können. Ausgehend sowohl hiervon als auch von Vernetzungsmöglichkeiten, Vorschlägen und gemeinsam ausgemachten Defiziten wird die nächste Tagung des Parteitages einen Arbeitsplan für das Projekt „Solidarisch Wirtschaften damit es für alle gut reicht – bei uns, in der EU und Europa, weltweit“ diskutieren und beschließen. Er soll konkrete Vorhaben für die nächsten drei Jahre beinhalten und klären, wie die Erarbeitung und Fortschreibung von Konzepten und Absprachen für die nächsten zehn Jahre erfolgen können.

Der Parteivorstand wird beauftragt, eine Arbeitsgruppe zur Umsetzung des Beschlusses zu berufen.

Begründung des Antrages

Auf der Grundlage des Programmes der Partei DIE LINKE. und ihres Programms zur Bundestagswahl 2017 gilt in der Partei als Konsens:

  1. Das Soziale und das Ökologische werden als zusammengehörig gesehen, denn es geht um die Lebensbedingungen der Menschen. Die Gesellschaft, in der die freie Entfaltung der und des Einzelnen als Bedingung für die Befreiung aller gilt, setzt eine funktionsfähige Biosphäre und so verantwortungsvoll gestaltete Stoffwechselprozesse der Gesellschaft mit der Natur voraus.
  2. DIE LINKE. lehnt eine auf globale Konkurrenzfähigkeit, Wachstum und imperiale Herrschaft fixierte Produktionsweise ab. Sie engagiert sich dafür, dass die Menschen solidarisch miteinander leben. Daher sollen die sozialen und globalen Spaltungen und Unterschiede zwischen den Menschen zunehmend schwinden und letztendlich verschwinden.
  3. DIE LINKE. und ihre Mitglieder wollen ihre Handlungsmöglichkeiten nutzen, zunehmend solidarischer und ökologisch verantwortungsvoller zu leben. Das erfordert insbesondere die politische und kulturelle Auseinandersetzung um Fragen der Ernährung, des Wohnens, der Freizeit, der Mobilität, der Arbeitsbedingungen und -prozesse. Immer wieder geht es darum, die Grenzen für solidarisches und ökologisch verantwortungsvolles Verhalten zu thematisieren und zum Gegenstand von politischen Aktivitäten auf allen politischen Ebenen und in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu machen. Alle Instrumente demokratischer Politik sollen genutzt werden, um die Grenzen für solidarisches und ökologisches Handeln zu verschieben bzw. zu überwinden.

DIE LINKE. hat auf den verschiedenen politischen Ebenen in vielfältigen politischen Aktivitäten – von Straßenblockaden, Demonstrationen, Petitionen über Projekte der Lokal-, Kommunal- und Landes-, Bundes-, EU- und Europapolitik bis hin zu parlamentarischen Initiativen und zur Teilhabe an Verwaltungen und Regierungen – bewiesen: soziale Gerechtigkeit, Demokratie, Frieden, Gleichstellung der Geschlechter und Ethnien, gleichgestellte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderungen am gesellschaftlichen Leben, solidarisches Miteinander und damit insbesondere Internationalismus und Ökologie sind ihr wichtig. Sie hat den Willen und die Fähigkeit zu Offenheit und demokratischer Bündnispolitik nachgewiesen.

Es gibt eine große Anzahl von Konzepten, Programmen und anderen Ausarbeitungen, darunter auch und insbesondere „Plan B“, die belegen, dass in der Partei an konkreten Wegen des sozial-ökologischen Umbaus bzw. der sozialökologischen Transformation gearbeitet wird. Aber: Seltener werden eigene konkrete Referenzprojekten für Problemlösungen in der Kommune und im Land vertreten. Erlangte Erfolge werden nicht ausreichend durch die Landes- und Bundespartei kommuniziert. Die Parteigliederungen werden in ihrer Breite nicht konsequent als Orte solidarischen, ökologischen und alternativ-kulturellen Lebens wahrgenommen. Es besteht ein eher beschränktes öffentliches Interesse an unseren Vorstellungen und Vorhaben zum sozial-ökologischen Umbau/zur sozialökologischen Transformation. Entsprechende Wirtschaftskonzepte sind kaum bekannt.

Für „Linke Wirtschaftskompetenz“ stehen zum einen Konzepte, die zeigen, dass es möglich ist,

  • konkrete soziale Herausforderungen – vor allem Armut und soziale Ausgrenzung – und ökologische Probleme solidarisch zu mildern und zu lösen, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern und den der Bundesrepublik und der EU drastisch und nachhaltig zu reduzieren
  • sozial, ökologisch, europäisch und global gerechte Politik zu betreiben
  • sinnvolle und existenzsichernde Arbeitsplätze zu erhalten bzw. neu zu schaffen, aber auch Arbeit gesellschaftlich neu zu definieren bzw. zu bewerten
  • den Ressourcenverbrauch und die klima-, Wasser- und Böden verschmutzenden Auswirkungen gravierend zu senken
  • sozial und ökologisch nachhaltige Wirtschaftsprozesse einzuleiten und finanziell abzusichern
  • ein effektives Zusammenspiel der Ebenen und Bereiche des gesellschaftlichen Wirtschaftslebens zu realisieren.

Zum anderen stehen auf solchen Konzepten basierende Politik und Praxen für „Linke Wirtschaftskompetenz“. Allerdings werden wir mindestens so lange in den Augen des Mainstreams als „wirtschaftlich inkompetent“ gelten wie „Wirtschaftskompetenz“ nicht verbunden wird mit solidarischem Wirtschaften, damit es für alle gut reicht – bei uns, in der EU, in Europa und weltweit.

Mit unserer Initiative knüpfen wir an die vielfältigen emanzipativen Aktivitäten anderer Akteure an: der Friedensbewegung (diese Rüstung können wir uns sparen), der globalisierungskritischen Bewegung (dieser Freihandel und Investitionsschutz zerstören menschliche Existenzen und natürliche Lebensbedingungen), an soziale Kämpfe gegen Sozial- und Demokratieabbau, Privatisierungen, ökologiefeindliche Großprojekte, gegen Armut und soziale Ausgrenzung, an Kampagnen für Klimagerechtigkeit, Kohleausstieg, gegen Atomenergie, für sozial und ökologisch nachhaltige Problemlösungen, für Ernährungs- und Energiesouveränität, an die Bewegungen zur Schuldenstreichung und für die Bekämpfung von globalen Problemen im Interesse der global Armen, an die Bewegung der transition towns, für ein gerechtes Degrowth, für gerechte Suffizienz usw..

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Änderungsvorschläge

aus der Ökologischen Plattform, BAG Umwelt, LAG Betriebe und Gewerkschaft Brandenburg zum Entwurf des Bundestagswahlprogramms 2017

Vorbemerkung

Nachdem wir bereits am 24.2.2017 unsere vorläufigen Änderungsvorschläge an die Mitglieder des Bundesvorstandes Johanna Scheringer-Wright, Sabine Leidig, Franziska Riekewald, Thies Gleiss und Harald Wolf übermittelt haben, wurden die unten stehenden Vorschläge am 15.3.2017 per E-Mail dem Wahlkampfleiter, Matthias Höhn, sowie noch einmal den genannten Vorstandsmitgliedern gesendet.

Am 17. März antwortete Jan Marose, Referent Bundesgeschäftsführer:

„Die Redaktionsgruppe konnte Eure Punkte für die gestern an den Parteivorstand verschickte Vorlage für die Sitzung am 1. April aber leider nicht mehr berücksichtigen. Johanna, Sabine, Franziska, Harald und Thies haben aber als Parteivorstandsmitglieder die Möglichkeit, sich Eure Vorschläge (ganz oder teilweise) zu eigen zu machen und als Änderungsanträge in die Debatte zur jetzigen Fassung in der Vorstandssitzung am 1. und 2. April einzubringen.“

Bei den entscheidenden Punkten: Titelblatt, Schwerpunktverschiebung/ Gliederung sowie Änderungsvorschläge zur Einführung ist bisher völlig unklar, ob sie berücksichtigt werden.

 Titelblatt

Unsere Partei ist eine Friedenspartei. In unserem Parteiprogramm wird eine sozial-ökologische Umwälzung der Wirtschaft und Gesellschaft gefordert. Beides muss auch im Titelblatt des Programms zur Bundestagswahl 2017 manifestiert werden:

„Friedenstiftend. Sozial. Gerecht. Umweltverträglich. Für Alle“

Schwerpunktverschiebung / Gliederung

bisheriges Kapitel (XIII) „Menschen vor Profite – für eine soziale, ökologische und demokratische Wirtschaft der Zukunft“

Dieses Kapitel solle in der Gliederung deutlich weiter vorn stehen, denn alle nachfolgenden Forderungen hängen von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. In diesem Kapitel werden weniger die zukünftigen als die sofortigen Veränderungen (in der Legislaturperiode) dargelegt. Deshalb sollte auch im Titel des Kapitels der Zusatz „…der Zukunft“. gestrichen werden.

Neu: „Menschen vor Profite – für eine soziale, ökologische und demokratische Wirtschaft“

Ebenfalls deutlich weiter vorn sollte das bisherige Kap. XVI stehen: „Nein zum Krieg…“

Beide Kapitel zielen auf die Absicherung des Grundrechtes auf Leben und müssen daher am Anfang stehen.

Die folgenden Seitenangaben beziehen sich auf den 1.Entwurf (ohne Umstellung).

Änderungsvorschläge zur Einführung

Seite 5, linke Spalte, 2. Absatz, Zeile 4 nach Doppelpunkt einfügen:

„Wir wollen ein Land, das sich nicht von Reichen und Mächtigen in eine Klimakatastrophe treiben lässt!“

Seite 5, Linke Spalte, Ende des zweiten Absatzes

Der Umweltgedanke sollte an allen Stellen gleichrangig mit dem Sozialen Gedanken deutlich gemacht werden:

„Für soziale Gerechtigkeit, Umweltverträglichkeit, Frieden und einen Aufbruch der Demokratie“.

