Debattenbeiträge
Zur Ökologischen Konferenz der Linkspartei.PDS Brandenburg
im September 2005
Wolfgang Thiel, Die Linkspartei.PDS – Landtag Brandenburg
Es ist gut, (weil auch dringend erforderlich), dass sich eine moderne
Linkspartei zum Ziel setzt, die soziale Frage im Einklang mit der Natur
und der Umwelt zu lösen. Ökologische Konferenzen (wie zuletzt
anfang September 2005 wieder vorbildlich im Brandenburger Landesverband
der Linkspartei.PDS praktiziert) dienen nicht nur der Positionssuche,
der Diskussion über Mittel und Instrumente der Wissenschaft und
Technologie, sondern vor allem auch mit Akteuren unterschiedlichster „Lager“ im
gemeinsamen Kampf für eine zukunftsfähige und nachhaltige Wirtschaftskraft
im Lande und anderswo.
Es gibt dieser Tage viele unterschiedliche Gründe, um sich über
die Zukunft der Umwelt- und Klimapolitik ernsthaft Gedanken zu machen:
Der Hurrikan und seine Auswirkungen über New Orleans in den USA
deutete an, welche weit reichenden Folgen der Klimawandel haben kann.
In den europäischen Alpen hat man jüngst erlebt, wie schlecht
es vielerorts um eine gute Hochwasservorsorge als Teil des Umweltschutzes
bestellt ist.
Nicht zuletzt: Auf den Weltmärkten für Rohöl steigen aus
bekannten Gründen die Preise ins Uferlose; die neue Preisrunde für
Erdgas zeigt zudem, wie dringend es ist (neben notwendiger Senkung umweltrelevanter
Schadstoffemmissionen), unabhängiger von fossilen Energieträgern
wie Gas, Öl oder Kohle - auch auf Grund ihrer natürlichen Begrenztheit
- zu werden.
Auf all das und mehr haben immer wieder Experten (nicht zuletzt Klaus
Töpfer - Chef der Umweltbehörde der Vereinten Nationen und
bekennender CDU-Politiker) in der Vergangenheit eindringlich verwiesen.
Die Entwicklung einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Energiepolitik
mit der Zielstellung, den Energieverbrauch dauerhaft vom Wirtschaftswachstum
abzukoppeln und vollständig auf erneuerbare Energieträger umzustellen,
wird mehr und mehr Herzstück einer umfassenden Daseinsvorsorge heutiger
und vor allem nachfolgender Generationen.
Von diesem Geist waren erfreulichermaßen die Atmosphäre und
die Diskussion auf dieser Konferenz geprägt. Zahlreiche Ideen für
parlamentarisches und außerparlamentarisches Wirken wurden dargestellt
und diskutiert, Nachdenkenswertes aufgezeigt (z. B. weitere Diskussion
der Primärenergiesteuer, Zukunft der Braunkohle im Energieland Brandenburg,
enger Zusammenhang von Krieg und wachsendem Rohstoffbedarf, Notwendigkeit
verstärkten Kampfes gegen neoliberales Denken und Handeln u.a.m.).
Vor diesem Hintergrund ist es übrigens geradezu anachronistisch,
was man derzeit aus der Wirtschaft zum Thema Klima- und Umweltschutz
zu hören bzw. zu lesen bekommt.
Dabei haben Naturzerstörung, Arbeitsplatzvernichtung und sozialer
Niedergang bekannterweise dieselbe wesentliche Ursache: Eine Wirtschaft,
die sich selbst genügt, die Natur und Menschen gleichsam als frei
verfügbare Güter zur Profitmehrung und -maximierung betrachtet.
Offensichtlich lotet derzeit die Wirtschaftslobby aus, wie wichtig dem
Volk die Umwelt noch ist. So hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag
(DIHK) anfang September 2005 ein Papier beschlossen mit dem Titel "Für
einen Strategiewechsel in der Umweltpolitik. Erwartungen der Wirtschaft
an die künftige Bundesregierung".
Das liest sich streckenweise, als käme es aus der umweltpolitischen
Steinzeit. Deutschland könne nicht weiter "... einseitig und
dauerhaft Vorreiter beim Umweltschutz sein", heißt es da.
Zu viel schade dem Wachstum und verhindere Investitionen. Deswegen müsse
die (künftige) Bundesregierung das klimapolitische Ziel Deutschlands
aufgeben, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 40 Prozent
zu reduzieren. Auch die "ökologisch motivierte Belastung" der
Energiepreise müsse gesenkt werden.
Im Klartext heißt das: Statt erneuerbarer Energien etwa mit Hilfe
der Ökosteuer oder der Stromumlage zu fördern, sollte die Politik
(nach den Vorstellungen der Wirtschaftslobby) wieder stärker auf
Kohlekraftwerke und Atomenergie setzen.
Noch radikaler äußert sich der Bundesverband der Deutschen
Industrie (BDI). Er forderte jüngst nicht mehr und nicht weniger
als den Ausstieg aus dem Klimaschutzprotokoll von Kyoto. "Dieser
Ansatz ist gescheitert ...", schrieb der BDI in einem Strategiepapier
und empfahl der (nächsten) Bundesregierung, sich klimapolitisch
die USA zum Vorbild zu nehmen. US-Präsident George W. Bush weigert
sich bekanntlich, das weltweit einzige verbindliche Abkommen zur Minderung
von Treibhausgasen zu unterzeichnen. Statt dessen setzt er mit einigen
wenigen Hardlinern wie Australien auf die Entwicklung neuer Klimaschutztechniken,
von denen bislang niemand weiß, ob es sie je geben wird.
Die aktive Teilnahme Deutschlands am Kyoto-Protokoll aber war bislang über
alle Parteigrenzen hinweg Konsens. Das gilt trotz so mancher Unterschiede
im Detail auch für die schon in der Kohl-Zeit formulierten Klimaschutzziele
und die Förderung der erneuerbaren Energien etwa aus Wind, Sonne
und Biomasse.
Warum also bläst die Wirtschaft ausgerechnet jetzt zum Generalangriff
auf die Grundpfeiler der deutschen Klima- und Umweltpolitik?
