Eine erschütternde Rede

Lieber Walter, liebe Freunde

Eine erschütternde Rede von Norman Paech,  https://de.wikipedia.org/wiki/Norman_Paech#Studium_und_wissenschaftliche_Laufbahn, emeritierter deutscher Professor für Politikwissenschaft und für Öffentliches Recht an der Universität Hamburg. Normalerweise ein ruhiger und zurückhaltender Mensch. Diese Rede verdient größte Verbreitung, damit wir uns dagegen wehren.

Er beginnt seine Rede so:

Ich grüße alle Friedensfreundinnen und Friedensfreunde zum Ostermarsch in Hamburg.

Wir leben in grausigen Zeiten. Die Welt wird von Psychopathen und Kriminellen regiert. Sie schlagen um sich, ob gegen fremde Völker oder gegen die eigene Bevölkerung. Sie kümmern sich weder um Moral noch Recht. Sie pochen auf Werte,  die sie permanent mit ihrem Militär vernichten – und sie bekommen auch noch Beifall, wie US-Präsident Trump für seinen sinnlosen Raketen- und Bombenkrieg, oder man duldet die Kriege Erdogans gegen die Kurden und Netanjahus gegen die Palästinenser.

Die ganze Rede hier:   https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2017/reden/norman-paech-hamburg

Herzliche Grüße
Helmut
http://www.helmutkaess.de/Wordpress/

umstrittene Ölpipelines in den USA

Trump ist auf dem Weg, fortschrittliche Schritte seines Vorgängers zu revidieren. Das berichtet das österreichische EU-Umweltbüro, ein gemeinsames Projekt des Ministeriums für ein lebenswertes Österreich (https://www.bmlfuw.gv.at/), des EUROPEAN ENVIRONMENTAL BUREAU (http://www.eeb.org/), des DNR Deutscher Naturschutzring EU-Koordination (http://www.eu-koordination.de/) und der Allianz Klimagerechtigkeit (http://klima-allianz.at/):

„Lang hat sich Donald Trump nicht damit Zeit gelassen, die schlimmsten Befürchtungen von UmweltschützerInnen zu seiner Präsidentschaft zu übertreffen. Nur wenige Tage im Amt, hat er nun zwei Dekrete erlassen, um die Fortsetzung des Baus zweier unter Barack Obama gestoppter Ölpipelines zu ermöglichen.

Die Namen „Dakota Access Pipeline“ und „Keystone XL“ sind – nicht nur innerhalb der Klimabewegung – weit über die Grenzen der USA hinaus zu Beispielen erfolgreichen zivilen Widerstands geworden. Beide Pipelines sollten zum Transport großer Mengen unkonventionell geförderten Rohöls dienen – und ihr Bau wurde jeweils nach großen lokalen und landesweiten Protesten stillgelegt. Besonders der Stopp der Dakota Access Pipeline im vergangenen Dezember wurde als großer Sieg der vorwiegend indigenen Protestbewegung beim Standing-Rock-Reservat gefeiert. …“

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Briefwechsel von Helmut Käss mit dem MdB Carsten Müller zu „Aleppo“

Wir veröffentlichen hier mit seiner freundlichen Genehmigung die letzte E-Mail des Schriftwechsels,
den Helmut Käss bereits auf seiner Internetseite publiziert hat (klick).

*Gesendet:* Dienstag, 29. November 2016 um 11:43 Uhr
*Von:* „Helmut Käß“ helmut_kaess@web.de
*An:* „Carsten Müller“ Carsten.Mueller@bundestag.de

Herrn Carsten Müller, MdB,

Sehr geehrter Herr Müller

Herzlichen Dank für Ihre Antwort.

Die Friedensbewegung ist der Meinung, dass Deutschland in Syrien militärisch nichts zu suchen hat.

Unsere Beteiligung an dem Krieg ist völkerrechtswidrig (Anmerkung 5, siehe unter meiner Unterschrift. Das genaue Gutachten in der Anlage, dort Hervorhebungen durch mich). Die Charta der Vereinten Nationen wurde insbesondere zu dem Zweck gegründet, „künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren“ (Anmerkung1) Das geht nur, wenn diese Bestimmungen strikt angewendet werden und nicht nach parteilichem Gutdünken.

Wir müssen überlegen, was wir zur Verbesserung der schrecklichen Lage beitragen können. Insbesondere müssen wir laut eines Appells von kirchlichen Würdenträgern aus Syrien die Sanktionen der EU gegen Syrien, die zum Elend der Bevölkerung beitragen, abschaffen (Anmerkung 2) und wir müssen unsere vielen noch dramatisch gestiegenen Waffenexporte an die Türkei und die arabischen Diktaturen stoppen. Russlands Beteiligung am Krieg ist schwierig, und die Bombardierung von Wohnvierteln und Krankenhäusern, soweit sie denn von Russland und der Syrischen Regierung zu verantworten sind (Anmerkung 8), verstößt grauenhaft gegen das humanitäre Völkerrecht. Aber die Friedensbewegung tut sich schwer, in den Chor der insbesondere westlichen Medienklagen einzustimmen, denn die Verbrechen der „westlichen“ Seite werden von unseren Medien totgeschwiegen. Der Zustand von Aleppo ist grauenhaft, aber die Söldner der Saudis und der Türken sind leider mindestens genauso beteiligt und scheinen die Flucht der Zivilbevölkerung zu verhindern. Auch ist es nicht sinnvoll, nur nach Aleppo zu schauen, wenn die Ursache des ganzen Desasters im völkerrechtswidrigen Irakkrieg liegt und zurzeit in Mossul eine größere Stadt, mit rund 2,9 Millionen Einwohnern (Berechnung 2010, knapp die Einwohnerzahl von Berlin) mit Unterstützung der USA bombardiert wird. Davon hört man nicht, welche Gräueltaten damit zweifellos verbunden sind.

Russlands militärische Anwesenheit in Syrien ist vom Völkerrecht gedeckt, da sie von der syrischen Regierung offiziell gebeten worden sind. Wir dagegen müssten unsere verantwortlichen Politiker wegen der Teilnahme an einem Angriffskrieg mindesten 10 Jahre ins Gefängnis stecken (Anmerkung7). Deutschland hat bei der Verfolgung eines Angriffskrieges ein grobes Rechtsdefizit, weil nur der Generalbundesanwalt diese Klagen annehmen kann, der natürlich befangen ist. Dies war schon ein scheußliches rechtliches Defizit beim Jugoslawienkrieg.