Seite 5, linke Spalte, 3. Absatz, nach dem 2.Satz einfügen:

„Deshalb lösen wir die Hartz-Gesetze durch Gesetze für Existenz und Teilhabe sichernde sanktionsfreie Grundeinkommen für Schüler, Auszubildende, Studierende, Langzeitarbeitslose und Erwerbslose ab.“

Seite 5, linke Spalte, nach dem 4. Absatz einen neuen Absatz einfügen:

„Deutschland hat beste natürliche und technische Voraussetzungen, um die fatale Abhängigkeit seiner Energieversorgung von Kernenergie und fossilen Energieträgern zu beenden. Wir wollen sie nutzen!

Seite 5, rechte Spalte, am Ende des ersten Absatzes ergänzen:

…führt zu immer neuen Krisen: wirtschaftlichen, sozialen und vor allem ökologischen.

Seite 5, rechte Spalte, Ende des 3. Absatzes

Auch hier den Umweltgedanken einfügen: „Wir streiten für ein friedliches, umweltverträgliches, solidarisches und demokratisches Europa“

Seite 5, rechte Spalte, letzter Absatz

Neuformulierung des 1. Satzes:

„Seit 1989 sind viele Kriege um Ressourcen für von Erdöl, Gas und Kohle abhängige Energieversorgungen geführt worden.“

Im Absatz wird unterstellt, dass es um Verteidigung geht, aber das trifft schon lange nicht mehr zu, sodass der Begriff „Verteidigung“ in Anführungszeichen gesetzt werden sollte.

Seite 6, linke Spalte, Neuformulierung des letzten Satzes vom 1. Absatz:

„Dringend notwendig ist es dagegen, friedliche Konfliktlösungen zu stärken und die Ursachen von Flucht und Vertreibung zu bekämpfen sowie im Inland mit Sonne und Wind die Abhängigkeit von Kernenergie und fossilen Energieträgern zu beseitigen.“

Seite 6, linke Spalte, zweiter Absatz

In der 3-seitigen Einführung findet sich folgender Absatz auf Seite 6 oben links zum „sozial-ökologischen Umbau“:

„Mächtige Konzerninteressen verhindern auch, dass die Zerstörung des Klimas gestoppt wird. Sie sichern ihre Profite, indem sie wirtschaftliches Wachstum auf Kosten von Natur und Umwelt organisieren. Den Preis bezahlen andere. Wir halten es mit Naomi Klein: Kapitalismus oder Klima – wir müssen uns entscheiden. Wir wollen die Erzeugung und den Verbrauch von Energie umweltverträglich umbauen. DIE LINKE ist die einzige Partei, die für ein anderes Wirtschaftssystem eintritt: Menschen vor Profite.“

Der vorliegende Absatz ist der einzige in der Einleitung, in dem die Gefahr der Erderhitzung thematisiert und nicht nur aufgezählt wird. Daraus ist nicht zu entnehmen, dass DIE LINKE die existenzielle Bedrohung durch den Klimawandel erkannt hat und sie abwehren will. Dass die „Selbstverbrennung“ (Prof. Schellnhuber) der Menschheit die Folge des globalen Experiments Klimawandel sein wird, deren Verhinderung ein Herzensanliegen der Partei sein muss, wird nicht sichtbar. Zum Anderen haben wir nur noch 2 Legislaturperioden Zeit, um die Erderhitzung als irreversiblen Naturvorgang abzuwenden. Diese Aufgabe ist ein wesentlicher Schwerpunkt des sozial-ökologischen Umbaus der Wirtschaft und Gesellschaft.

Exemplarisch dazu ist eine Rückmeldung von Wolf von Fabeck, dem Geschäftsführer des Solarenergie-Förderverein Deutschland (SFV), der für die Energiepolitik DER LINKEN seit Längerem Sympathien hegt.

„Ich habe den Entwurf für ein Wahlprogramm der Linkspartei mit großem Interesse gelesen.

Aus dem umfangreichen Papier ist leider nicht unmittelbar zu entnehmen, dass die Linkspartei die existenzielle Bedrohung durch den Klimawandel erkannt hat und sie abwehren will. Man erkennt es erst nach intensivem Suchen. Im Inhaltsverzeichnis sind 15 wichtige Ziele im Fettdruck aufgeführt, aber Kampf gegen den Klimawandel und Einsatz für eine schnelle Energiewende sind nicht dabei. Sie verstecken sich vielmehr hinter der Überschrift:

„XIII. Menschen vor Profite – für eine soziale, ökologische und demokratische Wirtschaft der Zukunft“

Das ist nun wirklich tiefgestapelt. Wollen Sie nicht die klimabesorgten Wähler gleich in der Einleitung zum Wahlprogramm ansprechen?
Denkt daran, dass für viele Menschen die berechtigte Angst vor der Klimakatastrophe ein Grund sein könnte, die Linke zu wählen.“

Deshalb sollte der gesamte Absatz neu formuliert werden:

„Ungezügelter Energie-und Ressourcenverbrauch und die damit einhergehenden Emissionen klimaschädlicher Gase haben ein Ausmaß erreicht, das in den nächsten Jahrzehnten zu einer unkontrollierbaren Erderhitzung führen und das Überleben großer Teile der Menschheit gefährden kann. Dazu kommen neben der immer noch nicht gebannten Atomkriegsgefahr eine Jahrtausende strahlende, ständig weiter wachsende Hinterlassenschaft der Atomkraftwerke.

Das Überleben der Menschheit erfordert eine andere, eine ressourcenschonende und ökologische Lebensweise. Diese ist unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen nicht möglich. Die Produktion muss deshalb in gesellschaftlichem Eigentum nach den Bedürfnissen der Menschen organisiert und die gesamte Gesellschaft sozial-ökologisch umgebaut werden. Daher setzt sich DIE LINKE nicht nur für wirtschaftliche und soziale Reformen ein, die die skandalösen Unterschiede zwischen Arm und Reich abbauen. Damit es gelingt, den Absturz der Menschheit in die Klimakatastrophe oder die atomare Verseuchung zu stoppen, muss jetzt gehandelt werden. DIE LINKE sieht einen wichtigen Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit in der Beendigung der atomaren und fossilen Energiegewinnung, im Ausbau von Wind- und Sonnenenergie und in der massiven Markteinführung von Speichertechnologien“.

Seite 7, linke Seite, 2. Absatz, den ersten Satz ergänzen durch:

„Gegen die geballte Macht von Unternehmen, Reichen und ihren politischen Parteien brauchen wir eine Revolution für soziale Gerechtigkeit, friedliche Kooperation der Länder und Nationen und naturverträgliche Wirtschaftsformen.“

Auf Seite 7 „Was wir dringend angehen“ muss darauf hingewiesen werden,. dass wir eine gesunde Umwelt benötigen. Die Vergiftung der Menschen über Lebensmittel, Plastikerzeugnisse, Trinkwasserkontamination, Atemluft und Strahlung hat in den letzten 50 Jahren derart zugenommen, dass die Gesundheit vieler Bürger erheblich beeinträchtigt wird und zahlreiche Krankheiten wie Krebs, Kreislaufschäden usw. besorgniserregend zugenommen haben.

Neuer Punkt:

„Wir wollen in Deutschland und Europa für eine Umweltpolitik eintreten, die sowohl der heutigen als auch künftigen Generationen rund um den Erdball ein gesundes Leben im Einklang mit der Natur sichert“.

Seite 7, linke Spalte, letzter Punkt. Diesen Absatz ergänzen:

„Weitere 50 Mrd. € stehen jährlich durch Abschaffung umweltschädlicher Subventionen zur Verfügung“.

Seite 7, rechte Spalte, zweiter Punkt. Hier ist zu ergänzen:

„Der Zugang zu Energie ist ein Grundrecht“

Seite 7, rechte Seite, 4.Punkt, inhaltliche Präzisierung des 1. u. 2. Satzes:

„Wir wollen neokoloniale Ressourcenausbeutung als Terror- und Kriegsursachen beseitigen und damit Fluchtursachen verhindern. Keine Waffenexporte und keine Auslandseinsätze der Bundeswehr!“

Seite 7, rechte Spalte, 6. Punkt. Am Ende des Absatzes einfügen:

„Wir wollen in Deutschland und Europa für eine Politik eintreten, die sowohl der heutigen als auch künftiger Generationen rund um den Erdball ein gesundes Leben im Einklang mit der Natur sichert. Solche Freihandelsabkommen wie CETA, TTIP und TISA machen die Bemühungen um Klimaschutz sowie Umwelt- und Sozialstandards zunichte. Wir werden den Kampf gegen solche Freihandelsabkommen weiterführen“.

Im letzten Satz dieses Punktes sollte dann der Begriff „Freihandel“ gestrichen werden.