Es ist mit Sicherheit nicht nur dem Wahlkampf geschuldet. Aber: Aus Sicht
der Wirtschaft scheint sich erstmals seit Jahren die Möglichkeit
wieder auf zu tun, dass sich „der Wind drehen“ könnte.
Einige Beispiele: Bis vor kurzem überboten sich Union, FDP und Teile
der SPD mit Anti-Umwelt-Rhetorik nach dem Motto: Umwelt- und Klimaschutz
koste Jobs. Dass diese These auch von konservativen Experten längst
widerlegt ist, tut da nichts zur Sache. Die Opposition konnte selbst
das Ende für den Atomausstieg ankündigen, ohne dass es zu Protesten
kam. Und die Grünen, die bisher einzige bundesweite Partei mit halbwegs
glaubhafter Umweltkompetenz, wird in der nächsten Regierung womöglich
keine Rolle mehr spielen.
In solch einem politischen Umfeld lässt man als „kluger“ Lobbyist
so manchen Testballon steigen. Noch ist nicht klar, ob die Einschätzung
der Wirtschaft zutrifft, dass Umweltbelange beim Wahlvolk derzeit keine
Rolle spielen - trotz Hurrikans, Fluten und hohen Ölpreisen.
Klar ist jedoch, dass Natur und Umwelt verstärkt negativ reagieren
gegenüber menschlichem Handeln, das mit ihnen nicht im Einklang
steht.
Darauf hat auch die 5. Ökologische Konferenz der Brandenburger Linkspartei.PDS
mit ihren nachlesenswerten Thesen und ihrer zielführenden Diskussion
verwiesen.
Den Initiatoren/innen und Akteuren/innen gebührt Dank und Anerkennung.
Zur 5. Ökologischen Konferenz
Der PDS Brandenburg in Müncheberg am 3.9.2005
Diskussionsbeitrag von Prof. Götz Brandt
In der Tarantel Nr. 29 sind die Thesen zu dieser Konferenz veröffentlicht
worden. Sie gehen ausführlich auf die globalen Zusammenhänge
und die Europa- und Deutschlandpolitik ein. Da will ich nichts hinzufügen,
das findet meine volle Zustimmung. Erwartet hatte ich jedoch mehr Bezug
auf das Land Brandenburg mit Beispielen und konkreten Politikvorschlägen.
Die Thesen fordern ja: „Es muss gehandelt werden, bevor es zu spät
ist“ und in These 12 wird ein zukunftsfähiges Umsetzungskonzept:
für Brandenburg gefordert. Dazu möchte ich einen Diskussionsbeitrag
geben.
Zu These 1 zum geforderten ökologischen Umbau
Was bedeutet ökologischer Umbau der Gesellschaft in Brandenburg?
Welche Forderungen müsste die Linkspartei stellen? Zum einen sollten
die Lebensgewohnheiten der Bürger und zum anderen die Arbeitsweise
der Unternehmen betrachtet werden.
Was muss z.B. der Bürger zur Energieeinsparung machen, damit seine
Nachkommen überleben können?
Ein Drittel der verbrauchten Gesamtenergie entfällt in Deutschland
auf die Raumwärme und 5% auf Warmwasser, das sind zusammen 36%,
die sich auf fossile Brennstoffe stützen. Die Bürger auch unseres
Landes müssen hier schrittweise ihre Lebensgewohnheiten umstellen.
An erster Stelle stehen die Wärmedämmung der Gebäude und
die Senkung des Gas- und Heizölverbrauchs.
Politikvorschlag: Wie in Israel gesetzlich vorgeschrieben, sollten auch
in Brandenburg Neubauten grundsätzlich mit Fotothermischen Anlagen
ausgerüstet werden. Auch: für Nachrüstungen bei Altbauten
sollte der Bau solcher Anlagen durch staatliche Zuschüsse und Krediterleichterungen
stimuliert werden. Das gleiche trifft auf die in den Thesen genannte
Wärmedämmung der Gebäude zu. Zu diesem Problemkreis sollte
die PDS-Fraktion einen Gesetzesvorschlag einreichen und beharrlich durchsetzen,
weil auf diesem Gebiet die größten Einsparungen mit wenig
Aufwand zu erreichen sind.
Die Finanzierung: für diesen Vorschlag sollte aus den Mitteln erfolgen,
die bisher sinnlos: für so genannte Leuchttürme ausgegeben
wurden. Wenn man die Millionen Fördermittel, die unnötig in
den Lausitzring, die Chipfabrik und den Cargolifter gesteckt wurden,
zusammenzählt, dann kommen im Landeshaushalt die benötigten
Mittel zusammen, die für den Ersatz von Heizöl und Erdgas notwendig
sind.
Das bedeutet, man muss auch die Fördermittelpolitik des Landes
kritisch betrachten. Warum müssen großen Firmen und Monopolen
Steuermittel geschenkt werden? Diese Mittel können doch auch als
Kapitalanteil des Landes in die Firmen eingebracht werden, zum Beispiel
zur Anlaufunterstützung, unter Verzicht auf einige Jahre Gewinnausschüttung.
Fördermittel für Großbetriebe sollten in Zeiten der Stagnation überhaupt
nicht an Konzerne gegeben werden, sondern an kleine Firmen mit umweltfreundlichen
Technologien.
Zu These 2 PDS-Programm
Diese These ist vom Standpunkt eines Ökologen zu positiv und zu
unkritisch abgefasst. Das Parteiprogramm von 2003 hat auch ökologische
Schattenseiten. Ich zitiere: „Die PDS bejaht die Regulationspotenzen
des Marktes, die allerdings durch private Monopolbildung deformiert und
untergraben werden". Und weiter: "Unternehmertum und Gewinninteresse
sind wichtige Bedingungen von Innovation und betriebswirtschaftlicher
Effizienz". Wir befürworten also das Gewinnmachen. Und weiter: "Notwendig
ist ein neuer Typ des wirtschaftlichen Wachstums und des wissenschaftlichen
und technischen Fortschritts". Grundsätzlich sind wir also
für Wirtschaftswachstum. "Die Stärkung der Massenkaufkraft
auf den Binnenmärkten ist ein Weg zu einer neuen Art von Vollbeschäftigung“.
