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5 Milliarden
Euro Extraprofit
Bericht über die Jahrestagung des Verbandes der Energie-
und Kraftwirtschaft (VIK) 2006
Götz Brandt
Der Vorsitzende des VIK, Dr. Volker Schwich, rechnete der stromerzeugenden
Industrie vor, dass sie durch die von der Regierung kostenlos erhaltenen
CO² - Zertifikate jährlich 5 Mrd. € zusätzliche
Einnahmen durch Strompreiserhöhungen hat, sogenannte windfall-profits.
Selbst wenn der Zertifikatspreis an der Strombörse sinkt, bleibt
der Strompreis oben. Der Politik ist das bekannt, es wird aber nichts
korrigiert und das wäre „unterlassene Hilfeleistung“ für
die Stromverbraucher und ein Schaden für den Standort Deutschland.
Vom Vorstandsvorsitzenden der E.ON Energie AG, Dr. Johannes Teyssen,
gab es keinen Widerspruch: das wäre politisch so gewollt und eben
Marktwirtschaft.
Stromverbrauchende und stromerzeugende Industrie liegen schon lange
im Clinch und die gegenseitigen Beschuldigungen sind hart. Die stromverbrauchende
Industrie meint, dass durch das Netzregulierungsgesetz die Monopolstrukturen
nicht angetastet wurden. Die Kürzungen von Netzentgelten kämen
beim Verbraucher nicht an. Die Netzkosten als Grundlage der Bewertung
würden zur Aufblähung der Kalkulationen führen. Die
Spanne zwischen den niedrigsten und den höchsten Kosten der Netzbetreiber
liegen im Verhältnis von 1 : 50. Da ist eine Anreizregulierung
zur Kostensenkung unbedingt erforderlich.
Insbesondere das „Schneckentempo“ bei der Wettbewerbsentwicklung
auf dem Gasmarkt erregt die Verbraucher. An den Netzeigentumsgrenzen
wurden 19 „Marktgebiete“ gebildet: „die Kleinstaaterei
im Gas-Deutschland ist Realität“. Nur im selben Marktgebiet
wäre derzeit ein Lieferantenwechsel möglich. Das Energiewirtschaftsgesetz
würde nicht umgesetzt.
Der Saal füllte sich, als Bundeswirtschaftsminister Glos seine
Ausführungen zur Energiepolitik machte. Glos beklagte die 80 %ige
Abhängigkeit Deutschlands vom Energieimport. Nur Kohle und Uran
stünden uns noch längere Zeit zur Verfügung. Uran gäbe
es noch 200 Jahre. Bisher gingen Berechnungen von 60 Jahren aus. Diese
Diskrepanz ist eine Anfrage der Links-Abgeordneten wert, wie die Ministerialbürokratie
im Wirtschaftsministerium auf diese Zahl gekommen ist.
Der vorhandene Energiemix dürfe nicht in Frage gestellt werden,
bei dem die Atomkraftwerke 50 % der Grundlast stellen und diese preiswert
liefern. Die Laufzeit müsste verlängert werden und eine Quotenübertragung
wäre richtig. Es würden durch die Atomkraftwerke auch bis
zu 150 Mio t CO²- Ausstoss verhindert. Auch diese Zahl muß geprüft
werden. Eine Koalitionsvereinbarung schien für Minister Glos nicht
zu existieren.
Von der deutschen Ratspräsidentenschaft bei der EU erwarte Minister
Glos 2007 einen Energieaktionsplan zur Effizienzsteigerung und über
eine Binnenmarktrichtlinie sollten allen Verbrauchern in der EU der
Strom- und Gasmarkt offenstehen. Dazu bedarf es einer europäischen
Strombörse. Aber der Strommarkt dürfe nicht reguliert werden.
Zur erneuerbaren Energie sagte er, dass deren Ausbau „kosteneffizient“ gemacht
werden müsste und das EEG müsse auf „Überförderung“ überprüft
werden. Keine guten Aussichten für diese Branche.
Der Vorstandsvorsitzende von E.ON , Dr. Johannes Teyssen, nahm im anschließenden
Vortrag den Ball von Minister Glos auf und will die deutsche Probleme
auf dem Energiemarkt mit einer „Europäisierung“ lösen.
Auf dem Europamarkt hätte E.ON nur noch 7 % Marktanteil und nicht
mehr 25%. Das wäre ja dann keine Marktbeherrschung mehr.
Mit einem E.ON-Programm versuchte er die „populistischen Forderungen“ der
Stromkunden zu unterlaufen, was ihm auch gelang. Hauptmerkmale: Europäisierung
des Marktes, klimaschonende Stromerzeugung durch CO² - Minimierung
fossiler Kraftwerke, zuverlässige bezahlbare Netze, Wettbewerb
im Vertrieb, Investitionen in den Kraftwerkspark bei Stillegung alter
Werke (3 KW sind im Bau, 6 geplant), 2,8 Mrd.€ Investitionen sind
zugesagt und für die Netze 2,8 Mrd. €.
Die „Vision für Europa“ sei eine „schnelle intensive
Europäisierung und Wettbewerbsorientierung unserer Branche statt
nationaler Alleingänge und staatlicher Eingriffe in die Märkte“
Fazit: Die Strompreise in Deutschland und Europa werden weiter
steigen, die Monopolstellung der Stromkonzerne wird auf höherem europäischen
Niveau zunehmen und die Profite der Branche werden weiter wachsen.
Mit der jetzigen Regierung wird es keine Energiewende geben, eher wird
das Erreichte zurückgedreht.
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