Änderungsvorschläge zu einzelnen Kapiteln

Seite 11, linke Spalte, 2. Absatz, 1. Satz ändern in:

„DIE LINKE will gemeinsam mit Erwerbslosen, Beschäftigten und ihren Gewerkschaften einen grundlegenden Wandel der Arbeitswelt durchsetzen: gute Arbeit und ausreichend Freizeit für Familie, Kultur und Reproduktion der Arbeitskraft für Alle.“

Seite 11, rechte Spalte, Absatz, 2.und 3.Satzes ändern in:

„Die Verpflichtung zur Wahrung des Betriebsfriedens im Betriebsverfassungsgesetz muss auch auf das Management ausgedehnt werden. Verweigerung betriebswirtschaftlicher Mitbestimmungs- und Vetorechte für die Beschäftigten sind als Verletzung des Betriebsfriedens zu ahnden.“

Seite 14, rechte Spalte, letzte Zwischenüberschrift ändern in:

„Existenzsorgenfreie und gesicherte Teilhabe an Schulbildung, Berufsbildung und Qualifizierung für sozial-ökologischen Strukturwandel“

Seite 15, linke Spalte, 2. Absatz, Änderung des 1. Und 2. Satzes:

„Wir kämpfen für Ablösung von Sozialleistungen durch Existenz und Teilhabe sichernde Grundeinkommen. Hartz IV lehnen wir insgesamt ab.“

Seite 15, rechte Seite, vorletzter Punkt, Änderung und Ergänzung des 2. Satzes:

„Einmal in der Legislaturperiode wird das Verhältnis der Grundeinkommen, Kosten für Existenzsicherung und kulturelle Teilhabe zur Armutsrisikogrenze überprüft.“

Seite 15, linke Seite, 2. Absatz, Ergänzung und Änderung des 1. und 2. Satzes:

„Die Linke thematisiert das generelle Grundeinkommen wie viele soziale Bewegungen, Nicht-Regierungsorganisationen und Verbände. Wir wollen die Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen zu Erzielung eines gesamtgesellschaftlichen Konsens basisdemokratisch weiterführen.“

Seite 22, nach der Überschrift „ V. Ungleichheit ist unsozial. Wir steuern um“ linke Spalte, 1. Absatz, Ergänzung des 5.Satzes:

„Wer viel hat, kann das leicht vermehren, indem er gekaufte Macht und gekauften Einfluss für sich arbeiten lässt.“

Seite 24, linke Seite, 1. Absatz, voran stellen:

„Die Kosten der Energieversorgung sind durch Ressourcenkriege und Umweltschäden ständig gestiegen.“

Seite 24, linke Seite, nach „Das Investitions- und Zukunftsprogramm zielt auf:“ folgenden Punkt voran stellen:

„100 % regenerative Energieversorgung, vorrangig dezentral organisiert durch Befreiung von Kartellabhängigkeit“

Seite 26, linke Seite, Änderung und Ergänzung des 1. Satzes nach Zwischenüberschrift:

„In den Gemeinden, Städten und Kreisen wird entschieden, wie es um Kinderbetreuung und Kultur, um Energieversorgung, Wohnen und Gesundheitsversorgung bestellt ist.“

Seite 30, rechte Spalte, Ergänzung des 1.Satzes vom 1. Punkt:

„Wir wollen Gebäude sanieren, Inklusion stärken, die digitale Infrastruktur ausbauen, Benachteiligung der Energieeigenversorgung beseitigen und Mieterstrom fördern.“

Seite 32, rechte Spalte, Vorletzten Satz im 1. Abschnitt nach Zwischenüberschrift ergänzen:

„Hier wollen wir anknüpfen und gemeinsam mit Studierenden und Lehrenden dafür streiten, die Studien- und Arbeitsbedingungen an den Universitäten und Fachhochschulen zu verbessern und den Einfluss von Drittmittelgebern zurückzuführen.“

Seite 44, rechte Spalte, unterer Absatz.

„Wir kämpfen dafür, dass in der Wirtschaft gilt: Menschen vor Profite“. In einem Abschnitt, der sich mit dem sozial-ökologischen Umbau befasst, muss unbedingt auch die ökologische Seite des Umbaus betont werden. Also Neufassung: Menschen und Natur vor Profite“.

Seite 44, linke Spalte, 4. Punkt

Der sozial-ökologische Umbau wird definiert „als die Art und Weise, wie und was produziert, verteilt und verwendet wird“. Diese Definition reicht nicht aus. Hier sollte ergänzt werden:

„Es dürfen nur langlebige, reparaturfreundliche, material- und energiesparende und für das Leben unbedingt notwendige Produkte hergestellt werden“.

Seite 46, bei „Wirtschaft demokratisieren“ einen Absatz anfügen:

„Wir wollen solche Abkommen wie CETA, TTIP und TISA stoppen, weil sie unsere Demokratie, unsere Umwelt und unser Sozialsystem zerstören. Initiativen für Volksabstimmungen in den Bundesländern werden von uns unterstützt, sofern sie Solidarität und demokratische Verhältnisse stärken.“

Seite 47, rechte Spalte, nach dem ersten Absatz einfügen:

„Die Entwicklung und der Einsatz neuer Technologien müssen dem Frieden, den Menschen und der Naturerhaltung dienen. Die staatliche Technologie- und Forschungsförderung muss ihre Förderung an diesen Kriterien ausrichten. Sozial und ökologisch schädliche Wirtschaftsbereiche, wie die Rüstungsindustrie und die fossile Energieversorgung, wollen wir zurückbauen und durch Umstellung der Produktion Arbeitsplätze sichern und neue schaffen“.

Seite 47/48 Kapitel „Wirtschaft sozial und ökologisch umbauen“

Damit „Agenda 2030“ und die Sustainable Development Goals (SDG) überhaupt irgendwo im Programm/Kapitel auftaucht, sollte folgender Passus ans Ende des ersten Absatzes eingefügt werden. Also hinter (…) „… Eine sozialökologische Wende hier in Deutschland ist auch eine Frage der globalen Gerechtigkeit.“

„Die Umsetzung der universellen UN-Agenda 2030 und der darin formulierten ‚17 Nachhaltigkeitsziele‘ muss die Verantwortung des Nordens verstärkt ins Zentrum rücken und strukturelle Veränderungen anstreben, um Armutsbekämpfung, Entwicklung und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen weltweit zu ermöglichen. Den Transformationsanspruch der Agenda 2030 ernst zu nehmen bedeutet auch, notwendige klima- und umweltschutzpolitische Maßnahmen konsequent mit dem Aufbau neuer, sozial und ökologisch nachhaltiger Wirtschafts- und Produktionsweisen zu verbinden.“

Seite 48, Energie

Im vorliegenden Entwurf fehlen sämtliche Klimaschutz- und Ökostromziele, also bis wann wollen wir wie viel Erneuerbare bzw. wie viel Klimagase reduziert haben. Ein reines Bekenntnis zu erneuerbaren Energien und Klimaschutz reicht nicht aus und bleibt hinter dem Parteiprogramm von 2011 zurück. Andere Parteien geben in ihren Programmen Ziele vor. Ganz praktisch wären mit der jetzigen Fassung etliche Minuszeichen in Programm-Auswertungstabellen von Zeitungen und Verbandszeitschriften zu erwarten.

Folgender Absatz sollte deswegen an erster Stelle im Absatz „In erneuerbare Energie investieren, Energiekonzerne entmachten“ stehen:

„Sofortige Einführung eines Klimaschutzgesetzes: Deutschland muss seinen Beitrag dazu leisten, die weltweite Erderwärmung deutlich unter 2 Grad, möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Wir wollen, dass die Bundesrepublik den Ausstoß von Treibhausgasen gegenüber 1990 bis 2020 um 40 Prozent, bis 2030 um 60 Prozent und bis 2050 um 95 Prozent verringert. Durch eine sozial gerechte Energiewende wollen wir den Ökostromanteil auf 43 Prozent bis 2020, 70 Prozent bis 2030 und auf 100 Prozent bis 2040 erhöhen. Der regenerative Wärmeanteil soll 2020 mindestens 20 Prozent betragen. Der deutsche Primärenergieverbrauch soll bis 2020 um 20 Prozent (gegenüber 2008), und bis 2030 um 40 Prozent sinken. Die genannten Ziele müssen als Teil eines Klimaschutzgesetzes den Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung ergänzen. Letzterer ist den Ambitionen des UN-Klimaschutzabkommens von Paris entsprechend zu verschärfen und mit wirksamen Maßnahmen zu untersetzen.“

„Das Erneuerbare Energiegesetz (EEG) hat in der ursprünglichen Fassung die Zielstellung des Vorrangs der Nutzung regenerativer Energien erfüllt. Auf Druck der Energiekonzerne wurde mit Gesetzesnovellierungen der positive Förderungseffekt schrittweise in das Gegenteil verkehrt. Gegenwärtig wird eine EEG-Umlage zur Refinanzierung von Förder-Subventionen für Ausbremsung der Energiewende missbraucht. Wir wollen diesen Missbrauch verhindern und setzen uns für Beseitigung der Subventionen für Energieversorgung ein. Steuerfinanzierte Folgekosten der Nutzung atomarer und fossiler Energien wollen wir veröffentlichen und kontrollieren, um sie weitestgehend einzuschränken.

Mit einem Gesetz für den Vorrang dezentraler Energieversorgung aus regenerativen Quellen brechen wir mit Energiepreisdiktaten des Kartells der EVU zu Gunsten der Daseinsvorsorge und Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe.

Überall wo Menschen siedeln gibt es im Jahresdurchschnitt ungenutzten Überfluss von Sonnen- und Windenenergie. Dezentrale Energiespeicher für sonnenarme und windschwache Zeiten sind in der Regel wirtschaftlicher, als Energietransport über große Entfernungen!“

Seite 48, rechte Spalte dritter Punkt von unten wäre zu ergänzen:

„Der Zugang zu Energie ist ein Grundrecht.“

Seite 49, In der linken Spalte

bitte im Anstrich „Die Stromsteuer für private VerbraucherInnen…“ (Dritter Punkt) am Ende folgenden Satz hinzufügen, damit die Industrie-Rabatte bei EEG & Co. zumindest einmal Erwähnung finden.

„Im Gegenzug sollen ungerechtfertigte Industrierabatte bei Ökosteuer, Netzentgelten, Emissionshandel und im Erneuerbare-Energien-Gesetz entfallen. Sie verhindern den notwendigen Strukturwandel.“

Seite 49, auf der linken Spalte einen neuen Punkt aufnehmen:

„Die letztes Jahr ausgelaufene Öko-Abwrackprämie für Kühlschränke wird erneut aufgelegt und erweitert: Jeder Privathaushalt soll bei der Neuanschaffung eines Kühlschranks, einer Wasch- oder Spülmaschine der Energieeffizienzklasse A+++ einen Zuschuss von 200 Euro erhalten. Aus Gründen des Ressourcen- und Umweltschutzes müssen die zu ersetzenden Elektrogeräte mindestens zehn Jahre alt sein. Das Neugerät gehört ist nicht größer als das Altgerät.“

Seite 49, rechte Spalte, dritter Punkt von unten am Ende des Absatzes einfügen:

„CO2-Emissionen und Kohlestrom machen keinen Halt vor nationalen Grenzen. Deshalb fordern wir auch einen europäischen Strukturwandelfonds, der die im Bergbau Arbeitenden in europäischen Kohleregionen absichert und neue Arbeitsplätze schafft“.