Also, zusammengefasst sagt das Programm: Höherer Rohstoffverbrauch,
mehr Energieverbrauch, mehr Konsum, mehr Wachstum, mehr Profit. Wie soll
mit dieser programmatischen Zielstellung mehr Nachhaltigkeit geschaffen
werden? Dazu habe ich in den Thesen eine kritische Wertung vermisst.
Zu These 3 Klimawandel
Alle internationalen Konferenzen, Beschlüsse oder Selbstverpflichtungen
zu den klimarelevanten Emissionen haben bisher keinen Erfolg gehabt.
Das sind Alibi-Veranstaltungen, um die Welt zu beruhigen. Es gibt keine
Verlangsamung des Emissionsausstoßes, sondern einen absoluten Anstieg
des Energieverbrauchs. Das sind die Tatsachen. Die Erwärmung der
Erde wird kommen, wenn der neoliberale Kapitalismus nicht abgeschafft
wird. Klimaschutz ist zu teuer und schmälert den Profit. Diese Zusammenhänge
hätte man in den Thesen deutlicher darstellen können.
Wir müssen fordern, dass Deutschland weltweit als Vorreiter und
Vorbild bei der Umstellung auf Erneuerbare Energien dasteht. Die technischen
Möglichkeiten sind vorhanden, um bis 2050 100% auf Erneuerbare Energie
umzustellen. Das haben wir in der Tarantel Nr. 28 vorgerechnet.
Zu These 4 Anpassung an Klimawandel
Die Natur und damit der Klimawandel haben eigene Strategien, die menschlichen
Einflüsse zu kompensieren. Diese Naturreaktion ist allerdings nicht
menschenfreundlich. Siehe Hurrikan Katrin. Wir müssen also, wie
es in den Thesen gefordert wird, eine Anpassungsstrategie entwickeln.
Für Brandenburg heißt das, in den nächsten Jahrzehnten
werden wir weniger Niederschläge (1/3) und mehr Wärme haben.
Die Landschaft versteppt. Wie das ausgeht, sehen wir zurzeit in Portugal,
Südfrankreich und Griechenland. Der Süden Brandenburgs war
schon immer ein Waldbrandschwerpunkt. Dort werden die Wälder zuerst
abbrennen und Steppe oder Sandwüste entsteht. Der Grundwasserspiegel
wird weiter absinken und wir werden Probleme mit der Trinkwasserversorgung
bekommen. Wie sollen wir uns da anpassen? Die Abwanderung vieler Brandenburger
in den Westen ist aus dieser Sicht, wenn das auch makaber klingt, eher
positiv zu sehen.
Zu These 5 Energiewende
Wie sollte in Brandenburg eine Energiewende aussehen? Da muss man sich
zuallererst mit dem Vattenfall-Konzern auseinandersetzen und mit der
Braunkohleverstromung. Braunkohle hat von allen fossilen Brennstoffen
die höchste spezifische Kohlendioxid-Emissionen.
Was bietet Vattenfall an? Eine sog. clean-coal-technology, bei der man
das Kohlendioxid nach dem Verbrennungsvorgang auffangen und anschließend
in Bergwerke versenken will.
Die in Deutschland vorhandenen verwendbaren unterirdischen Speicher sind
in 7 Jahren gefüllt, wenn alle Kohlekraftwerke mit Abscheidern für
Kohlendioxid ausgerüstet werden.
Diese Technologie würde die Investitionen für ein Kohlekraftwerk
verdoppeln und damit auch den Preis des Stromes, der dann eben so hoch
wäre wie Strom aus erneuerbarer Energie von Windkraft und Biogas.
Da können wird doch gleich auf erneuerbare Energie umsteigen.
Damit ist klar, dass uns Vattenfall eine Scheinlösung vorgaukelt.
Auch Wärmedämmmaßnahmen wären viel kostengünstiger.
Was muss von Vattenfall verlangt werden? Investitionen nur noch in erneuerbare
Energien, wie Windparks off-shore und Fotovoltaikfelder mit mindestens
5 MW Kapazität, wie es Shell und BP in Sachsen in ausgekohlten Tagebauen
vormachen. Für den Neubau von Kraftwerken mit fossil-nuklearen Brennstoffen
darf es keine Standortgenehmigung mehr geben. Die vorhandenen Kraftwerke
müssen nach Ablauf der Amortisationszeit geschlossen werden und
dürfen nicht länger produzieren.
Entflechtung des Konzerns in Stromerzeugung, Netzbetrieb und Stromhandel,
wobei der Netzbetrieb in staatliche Hand gehört, weil er das Nadelöhr
der Versorgung ist und kleineren Anbietern von erneuerbarem Strom den
Zugang zum Netz gewährt, was bei der Monopolstellung des Vattenfall-Konzerns
nicht gewährleistet ist.
Die Ökologische Plattform bei der PDS hat eine Empfehlung für
die Basisorganisationen ausgearbeitet, die Ratschläge für die
Einführung von erneuerbarer Energie geben. Sie liegt hier zum Mitnehmen
aus.
Zu These 6 Verkehrswende
Die meisten Probleme auf diesem Gebiet müssen auf Bundesebene gelöst
werden, wie das in den Thesen dargelegt ist. Aber wir könnten als
Brandenburger genau das fordern, was die Schweizer realisiert haben:
an der Grenze LKW auf die Bahn, Transport durch die Schweiz auf der Schiene.
Wenn wir den täglichen Güterstrom auf der A 2 von und nach
Polen auf die Bahn verlagern könnten, wäre das eine große
Umwelttat.
Wir müssen uns deshalb gegen einen Börsengang der Bahn stellen,
weil dann nicht nur der Güterverkehr von den Gleisen verschwindet,
sondern auch ein Teil des dann unrentablen Personenverkehrs. Bei einer
Privatisierung der Bahn wird der ÖPNV verschlechtert, wie es in
England zu studieren ist, wo jetzt wieder zurückgerudert wird.