Die vielen Millionen Kinder, die weltweit jedes Jahr verhungern (Anmerkung3) sind ein noch viel größeres verschwiegenes Problem, wobei viel mehr Kinder sterben, als Leute in militärischen Konflikten (Anmerkung4). Sie sind laut Jean Ziegler (Anmerkung6) ermordet, da die Menschheit problemlos die Ressourcen hätte, für die Ernährung und Bildung aller Menschen dieser Erde zu sorgen, wenn nicht diese idiotischen Hegemonialkonflikte, insbesondere von den USA und der Nato provoziert, überall toben würden. Nach meiner Meinung besteht dieser grauenhafte Missstand im Wesentlichen, um den militärisch industriellen Komplex zu mästen.

Mit freundlichen Grüßen
Helmut Käss

Tulpenweg 11, 38108 Braunschweig, Tel: 0049 531 350513 Mobile: 0176 381 376 31, http://www.helmutkaess.de/Wordpress/ (klick)http://www.ippnw.de (klick), http://www.friedenszentrum.info/ (klick),

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Präambel_zur_Charta_der_Vereinten_Nationen (klick)
  2. https://kenfm.de/sanktionen-gegen-syrien/ (klick)
  3. http://www.deutschlandradiokultur.de/alle-fuenf-sekunden-verhungert-ein-kind.1008.de.html?dram:article_id=220879 (klick)
  4. http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Jede-Minute-stirbt-ein-Mensch-durch-Waffengewalt-_arid,5235617_toid,290.html
  5. http://norman-paech.de/völkerrecht/ (klick)
  6. https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Ziegler (klick)
  7. https://de.wikipedia.org/wiki/Friedensverrat (klick)
  8. http://www.sopos.org/aufsaetze/55768c7b623ff/1.phtml

PS: noch einige Stellungnahmen der deutschen IPPNW zu Syrien:

Ärzteorganisation fordert Rückkehr zur Waffenruhe (klick)
Kriegsparteien sollen sich zur Einhaltung der Genfer Konvention verpflichten (klick)
Interview mit Susanne Grabenhorst im Deutschen Ärzteblatt (klick)

Und eine Anmerkung eines IPPNW Kollegen zu meiner Frage, ob ihm noch etwas einfällt:

„Krieg gebiert nur weitere Monster und Terrorismus in seiner jetzigen Form in Europa ist ein Kind anhaltender kriegerischer Interventionen unsererseits.“


Gesendet: Freitag, 25. November 2016 um 09:54 Uhr
Von: „Carsten Müller, MdB“ carsten.mueller@bundestag.de
An: „Helmut Käß“ helmut_kaess@web.de
Betreff: AW: Abstimmung über die Verlängerung des Bundeswehrmandats
Sehr geehrter Herr Dr. Käß,

vielen Dank für Ihre E-Mail zur Verlängerung des Bundeswehrmandates zum Syrien-Einsatz. Sehr gern beziehe ich dazu kurz Stellung:

Bei der Abstimmung im Deutschen Bundestag über die Verlängerung des Bundeswehrmandates in Syrien habe ich mit Ja gestimmt, weil es politisch und humanitär sehr wichtig und notwendig ist, sich dort zu engagieren. …

weiter lesen der vorausgegangenen E-Mails auf der Internetseite von Helmut Käss (klick)

Mit dem Autor Michael Kopatz über Michael Kopatz hinausgehen!

Buchkritik: „Ökoroutine“

Wie kann das Potential von „Ökoroutine“ (klick) ausgeschöpft werden und was ist dazu erforderlich?

Diese Frage stellt sich HansJürgen Schulze vom Sozialökologischen Bündnis Plön in seinem Beitrag, der als „Baustelle“noch lange nicht fertig ist.
Die bisher letzte Aktualisierung erfolgte am 10.11.16.

Vorab: Statt einer eigenen Buchrezension beziehe ich mich auf jene von Wolfgang Borchardt, Mitglied des SprecherInnenrats der Ökologischen Plattform bei der Partei DIE LINKE (1).

Noch ein Vorab: Der folgende Beitrag, abgelegt unter der Rubrik „Sozialökologischer Umbau“, soll selber zur Baustelle werden, mehrere Monate lang. Ich möchte alle LeserInnen dieses Blogs ermuntern, mir ihre Vorschläge für Änderungen zu e-mailen. Wie tragfähig ist das Gerüst: die Überschriften und ihre Reihenfolge? Was kann gestrafft, was sollte genauer ausgeführt, was kann gestrichen, was sollte eingefügt werden? Nachdem mich derlei Fragen in den letzten beiden Nächten bis in den Traum verfolgten, beginne ich nachzudenken: Viele Beispiele, die uns allen aus Michael Kopatz‘ Buch (und der Buchvorstellung im Video am Ende des Blogs!) Mut machen, sollten in meinem Blog konkreter benannt, die z.T. detailversessenen Ausführungen zu den technologisch begründeten Plänen, binnen einer Generation 100 % Erneuerbare in allen drei Sektoren Strom, Wärme und Mobilität zu verwirklichen, könnten gestrafft und an anderer Stelle konkretisiert werden. Vor allem um Raum zu schaffen, den Schlussteil noch überzeugender zu gestalten, der mir das Wichtigste am gesamten Blog ist: hajueschulze43@gmx.de. Danke!

Worum handelt es sich?

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US-Wahlen: Sieg für Trump und BAYER

Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V., 9.11.2016

433.000 US-Dollar spendete BAYER für den aktuellen Wahlkampf von Trump über so genannte Politische Aktionskomitees (PACs). Aus dem Budget des Leverkusener Multis für die Präsidentschaftskampagne gingen fast 80 Prozent an republikanische KandidatInnen. Antonius Michelmann, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren, kommentiert:

„Der Sieg Trumps ist auch ein Sieg für BAYER.“

BAYER gehört traditionell zu den wichtigsten ausländischen Groß-Spendern im US-Wahlkampf und hat mit dem aktuellen Spendenvolumen einen neuen Rekord aufgestellt. Um 65 Prozent steigerte das Unternehmen sein aktuelles Engagement im Vergleich zum Jahr 2012, wo er den Republikanern „nur“ 261.000 Dollar zur Verfügung gestellt hatte.

Das gesteigerte Interesse des Global Players, Einfluss auf die US-Politik zu nehmen, hängt eng mit seiner Neuausrichtung zusammen. Mit der Übernahme MONSANTOs will er der größte Agrochemie-Konzern der Welt werden und allein über 90 Prozent des weltweiten Marktes für gentechnisch verändertes Saatgut kontrollieren. Die USA sind hier mit großem Abstand einer der wichtigsten Märkte: Mehr als 39.5 Prozent aller Gentechnik-Pflanzen weltweit wachsen dort. Und durch den MONSANTO-Deal hofft die bundesdeutsche Aktien-Gesellschaft auch das US-Geschäft mit seinen Pestiziden ankurbeln zu können.