Wir müssen klarstellen, dass sich soziale Politik und ökologische Politik nicht ausschließen. Im Programm wird bereits ein Strukturwandelfonds gefordert

Seite 50, linke Spalte oben weiteren Punkt eingefügen:

In der Atompolitik geht es in den kommenden Jahren v.a. um den Rückbau von AKW und um eine längere Lagerung von Atommüll in Zwischenlagern. Folgender Absatz sollte deswegen vor dem Anstrich mit der Forderung nach einem europaweiten Atomausstieg ergänzt werden:

„Stilllegung und Rückbau von Atomanlagen, für deren Finanzierung die Atomkonzerne verantwortlich sind, erfordern ein Höchstmaß an Strahlenschutz und Sicherheit. DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass hier eine umfassende Öffentlichkeitsbeteiligung über das bestehende Atomrecht hinaus ermöglicht wird. Eine unkontrollierte Freigabe von gering radioaktiv belasteten Abfällen beim Rückbau der Anlagen lehnen wir ab. Angesichts einer erwartbaren Verzögerung bei der Suche nach einem Endlager erfordert die dann notwendige längere Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle in Verbindung mit wachsenden Risiken verbesserte Sicherheitskonzepte. Die bestehenden Atommüll-Zwischenlager sind mit schwer zu beherrschenden Sicherheitsrisiken verbunden. Gefahren durch Terroranschläge, Materialermüdung und Strahlenverseuchung von Boden, Luft und Wasser nehmen stetig zu. Zur kurzfristigen Einschränkung dieser Risiken verlangen wir die Finanzierung eines Sofortprogramms zur Forschung und Realisierung sicherer Lager des vorhandenen und zu erwartenden Atommülls. Danach muss eingelagerter Atommüll über einen Zeitraum von mindestens 150 Jahren ständig überwacht werden und gefahrlos rückholbar bleiben. Dazu muss ein umfassender gesellschaftlicher Dialog von staatlicher Seite in Gang gesetzt werden. Zur Einschränkung dieser Risiken verlangen wir die sofortige Stilllegung noch in Betrieb befindlicher Atomkraftwerke.“

Seite 50. Auf der rechten Spalte im 5. Punkt zum Radverkehr sollte ergänzt werden:

„Radverkehrswege sind vorrangig anzulegen. In den Städten und Ballungsgebieten müssen Radschnellwege mit grüner Welle geschaffen werden“.

Im Punkt 8 wäre zu überlegen, ob wir das Tempo 30 generell fordern oder auf den Magistralen Tempo 50 zulassen. Die Formulierung „innerorts eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h“ kann auch Hauptverkehrsstraßen umfassen. Das wird auf den Widerstand aller Autofahrer und ihrer Clubs stoßen. Dabei sind auch Linkswähler. Zur Vermeidung von Missverständnissen könnte ergänzt werden:

„Erhöhte Geschwindigkeiten auf Magistralen sind damit nicht ausgeschlossen.“

Seite 51. rechte Spalte

Im ersten Punkt sollten wir von einer Forderung nach 60 g CO2/km absehen, denn das bedeutet, ab 2025 nur noch Fahrzeuge unterhalb der Größe des Smart-Klasse (gegenwärtig 85 g/km) zuzulassen. Derartige Fahrzeuge wären als Firmenwagen nicht geeignet. Besser wäre eine generelle Forderung nach Umstellung auf Elektrotraktion, die unbedingt notwendig ist, um die Klimaziele zu erreichen. Folgende Formulierung wird vorgeschlagen

„Wir wollen die Verbrennungsmotoren im Straßenverkehr schrittweise abschaffen. Bis 2025 sollen 10 Millionen Solarstrom-betankte Elektroautos auf den Straßen fahren und 2030 sollen Verbrennungsmotoren in PKWs nicht mehr neu zugelassen werden. Warentransporte über weite Strecken müssen auf die Schiene verlagert werden. Auch beim LKW-Verkehr müssen die Dieselmotoren schrittweise Solarstrom-betankten Elektromotoren als Antrieb weichen, damit die von der Bundesregierung geplante Schadgasreduktion auch eingehalten werden kann“.

Im Punkt 2 auf der gleichen Seite sollten wir die Abschaffung des Dienstwagenprivilegs fordern. In diesem Punkt könnte auch etwas zur Pendlerpauschale gesagt werden, um auf diesem Gebiet Gerechtigkeit zu fordern: Punkt 2 neu:

„Die Kfz-Steuer für neu angeschaffte Wagen wollen wir vollständig auf ökologische Kriterien umstellen. Das Dienstwagenprivileg wollen wir abschaffen. Die Pendlerpauschale soll für alle Verkehrsteilnehmer gelten und vom Staat als Zuschuss für jeden Pendler gezahlt werden“.

Seite 51, Im Abschnitt „Flugverkehr reduzieren“ im 2. Punkt ergänzen:

„Kurzstreckenflüge unter 1.000 km sind zu verbieten. Der Ausbau der Fluginfrastruktur ist zu stoppen“.

Seite 52, linke Spalte, im ersten Absatz anfügen:

„Die Subventionierung des Exportes von landwirtschaftlichen Produkten und Produkten der Lebensmittelindustrie ist sofort einzustellen. Sie trägt zur Zerstörung gesunder traditioneller landwirtschaftlicher Strukturen in vielen Ländern der „Dritten Welt“ bei“.

„Für die Energieerzeugung ist ausschließlich auf Sekundärrohstoffe zurückzugreifen. Der Anbau von Energiepflanzen steht in direkter Konkurrenz zu einer nachhaltigen Landwirtschaft. Der Boom der Industriepflanzen treibt heute schon die Bodenpachtpreise in die Höhe“.

Seite 52, linke Spalte, im 4. Punkt anfügen:

„…heimische Produktion von Eiweißfuttermitteln wollen wir stärken und den Import für die Tierhaltung verbieten. Dieser ist eine Inanspruchnahme von landwirtschaftlichen Flächen, die in den Exportländern dringend für die eigene Ernährung benötigt werden“.

Seite 52, rechte Spalte, nach dem Absatz „Gesunde Nahrungsmittel für alle“ wird ein neuer Absatz eingefügt: Umweltgerechtigkeit

„Natur, Umwelt und Klima sind Lebensgrundlage für alle. Doch der Zugang etwa zu Grünflächen und damit zu Bewegungs- und Erholungsmöglichkeiten ist sozial ebenso ungleich verteilt wie die Belastung mit Lärm und Schadstoffen. Damit einhergehend ungleich verteilt sind gesundheitliche Risiken und letztlich, ganz konkret, unterschiedliche Lebenserwartungen. Eine sozialökologische Transformation im Sinne der ‚Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung‘ der UNO bedeutet auch, bestehende sowie neue umweltpolitische Maßnahmen konsequent auf Ihre Auswirkungen hinsichtlich der sozialen Verteilung von Chancen und Kosten hin zu überprüfen und am Verursacherprinzip auszurichten, wie das etwa bei den Themen Bau und Energie bereits dargelegt ist.

Umweltgerechtigkeit ist jedoch nicht nur eine nationale, sondern auch eine internationale Frage. Auch hier liegen die Ursachen in einer strukturellen Aus- bzw. Verlagerung von Verantwortung, Kosten und Risiken, die in Zukunft konsequent schon bei der Entstehung von Politiken mitgedacht und entsprechend berücksichtigt werden müssen. Statt sie durch Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA in Frage zu stellen, müssen europäische Standards des Umwelt- und Verbraucherschutzes Bestand haben und erweitert werden.“

Das Thema „Umweltgerechtigkeit“ könnte dann entsprechend aus der Einleitung des Teils „Gesunde Nahrungsmittel für alle“ gestrichen werden.

Seite 53. Natur- und Umweltschutz

Änderungsvorschläge sind als markierte Änderungen in den Text des Programmentwurfs eingearbeitet:

Die Vielfalt der Natur schützen

Natur und Umwelt, einschließlich Klima sind unsere Lebensgrundlagen, die es zu schützen gilt. Naturschutz- und Biodiversitätsziele müssen deshalb auch in andere Politikbereiche integriert werden, um den Erhalt von Natur und Biodiversität zu gewährleisten. Dafür ist eine bessere Personalausstattung der Umweltverwaltungen unabdingbar.

  • Um die Natur nachhaltig zu schützen und biologische Vielfalt zu erhalten, müssen die EU-Naturschutz-Richtlinien und ihre nationalen Entsprechungen umgesetzt und die dafür erforderlichen finanziellen Mittel bereitgestellt werden.
  • Wir wollen natur- und umweltzerstörende Subventionen sukzessive abbauen und die freiwerdenden Gelder in Natur- und Umweltprogramme investieren.
  • Wir wollen die Umsetzung der Nationalen Strategie für Biologische Vielfalt zügig vorantreiben. Dafür muss ein länderübergreifend zusammenhängendes Biotopverbundsnetz geschaffen werden. Die Landschaftszerschneidung bestehender Autobahnen wollen wir durch Wildbrücken minimieren.
  • Naturschutzflächen gehören in öffentliche Hand, die Ausnahme bilden Naturschutz- und Umweltverbände.
  • Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt wollen wir auf mindestens 50 Millionen Euro jährlich aufstocken.
  • Das Nationale Naturerbe wollen wir sichern und ausweiten – finanziert durch einen Natur-Erbe-Fonds. Auch über diese Flächen hinaus müssen Gebiete zur Wildnisentwicklung ausgewiesen werden um das 2020-Ziel zu erreichen.
  • Wildlebende Tiere müssen besser geschützt werden. DIE LINKE will Wilderei und illegalen Wildtierhandel bekämpfen. Die Haltung bestimmter Wildtierarten in Zirkussen und Delfinarien wollen wir ebenso beenden wie den Handel mit Wildfängen auf gewerblichen Tierbörsen.
  • Die Entwicklung von Alternativmethoden zu Tierversuchen soll stärker gefördert und ein Ausstiegskonzept zum Verzicht auf Tierversuche entwickelt werden..
  • Bessere Transportbedingungen für Tiere müssen gesetzlich verankert und kontrolliert werden. Auch im Tierschutz muss das Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzverbände eingeführt werden. Wir unterstützen die Forderung nach einem Bundesbeauftragten für Tierschutz.
  • Das Schreddern von Küken wollen wir beenden.

