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Plattform
in Lychen
Bundestreffen der Ökologen in und bei der PDS
Manfred Wolf
Die Ökologische
Plattform bei der PDS ist seit acht Jahren aktiv, um das ökologische
Bewusstsein bei Mitgliedern dieser Partei und ihren Sympathisanten zu
entwickeln und zu stärken. Sie will erreichen, dass in der PDS-Politik
die Aufgaben, die zur Stabilisierung und Verbesserung der natürlichen
Lebensgrundlagen gelöst werden müssen, ein größeres
Gewicht erhalten. Diese dürfen bei keiner Entscheidung über
unsere wirtschaftlichen, sozialen und sonstigen Lebensverhältnisse
unbeachtet bleiben.
Mehr noch. Mit unseren Ansprüchen an das Leben müssen wir uns
auf die endlichen Möglichkeiten der Natur einstellen – das meint:
Deren Belange stehen an erster Stelle. Nur so und nicht anders kann nachhaltiges
Wirtschaften verstanden werden. Allgemein ist diese Aussage noch relativ
leicht zu vermitteln. Wird es konkreter, wiegen die ökonomischen und
sozialen Interessen, die Besitzstände der sozialen Klassen und Schichten
in der Regel schwerer. Ein Problem, vor dem jede Partei steht, die PDS
eingeschlossen. Man glaubt, der Weltuntergang ist noch fern, aber die
Wahlen sind nah.
Die bisherigen Regierungsparteien setzen deshalb auf die Einsicht
und die Regulierung durch die kapitalistische Marktwirtschaft – statt auf
die Planung der Zukunft. Die PDS fühlt sich vor allem ihrer guten
Tradition als Vertreterin der sozialen Interessen derjenigen mit geringerem
Einkommen verpflichtet. Das ist in Ordnung und muss akzeptiert werden – aber
nur dann, wenn zu den sozialen Interessen auch die Erfordernisse der Natur
gezählt werden. Denn der sorglose Umgang mit den natürlichen
Lebensgrundlagen tangiert schon heute die Menschen sehr stark und wird
es morgen noch viel stärker tun.
Leider gibt es bei der PDS noch zu viele Zugeständnisse an so genannte
Sachzwänge – sprich, an die Interessen der Konzerne. Zugeständnisse,
die man macht, um nicht immer als Buh-Mann hingestellt zu werden oder um
Regierungsfähigkeit nachweisen zu können, manchmal auch im trügerischen
Vertrauen auf Arbeitsplätze. Anders ist das schließliche Mittragen
des Ausbaus des Autobahn- und Fernstraßennetzes oder des Flughafenausbaus
bei Berlin durch PDS-Regierungen kaum zu verstehen.
Unter diesen Bedingungen stoßen die »Öko-Aktivisten« nirgends
gleich auf Verständnis. Auch nicht in der PDS. Die unmittelbare Tagespolitik
hat das Sagen, allenfalls werden unverbindliche Zukunftsvisionen zugelassen.
Da kommt es auch vor, dass Parteitagsanträge aus der ökologischen
Ecke gar nicht erst zur Debatte zugelassen werden sollen, wie auf dem letzten
Parteitag geschehen. Immerhin ist es im Nachhinein gelungen, dass der Parteivorstand
der PDS einen Antrag der Ökologischen Plattform zum Beschluß erhob,
der sich kritisch zum beabsichtigten Flughafenausbau in Schönefeld äußert.
Ihr diesjähriges Bundestreffen veranstaltet die Ökologische
Plattform bei der PDS am 15./16. Juni in Lychen im Projektzentrum Ökostadt
(Neues Deutschland, 03.06.2002)
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