Wir können die Verkehrsströme auch durch unser Einkaufsverhalten
beeinflussen. Müssen wir denn Kohlrüben aus Schottland, Spargel
aus Peru, Äpfel aus Neuseeland, Birnen aus China usw. kaufen? Gleichwertige
Ware wird in unserer Nähe produziert.
Umsteigen auf Autos ohne Emissionen. Eigentlich müssten wir sofort
auf fossile Kraftstoffe verzichten und auf Pflanzenöl und erneuerbare
Energien wie Gas und Strom umsteigen. Der Umstieg auf Elektroautos ist
noch die beste Lösung für den Nahverkehr. Bei einem Verbrauch
von 13 kWh/100 km (Citroen AX elektric) und 10 000 km Fahrleistung im
Jahr kann man sich seinen Strom fürs Auto auf dem Dach mit 10 m2
Fotovoltaikanlage selbst erzeugen. Das könnte eine Lösung für
Wenigfahrer und Kurzstreckenfahrer sein.
Zu These 7 und 8 Landwirtschaft und Wasser
Die Sofortmaßnahmen und Forderungen sind in diesen Thesen aufgezählt.
Wenn wir aber 10 bis 20 Jahre weitersehen, dann wird sich unsere Kulturlandschaft
völlig verändern und damit auch die Landwirtschaft. Das mediterrane
Klima wandert jährlich etwa 15 bis 30 km nordwärts. Das Wasser
wird knapp. Die Landwirtschaftsbetriebe müssen auf trockenresistente
Pflanzen umstellen, z.B. auf Hirse.
In 20 Jahren wird es nur noch wenig und teuren Stickstoffdünger
geben, was ertragsbegrenzend wirkt. Für eine Tonne N-Dünger
werden 11000 kWh gebraucht, um ihn aus der Luft zu gewinnen. Wir kommen
zu einer extensiven Biolandwirtschaft. Wer schon jetzt beginnt, sich
umzustellen, der hat die Produktionserfahrungen.
Zu These 9 Bevölkerungswachstum
In dieser These wird die Welt- und Europapolitik angesprochen. Wie ist
aber das Spannungsfeld in Brandenburg auf diesem Gebiet? Wir werden nicht
mehr, sondern eher weniger Menschen. Nur im Speckgürtel wird weiter
zersiedelt und versiegelt. Landschaft wird zerstört und zerschnitten
und in der Stadt werden Wohnblöcke abgerissen. Das ist eine Entwicklung,
die nicht umweltgerecht ist. Was kann getan werden? Eigenheimzulage im
Speckgürtel muss auf alle Fälle abgeschafft werden. Die geplanten
Obergrenzen für die Bevölkerungsentwicklung müssen eingehalten
werden und nicht, wie üblich, werden sie überall in den Vorortgemeinden überschritten
Argumentation zu Problemen des Natur- und Umweltschutzes
Prof. Dr. Erich Rübensam
Als linke Partei PDS unterstützen wir alle ehrlichen Bemühungen
zum wirksameren Natur- und Umweltschutz sowie dazu notwendigen Einsatz
der Fördermittel. Gleichzeitig wenden wir uns gegen den Missbrauch
der hehren Bestrebungen mit demagogischen Argumenten sowie kontraproduktiven
Orientierungen und Regelungen durch maßgebende Politiker in Agrar-
und Umweltpolitik.
Das gilt insbesondere für die außerordentlich ernste Situation
im Klimageschehen. Es ist richtig und dringend notwendig, dass sich neben
der Wissenschaft jetzt auch die Politik ernsthafter der beängstigenden
Entwicklung des Klimas zuwendet, weil die Existenz großer Teile
künftiger Generationen der Menschheit außer Massenvernichtungswaffen,
Hunger und Seuchen durch die Auswirkungen der Klimaverschlechterung bedroht
wird.
Auf der Konferenz in Peking musste kürzlich festgestellt werden,
dass die katastrophalen Auswirkungen der menschlich verursachten Verschlechterung
des Klimas noch schneller voranschreiten als in Kyoto eingeschätzt
wurde. Nach Stefan Rahmsdorf vom Institut für Klimaforschung Potsdam
lässt der Anstieg der Temperaturen durch den Treibhauseffekt das
Eis von Nord- und Südpol schneller schmelzen als bisher befürchtet
und löst immer mehr Naturkatastrophen aus, wie Hurrikane und Taifune
sowie Dürren und Überschwemmungen.
Nach Einschätzung der Experten reichen die bisherigen Aktivitäten
nicht aus, die Klimaverschlechterung zu stoppen. Wie Daniela Dahn in "Demokratischer
Abbruch" treffend formulierte, sind "schmelzende Pole wie brennende
Zündschnüre".
Obwohl seit langem bekannt und unbestritten ist, dass als Wesen der
Assimilation und Photosynthese durch die Pflanzen der Atmosphäre
C02 entzogen wird, das klimaverschlechternde Schadgas also produktiv
zum Wohle der Menschen genutzt wird, ist deshalb unverständlich
und unverantwortlich, diese nicht ersetzbare Leistung der Pflanzenproduktion
bei den Bilanzen der Entwicklung des Schadgases in der Atmosphäre
und den Maßnahmen zu seiner Reduzierung nicht zu berücksichtigen.
Die bei der Assimilation durch die landwirtschaftlichen Kulturpflanzen
der Atmosphäre entziehenden C02-Mengen betragen in Deutschland jährlich über
200 Mio. Tonnen (von rund 17 Mio. Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche
mit Hektarerträgen von etwa 6 Tonnen Trockenmasse). Das ist die
20-fache Menge der in Durchrührung des Kyoto-Protokolls in Deutschland
vorgesehen Reduzierung der hauptsächlich von der Industrie verursachten
C02-Emission der Atmosphäre. Mit einer Steigerung der Pflanzenproduktion,
die durch Bestellen der unsinnig stillgelegten Flächen und Ertragserhöhung
ohne Schwierigkeiten um mehr als 10% möglich ist, kann die Atmosphäre
in einer Größenordnung von Schadgas weiter entlastet werden,
die die jetzt in Deutschland geplante Menge übertrifft.