Mit der Übernahme des Consumer-Care-Bereichs des US-Pharma-Riesen Merck hat sich das Interesse im Pharma-Bereich ebenfalls deutlich nach Westen verschoben. Die USA zählen überdies für das zurzeit wichtigste BAYER-Präparat XARELTO – ein Blutverdünner mit einem Jahresumsatz von 2,25 Milliarden Euro im Jahr 2015 – zu den Top-Märkten.

Der Chemie und Pestizid-Riese BASF ist neben BAYER ein weiterer wichtiger deutscher Förderer Trumps. In den aktuellen Wahlkampf investierte das Ludwigshafener Unternehmen über seine PACs insgesamt 399.000 Dollar. „US-Wahlen: Sieg für Trump und BAYER“ weiterlesen

Greenpeace veröffentlicht geheime TTIP-Dokumente!

Endlich ist ein Großteil der TTIP-Verhandlungspapiere öffentlich und transparent zugänglich!
Die Pressestelle Greenpeace Niederlande veröffentlichte gestern geheime TTIP-Dokumente.
Um die Quelle der Texte zu schützen, liegen die Texte nicht im Original vor, sondern wurden einmal komplett abgetippt, damit alle Rückschlüsse auf den Verfasser ausgeschlossen werden konnten.
Es handelt sich bei den durchgesickerten Papieren um 13 von bislang 17 der sogenannten „konsolidierten Verhandlungspapiere“. Sie listen den Stand der Verhandlungen im Detail auf und stellen die Positionen von EU und USA gegenüber. Beide Verhandlungsseiten liegen dabei weit von einander entfernt und zudem übt die USA enormen Druck auf die EU aus.
Zusammenfassend bestätigen die veröffentlichten Dokumente alle bisherigen Befürchtungen: Das TTIP-Abkommen gefährdet den europäischen Verbraucher- und Umweltschutz in massiver Weise!
Ihr wollt euch ein eigenes Bild machen? Kein Problem.
Greenpeace bietet die Dokumente zum Download an: https://ttip-leaks.org/

Mord an renommierter Umweltschützerin

schockiert die Welt

Von Markus Plate (Mexiko-Stadt, 3. März 2016, npl – klick zur seite)

Sie hat die Weltbank und China gestoppt. Sie hat sich über zwei Jahrzehnte für indigene Rechte in ihrem Heimatland eingesetzt. Sie hat lautstark gegen Regierung und Oligarchen in Honduras protestiert. Dafür hatte Berta Cáceres in der Vergangenheit nicht nur Preise, sondern immer wieder Morddrohungen erhalten. In der Nacht zum Donnerstag (3. März) ist die Sprecherin des Komitees der indigenen Völker Honduras (COPINH) in ihrem Haus ermordet worden. Es ist nicht einmal ein Jahr her, als Berta Cáceres mit dem Goldman-Preis die wichtigste Anerkennung für Umweltaktivist*innen verliehen wurde. Spätestens dadurch wurde die unerschrockene Verteidigerin indigener Rechte einer weltweiten Öffentlichkeit bekannt. In Interviews, auch mit globalen Medienunternehmen wie CNN und der BBC, prangerte sie die Rechtlosigkeit in ihrem Heimatland an, sprach vom Widerstand gegen Holzunternehmen, und gegen international finanzierte Staudammprojekte und informierte die Welt über die Kriminalisierung dieses Widerstands – und über die Morde, denen in den Jahren zuvor bereits zehn COPINH-Aktivist*innen (klick zur COPINH-Seite) zum Opfer gefallen waren.Um ein Uhr in der Nacht zum Donnerstag drangen ihre Attentäter in ihr Haus in La Esperanza, im Südosten Honduras‘ ein. Laut lokalen Quellen sollen sie zunächst gewartet haben, bis es im Haus still geworden war, hätten dann die Tür aufgebrochen und schließlich die vierfache Mutter erschossen. Cáceres Bruder wurde bei dem Attentat verletzt.Erst letzte Woche hatte Cáceres die voranschreitende Militarisierung der Region hingewiesen, zu der auch Pläne für eine US-Militärbasis gehöre. Dies alles mit dem Ziel, die Ausbeutung des Landes und seiner natürlichen Ressourcen zu gewährleisten und den Widerstand dagegen zu brechen. Gleichzeitig würde der Staat die indigenen und ländlichen Gemeinschaften bewusst vernachlässigen, insbesondere was Gesundheitsversorgung und kleinbäuerliche Programme anbetreffe.

Staudammunternehmen soll mordverdächtige Kriminelle unter Vertrag haben

Nach einer COPINH-Demonstration am 20. Februar waren Cáceres und einige ihrer Mitstreiter*innen nach einem Communiqué der Organisation (klick zu amerika21) von der Armee, der Polizei und Angestellten des Staudammprojektes bedrängt und bedroht worden. Cáceres‘ 84-jährige Mutter sagte am Tag des Mordes gegenüber Radio Globo, sie habe keinen Zweifel daran, dass sie für Ihren Einsatz getötet worden sei und dass „Soldaten und die Leute vom Staudamm verantwortlich“ seien. Auch der Regierung wies sie die Schuld zu.

Neben Morddrohungen war Cáceres im Jahr 2013 am Rande einer 70-tägigen Protestaktionen zur Verteidigung des Flusses Gualcarque und gegen das Staudammprojekt Agua Zarca (klick zu npla) festgenommen (poonal berichtete – klick zu npla). Das Projekt hatten über 150 indigene Gemeinden abgelehnt. Nationale und internationale Proteste führten in der Folge zu Cáceres Freilanssung und dass sich mit der Weltbank und der chinesischen Staatsfirma Sinohydro die zwei wichtigsten Partner aus dem Staudammprojekt zurückzogen.

Die Ermordung der renommierten Aktivistin hat im In- und Ausland Bestürzung und scharfe Proteste ausgelöst. Radio Progreso (http://radioprogresohn.net/index.php/comunicaciones/noticias/item/2741-nota-de-duelo-bertha-c%C3%A1ceres) aus der gleichnamigen honduranischen Stadt sendete den ganzen Tag Sondersendungen über den Kampf und die Ermordung Berta Cáceres  und klagte den honduranischen Staat dafür an, sie nicht ausreichend geschützt zu haben sowie die Morde an zahllosen Menschenrechtler*innen in Honduras nicht zu verfolgen. In mehreren lateinamerikanischen Hauptstädten wurde zu Protestveranstaltungen aufgerufen. In sozialen Medien, so auf Facebook, brachten zahlreiche Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen ihre Abscheu über den Mord zum Ausdruck.

