| Kohlendioxidsteuer
ist ein Ablenkungsmanöver
Götz Brandt
Wie sieht die Ökologische Plattform die Debatte über die Änderung
der Kraftfahrzeugsteuer auf Kohlendioxidausstoss?
Jede Massnahme ist erst einmal richtig, wenn sie denn zur Reduzierung
der Emissionen führt. Aber hier handelt es sich nach unserer Meinung
auch um ein Ablenkungsmanöver der Regierung.
Wovon will die Regierung denn ablenken?
Mit dieser Diskussion werden die Medien mit dem Streit über Wirksamkeit,
Sinnfälligkeit und Finanzierung dieser Massnahme gefüllt
und von anderen wichtigeren Themen abgelenkt. Es wird so getan, als
ob die Regierung gegen den in Deutschland in den letzten Jahren wieder
ansteigenden Klimagasausstoss etwas unternehmen würde.
Welche Themen wären denn wichtiger zu bearbeiten?
Da wäre zum Beispiel die Einführung eines Tempolimits auf
den Autobahnen. Der Vorschlag des Chefs des Bundesumweltamtes, das
Limit bei 120 km/h festzulegen, wurde von allen Seiten abgelehnt. In
vielen Ländern gibt es ein solches Limit schon. Mit einem solchen
Tempolimit könnten in Deutschland 5 bis 10 % des Treibstoffs eingespart
werden und der Import von 3 bis 5 Mio t Erdöl wäre überflüssig.
Das sind doch erhebliche Mengen. Aber das will die Auto- und Erdölindustie
nicht, da würde der Markt kleiner und natürlich auch die
Profit geschmälert.
Ein weiteres wichtiges Thema wäre die Senkung des Flottenverbrauchs
der Neuwagen. Die EU hat dazu Vorschläge gemacht, die von der
Auto-Kanzerlin abgelehnt wurden. Dabei brauchen wir in Deutschland
eine Senkung des Flottenverbrauchs auf 6 l/100 km und in einem weiteren
Schritt auf 5 l/100 km, um den Kohlendioxidausstoss zu senken.
Bekannt ist auch die Haltung der Bundesregierung bei der Einführung
von Russpartikelfiltern.
Alle Massnahmen, die die Menschheit vor der drohenden Klimakatastrophe
bewahren könnten, werden von der Regierung erst einmal abgeblockt.
Darüberhinaus werden dann Forschungsmittel für technische
Zwischenlösungen verschwendet: für Hybridmotoren, für
die Wasserstofftechnologie usw.. Dabei ist heute schon klar, dass in
30 bis 40 Jahren das Erdöl knapp und teuer werden wird und wir
nur noch auf erneuerbare Energie zurückgreifen können und
wir auch aus der Kohle kein Benzin machen können, weil die Chemieindustrie
diese braucht. Aber die Bundesregierung steckt zu wenig oder gar keine
Forschungsmittel in die Entwicklunhg von Elektroautos und Batterien.
Immerhin liegen 90 % aller PKW-Fahrten im Bereich unter 50 km, 50 %
sogar unter 30 km und 33 % unter 10 km. Im Stadtverkehr kann man ohnehin
nicht schneller als 80 km fahren, dafür genügt ein Elektroauto.
Die Franzosen haben diese Entwicklung längst erkannt und den Citoen
AX electric auf den Markt gebracht. Die deutsche Autoindustrie verschläft
mal wieder die Zukunft.
Wie sollte nach ihrer Auffassung die Linksparteifraktion im Bundestag
reagieren?
Sie müsste klarstellen, dass die Bundesregierung eindeutig die
Interessen der Auto- und Erdölindustrie vertritt und nicht die
Interessen der Bevölkerung. Sie müsste klarmachen, dass jeder ökologische
Denkansatz zwangsläufig antikapitalistisch ist. Nach unserer Meinung
ist die Fraktion zu zahm und angepasst in diesen Fragen.
Es müssen immer wieder medienwirksam die Fragen gestellt werden:
Was tut die Regierung , um ein Erneuerbares Wärmegesetz schnell
zu verabschieden. Warum werden in Deutschland nicht generell Energiesparlampen
eingeführt und gleichzeitig ein überflüssiges Atomkraftwerk
geschlossen? Wir haben das beispiel Cuba und Australien!.Warum wird
der Neubau von Kohlekraftwerken von der Bundesregierung nicht verboten?
Bei solchen und ähnlichen Problemen sollte sich die Bundestagsfraktion
profilieren.
Interview von Tom Strohschneider mit Prof. Götz Brandt, Mitglied
des Sprecherrates der Ökologischen Plattform bei der Linkspartei.
PDS
Neues Deutschland, 1.3.2007
|