Qualität von Böden, Wasser und Luft erhalten

  • Bodenschutz ist auch Klimaschutz, er ist wichtig für den Wasserkreislauf und zur Ernährungssicherung. Diese Funktionen reichen auch über Landesgrenzen hinaus, weswegen wir uns für eine rechtliche Verankerung des Bodenschutzes auf EU-Ebene einsetzen.
  • Wir wollen den Verbrauch von Land- und Forstwirtschaftsflächen stoppen. Für den Ausbau der Infrastruktur sollen vorrangig Flächen entsiegelt werden. Den täglichen Flächenverbrauch wollen wir zunächst auf 30 Hektar verringern.
  • Wir wollen die korrekte Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie und Meeresstrategierahmenrichtlinie vorantreiben. Durch ein Sofortprogramm sollen Bund, Länder und Kommunen bei der Umsetzung unterstützt werden, um Verbauungen zu entfernen, naturnaher Strukturen wiederherzustellen, den Schadstoffeintrag durch Düngemittel und Pestizide in Flüsse und Meere effektiv zu reduzieren und natürliche Auenflächen zu sichern.
  • Das Bundesprogramm Blaues Band wollen wir weiterführen, konsequent umsetzen und finanziell absichern.
  • Einträge von Mikro- und größerem Plastik in den natürlichen Wasserkreislauf müssen durch entsprechende Maßnahmen reduziert werden, indem deren Anwendung in Produkten oder deren Verpackung strengen Auflagen der Alternativlosigkeit und Verhältnismäßigkeit unterliegen und überall effektive Rückhaltmethoden eingesetzt werden.
  • Die Umweltbelastung von Gewässern durch unsachgemäße Entsorgung von Human-Arzneimitteln ist gefährlich. Wir wollen das Rücknahmesystems von Medikamenten (wieder) einführen. Abwässer aus »Hotspots« wie Altenheimen oder Krankenhäusern müssen erfasst und vorgeklärt werden.
  • Es muss ein Fonds einführt werden, belasteten Flächen von Altlasten zu befreien.
  • Wir setzen uns für den Schutz der NATURA2000-Schutzgebiete in Nord- und Ostsee ein. Die Schutzgebiete sollen frei von Fischerei, Ressourcenabbau und sonstigen wirtschaftlichen Eingriffen sein. Wir fördern alternativer Fangmethoden, um auf grundberührende (Schleppnetze) und lebensraumschädliche Methoden zu verzichten.

Eine Abfallwirtschaft, die Ressourcen schont

Um den Verbrauch natürlicher Ressourcen absolut zu senken, wollen wir regionale Wirtschaftskreisläufe fördern und eine Ressourcenverbrauchsabgabe für nicht erneuerbare Primärrohstoffe und Einwegverpackungen einführen.

  • Abfallentsorgung gehört als Bestandteil der Daseinsvorsorge in die öffentliche Hand und sollte kommunale Aufgabe sein. Das Duale System der Abfallentsorgung wollen wir abschaffen und die Kreislaufwirtschaft durch progressiv steigende Sammel- und Verwertungsquoten sowie vorgelagerte Maßnahmen im Rahmen der Produktverantwortung fördern. Geplanter Obsoleszenz bei technischen Geräten wollen wir durch Ausweitung gesetzlicher Garantiezeiten begegnen. Die Verordnungen der EU-Ökodesignrichtlinie müssen auf das Produktdesign erweitert werden, damit leichte Reparaturen durch die Nutzerin oder den Nutzer gewährleistet werden. Zudem unterstützen wir das »Top-Runner-Modell« (das effizienteste Gerät zu einem bestimmten Zeitpunkt setzt den neuen Standard) für die Produktion von Geräten.
  • Die EU-Abfall-Richtlinie muss umgesetzt und das Näheprinzip der Abfallentsorgung und -verarbeitung eingehalten werden. Abfallentsorgung muss als Bestandteil der Daseinsvorsorge in die öffentliche Hand!
  • Wir wollen ein Pfandsystem für technische Produkte wie Energiesparlampen, Mobiltelefone und Fernseher einführen, um die Sammelquoten bei technischen Produkten zu erhöhen.
  • Wir wollen die Erhebung von Umweltdaten über die Nutzung von stofflichen und energetischen Ressourcen für die gesamte Lebenskette eines Produkts und die anschließende Offenlegung durch Unternehmen einführen. Wir setzen uns dafür ein, dass die Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Lieferkette von Mineralien aus Konflikt- und Hochrisikogebieten – einschließlich der Produkte, die diese Ressourcen enthalten – eingehalten wird. Unternehmen müssen dazu verpflichtet werden öffentlich darüber Bericht zu erstatten.
  • Wir fordern ein Verbot von Einwegflaschen und –trinkkartons sowie Einwegtrinkbechern (Coffee to go) oder die Einführung einer „Straf“-Gebühr. Mehrwegflaschen sollten standardisiert werden.
  • Abfall ist auch Folge des durch Werbung angeheizten Konsums. Papierwerbung stellt für Viele eine Belästigung dar. Deshalb wollen wir sie deutlich begrenzen und die Verbreitung unerwünschter Werbung generell verbieten.
  • Umweltinformationen, welche die Bürger direkt oder indirekt beeinflussen können, gehören unaufgefordert, zeitnah und kostenlos in elektronisch wiederverwertbarer Form auf ein zentrales Transparenzportal, unabhängig davon ob von der unmittelbaren oder mittelbaren Staatsverwaltung erhoben.

Seite 57, linke Spalte, letzter Absatz, nach dem 2. Satz einfügen:

„Wir verhindern, dass politische Mandatsträger mit Steuergeld Entscheidungskompetenz bei Instituten kaufen, die auf Finanzierung durch privatwirtschaftliche Auftraggeber angewiesen sind.“

Seite 67, rechte Spalte, nach dem 1.Satz einfügen“

„Von den USA als Erstanwender von Atombomben als Massenvernichtungsmittel erwarten wir, dass sie auf ihre Rolle als hochgerüstetes Imperium verzichten und allen anderen Nationen einen Vertrag zur Ächtung von Atombomben und Massenvernichtungsmitteln anbieten. Wir fordern eine Abrüstungskontrollkommission der UNO, in der sämtliche Mitgliedsstaaten gleichberechtigt vertreten sind. Ihre mit Mehrheit gefassten Beschlüsse müssen ohne Veto für den UN-Sicherheitsrat verbindlich sein.“

Seite 68, linke Spalte, 3. Punkt von unten ergänzen:

„Bei Auslandseinsätzen sollen im Falle der humanitären Hilfe oder in Katastrophenfällen zivile Kräfte eingesetzt werden.“

Seite 68, rechte Spalte, erster Punkt von oben.

Die Formulierung: „Als ersten Schritt wollen wir alle Exporte…“ ersetzen durch:

„Rüstungsexporte wollen wir ohne Ausnahme und unverzüglich verbieten. Die Beschaffung durch die Bundeswehr ist einzustellen. Damit wird die Rüstungsproduktion in Deutschland beendet. Die Konversion der Rüstungsbetriebe soll aus den entfallenden Rüstungsausgaben des Staates finanziert werden“.

Seite 70, rechte Spalte, „Für eine europäische Friedens- und Entspannungspolitik“,

Einfügung nach dem ersten Absatz:

„Wir wollen den sofortigen und vollständigen Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der NATO. Die NATO ist längst kein „Verteidigungsbündnis“ im traditionellen Sinne mehr, sondern dient nach eigener Definition der militärischen Absicherung ökonomischer Interessen. Eine Mitgliedschaft in der NATO ist deshalb mit dem Grundgesetz nicht vereinbar“.

Seite 70, rechte Spalte, im 4. Punkt ergänzend einfügen:

„Die Beendigung der Rüstungsbeschaffung ist hierfür der erste Schritt. Unser Ziel ist eine Bundesrepublik ohne Armee“.

Seite 70, rechte Spalte, nach dem Punkt 5 eine weiteren Punkt 6 einfügen:

„Das Aufenthaltsrecht amerikanischer Truppen auf deutschem Boden ist unverzüglich aufzukündigen. Deutschland darf kein Aufmarschgebiet und keine logistische Basis für imperialistische Kriege und Völkerrechtsbruch sein. Mit dem völkerrechtswidrigen Drohnenkrieg von Ramstein aus haben die USA die Grundlagen des Aufenthaltsrechts verlassen. Daraus sind unverzüglich die Konsequenzen zu ziehen“.

Seite 71, linke Spalte, 4.Satz des 1. Absatzes durch folgenden Text ersetzen:

„Wir wollen den Klassenkampf von Reichen gegen Arme beenden, indem wir die Höhe der Verfügung über Privatvermögen auf Eigenbedarf begrenzen. Weder Privat- noch Unternehmenskapital darf für Macht- und Einflussansprüche verwendet werden. Unternehmerische Freiheit endet beim Staatsanwalt, wenn Gewinne für elitären Macht- und Einflusserwerb unter Umgehung der Mitbestimmung Lohnabhängiger und durch Verhinderung transparenter staatlicher Aufsicht missbraucht werden.“

Kongress der Rosa-Luxemburg-Stiftung: „GENUG für ALLE“

Ein Bericht vom Kongress der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Katja Kipping, Bernd Riexinger, Prof. Schellnhuber und anderen findet sich auf http://sozial-oeko-logisch.blog.rosalux.de/.
Meine Fotos: https://goo.gl/photos/PLX7EStEa1sShvts8

Der Kongress begann mit Vorstellungen von Initiativen mit Videos, zum Beispiel “Ende Gelände”: https://www.leftvision.de/thema/oekologie/ (ein tolles Video über eine Riesenbaggerbesetzung) und mit zündenden Persönlichkeiten wie Jutta Sundermann und Christoph Bautz. Ich traf dort einen Kollegen aus Braunschweig, den ich kannte, Christian Gaedt, und viele alte Bekannte aus der LAG-Umwelt wie Gilbert Siegler und Ralf Henrichs und und und Ökoplattformzeiten wie Manfred Wolf.