Der Druck auf Honduras‘ Regierung dürfte nach dem Mord weiter zunehmen. Bereits im Februar musste Honduras eine internationale Mission gegen die Straffreiheit und Korruption ins Land lassen. Das zentralamerikanische Land liegt seit Jahren in den Mordstatistiken auf den vordersten Plätzen. Für Umweltaktschützer*innen ist die Lage besonders schlimm: Bezogen auf die Einwohnerzahl werden in keinem Land der Welt so viele Aktivist*innen ermordet, wie hier. Zwar hat das honduranische Innenministerium ein Kommando nach La Esperanza geschickt, um den Mord zu untersuchen. Bei der notorischen Straffreiheit in Honduras wird vehementer Druck notwendig sein, damit es eine Chance gibt, zumindest die Verantwortlichen dieses Mordes zur Rechenschaft zu ziehen.

CC BY-SA 4.0
Der Artikel „Mord an renommierter Umweltschützerin schockiert die Welt“ von Nachrichtenpool Lateinamerika (klick zu npla) ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international (klick zu den Lizenzbedingungen).


Kommentar

Hallo Euch allen,
Notwendig und angemessen wäre es, wenn die Welt – also der dem Dauerrauschen des Infotainment ausgesetzte Teil – geschockt wäre.
Aber so ist es nicht – die Vergesslichkeit ist immens.

Ich verneige mich vor der Toten.
Hans-Otto

Kahlschlag für den Klimaschutz

Europas neueste Energiequelle kommt aus den USA

11.06.13 – von Franziska Braun

Allein mit Wind- und Solarenergie kann die Energiewende nicht vollzogen werden. So wird bei der Stromerzeugung auch auf andere erneuerbare Energiequellen zurückgegriffen. Gerne auf Holz aus den USA.

Die europäische Energiewende hat weitreichende Folgen. Wie das Wall Street Journal berichtet, werden im Süden der USA ganze Wälder gerodet, um den Bedarf an Holzpellets in Europa zu befriedigen. Das Problem dabei: Die US- Holzindustrie braucht sich nicht an europäische Vorschriften halten. In der EU verhindern entsprechende Richtlinien, dass Holz in Gegenden mit großer biologischer Vielfalt gerodet wird – etwa in Sümpfen und Mooren. Außerdem schreibt die EU vor, dass abgeholzte Flächen wieder aufgeforstet werden müssen.

http://www.heise.de/tr/blog/artikel/Europas-neueste-Energiequelle-kommt-aus-den-USA-1886284.html

Lex Monsanto

Am 26.3.2013 hat Präsident Obama das US-Haushaltsgesetz HR 933 unterzeichnet.

Es enthält mit dem „Zusatz 735“ eine Klausel, die einen Rückschlag für Gentechnikgegner bedeutet. Doch obwohl RT bereits 1m 14.3.13 darüber berichtet hat, ist das Medieninteresse erst nach der Unterzeichnung gewachsen. Am 28.03.13 schreibt ShortNews.de unter der Überschrift:

USA: Neues Gesetz schützt Monsanto – Der Konzern hat es selbst verfasst

„In einer Nacht- und Nebelaktion, hat Präsident Obama ein neues Gesetz, HR 933, unterzeichnet, welches Klagen gegen die Aussaat oder den Verkauf von gentechnisch veränderten Pflanzen von vornherein als unzulässig erklärt. Der Gesetzestext wurde gemeinsam mit Monsanto verfasst und soll sechs Monate lang halten.

Sogar im Falle negativer gesundheitlicher Folgen, die mit dem Verzehr von Gentechnik in Zusammenhang stehen könnten, gibt es aufgrund dieses Gesetzes für die Betroffenen keine rechtliche Möglichkeit mehr, den Konzern zur Verantwortung zu ziehen.“

Im Streit um das US-Haushaltsgesetz ist es den Gentechnik-Lobbyisten gelungen, eine Richtlinie zur Gentechnik einzubringen (oder wäre „einzuschmuggeln“ der treffendere Ausdruck?). Den Kongress-Abgeordneten, die dem Haushaltsgesetz zustimmten, war das offenbar nicht klar.
Dorothea Hahn führt das in der Schweizer Tageswoche am 1.4.13 weiter aus:

„Der Weg des umstrittenen «Zusatz 735» in das Haushaltsgesetz wirft ein Schlaglicht auf das gesetzgeberische Verfahren in Washington. Der Zusatz taucht zum ersten Mal überhaupt erst in der vierten Version (von insgesamt sechs Versionen) des Gesetzes auf. Er ist versteckt zwischen Haushaltsplänen für das US-Militär, den Handel und die Justiz. Und er ist im Senat anonym eingebracht worden.

Hinter dem Zusatz steht ein Senator aus dem Bundesstaat Missouri, wo nicht nur 100.000 landwirtschaftliche Betriebe ansässig sind, sondern sich auch der Hauptsitz von Monsanto befindet. Senator Roy Blunt hat für jede Kampagne Geld von dem Agrokonzern bekommen. Nach Informationen von «Open Secrets» erhielt er 2012 erneut 10 000 Dollar direkt von Monsanto, plus indirekte Zahlungen an sein politisches Aktionskommittee (PAC). Er ist damit einer der elf am großzügigsten von Monsanto ausgestatteten Kongress-Abgeordneten. Seit 2008 hat Monsanto seine finanziellen Zuwendungen an US-Abgeordnete mehr als verdoppelt. Gegenwärtig zahlt der Konzern fast drei Mal so viel an Republikaner als an Demokraten.“

Die Bestimmung hätte die Landwirtschafts- und Rechtsausschüsse durchlaufen müssen, aber eine Anhörung fand nicht statt und das Material war den meisten Demokraten (die die Mehrheit im Senat halten) vor seiner Billigung als ein Teil des HR 993 zweifellos unbekannt.

Es gibt jedoch keinen Grund, mit dem Finger auf die USA zu zeigen. Denken wir nur an den in einer Nacht- und Nebelaktion ausgekungelten „Förderfondsvertrag“ (6.9.2010) von Bundesregierung, EVUs und KKW-Betreibergesellschaften[1], das vom damaligen Gesundheitsminister Philipp Rösler auf den Weg gebrachte Arzneimittelgesetz oder das Ausbremsen einer echten Energiewende.