Über die Minderung des Schadgases in der Luft und die unverzichtbare
Bereitstellung von Nahrung, Futter und Rohstoffen hinaus gewinnt die
Pflanzenproduktion an Bedeutung durch die effektivste Nutzung der unerschöpflichen
Sonnenenergie. Falls die Politik aus Profitgründen keine Lösungswege
schafft, unserem humanistischem Gewissen folgend durch die mögliche
Produktionssteigerung den Hunger von vielen Hundert Millionen Menschen
einzuschränken, lassen sich durch Bioethanol bisher ungeahnte Möglichkeiten
zur Erdölablösung erschließen, das aus Getreide und Raps
zu gewinnen ist. Nach dem Beispiel der bei Schwedt in Betrieb genommenen
Großanlage, die 550 000 Tonnen Roggen zu 150 000 Tonnen Bioethanol
verarbeitet, und weiteren im Bau bzw. Ausbau befindlichen Anlagen werden
insbesondere dem Erweitern des Roggenanbaus günstige Möglichkeiten
geboten. Damit können besonders in den Ost-Gebieten mit leichten
Böden Arbeitsplätze erhalten bzw. geschaffen und damit die
weitere Entvölkerung mit nachfolgendem Verfall von Dörfern
gestoppt werden.
Allen Bürgern muss bewusst gemacht werden: Im gesamten Naturgeschehen
haben Land- und Forstwirtschaft die Lungen- und Nierenfunktion. Ohne
die unersetzlichen Leistungen der Land- und Forstwirtschaft mit der Assimilation
ihrer Pflanzen wäre die Menschheit längst erstickt.
Da die Pflanzen bekanntlich nur wasserlösliche Nährstoffe
aufnehmen, ist es egal, ob diese organischen oder mineralischen Düngern
entstammen. Entscheidend ist sowohl für hohe Erträge als auch
für beste Qualität der Produkte und Schonung der Umwelt die
bedarfsgerechte Bemessung aller eingesetzten Düngemittel. Um diese
Dreieinigkeit der Zielstellung sind alle heutzutage gebildeten und verantwortungsbewussten
Landwirte erfolgreich bemüht.
Auch Pflanzenschutzmittel verursachen bei der aufgewendeten geringen
Dosis keine Schäden an Natur und Umwelt. Es gilt immer noch die
bereits von Paracelsus gewonnene weise Erkenntnis: "Alle Dinge sind
Gift und nichts ist ohne Gift. Die Menge allein macht, dass ein Ding
kein Gift ist."
Schließlich weiß jeder gebildete Mensch, dass auch die Humanmedizin
nicht ohne Medikamente auskommt, deren Wirkstoffe Gift sind, die bei Überdosierung
tödlich wirken. Es geht deshalb um integrierten Pflanzenschutz;
wie er von der Agrarwissenschaft erarbeitet und in der Praxis vielfältig
erprobt wurde. Dazu gehört die Nutzung aller Möglichkeiten
ohne Chemie, wie resistente Sorten, Fruchtfolgegestaltung, biologische
Schädlingsbekämpfung u.a. und nur dort Einsatz von Chemikalien
in homöopathischer Dosis, wo es noch keine anderen Möglichkeiten
gibt. Es sollte auch nicht geduldet werden, aus dem Fehlverhalten einiger „schwarzer
Schafe“ den ganzen Berufsstand zu diskriminieren; z.B. den Einsatz
in Deutschland verbotener Pflanzenschutzmittel, von deren Unterlassen
nach Feststellung des Naturschutzbundes NABU häufig weniger qualifizierte
Nebenerwerbsbauern weder durch Aufklärung noch durch gutes Zureden
zu bewegen waren.
Auch das Argument, nur 5% der Bevölkerung seien in der Landwirtschaft
tätig, und deshalb sei der Anteil an den von der EU gezahlten Fördermitteln
zu hoch, wie Konzernvertreter behaupten, wird der essentiellen Leistung
dieses Wirtschaftszweiges für die Gesamtgesellschaft keinesfalls
gerecht und ist irreführend.
Wie Prof. Dr. Klaus Böhme in "Neue Landwirtschaft" 6/2005
richtig ausführt, „fühlen sich die Bauern durch die grüne
Verbraucherschutz- und Umweltpolitik nicht unterstützt, sondern
schikaniert....Sie wollen keine Spaltung in konventionelle und Ökobetriebe.
Spione auf den Feldern sind für jeden Landwirt Zeichen von abgrundtiefem
Mißtrauen“.
Obwohl im Ernährung- und agrarpolitischen Bericht der Bundesregierung
2002 des BMVEL erwähnt wird, dass Pflanzen und Mikroorganismen CO2
in ihre Biomasse einbinden, die sie der Atmosphäre entziehen, und
z.T. langfristig in Bodenhumus überführen oder in Produkten
aus nachwachsenden Rohstoffen speichern, werden diese "Senken" in
der CO2 Bilanz Deutschlands nicht berücksichtigt, erst Recht nicht
die weitaus größere Masse der übrigen Ernteprodukte.
Lediglich dem Wald wird eine „Nettosenke“ von jährlich über
30 Mio. Tonnen C02 aus der Atmosphäre in Deutschland zugewiesen.
Bei einer vorn BMVEL geplanten Erweiterung des „Ökologischen
Landbaues“ von jetzt 6% auf 20% der landwirtschaftlichen Nutzfläche
würde durch die um etwa ein Drittel verminderte C02 Aufnahme die
Entlastung der Atmosphäre von CO2-Schadstoff in Deutschland um mehr
als 10 Mio. Tonnen verringert, also zur Klimaverschlechterung beigetragen.
Größte Anstrengungen müssen künftig jedoch darauf
gerichtet werden, die CO2-Aufnahme der land- und forstwirtschaftlichen
Nutzpflanzen zu erhöhen als effektivste Form der Sonnenenergienutzung
sowie zu Minderung des Treibhausgases und damit der Klimaverschlechterung.
Der jetzt kontraproduktiv wirkende Einsatz von Fördermitteln für
die Stilllegung von landwirtschaftlicher Nutzt1äche und Begrenzung
der Pflanzeproduktion muss deshalb zur besseren Ausschöpfung von
Ertragsreserven erfolgen. Der Beitrag der Landwirtschaft zur Verringerung
der C02-Belastung der Atmosphäre sollte von den Verursachern der
Emission auch durch Einbeziehen in den Emissionshandel honoriert werden.