Der Vortrag von Hans-Joachim Schellnhuber ( siehe auch http://helmutkaess.de/Wordpress/?p=4050) über die großen Gefahren des Klimawandels war überzeugend: den aktuellen Wohlstand für alle zu generieren wäre nur möglich mit fünf Planeten. Die Klimaerwärmung unter 2° zu halten werde nicht gelingen bei “Business As Usual“. Die Abschätzung der Folgen der unbebremsten Weiterentwicklung führt zu einer um 8° wärmeren Erde bis 2100. Dies führt zu hochgradig disruptiven Ereignissen, das heißt, mehreren beschriebenen “Kippelementen”, schwersten Schädigungen, wie er es in seinem Buch „Selbstverbrennung“ beschrieben hat. Das folgende „Streitgespräch“ mit Katja Kipping war in Wirklichkeit eine Annäherung in der gegenseitigen Einschätzung der Lage.

Bernd Riexinger forderte eine sozialökologische Transformation. Er beklagte, dass im Moment alles Öffentliche wie Krankenhäuser und Stadtwerke zu Profitwirtschaft verkommen würde. Öffentliches Eigentum müsse demokratisch kontrolliert werden. So hätten wir z.B. die Chance des Konkurses nutzen sollen, um Opel als öffentlichen Mobilitätskonzern zu gestalten. Herrschendes Profitinteresse verhindere aber Wohlstandsgewinn in den öffentlichen Gütern.

Herzliche Grüße
Helmut Käss

„Genug für Alle“

Konferenz zum sozial-ökologischen Umbau,
27. & 28.01. in Essen – jetzt anmelden

Liebe Freund_innen und Genoss_innen,

in einer Woche beginnt in Essen/NRW unsere Konferenz zum sozial-ökologischen Umbau

„Genug für Alle“.

Auf unserem Blog (http://sozial-oeko-logisch.blog.rosalux.de/) ist der aktualisierte Stand unseres Programms einsehbar und inzwischen sind dort auch eine Reihe interessanter Statements und Interviews veröffentlicht, die gern via Facebook, Twitter und Mailinglisten mit einem Hinweis auf die Konferenz geteilt werden können.

Ein besonderer Höhepunkt der Konferenz wird das Streitgespräch „(Natur-)Wissenschaft verlangt Revolte“ (28.1., ab 10 Uhr) zwischen Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, dem Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und der Vorsitzenden der LINKEN, Katja Kipping, MdB sein.
Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, warum welche Entwicklungen jetzt nach einem radikalen Umbau der Gesellschaft verlangen.

Neben den Diskussionsrunden werden spezifische Themen mit Bezug auf die Notwendigkeit einer Transformation der Gesellschaft in unseren Workshops (Konsum, Care, Degrowth, Technik, NRW-konkret, Energie, Mobilität, Ernährung, Wohnen und Steuern) angegangen. Hier wird die Linke einige so genannte „harter Brocken“ debattieren, die in der Schärfe bisher noch nicht auf einer Konferenz dieser Art behandelt wurden.

Aktuelle Informationen

findet ihr auf unserem Konferenz-Blog: http://www.sozial-oeko-logisch.de sowie auf unseren Social Media Kanälen:

Anfahrtsmöglichkeit:

Von Berlin aus wird ein Bus am Freitag ab ca. 9 Uhr früh direkt zur Konferenz fahren und am Samstagabend zurück. Dafür ist eine schnelle Anmeldung bei Annetta Juckel notwendig (bis 24.1. an annetta.juckel@linksfraktion.de). Anfahrtsbeschreibung mit Öffis/Pkw (klick)/ Karte (http://www.openstreetmap.org/node/304633556#map=14/51.4863/7.0521)

Wir freuen uns auf eure zahlreiche Beteiligung!

Bitte meldet euch möglichst bald an (über http://www.sozial-oeko-logisch.de), Kurzentschlossene sind aber auch herzlich willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos.
Direkt an unseren Veranstaltungsräumen befindet sich das Bistro Butterzeit. Am Freitagabend (ab 21:00h) wird die Butterzeit auch Snacks und Getränke und am Samstag einen Mittagsimbiss direkt im Foyer anbieten.

Leserbrief

zum Interview in der jungen Welt, 6.8.2016
„Das Thema zu setzen, ist immer wieder schwer“ (klick)

(siehe auch „Den sozial-ökologischen Umbau mit Leben füllen“ – klick)

Ich glaube nicht, dass es schwer ist, dieses Thema in der Partei DIE LINKE. zu setzen – die überwiegende Mehrheit der Mitglieder sieht ganz deutlich, dass ein faires und menschliches Sozialsystem nur erreicht werden kann innerhalb eines ökologisch nachhaltigen Systems – wir sind nicht zuletzt Tiere mit Selbstbewusstsein innerhalb einer fragilen und einzigartigen Umwelt. Und das Ökosystem passt sich den Anforderungen des Kapitalismus nicht an.

Für mich wird hier deutlich, dass die Ausgrenzung bestimmter Themen viel mehr damit zu tun hat, das eine Minderheit in der Partei schon “in unserem Namen” mit den Grünen und der SPD über eine Koalition verhandelt, und nun alle Punkte beseitigen muss, die gefährden, dass z. B. der fds mit dicken Posten belohnt wird, wenn DIE LINKE in eine Koalitionsregierung einsteigt. Die beiden Hauptthemen, die um einmal Ramelow‘s Begriff zu leihen “ausgeklammert” werden müssen, sind:

  1. Die NATO-Frage ist ein absolutes No-Go sowohl für SPD, als auch die Grünen, und
  2. Die Grünen werden eine Regierungsbildung mit der Partei DIE LINKE. auch nur erwägen, wenn sie freie Hand über die ökologischen Fragen bekommen.

Mattias Höhn’s Versuch, ökologische Themen nicht zu setzen, wurde abgesehen von einigen bemerkenswerten Ausnahmen, unterstützt vom Parteivorstand (PV), der jetzt überwiegend aus Mitgliedern besteht, die um Listenplätze und Posten für potentielle Regierungsposten rangeln (der PV setzt sich jetzt zusammen aus 41% MdBs und deren Mitarbeitern / 68% aus MdBs/MdLs etc.; der Geschäftsführende Parteivorstand besteht zu 92% aus MdBs/MdLs und deren Mitarbeitern – die einzige Ausnahme ist Bernd Riexinger, der aber sicher hofft in den Bundestag nach der nächsten Bundestagswahl einzuziehen).

Die linke Bewegung hat immer Probleme, weil die parlamentarischen Gruppen weniger (historische) “Materialisten” sind, als vielmehr “materialistisch” im Vergleich zu den “normalen” Mitgliedern – und die daher aus den Parteipositionen Waren formen und mit ihnen in der parlamentarischen Arena handeln.

Das scheint sehr stark in der Partei DIE LINKE. zu sein. Die Parlamentarier entscheiden die politischen Inhalte für uns, weil sie besser wissen, was gut ist für eine demokratische Partei. Vielleicht sollten wir ihnen die ganze Arbeit des Bundestagswahlkampfs selber machen lassen…

Vielen Dank,
Mike Wright

Den sozial-ökologischen Umbau mit Leben füllen

8,6% – so lautete das Ergebnis der letzten Bundestagswahl 2013 für DIE LINKE, wodurch die Partei aufgrund der Großen Koalition die Oppositionsführerschaft erreichte. Dieses Resultat gilt es im nächsten Jahr zu verteidigen und möglichst zu verbessern. Nicht, weil eine möglichst große parlamentarische Fraktion für eine Partei ein Wert an sich ist oder wir möglichst viele Genoss*innen versorgt sehen wollen, sondern weil durch eine starke parlamentarische Vertretung deutlich werden würde, dass DIE LINKE gut im Volk verankert ist und auch die Forderungen der außerparlamentarischen Opposition besser in die Parlamente tragen kann.

Im Vergleich mit den anderen Oppositionsparteien wird deutlich, dass aktuell Steigerungsmöglichkeiten für die DIE LINKE vorhanden sind: die FDP liegt bei 5-7% (Bundestagswahl 2013: 4,8%), die Grünen bei 12-14% (8,4%) und die AfD bei 9-12% (4,7%). DIE LINKE erreicht gegenwärtig in Umfragen 8-9,5% (die 11,5% von INSA/YouGov ist eher als positiver Ausreißer zu werten). Diese Stagnation oder allenfalls sehr leichte Steigerung sollte nicht zu Katastrophenmeldungen oder zu einer Überlegung einer völligen Neuausrichtung der Programmatik führen. DIE LINKE darf sich als gut aufgestellt betrachten, aber umgekehrt sollte dies auch kein Anlass sein, sich zufrieden zurückzulehnen. Dies auch deshalb nicht, da es kein Zweifel gibt, dass die Große Koalition aus linker Sicht politisch angreifbar ist und es genügend Argumente gibt, dass wir von dieser verfehlten Politik eigentlich stärker profitieren müssten.