[1↑] „Laufzeitverlängerung“ für AKW (siehe „Vereinbarung der Bundesregierung mit den Atomkonzernen„)

Eine Generationen-Herausforderung: Neue Energie für Amerika

Al Gore

Meine Damen und Herren: Es gibt Zeiten in der Geschichte unserer Nation, in denen die Art, wie wir weiterleben, völlig davon abhängt, dass wir uns von Illusionen freimachen und aufwachen, um einer akuten Gefahr entgegenzutreten. In solchen Momenten kommt es darauf an, dass wir uns schnell und entschlossen aufraffen, alte Gewohnheiten aufgeben und uns klarsichtig und engagiert der Notwendigkeit großer Veränderungen stellen. Diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer, ihren Beitrag dazu verweigern, müssen entweder überzeugt werden, mitzumachen oder müssen sich auffordern lassen, dass sie zur Seite treten. Dies ist solch ein Moment. Das Überleben der Vereinigten Staaten von Amerika, so wie wir sie kennen, ist in großer Gefahr. Und noch schlimmer – wenn man überhaupt noch nach Schlimmerem fragen mag – die Zukunft der menschlichen Zivilisation steht auf dem Spiel.
Mir fällt keine Zeit ein, in der in unserem Land gleichzeitig so viele Dinge schief gelaufen sind. Unsere Volkswirtschaft ist in einem schrecklichen Zustand und verschlimmert sich immer weiter, die Treibstoffpreise steigen dramatisch an und auch die Strompreise. Arbeitsplätze werden ins Ausland verlegt. Wohnungsbaukredite geraten in Schwierigkeiten. Banken, Automobilkonzerne und andere Institutionen, von denen wir abhängen, geraten unter immer stärkeren Druck. Anerkannte Führungskräfte der Wirtschaft sagen uns, dies sei erst der Anfang, wenn wir nicht den Mut finden, einige wichtige Veränderungen schnell vorzunehmen.
Besonders der Klimawandel verschlimmert sich – erheblich schneller als bisher vorhergesagt. Wissenschaftler mit Zugang zu den Messwerten unserer Unterseeboote, die das Polareis am Nordpol unterqueren, warnen uns, dass mit 75 prozentiger Wahrscheinlichkeit innerhalb von fünf Jahren die Eiskappe während der Sommermonate völlig verschwinden wird. Dadurch wird sich das Abschmelzen des Grönlandeises weiter beschleunigen [2]. Experten sagen, dass der Jakobshavn-Gletscher, einer der größten in Grönland, schneller als je zuvor wegschmilzt. Täglich verliert er so viel Tonnen Eis, wie die Einwohner von NewYork in einem ganzen Jahr an Wasser verbrauchen.
Zwei wichtige Studien des militärischen Abwehrdienstes warnen unsere Regierung vor den gefährlichen Auswirkungen des Klimawandels auf die nationale Sicherheit, einschließlich der Möglichkeit, dass Hunderte von Millionen von Klimaflüchtlingen weltweit die Nationen destabilisieren. Gerade vor zwei Tagen haben 27 ehemalige Staatsmänner und pensionierte militärische Führer vor der Bedrohung der nationalen Sicherheit durch die verheerenden Erschütterungen („Energie-Tsunami“) gewarnt, die sich ergeben würden, wenn wir unseren Zugang zu ausländischen Ölquellen verlieren. Inzwischen geht der Krieg im Irak weiter und derzeit eskaliert offenbar der Krieg in Afganistan.
Und nebenbei gesagt, unser Wetter wird ja auch etwas sonderbar, nicht wahr? Seit Menschengedenken gab es anscheinend noch nie so viele Tornados, längere Dürreperioden, heftigeren Starkregen und Rekordüberschwemmungen. Brände noch nie bekannten Ausmaßes toben in Kalifornien und anderswo im amerikanischen Westen. Höhere Temperaturen trocknen die Vegetation aus, so dass zundertrocknes Kleinholz als Brandbeschleuniger für Mega-Feuer entsteht, wie sie in Canada, Griechenland, Russland, China, Südamerika Australien und Afrika gewütet haben. Geophysiker der Universität von Tel Aviv sagen uns, dass für jedes Grad Temperaturerhöhung die Zahl der Blitzeinschläge um weitere 10 Prozent ansteigt. Und schließlich ist es dann ein Gewitter, das für den gegenwärtigen Flächenbrand in Californien verantwortlich ist.
Viele Leute meinen wie ich, dass all diese Probleme größer sind als jeder der bisher vorgeschlagenen Lösungsansätze und das hat mich lange beunruhigt. Ich bin überzeugt, dass wir angesichts dieser Krisen deshalb wie gelähmt erscheinen, weil wir dazu neigen, für jede dieser Krisen gesondert eine andere überholte Lösung anzubieten, ohne den Zusammenhang zwischen den Problemen zu berücksichtigen. Und diese längst überholten Lösungsvorschläge erweisen sich nicht nur als ineffektiv – fast immer verschlimmern sie sogar jeweils die andern Krisen.
Doch wenn wir die drei anscheinend unlösbaren Herausforderungen im Zusammenhang betrachten, dann erkennen wir den roten Faden, die gemeinsame Ursache. Sie ist geradezu lächerlich einfach zu beschreiben: Unsere gefährliche, geradezu sklavische Abhängigkeit von fossilen Energiequellen ist die gemeinsame Ursache dieser drei Bedrohungen – der ökonomischen Krise, der Umweltkrise und der Krise der nationalen Sicherheit.
Wir leihen uns Geld von China, um Öl aus dem persischen Golf zu kaufen, um es dann zu verbrennen, wodurch dann dieser Planet zerstört wird. All das – Stück für Stück – muss sich ändern. Aber wenn wir den roten Faden, der sich durch all diese Probleme zieht, ergreifen und kräftig daran ziehen, dann fangen diese komplexen Probleme an, sich aufzuribbeln und wir entdecken, dass wir die Antwort tatsächlich in unserer Hand halten. Die Antwort lautet, wir müssen unsere Abhängigkeit von den fossilen Energiequellen beenden.
Bei meiner Suche nach wirklich effektiven Reaktionen auf den Klimawandel habe ich eine Serie von „Lösungs-Gipfelgesprächen“ mit Ingenieuren, Wissenschaftlern und führenden Wirtschafts-Managern abgehalten. Bei diesen Diskussionen ist mehr als deutlich klar geworden: Wenn man die Einzelerkenntnisse zusammenführt, zeigt es sich, dass die Maßnahmen gegen den Klimawandel genau die gleichen Maßnahmen sind, die wir brauchen, um unsere Volskswirtschaft zu erneuern und der Falle der ständig steigenden Energiepreise zu entkommen. Darüber hinaus sind es auch die gleichen Maßnahmen, die wir brauchen um unsere nationale Sicherheit zu garantieren, ohne wieder Krieg am persischen Golf führen zu müssen.
Wie wäre es, wenn wir Energiequellen nutzten, die nicht teuer sind, keine Emissionen verursachen und hier zuhause im Überfluss zur Verfügung stehen? Wir haben solche Energiequellen. Wissenschaftler bestätigen, dass alle 40 Minuten genügend Sonnenenergie auf der Erdoberfläche ankommt, um damit den gesamten Weltenergieverbrauch eines Jahres abzudecken. Man braucht nur einen kleinen Teil dieser Sonnenenergie zu nutzen, um damit die gesamte benötigte elektrische Energie Amerikas zu erzeugen.
Und genug Wind bläst jeden Tag durch den Midwest-Corridor, der ebenfalls 100 Prozent des US-Strombedarfs decken kann. Geothermische Energie kann ganz ähnlich einen enormen Beitrag zur Stromversorgung von Amerika bereitstellen. Die schnellste, billigste und beste Art, all diese Erneuerbaren Energien zu nutzen, ist die Produktion von Elektrizität. Tatsächlich können wir ab sofort Solarenergie, Windkraft und geothermische Energie nutzen, um Strom für unsere Wohnungen und für die Wirtschaft zu erzeugen. Aber um dieses erstaunliche Potential wirklich zu nutzen und damit wirklich und wahrhaftig die nationalen Probleme zu lösen, brauchen wir einen neuen Anfang.