Mit der Einsicht, welche unersetzlichen Leistungen die Landwirtschaft
für die Existenz der Menschheit erbringt- und in noch weitaus größerem
Maße erbringen kann- wächst auch ihr Stellenwert in der Gesellschaft
und verbietet sich jegliche Diskriminierung!
Zusammenfassend ergeben sich als miteinander verknüpfte strategische
Ziele, die sich in neuen Dimensionen eröffnen.
1. Verstärkte Nutzung der unerschöpflichen, kostenlos verfügbaren
Sonnenenergie,
2. Einschränken des Hungers vieler Menschen.
3. Wirksamste Verringerung der Klimaverschlechterung durch erhöhten
Entzug des Ozonkillers CO2, verbunden mit Sauerstoffanreicherung der
Luft,
4. Zunehmender Ersatz des absehbar erschöpften und immer teurer
werdenden Erdöls durch Bioethanol aus Roggen, Raps u.a.
5. Arbeitsplätze zu erhalten und möglichst neu zu schaffen,
insbesondere in strukturschwachen Gebieten.
Dafür lohnt es sich gewiss möglichst viele Kräfte zu
mobilisieren.
Bemerkungen zu den Thesen der 5. Ökologischen Konferenz:
Lothar Dölling, Ökologische Plattform
- Freude über die heutige Konferenz, Dank an die Initiatoren Annemarie
Kersten, Kirsten Tackmann und Carolin Steinmetzer
- Sehe dies als Beweis, auch mit solchen Themen ist trotz Skepsis und
Ressertiments Wahlkampf möglich ist, begrüße auch Kap.
IV als selbständiger Programmpunkt im Wahlprogramm.
Möchte drei Probleme ansprechen:
ERSTENS
- Vision bis 2050 alle Energien aus Erneuerbaren zu gewinnen, wissenschaftlich
und technisch machbar
- gesellschaftspolitisch Hindernisse, einmal die ökonomische Macht
der Energiekonzerne (EON, RWE, EnBW, Vattenfall) als Oligopol, mit Macht
und Einfluss auf die Politik der Bundesregierung
- aber auch das gegenwärtig noch schwache Verständnis der
PDS im Umgang mit dem Konflikt Gesellschaft und Natur
- Grünenabgeordneter Schulz, Gespräch mit Petra Pau im FS „PDS-
ein starkes soziales Profil, ist aber ökologisch unterbelichtet“!
Zustimmung, aber das müssen wir ändern, schon aus politischer Konkurrenz
mit den Grünen- Marko Ferst auf letzten Landespartei begründet.
- Natürlich stellt die Darstellung, politische Handhabung dieses
Widerspruchs erhöhte Anforderungen an ihre Verständlichmachung,
an die Lernbereitschaft, denn sowohl Begriffe, Dimensionen, Maßstäbe
und Wirkungen werden als solche im Alltag vieler Menschen nicht immer
direkt, wie die politischen und sozialen Konflikte wahrgenommen. Dazu
kommt die in der PDS weit verbreitete Meinung dass man mit Öko-Themen
keinen Wahlkampf führen kann, wollen wir heute den Gegenbeweis antreten,
obwohl kein Wahlplakat mit Öko-Thema!
- Kirsten Tackmann hat in der Juni-Ausgabe Brandenburger Zeitung es
auf den Punkt gebracht:
„Zukunftssicherung geht sozial und ökologisch- oder gar nicht“.
- Was müssen wir ändern:
Ökologische Themen müssen angemessen auf Parteitagen, Konferenzen,
bei Diskussionen, in den Presseorganen ihren Platz haben, sie sind untrennbarer
Bestandteil der politischen Arbeit, vom Bundesvorstand bis zur BO, wobei ich
die Priorität der sozialen Frage keinesfalls in Frage stelle.
- Inhaltlich müssen wir in Brandenburg auf dem Energiesektor u.
a. Antworten geben:
5.Wie weiter und wie lange noch Braunkohleförderung?
6.Wie verhalten wir uns zur Windkraft? Prof. Nasseri, Vors. Des
7.Landesverbandes Windenergie stellte im Januar nüchtern fest,
8.„Einen politischen Fürsprecher einer großen Partei,
der sich offensiv
9.zur Windenergie bekennt, hat Brandenburg nicht.“ (Nasseri lehrt
an
10.der Tech. Fachhochschule Berlin)
11.Wie erhöhen wir das Tempo bei Biogas, Dt. 2006 rd. 4000 Anlagen
BRB- ca. 70, = 1,6%, bei 37% Waldanteil, einer ausgeprägten
A Landwirtschaft, ist das angemessen?
12.
A Antwort – warum wird der Brandenburger Roggen in Schwedt zu
Bioethanol verarbeitet, angesichts Hungers in der 3. Welt?
13.Welche Perspektiven geben wir dem Zuckerrübenanbau durch die
neue Zuckerrübenanordnung in der EU ab 2006?
14.Warum dümpelt die Kraft-Wärmekopplung vornehmlich der Stadtwerke
vor sich hin, Kanzler Schröder hatte eine Verdopplung bis 2010 versprochen?
15.Wie nutzen wir die Ergebnisse von Wissenschaft und Technik der wissenschaftlichen
Einrichtungen und fördern die Zusammenarbeit?
16.Begrüße Erarbeitung eines Leitbildes der Landesentwicklung
durch die Fraktion, denn der Perspektivplan 2020 ist zu Energiefragen „unterbelichtet“.
Was erwartet uns in Fragen Energie unter einer neuen Bundesregierung?
- ein Herr Pierer, Aufsichtsratsvorsitzender des Simenskonzerns als
Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates mit dem Vorschlag zur Laufzeitveränderung
der Atomkraftwerke auf 60 Jahre
- eine Bundesratsinitative des NRW-Ministerpräsidenten Rüttgers
(CDU), zur Beendigung der Überförderung der Windenergie lt.
EEG durch Streichung ihrer Privilegierung im Baugesetzbuch. Daran zu
messen- CDU-Losung „Vorfahrt für Arbeit“, denn in NRW
arbeiten allein 10.000 Menschen in der Windbranche.