Im Februar dieses Jahres veröffentlichte die Bundestagsfraktion eine Umfrage, welche Themen die Wähler*innen der Linken gegenwärtig am meisten bewegen würden: nach der Flüchtlingsproblematik mit 38% wurde mit 30% Klima- und Umweltschutz als zweitwichtigstes Thema genannt. Deutlich vor der sozialen Gerechtigkeit mit 19% auf Platz 3. Diese Bedeutung des Themas Klima- und Umweltschutzes für unsere Wähler*innen findet in der aktuellen Politik der Partei aber leider keinen bzw. nur unzureichenden Ausdruck.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass sich die Ökolog*innen in unserer Partei ein mehr als Klima- und Umweltschutz und ein weniger an sozialer Gerechtigkeit wünschen. Der Weg der Grünen ist in vielen Bereichen, darunter auch in dem der Ökologie, nicht der unsere. Umweltschutz, den sich nur Reiche leisten können, ist nicht nachhaltig, denn es wird immer politischen Druck geben, diesen Umweltschutz wieder zu verringern – und dies zu Recht. Der Begriff sozial-ökologischer Umbau ist kein Schlagwort sondern Programmatik.

„Immer mehr Menschen lehnen den ungehemmten Kapitalismus ab und wollen eine Gesellschaft der Freiheit, der sozialen Gleichheit und Gerechtigkeit und der Solidarität. Gemeinsam mit ihnen will DIE LINKE für eine demokratische, soziale und ökologische Gesellschaft kämpfen, für den demokratischen Sozialismus.“

So steht es im Programm, in dem folgende Grundideen verknüpft werden:

  • „Individuelle Freiheit und Entfaltung der Persönlichkeit für jede und jeden durch sozial gleiche Teilhabe an den Bedingungen eines selbstbestimmten Lebens und Solidarität – das gilt uns als erste Leitidee einer solidarischen Gesellschaft. Dhttp://www.jungewelt.de/2016/08-06/035.phparin ist die Dominanz des Profits überwunden, und verlässliche und gute Lebensbedingungen für alle sind das Ziel des Wirtschaftens.
  • Unterordnung der Wirtschaft unter die solidarische Entwicklung und den Erhalt der Natur – das betrachten wir als zweite Leitidee. Sie erfordert einen sozialökologischen Umbau zu nachhaltiger Entwicklung anstelle profitorientierten Wachstums.
  • Die Verwirklichung dieser beiden Dimensionen ist ein längerer emanzipatorischer Prozess, in dem die Vorherrschaft des Kapitals durch demokratische, soziale und ökologische Kräfte überwunden wird und die Gesellschaft des demokratischen Sozialismus entsteht.“

Diese gut formulierten Aussagen von 2011 sind heute aktueller denn je. Doch in den fünf Jahren wurde die soziale Schere in Deutschland weiter geöffnet, von sozialer Gleichheit, Gerechtigkeit und gleicher Teilhabe ist nicht mehr, sondern weniger zu spüren, die Steigerung des Profits ist uneingeschränktes Wirtschaftsziel. Der Klimawandel, der schon bald große Teile der Menschheit bedroht, hat sich weiter beschleunigt. Seine gefährlichen Kipppunkte, nach deren Überschreitung weitere, noch größere Gefahren drohen, rücken immer näher. Die Vermüllung der Ozeane und das Absterben der Korallenbänke mit dem größten Unterwasser-Artenreichtum nehmen zu usw. usf.. Entscheidende Ursache sind die Wirtschafts- und Lebensweise der Industriestaaten und Schwellenländer – also unsere. Hier müssen Änderungen vorgenommen werden.
Ausdruck des angestrebten sozial-ökologischen Umbaus ist der „Plan B“, den Sozial- und Umweltpolitiker*innen unserer Bundestagsfraktion schon in der letzten Legislaturperiode erarbeitet haben. Dieser Plan B ist 2012 beschlossen worden und war ein Meilenstein für unsere Partei. Leider ist dem seither nicht viel gefolgt und der Plan B in Öffentlichkeit, sogar bei vielen umweltpolitisch interessierten Menschen oder sogar Umweltorganisationen noch viel zu wenig bekannt. DIE LINKE ist gefordert, ein deutliches Zeichen zu setzen, wie wichtig ihr dieses Themenfeld ist.

Dies auch weil die Selbstdarstellung der Linken in den Wahlkämpfen trotz guter Wahlaussagen auf ökologischem Gebiet seit Jahren unzureichend ist, wie die Ökologische Plattform schon seit Jahren kritisiert. Doch Papier ist geduldig und eine Verschärfung der ökologischen Probleme lässt uns immer weniger Zeit zum Handeln.

Ein wesentlicher Grund dafür, dass viel zu wenig Bürger*innen Umweltpolitik mit DER LINKEN verbinden, ist auch, dass sich der sozial-ökologische Umbau vor allem in der brandenburgischen Regierungswirklichkeit nicht widerspiegelt. Das SPD-Landwirtschaftsministerium genehmigt eine Tierfabrik nach der anderen, DIE LINKE „kann nichts dagegen tun“ und Brandenburg ist auf dem Weg zu „Deutschlands größtem Saustall“ – mit gravierenden Auswirkungen auf das Klima. Dagegen diffamiert DIE LINKE im Brandenburger Landtag den zivilen Ungehorsam ökologischer Kräfte, die gegen Klimawandel und Kohleabbau kämpfen, als „Gewalt und Nötigung“. Muss der „längere emanzipatorische Prozess“ als Emanzipation der „demokratischen, sozialen und ökologischen Kräfte“ von den Parteien – einschließlich DIE LINKE (!) – verstanden werden? Gilt für die Brandenburger verantwortlichen GenossInnen nicht das Programm: „Ein politischer Richtungswechsel lässt sich nicht allein auf parlamentarischer Ebene durchsetzen. Er kann nur gelingen in einem Wechselspiel politischer Auseinandersetzungen im außerparlamentarischen und im parlamentarischen Bereich.“ Oder gilt für sie: Wechselspiel nur nach unseren Regeln?

Um dem offensichtlichen Widerspruch zwischen programmatischen Versprechen und „Realpolitik“ abzuhelfen und die ökologische Frage in den Fokus der gesamten Partei zu rücken, hat die Ökologische Plattform beim Magdeburger Parteitag beantragt, dass sich der nächste Parteitag mit den ökologischen Fragen beschäftigt und „weitere Schritte einer ökologischen und sozialen Politik DER LINKEN in Deutschland und der EU“ festlegt. Das hat der Vorstand am 30.4.16 abgelehnt. Begründung: Keine Zeit.

Die Ökologische Plattform hat daraufhin einen Änderungsantrag eingebracht mit der Forderung, diese Frage „auf einem der nächsten Parteitage, spätestens aber bis Ende 2018“ zu behandeln. Am 21.5.2016 hat der Vorstand auch die Änderung mehrheitlich abgelehnt. Schließlich fand der Parteitag für die Behandlung des Änderungsantrages (wie auch vieler anderer) keine Zeit und überwies ihn an den neu gewählten Vorstand. Dieser hat sich auf seiner Klausurtagung am 2./3.7.16 mit den Schwerpunkten der politischen Arbeit DER LINKEN für die nächsten 2 Jahre befasst und das Enddatum von 2018 auf 2019 verschoben, so dass der Beschluss nun vollständig lautet:

„Um die Wortschöpfung „sozial-ökologischer Umbau“ auch auf ökologischem Gebiet mit Inhalt zu erfüllen, wird für einen der nächsten Parteitage, spätestens aber bis Ende 2019, ein besonderer Tagesordnungspunkt mit dem Ziel vorbereitet,

  • den allgemein bedrohlichen Zustand der Umwelt und die Auswirkung auf das Leben auf der Erde zu analysieren,
  • Möglichkeiten zu untersuchen, wie die globale ökologische Katastrophe verhindert werden kann und
  • weitere Schritte einer ökologischen und sozialen Politik DER LINKEN in Deutschland und der EU festzulegen.“

Die Ökologische Plattform begrüßt, dass dieser Beschluss nun in seinem wesentlichen Teil verabschiedet worden ist, wird aber weiter Druck machen, dass es „einer der nächsten Parteitage“ sein wird, auf dem der sozial-ökologische Umbau behandelt wird und eben nicht erst Ende 2019. Denn die Zeit drängt.

Es kann nicht sein, dass die Parteitage 2017 und 2018 bereits jetzt soweit festgelegt sind, dass klar ist: Sie sind wichtiger als Menschheitsfragen! Welche Themen könnten dies sein? Oder sind die Programmaussagen zum sozial-ökologischen Umbau nur Beruhigungspillen für ökologisch engagierte Menschen?

Gegenwärtig wird wieder die rot-rot-grüne Perspektive auf Bundesebene diskutiert. Sie ist dringend notwendig, um das schwarz-rote Desaster zu beenden und emanzipative Möglichkeiten zu eröffnen. Gemeinsamkeiten existieren, doch die potentiellen „Partner“ verlangen schon mal vorsorglich von DER LINKEN in vielen Bereichen „eine realistischere Politik“ Was aber bedeutet Rot-Rot-Grün für den angestrebten sozial-ökologischen Umbau? Auf den ersten Blick wären starke ökologische Positionen DER LINKEN durchaus passfähig, vor allem zu den Grünen. Doch im LINKEN Programm steht: „Eine ökologisch nachhaltige Entwicklung steht im Widerspruch zur kapitalistischen Wachstumslogik. Die ökologische Frage ist zugleich eine ökonomische, soziale und kulturelle – eine Systemfrage.“ Das ist der Punkt und das sollte unbedingt im Zusammenhang mit dem Bundestags-Wahlprogramm diskutiert werden. Die ökologische Frage radikal zu stellen, die Ursachen der Umweltprobleme zu bekämpfen, heißt die Wirtschaftsordnung in Frage zu stellen. So weit gehen die Gemeinsamkeiten mit SPD und Grünen wohl doch nicht. Ist die Verschiebung des Themas auf 2019 ein vorgezogenes Bauernopfer für eine mögliche Regierungsbeteiligung?

Wir fordern den Parteivorstand auf, das Parteiprogramm umzusetzen und den sozial-ökologischen Umbau der Gesellschaft in seiner Gesamtheit voranzutreiben, andernfalls bleibt er ein Traum, und die Linke macht sich überflüssig.

Ökologische Plattform
bundesweiter Zusammenschluss bei DER LINKEN

Der Artikel erschien auch im nd unter dem Titel Den Gesellschaftsumbau mit Leben füllen (klick).