Aus eben diesem Grund schlage ich heute eine strategische Initiative vor, die das Ziel hat, uns von den drückenden Krisen zu befreien und unsere Handlungsfähigkeit zurück zu gewinnen. Dies ist nicht das Einzige, was wir tun müssen. Aber dies ist der Dreh- und Angelpunkt einer mutigen Strategie, Amerika wieder mit neuer Energie zu versorgen, im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Heute fordere ich unsere Nation auf, sich zu verpflichten, innerhalb von 10 Jahren 100 Prozent unserer Elektrizität aus Erneuerbarer Energie und aus wirklich kohlenstofffreien Quellen zu erzeugen.
Dieser Plan ist durchführbar, bezahlbar und höchst wirksam. Er stellt eine Herausforderung für Amerikaner aller Gesellschaftsschichten dar: für unser politischen Führer, Unternehmer, Erfinder, Ingenieure und für jeden Bürger. Noch vor wenigen Jahren hätte ich so einen nationalen Appell nicht veröffentlichen können. Aber es hat sich inzwischen etwas geändert: Die deutlichen Kostensenkungen für Solar-, Wind- und Geothermiestrom auf der einen Seite und die kürzlich erfolgten Preisanstiege bei Öl und Kohle auf der anderen Seite haben die Maßstäbe der Wirtschaftlichkeit im Energiesektor radikal verändert.
Als ich vor 32 Jahren zum ersten Mal zum Kongress ging, hörte ich, wie Experten aussagten, dass erneuerbare Energiequellen konkurrenzfähig sein würden, wenn der Ölpreis jemals auf 35 $ ansteigen sollte. Nun, heute liegt der Preis bei mehr als 135 $ pro Barrrel, und wirklich, Milliarden von Dollar an neuen Investitionen fließen in die Entwicklung konzentrierter thermoelektrischer Sonnenenergie und Photovoltaik, in die Entwicklung von Windmühlen, Geothermiewerken und einer Vielzahl genialer neuer Möglichkeiten, unsere Effizienz zu verbessern und Energien zu sparen, die augenblicklich verschwendet werden.
Da die Nachfrage nach erneuerbaren Energien wächst, fallen die Kosten weiterhin [3]. Lassen Sie mich dies an einem aufschlussreichen Beispiel erläutern: Der Preis des besonderen, für die Herstellung von Solarzellen benutzten Siliziums lag vor kurzem noch bei 300 $ pro kg, doch die letzten Aufträge wurden für Preise vergeben, die nur 50 $ pro kg betrugen. Das Gleiche geschah mit den Computerchips – auch sie werden aus Silizium hergestellt. Für die selbe Leistungsstärke sank der Preis alle 18 Monate um 50 % – Jahr für Jahr, und zwar 40 Jahre hintereinander.
Denen, die meinen, die Kosten seien noch immer zu hoch, sage ich: überlegen Sie gut, ob sie glauben, dass die Kosten von Öl und Kohle jemals aufhören werden zu steigen, wenn wir uns weiterhin darauf verlassen, dass schnell auslaufende Energiequellen eine rund um die Welt rapide steigende Nachfrage befriedigen können. Wenn der Bedarf an Öl und Kohle wächst, steigt ihr Preis. Wenn der Bedarf an Solarzellen wächst, gibt es oft eine Preissenkung. Wenn wir Geld an ferne Länder schicken, um nahezu 70 Prozent unseres täglichen Ölkonsums zu kaufen, bauen jene Länder neue Wolkenkratzer, und wir verlieren Arbeitsplätze. Wenn wir das Geld benutzen, um Solaranlagen und Windmühlen zu erstellen, bauen wir konkurrenzfähige Industrien auf und gewinnen Arbeitsplätze hier bei uns.
Natürlich gibt es immer Leute, die uns sagen, dass das alles nicht geht. Einige dieser Stimmen sind die Verteidiger des status quo – die mit einem eigenen Interesse an der Erhaltung des heutigen Systems, ganz gleichgültig, welchen Preis wir Übrigen dafür zahlen müssen. Doch auch die, die von dem Kohlenzeitalter profitieren, müssen irgendwann die Unvermeidbarkeit seines Endes erkennen. Wie ein OPEC Ölminister es ausdrückte: „Die Steinzeit ging nicht zu Ende, weil Steine knapp wurden“.
Denen, die meinen, 10 Jahre seien nicht genug, sage ich respektvoll: Hören Sie doch bitte, was die Wissenschaftler der ganzen Welt uns über die Gefahren sagen, die uns bedrohen, wenn wir nicht innerhalb von 10 Jahren handeln. Die führenden Fachleute versichern, dass uns weniger als 10 Jahre bleiben, die Emissionen von Klimagasen drastisch zu verringern, da wir sonst die Fähigkeit verlieren, uns jemals von dieser Umweltkrise zu erholen. Mit wachsendem Öl- und Kohleverbrauch steigen auch die CO2-Emissionen. Mit wachsender Nutzung von Solar-, Wind- und Geothermieenergien sinken die CO2-Emissionen.
Denen, die meinen, unser Vorhaben sei aus politischen Gründen nicht akzeptabel, schlage ich vor, vor das amerikanische Volk zu treten und zu versuchen, den Status Quo zu verteidigen. Und dann werden Sie erkennen, dass das Volk sich nach einer Veränderung sehnt. Ich meinerseits glaube nicht, dass unser Land noch 10 Jahre lang Benzinpreiserhöhungen ertragen kann. Unsere Arbeiter können nicht noch 10 Jahre lang Arbeitsplatzverluste und die Verlagerung von Fabriken ins Ausland ertragen. Unsere Wirtschaft kann nicht noch 10 Jahre lang ertragen, dass alle 24 Stunden 2 Milliarden Dollar für Öl in fremde Länder geschickt werden. Und unsere Soldaten und ihre Familien können nicht noch 10 Jahre lang ertragen, dass die Truppen wieder und wieder in gefährliche Regionen geschickt werden, die gerade zufällig grössere Ölvorkommen aufweisen.
Was könnten wir stattdessen in den kommenden 10 Jahren tun? Was SOLLTEN wir in den kommenden 10 Jahren tun? Einige unserer größten Leistungen als Nation erwuchsen aus der Entschlossenheit, ein Ziel zu erreichen, das zeitlich weit hinter der nächsten Wahl lag: Der Marshallplan, die Sozialrente, das Netz von Fernstraßen. Aber ein politisches Versprechen, etwas in 40 Jahren zu schaffen, wird allgemein ignoriert, da es bekannterweise bedeutungslos ist. Zehn Jahre ist in etwa der maximale Zeitraum, über den wir als Nation ein Ziel verfolgen und auch erreichen können. Als Präsident John F. Kennedy unsere Nation dazu aufforderte, innerhalb von 10 Jahren einen Mann auf dem Mond landen zu lassen und ihn heil zurückzubringen, bezweifelten viele die Realisierbarkeit. Doch schon 8 Jahre und 2 Monate später beschritten Neil Armstrong und Buzz Aldrin die Mondoberfläche.
Gewiss, das Ziel, 100-prozentig erneuerbare, wirklich saubere Elektrizität in höchstens 10 Jahren zu erreichen, wird von uns die Überwindung mannigfaltiger Hindernisse verlangen. Zum Beispiel verfügen wir jetzt noch nicht über ein einheitliches landesweites Strometz mit ausreichender Transportkapazität, um die Gebiete, in denen die Sonne scheint und der Wind bläst, mit den Städten im Osten und im Westen zu verbinden, die diesen Strom brauchen. Unser landesweites elektrisches Netz ist infrastrukturell so lebenswichtig für das Wohl und die Sicherheit unserer Wirtschaft wie unser Straßen- und unser Telekommunikationsnetz. Derzeit sind unsere Stromnetze antiquiert, nicht ausreichend dimensioniert und nicht dagegen geschützt, dass ein Stromausfall an einer Stelle sich in einer Kettenreaktion weiträumig ausbreitet. Stromausfälle und Defekte kosten die amerikanische Industrie laufend mehr als 120 Milliarden Dollar im Jahr. Die Netze müssen also in jedem Fall auf den neuesten Stand gebracht werden.
Wir könnten den Wert und die Effizienz eines zukünftigen nationalen Stromnetzes weiter erhöhen, indem wir unseren notleidenden Automobilkonzernen helfen, sich auf die Herstellung von Elektroautos zum Aufladen an der Steckdose umzustellen. Eine elektrische Fahrzeugflotte würde die Kosten des Autofahrens erheblich verringern, den CO2-Ausstoß verringern und die Flexibilität unseres Elektrizitätsnetzes erhöhen.[4] Zugleich müssen wir uns natürlich auch mit viel größerer Entschlossenheit zu Effizienz und Resourcenschonung verpflichten. Das ist die beste Investition, die wir machen können.