- das Projekt des Verbandes der deutschen Energiewirtschaft, dass Festpreissystem
für EE durch ein Quoten- und Zertifikatsystem zu ersetzen, vorgestellt
auf dem jüngsten Jahreskongress in Anwesenheit von Frau Merkel und
Herrn Clement
Herr Brinker, Präsident des Verbandes: „die Einspeisevergütungen
sind derzeit zu hoch
Stoßrichtung ist, die lästige mittelständige Konkurrenz
zugunsten von Kohle und Kernenergie zu bremsen und aus dem Feld zu schlagen
und wenn die Mitbewerber verschwunden sind, können die Konzerne
irgendwann selbst auf dem Markt kommen und den Preis nach ihren Vorstellungen
bestimmen.
Herr Brinker ist von Haus aus Vorstandvorsitzender der ELBE-WESER-EMS-AG
in Oldenburg, der Nr. 5 im Energiebereich mit Strom u. Gas, EWE ist Gasversorger
in Ostbrandenburg u. auf Rügen, betreibt Windkraftanlagen mit 52
MW und Biomasseanlagen mit 22 MW, BRB gegenwärtig eine Nennleistung
von 16 MW-
- nach Expertenmeinung ist Strompreiserhöhung bis zu 30% zu erwarten.
Gegenwärtig bezahlt eine 3köpfige Familie mehr als 54 €,
im Jahr 2000 waren es noch rund 40 €, eine ehrwertsteuererhöhung
um 2% würde noch 1 € monatlich zu Buche schlagen.
Die Energiewirtschaft macht für die Preissteigerungen gern die hohe Staatsquote
verantwortlich, sie liegt bei ca. 40%, aber 60% werden unternehmerisch für
Erzeugung, vertrieb und Verteilung beeinflusst.
Vor allem mit der Stromerzeugung und Netzen werden fette Gewinne erzielt. Allein
mit Netzgebühren werden jährlich 16 Mia. € Gewinn erzielt, aber
nur 2 Mia. € reinvestiert, wo sind die restlichen 14 Mia. € geblieben?
Auch die Existenz der Regulierungsbehörde „Netzagentur“, für
deren Installierung die BuRe mehr als 6 Jahre gebraucht hat, wird daran nichts ändern,
sie beeinflusst nur die Netzpreise, d.h. 30-40 der Kosten. Vielgepriesener
Wettbewerb findet um die Maximalprofite statt.
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Meine Auffassung ist: Zur sozialen Grundsicherung unser hochmodernen Zivilisation
gehört auch der Zugang für Alle zu sauberen Wasser, zu Strom und
Wärme zu angemessenen Preisen- diese Garantie ist in Zukunft ungewiss.
Und der Ausweg? Im Wahlprogramm heißt es dazu- Energiemonopole entflechten
und eine demokratische Kontrolle unterziehen!
ZWEITENS
- Warum die Proteste gegen die Windkraft in Brandenburg: ND vom 26.
August- Windradgegner drehen sich im Kreis- machte das Dilemma Brandenburger
Energiepolitik deutlich
- zum wiederholten Mal wird Protest gegen Windkraft laut, in der Vergangenheit
in Ueckermark, Kremmener Luch, jetzt auf der Nauener Platte - 120 errichtete,
49 geplante - eine außergewöhnliche Dichte im Binnenland
- Teilnehmer einer geschlossenen Sitzung (!) des Umweltausschusses des
Landtages waren drei Aktivisten einer Bürgerinitiative gegen den
Windkraftausbau
- drei positive Signale konnte ich nachlesen:
Die Abgeordneten sprachen sich parteiübergreifend dagegen aus,
noch mehr Windräder auf die Nauener Platte zu setzen.
Ein vernünftiges Maß dürfe nicht überschritten werden,
so Carolin
Steinmetzer
Abhilfe sei nur möglich, indem man vor Gericht zieht
- statt der Suche nach den Ursachen einer solchen Entwicklung folgte
des Ausschussvorsitzende dem bekannten Strickmuster von Medienkampagnen
der CDU gegen die Windkraft
Argumente:
In Brandenburg wäre das wirtschaftlich vernünftige Potential
für
Windkraftanlagen bereits ausgeschöpft, Fakt-Potential liegt theoretisch
bei ca. 3000, in der Praxis rechnet man höchstens mit 2500,
gegenwärtig sind es ca. 1700 = 10% aller Anlagen in Deutschland,
BRB
an 2. Stelle hinter NRW der Binnenländer.
Weiteres Argument, ein weiterer Ausbau schade der Entwicklung von
Tourismus, der Landwirtschaft, die Rotoren sind immer wieder
Todesfallen für Vögel;
Vermisst in der Argumentation habe ich nur den beliebten Begriff der „Verschandelung
der Landschaft“ In BRB- kann man ja zwischen dem Windrad und dem
Braunkohletagebau wählen.
Bisherige Untersuchungen und Studien haben aber nachgewiesen,
dass die meisten Touristen die moderne „Ökokraftwerke“ positiv
bewerten. Alle großen Naturschutz- und Umweltverbände, der
Deutsche Bauerverband, Gewerkschaften und Kirchen unterstützen
bei Gewährleistung des Umweltschutzes den Ausbau der
Windenergie.
Die Naturschutzverbände, die in der Vergangenheit vor allem Vogelverluste
einklagten, haben inzwischen durch Forschung das Vogelverhalten aufgeklärt.
So rechnet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit
durchschnittlich 0,5 toten Vögeln in einem Windjahr pro Anlage. In Vergleich
listet der Bund auf, dass jeweils ca. 5 bis 10 Millionen Vögel im Straßenverkehr,
an Hochspannungsmasten und durch Katzen pro Jahr in Deutschland sterben. Das
sind 600-mal mehr als durch Windräder! Eine pauschale Feindschaft zwischen
Vögel und Windräder gibt es nicht, außer bei notorischen Feinden
der Windkraft.
