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Eine Effizienzrevolution genügt nicht
Bundestreffen der Ökologischen Plattform diskutierte über
PDS-Programmentwurf
Manfred Wolf
Mitte Juni 2001 fand das diesjährige Bundestreffen der Ökologischen
Plattform bei der PDS statt. Diesmal ging es in erster Linie darum, Positionen
zu erarbeiten, die die PDS nach Meinung der Ökologen in ihre anstehenden
programmatischen Dokumente – Partei– und Wahlprogramm – aufnehmen
sollte.
Die Diskussion der Ökologen über die vorliegenden Entwürfe
zum Parteiprogramm verlief, soweit es um die außerökologischen
Probleme ging, nicht weniger kontrovers als die bisherige Debatte in
der gesamten PDS. So gab es Unverständnis darüber, dass die
PDS-Programmkommission den Prozess einer längerfristigen demokratischen
Erarbeitung nicht fortführen konnte oder wollte, was aber der Beschlusslage
der Parteitage entsprochen hätte. Kritik erntete der Entwurf des
Parteivorstandes für seine Länge und die einem Programm nicht
gemäße Weitschweifigkeit in der Argumentation, für unklare
bzw. sich widersprechende Formulierungen sowie nicht eingeführte
oder ausreichend erläuterte Begriffe. Einzelne Teilnehmer an dem
Bundestreffen lehnten den Vorstands-Entwurf grundsätzlich ab.
Weitgehende Zustimmung fand das Bestreben dieses Entwurfs, mit einem
Parteiprogramm vor allem Wege für Veränderungen, für praktische,
gestaltende linke Politik unter den real herrschenden Verhältnissen
aufzuzeigen bzw. diese nicht zu verbauen. Das Bundestreffen begrüßte,
dass die dringenden ökologischen Anforderungen an heutige und künftige
Politik im Entwurf den gebührenden Niederschlag gefunden haben.
Zu Recht finden sich ökologische Erwägungen in allen relevanten
Zusammenhängen – auch außerhalb des Abschnittes Umwelt.
So wird die Bewahrung oder Wiederherstellung einer lebenswerten Umwelt
zu einer zentralen Frage sozialistischer Programmatik und Politik erklärt.
Probleme liegen dann natürlich im Detail, wo die Konsequenz ökologischen
Denkens nicht eingehalten wird oder werden kann. Hier können nur
einige genannt werden. So heißt es in einer vom Bundestreffen verabschiedeten
Erklärung: »Wenn es im Programmentwurf heißt, dass eine
deutliche Verminderung der Naturbelastung und des Ressourcenverbrauchs
in den reichen Ländern zugunsten der Entwicklung der ärmeren
Länder geboten ist, so verbindet die Ökologische Plattform
damit auch ein sehr kritisches Verhältnis zum Wirtschaftswachstum
in den reichen Ländern. Eine ökologische Effizienzrevolution,
d.h. mit weniger Energie und Ressourcen mehr zu produzieren, erscheint
ihr nicht ausreichend für einen von maßgeblichen Instituten
berechneten Umfang notwendiger Reduzierung des Naturverbrauchs, zumal
die Effizienzrevolution ihrerseits einen erheblichen ›ökologischen
Rucksack‹ mit sich herumtragen wird.« Die PDS müsste
sich also schon zu Wachstumsregulierungen bekennen.
Im Programmentwurf wird von der Verantwortung der Wissenschaft für
unsere Zukunft gesprochen. Das ist grundsätzlich richtig. Es müsste
aber deutlicher gemacht werden, dass die Verantwortung für die Zukunft
bei der Politik liegt, also auch bei der Wissenschaftspolitik, und zwar
konkret dafür, dass sich die Gesellschaft als Ganzes ihre Souveränität
der Entscheidung über die Hauptrichtungen der wissenschaftlichen
Forschung und Entwicklung zurückholen muss, die die regierenden
Parteien an die Konzerne abgegeben haben. Gegenwärtig ist die Gesellschaft
hier besonders hilflos dem Diktat des Profits ausgeliefert. Dringend
wären jetzt demokratische hoheitliche Entscheidungen über Verbote »grüner« Gentechnologie.
Der im Programmentwurf eingeforderte Wandel der Lebensweise in den reichen
Industrieländern wurde vom Bundestreffen grundsätzlich begrüßt.
Aber auch hier muss bis zu Ende gedacht werden. Es wird von den Ökologen
nicht verkannt, dass hier die Hauptschwierigkeit einer sozialistischen
Partei wie der PDS liegt, die ihre soziale Hauptaufgabe stets darin sah,
für die Wenigerverdienenden höhere Einkünfte zu fordern.
Dazu steht die Partei natürlich auch heute, gerade angesichts einer
geradezu konzertierten Politik der Umverteilung von unten nach oben.
Die PDS muss sich aber klar werden, dass mit Forderungen nach Einkommenszuwächsen
aus der Spirale Preis-Einkommen-Massenproduktion-höherer Naturverbrauch
nicht herauszukommen ist, insofern bleibt dies Teil des weltweiten Problems
Umwelt. Man sollte endlich den Mut finden, die anderen Komponenten einer
neuen Lebensweise – Bildung, Kultur, Gesundheit, saubere Umwelt,
Lebenssicherheiten, solidarische zwischenmenschliche Beziehungen – in
den Vordergrund der PDS-Politik zu rücken und diese zur Grundlage
einer neuen Lebensqualität zu machen. Es geht eben um eine neue
Ausrichtung der ganzen Politik, um einen ökologischen Umbau der
Gesellschaft.
In dem Zusammenhang muss auch die geforderte Einheit von sozialer, ökologischer
und ökonomischer Nachhaltigkeit hinterfragt werden. In diesem Dreiecksverhältnis
muß es eine Dominanz geben – und das ist die ökologische
Nachhaltigkeit. So hat es übrigens auch die Weltkommission für
Umwelt und Entwicklung in ihrem Bericht »Unsere gemeinsame Zukunft« von
1987 gesehen. Alles andere sind Zugeständnisse an die uneingeschränkte
Ausbeutung der Natur durch die großen Konzerne, die den Begriff
Nachhaltigkeit gern in ihrem Sinne interpretieren.
Die Ökologische Plattform will auch weiterhin mit kritischen Beiträgen
an der Programmdebatte teilnehmen. Sie wünscht sich dafür einen
angemessen langen Zeitraum, die gleichberechtigte Einbeziehung aller
Programmentwürfe sowie Sachlichkeit bei allen Beteiligten.
(Neues Deutschland, 18.06.2001)
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