Amerikas Umstieg auf die Erneuerbaren Energien darf nicht zu Lasten derjenigen erfolgen, die unter gefährlichen Bedingungen für unsere bisherige Energieversorgung geschuftet haben. Z.B. sollten wir jedem Kohlengrubenarbeiter, der durch die Energiewende arbeitslos wird, unsere Anerkennung zollen und ihm einen Arbeitsplatz unter guten Arbeitsbedingungen (Sonnenschein und frische Luft) garantieren. Jedem von ihnen.
Natürlich könnten und sollten wir diesen Übergang beschleunigen, indem wir darauf bestehen, dass im Preis für fossile Energie auch die externen Kosten enthält. Seit langem befürworte ich eine gründliche Reduktion der Lohnsteuer, wobei die Mindereinnahmen durch CO2-Steuern ausgeglichen würden. Wir sollten besteuern, was wir verbrennen, nicht was wir verdienen. Das wäre im Einzelnen die wichtigste Änderung, die wir in unserer Politik vornehmen könnten.
Um die internationale Zusammenarbeit zu fördern müssen sich die Vereinigten Staaten, wieder in die Völkergemeinschaft integrieren und sich im Dezember nächsten Jahres in Kopenhagen für den Abschluss eines internationalen Vertrages einsetzen. der sowohl die Begrenzung der CO2-Emissionen als auch eine globale Partnerschaft bei der Bekämpfung von extremer Armut und Krankheiten als Aufgabe der Weltgemeinschaft zur Lösung der Klimakrise anerkennt.
Allerdings ist vielleicht das größte Hindernis für die Durchsetzung der 100-Prozent erneuerbarer Energie in 10 Jahren die tiefgreifende Funktionsunfähigkeit unserer Politik und unseres heutigen Selbstverwaltungssystems. Seit einiger Zeit kommt es nur noch zu unbedeutenden Vorlagen, die keine „Special Interests“, d.h. besondere Interessen, verletzen dürfen. Alternativ werden nur noch winzige Schrittchen in die richtiger Richtung vorgenommen. Unsere Demokratie ist sklerotisch erstarrt und das zu einer Zeit, da die genannten Krisen Mut und Entschlossenheit erfordern. Nur ein wirklich funktionsunfähiges System kann sich der perversen Logik verschreiben, dass die kurzfristige Lösung des Problems hoher Benzinpreise darin zu finden ist, in zehn Jahren nach mehr Öl zu bohren.
Bin ich der Einzige, der sich darüber wundert, dass unsere Regierung so oft eine sogenannte Lösung akzeptiert, die mit dem anstehenden Problem absolut nichts zu tun hat? Wenn die Leute sich ganz berechtigt über die höheren Benzinpreise beklagen, schlagen wir vor, den Ölfirmen mehr Geld zu geben und behaupten, sie würden die Preise senken. Das wird gewiss nicht geschehen, und jeder weiß das auch. Wenn wir immer wieder das Gleiche tun, das noch nie gewirkt hat und nur zu den höchsten Benzinpreisen aller Zeiten und zugleich zu den höchsten Profiten für die Ölfirmen führte, sollte niemand überrascht sein, wenn wir immer wieder dieselben Ergebnisse erhalten. Nun ist der Kongress möglicherweise dennoch geneigt, irgendwie in derselben Richtung zu gehen, da einige der Mitglieder von den Lobbyisten der Special Interests geradezu überrannt werden, die genau wissen, wie sie das System zu ihren Gunsten anstatt zu den Gunsten der Menschen in Amerika nutzen können.
Wenn Sie die Wahrheit über die Benzinpreise wissen wollen, hier ist sie: die explodierende Nachfrage nach Öl, besonders in Ländern wie China, ist so viel höher als die Geschwindigkeit und das Ausmaß neuer Ölfunde, dass die Ölpreise mit größter Wahrscheinlichkeit weiterhin im Lauf der Zeit steigen werden, ganz unabhängig davon, was die Ölfirmen versprechen. Und die Politiker können die Benzinpreise nicht kurzfristig zum Sinken bringen. Jedoch es gibt eine äußerst effektive Methode, die Kosten, ein Auto zu fahren, innerhalb von wenigen kurzen Jahren herunterzuschrauben. Die Methode besteht darin, unsere Abhängigkeit vom Öl zu beenden und die erneuerbaren Energiequellen zu nutzen, die so günstig sind, als würde die Gallone Benzin 1 $ kosten [5].
Viele Amerikaner haben begonnen zu überlegen, ob wir einfach die Lust an mutigen und entschlossenen politischen Lösungen verloren haben oder nicht. Und Leute, die behaupten zu wissen, wie unser System dieser Tage funktioniert, sagen uns, wir können ruhig die Hoffnung aufgeben, dass unser politisches System irgendetwas Mutiges und Entschlossenes tun wird, besonders wenn dies den Wünschen der „Special Interests“ widerspricht. Und ich muss zugeben: so scheint es wirklich zu laufen. Doch höre ich neuerdings auch andere Stimmen in diesem Lande, die Stimmen von Leuten, die nicht nur von den winzigen Schrittchen und der Politik der „Special Interests“ genug haben, sondern sich nach neuen, anderen und mutigen Ansätzen sehnen.
Wir stehen vor einer Präsidentenwahl. Und wir befinden uns mitten in einem Prozess, einen internationalen Klimavertrag auszuhandeln, der vor dem Ende des ersten Jahres der neuen Präsidentschaft abgeschlossen sein wird. Es ist durchaus falsch zu behaupten, dass die Vereinigten Staaten darauf warten müssen, dass andere sich uns in dieser Sache anschließen. Ganz im Gegenteil müssen wir vorausgehen, denn nur so gelingt es, andere zum Folgen zu überreden, und auch weil es in unserem nationalen Interesse liegt, voranzuschreiten.
So fordere ich Sie nun auf, sich mir in dem Vorhaben anzuschließen, jeden Kandidaten, ganz gleich für welches politische Amt er kandidiert, dazu aufzurufen, sich dieser Herausforderung zu stellen dass Amerika in 10 Jahren 100-prozentig mit CO2-frei erzeugter-Elektrizität versorgt wird. Es ist Zeit für uns, die leere Rhetorik hinter uns zu lassen. Wir müssen jetzt handeln.
Dies ist ein Moment für unsere Generation. Ein Moment, in dem wir entscheiden, welchen Weg wir einschlagen wollen und wie unser allgemeines Schicksal aussehen soll. Ich fordere Sie auf – jeden Einzelnen von Ihnen -, sich mir anzuschließen und diese Zukunft zu gestalten. Ich bitte Sie, unter wecansolveit.org in die WE Kampagne einzutreten. Wir brauchen Sie. Und wir brauchen Sie sofort. Wir sind entschlossen, nicht nur Glühbirnen auszuwechseln, sondern Gesetze zu ändern. Und um Gesetze zu ändern, brauchen wir gute Führung.
Am 16. Juli 1969 waren die Vereinigten Staaten endlich so weit, Präsident Kennedys Aufforderung, Amerikaner auf den Mond zu schicken, zu erfüllen. Ich werde niemals vergessen, wie ich wenige Meilen von der Abschussstelle neben meinem Vater stand und darauf wartete, dass die riesige Saturn 5 Rakete den Apollo 11 in den Himmel trug. Ich war jung, 21 Jahre alt, hatte einen Monat vorher mein Staatsexamen gemacht und trat drei Wochen später in die amerikanische Armee ein.
Ich werde niemals das erhebende Gefühl dieser Minuten vergessen. Die mächtige Vibration der riesigen Rakete ließ meinen ganzen Körper erzittern. Während ich die Rakete aufsteigen sah, erst langsam und dann mit großer Geschwindigkeit, war der Krach ohrenbetäubend. Wir drehten unsere Hälse, um der Rakete mit den Augen zu folgen, bis wir senkrecht in den Himmel schauten. Und dann, vier Tage später, sahen wir mit Hunderten von Millionen anderer Menschen in aller Welt zu, wie Neil Armstrong einen kleinen Schritt auf der Mondoberfläche tat und dem Lauf der Menschheitsgeschichte eine neue Wendung gab.
Heute gilt es, unsere Nation anzuspornen, ein neues Ziel ins Auge zu fassen, das den Gang der Geschichte ändern wird. Unsere gesamte Zivilisation hängt davon ab, dass wir einen neuen Weg der Forschung und Entdeckung einschlagen. Unser Erfolg hängt von unserer Bereitschaft als Volk ab, diesen Weg zu gehen und in zehn Jahren das Ziel zu erreichen. Noch einmal haben wir die Gelegenheit, die Menschheit einen Riesenschritt vorwärts zu bringen.