Auf Grund des Artikels hat die Junge Welt ein Gespräch mit Wolfgang Borchardt geführt und unter dem Titel veröffentlicht:
„Das Thema zu setzen, ist immer wieder schwer“ (klick)


Kommentare

  • Sehr gut, danke für den Appell.
    Hier ein neuer Blog im ND von Eva (Bulling-Schröter) in Diskussion mit Alberto Acosta zur Linken und Ökologie:
    Schaltet die Linke den Pariser Klima-Turbo? (klick)
    Liebe Grüße,
    Ben
  • Die Fragen, die Eva in dem Blog aufwirft, sind spannend:
    „… Ist die Linke, eingebaut im parlamentarischen Alltag, überhaupt (noch) die richtige Akteurin die Mächtigen zu kritisieren? Auch DIE LINKE. als Partei gehört zu den Mächtigen. In Thüringen, in Brandenburg, vielleicht bald (wieder) im Senat der Berliner Hauptstadt, in vielen Kommunen. …

Umfrage zu unserem Änderungsantrag und Reaktionen

Umfrageergebnis: 99% der Stimmen für unseren Antrag

Die Umfrage wurde beendet.


Reaktionen auf „unser Änderungsantrag an den 5. Parteitag (klick)

(wird ergänzt)

  • Liebe GenossInnen,
    das war nun nicht wirklich eine Überraschung! Die Linie der Entsorgung der Ökologie aus der Politik der Linken setzt sich fort. Auf der Landesliste zur Landtagswahl in S-A stand der erste wirkliche Umweltpolitiker auf Platz 32. Zur Erinnerung: Ich hatte 1994 dem Listenplatz 4. Einen umweltpolitischen Sprecher hat die neue geschrumpfte Fraktion gar nicht benannt.
    In einem allerdings stimme ich Euch nicht zu: Mit einer ökologischen Politik kann man nicht wirklich Wähler gewinnen. Ich habe es in meinem Wahlkreis ausprobiert und kam auf 15,5 %, obwohl ich nun wirklich nicht unbekannt bin.
    Trotzdem: Bei den Grünen kann man derzeit – willfähriger Erfüllungsgehilfe der CDU – auch nur austreten.
    Beste Grüße
    Volker Lüderitz
  • Sehr geehrte Damen und Herren,
    vielen Dank für die Stellungnahme, die ich für sehr gelungen halte.
    Solidarische Grüße
  • Ich möchte nur kurz darauf hinweisen, dass schon heute die Fluchtbewegungen eine wesentliche (die wesentliche ?) Ursache in einem kapital gesteuertem Umgang mit der Natur haben. In Zukunft wird die Ökokatastrophe / Klimakatastrophe die wesentliche Ursache der Migrationsbewegungen sein. Es ist schade, dass unsere Partei nur – wie andere Parteien auch – bis zur nächsten Wahl denkt. Sie zeigt damit doch immer weniger, dass sie eine Alternative zu anderen Parteien darstellen möchte.
    Mit solidarischen Grüßen
    Michael
  • Gratulation! (nicht zynisch, sondern traurig über soviel Ignoranz).
    Eberhard
  • Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich teile die Ansicht, dass wir ohne Ökologie auch die ganze Parteiarbeit vergessen können.
    Von wem sollen wir uns noch bevormunden lassen außer vom Parteivorstand, wenn existenzielle Aspekte auch im Zusammenhang mit dem zerstörerischen Kapitalismus nicht thematisiert werden ?
    Ludger Klein-Ridder
  • Hallo Leute,
    liebe Genossin, lieber Genosse,
    im Landtagswahlkampf in BW wurde ebenfalls das ökologische Thema (trotz Beschluss für zwei Wahlplakate mit dem Thema) ausgeklammert. Meine Nachfragen bei den beiden Spitzenkandidaten wurden nicht beantwortet, auch auf ausdrückliche Erinnerung nach der Wahl hin nicht.
    Entweder wir wollen den sozial-ökologischen Wandel, dann muss das Thema auf die Tagesordnung oder wir wollen ihn nicht. Ökologie sollte im kommenden Bundestags Wahlkampf gleichberechtigtes Thema sein.
    Deshalb habe ich bei der Umfrage Bauchschmerzen mit der Formulierung „spätestens 2018“. Das ist für mich zu spät. Einen Bundestagswahlkampf ohne ökologische Themen werde ich nicht mehr unterstützen.
    Mit solidarischen Grüßen
    Reinhard Muth
  • Antwort an Genossen Lüderitz:
    Ich kann nicht erkennen, dass DIE LINKE es aktiv unternimmt, den Zusammenhang zwischen der sozialen Frage und Krieg und Frieden, der Flüchtlingsproblematik mit einer zerstörerischen oder nachhaltigen Umweltpolitik deutlich zu machen.
    Insofern wäre es auch nicht verwunderlich, wenn man bei den Wählern mit Umweltthemen nicht punkten kann. Wo das gemacht wird, gibt es auch Wahlerfolge. Ich erinnere an den „Durchmarsch“ des Gen. Luthardt in unserem Wahlkreis vom Ortsteilbeirat bis in den brandenburgischen Landtag vor ein paar Jahren. Obwohl ihn DIE LINKE nicht auf einen vorderen Listenplatz gesetzt hatte, konnte er nicht zuletzt durch seine Verankerung in der ökologisch orientierten Gemeinschaft in Chorin und dem Setzen von Umweltthemen das Direktmandat erringen.
    Inzwischen ist er allerdings nicht mehr im Landtag vertreten: Er wurde von der Kreisdelegiertenversammlung nicht wieder als Direktkandidat aufgestellt. Das Direktmandat ging verloren. Eine Unterstützung der umweltorientierten Positionen durch die Partei hätte uns, abgesehen von der inhaltlichen Profilierung, auch einen größeren Wahlerfolg gebracht. Gerade in Brandenburg wird deutlich, wie das Rumeiern in der Umweltpolitik (Unterstützung des Braunkohleausstiegs vor der Wahl, konservative Energiepolitik nach der Wahl), die Wähler verunsichert und zu Verlusten führt.
    Harald Kulhanek
  • Hi Alle,
    Das sollte noch vor 2018 auf die Tagesordnung!
    Die kapitalistische Ökonomie beinhaltet nicht nur den Zwang zur Konkurrenz, sondern auch zur permanenten Expansion. Die Durchsetzung entfaltet wie wir (hoffentlich) alle wissen, vor Allem im ökologischen Bereich eine immer fatalere Dimmension.
    Der Mensch, die Tiere und die Natur sind im kapitalistischen System lediglich Waren, Produktionsmittel und Ressourcen, die es auszubeuten gilt. Der ‚Schädling‘ Kapitalismus mordet, zerstört, vertreibt, vergiftet die Grundlagen menschlicher Gesellschaft – und das nachhaltig!
    Ich verstehe es ehrlich gesagt nicht, daß Die Linke (Parteivorstand) diese Zusammenhänge  nicht erkennt, oder nicht erkennen will!
    SG Uschi
  • Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,
    mit der rüden Ablehnung unseres Antrags verabschiedet sich der Parteivorstand von dem Anspruch der LINKEN, eine zukunftsorientierte und zukunftsfähige Partei zu sein. Das empfinde ich als eine Schande.
    Solidarische Grüße,
    Dr. Heinz Preuß.
  •  meine Meinung:
    Umweltpolitik sollte vor der nächsten Bananenabwahl 2017 konkretisiert werden (am besten schon im letzten Jahrhundert) und nicht erst ab 2018. Es ist überfällig bei allen Politikern, Industrie, Handwerk, Handel, Bürgern, Konsumenten und sonstigen Umweltzerstörern.
    Die Fragestellung kann ich daher so nicht beantworten. Zu rückständig. Zu spät. Jahre zu spät reagiert.
    Umweltschutz steht auf meiner persönlichen Agenda an allererster Stelle vor allem anderen. Der Erhalt unserer Lebensgrundlagen ist schließlich die primäre Grundlage für alles weitere. Daher lebe ich selber diese Haltung konsequent. Ich bin nicht sicher, ob die Linken für mich eine wählbare Alternative bleiben, wenn meine oberste Priorität von der Partei weiterhin stiefmütterlich behandelt wird.
    Olaf Siegel
  • Auf die Begründung für die Ablehnung des Antrages kann man gespannt sein. In Zeiten, in der DIE GRÜNEN sich immer stärker in der Mitte positionieren, sind linke Ökologen politisch heimatlos geworden. Ihnen gilt es ein Angebot zu machen. Hierfür reicht es aber nicht gute ökologische Programme zu verfassen sondern wir müssen auch ein Zeichen setzen, dass uns dieses Thema wirklich wichtig ist. Ein Bundesparteitag mit einem ökologischen Schwerpunkt wäre ein solches Zeichen. Daher ist der Antrag wichtig.
    Ralf Henrichs
  • moin, liebe GenossInnen,
    ich teile die Absichten Eurer Aktivitäten.
    Die Begrifflichkeiten um die Zentralkategorie Ökologie sind seit etwa 50 Jahren Teil der Öffentlichen Diskussion. Es wird Zeit, dass diese Diskussion sich auch in der Programmatik der LINKEN breiter widerspiegelt. Darauf zu verzichten hieße, den Menschen, die engagiert im Bereich der Ökologie handeln, keinen Ansatzpunkt zu bieten. Das wäre dumm und politisch kontraproduktiv. Als derzeitiger Vorsitzender des Ausschuss für Grün und Sport in der Bezirksversammlung Altona, der mal Mitglied der Grünen war und anlässlich des Jugoslawien-Krieges mit vielen anderen diese Partei verließ, befinde ich mich regelmäßig im Gespräch mit Menschen, die in den Arbeitsbereichen des Ausschuss engagiert sind, deshalb meine ich sagen zu können, dass eine Stärkung des ökologischen Profils der LINKEN sich sowohl in der alltäglichen politischen Arbeit wie auch in den Wahlergebnissen auswirken würde.
    Mit Gruß von der Elbe
    Wolfgang Ziegert