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Grünes
Erbe braucht Rote
Soziale Forderungen mit Umwelt verknüpft
Steffen Schmidt
Im Mittelpunkt der Debatten auf dem ersten Parteitag der LINKEN in Cottbus
standen Umweltfragen nicht. Die Hauptthemen für die geforderte
Schärfung des Profils der Partei sehen Oskar Lafontaine und Lothar
Bisky woanders. Das ist allerdings auch schon vor der Vereinigung von
PDS und WASG nicht so viel anders gewesen.
Immerhin finden sich im Leitantrag des Vorstands und in dem 100-Punkte-Papier
der Bundestagsfraktion einige umweltrelevante Forderungen, angefangen
vom Festhalten am Atomausstieg bis hin zur Forderung, Deutschland möge
bis zum Jahre 2020 seinen Treibhausgasausstoß um 40 Prozent senken.
Die Mitglieder der Ökologischen Plattform in der LINKEN, die erst
Mitte Mai ihr erstes Treffen nach der Vereinigung der beiden Parteien
im tiefen Westen, in der Geburtsstadt von Karl Marx abhielten, dürften
damit allerdings noch nicht zufrieden sein. Denn die großen Umweltambitionen
in den Linkspartei-Papieren beißen sich mit mancher konkreten sozialen
Forderung etwa beim Benzinpreis. Deshalb geht der Parteitagsantrag der Ökologischen
Plattform auch ins Konkrete. Das ist freilich etwas anderes als die derzeitige »Klimapolitik« der
Großen Koalition und erfüllt zugleich die allgemeinen linken
Sätze zur Umwelt mit Inhalt. Denn das im Antrag geforderte verstärkte
Engagement für Förderprogramme zur wärmetechnischen Verbesserung
von Wohnhäusern ist langfristig sozial und umweltpolitisch effektiver
als bloße Heizkostenzuschüsse.
Aufmerksamen Beobachtern der Parteienlandschaft müsste inzwischen
aufgehen, dass nicht nur die SPD ihr soziales Erbe verspielt hat, sondern
auch die Grünen längst den systemkritischen Ansatz weitgehend
aufgegeben haben. Der Zusammenhang zwischen der Lösung der sozialen
Fragen und einer nachhaltigen Umweltpolitik wäre also durchaus ein
Feld zur Profilierung der Linkspartei. Die Gründung von fünf
neuen West-Landesgruppen der Ökologischen Plattform ist ein Anfang.
Neues Deutschland, 26.05.2008
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