Quelle:
http://www.sfv.de/druckver/artikel/2008/A_Genera.htm
zuletzt erschienen: Al Gore: Angriff auf die Vernunft, 2007, 350 Seiten, 19 €

SFV-Anmerkungen:
Bis zum 26.07.2008 haben sich bereits 1.430.135 Menschen der Bewegung angeschlossen.

[1] Die Überschrift enthält ein Wortspiel. „Repower America“ kann entweder bedeuten: Amerika mit neuer Energie versehen oder Amerika wieder mächtig machen oder beides.
[2] Blendend weißes Eis wirft die Sonnenstrahlen zurück. Tiefblaues Meereswasser hingegen nimmt die Sonnenstrahlen auf.
[3] Die höhere Nachfrage senkt zunächst keineswegs die Preise. Aber sie bringt die Wind- und Solaranlagen in die Massenproduktion und Massenproduktion senkt dann auf längere Sicht entsprechend der zunehmenden Produktionserfahrung die Herstellungskosten.
[4] Es bietet sich an, die Batterien der Elektroautos bevorzugt bei Stromüberschuss an sonnigen und windigen Tagen aufzuladen
[5] entspricht etwa 20 Eurocent pro Liter. Al Gore geht also, sehr grob gerechnet, davon aus, dass ein Elektroauto mit Windstrom etwa ein bis zwei Euro auf 100 Kilometer braucht.