Auch das Ausspielen der Energiearten EE gegeneinander gehört zum
Arsenal der Verunglimpfung. So äußerte die SPD-Vertreterin „die
Windkraft sei nicht allein selig machend, Bioenergie sei viel besser und
weniger belastend“. Frau abgeordnete wusste wohl nicht wovon sie
sprach,
Auch Carolin Steinmetzer irrt, wenn sie meint, niemand sei
Gegen Windenergie - im Gegenteil - alle fossilen und atomaren
Stromerzeuger sind Blockierer in einer Einheitsfront, da jede KWh
Windstrom den Profit schmälert, dazu kommen Unwissende und nicht
aufgeklärte Bürger, auch Neider sowie notorische Windkraftgegner.
- Erfolgreicher wäre die Sitzung gewesen, hätte man die politisch
Verantwortlichen des Vorhabens gehört,
den Nauener Bürgermeister
den Vorsitzenden des Windenergie-Landesverbandes Bln.-BRB, Prof. Nasseri
den zuständigen Minister für ländliche Entwicklung, Umwelt-
und Verbraucherschutz Woidke, dem die Genehmigungsbehörde, das amt
für Emmissionsschutz untersteht.
So hätte der BGM. Nauens erklären können, wie der Flächennutzungsplan
durch ihn und die Stadtverordnetenversammlung bestätigt wurde, ob
die vorgeschriebene Beteiligung der Einwohner erfolgte, die Belange des
Landschafts- und Naturschutzes ausreichend berücksichtigt wurde
und welche kommunale Interessenlage vorlag.
Die Kommunen profitieren von WKA durch die Gewerbesteuer und Pachten
(5-9000 € je Anlage jährlich, in Osten in der Regel unter 5000 €),
durch Sondernutzungsgebühren für die Zufahrten, die Regionen
durch Aufträge der Investoren und eine erhöhte Wertschöpfung.
Auf Grund der Finanzschwäche der Kommunen übernehmen besonders
in den neuen Bundesländern die Investoren die Kosten für die
Genehmigungsverfahren, vor allem der teuren Gutachten und diktieren den
Kommunen ihre Bedingungen nach ökonomischen Gesichtspunkten. Ökonomin
Christa Luft nennt das „soziale Enthemmung der Unternehmen“.
So werden die Kommunen zwar formal „beteiligt aber nicht gehört“,
was im Nachhinein zu Bürgerprotesten und gerichtlichen Auseinandersetzungen
führt, wo in der Regel die Windkraftgegner schlechte karten haben,
Gericht prüfen nur die formale Rechtmäßigkeit.
- Das hätte der Verbandschef für Windenergie bestätigen
müssen. Er hätte aber auch erklärten können, dass
die Baugenehmigungsbehörde- das AfE - ohne ein Einvernehmen der
Gemeinde nicht positiv zulassend über ein Vorhaben entscheiden kann.
Es hätte auch die Möglichkeit bestanden, ihn über Stand
und die Perspektive der Windkraft in BRB zu befragen, doch darum ging
es wohl nicht.
- Der Minister hätte erklären müssen, nach welchen Kriterien
seine Behörde insbesondere die Umweltbelange, Immissionen-, Schall-
und Diskoeffekt prüft und das Vorhaben genehmigt, denn die gleiche
Behörde hat auch den Windpark Kremmener Luch genehmigt.
Der Minister hätte auch erklären können, warum es in BRB im
Gegensatz zu Meck/Pom, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, dem Saarland keine
landesspezifischen Abstandregelungen zu Wohnbauten gibt.
- an Aufklärung bestand also kein Interesse, die CDU sitzt schließlich
in der Regierung, denen auch der Vorschlag, die Windeignungsgebiete künftig
in die Landesplanung aufzunehmen ist eine Luftnummer, da ohne einen durch
die Landesregierung bestätigten Regionalplan überhaupt ein
Bau von WKA nicht möglich gewesen wäre
- also, die Windkraftgegner drehen sich gemeinsam im Kreis, eine erschreckende
Inkompetenz des Gremiums, außer Wahlwerbung für die CDU
keinerlei Nutzen.
- die Linksfraktion im Landtag sollte sich beraten, wie man eine solche
Instrumentalisierung in Zukunft ausschließt.
- das Wahlprogramm nennt Umweltbildung als einen Schwerpunkt um Informations-
und Wissensdefizite abzubauen, ich meine, das gilt vor allem für
Abgeordnete aller Ebenen.
Weg vom Image – im Prinzip für EE, im Einzelfall aber dagegen.
Die
PDS sei da, wo vermeintlich das Volk ist.
DRITTENS
- Ein „heißes Eisen“, zugleich Gradmesser für
die Glaubhaftigkeit unserer auf Nachhaltigkeit gerichteten politischen
Handlungsmaximen, ist die Haltung zum weiteren uneingeschränkten
Braunkohlenabbau und -verstromung in Brandenburg.
Gerade bei der Braunkohle treffen die sozialen, ökonomischen und ökologischen
Probleme- Zerstörung von Kulturlandschaften und Umsiedlungen, das Gewinnstreben
der Konzerne und die Umweltprobleme (Braunkohle ist der zweitgrößte
Kohlendioxid Emittent der Bundesrepublik) enormer Grundwasserentzug, Probleme
und finanzielle Belastung der Rekultivierung unvereinbar aufeinander. Verschärft
wird diese Problematik durch die Verstromung von Müll.
Ich glaube, dass die Verpflichtung der Landesregierung, den Anteil der Klimagase
zu verringern niemals ernst gemeint war und eine politische Beruhigungspille
ohne Wert ist.
Daran ändert auch die vom Energiekonzern Vattenfall vorgestellte Strategie „Saubere
Kohle“ nichts, sie verlängert und verschärft den gegenwärtige
Zustand auf weitere Jahrzehnte, erhöht den energetischen Aufwand und die
Kosten und es ist fraglich ob CO2 sicher über Jahrtausende unter der Erde
oder dem Meer gespeichert werden kann.
Ein pragmatisches Durchwursteln ist unglaubwürdig und nicht Erfolg versprechend.
Ich bitte deshalb die Fraktion, sich auch dieser Probleme anzunehmen und es
im Zusammenhang mit der Suche nach Lösungen für einen zeitlich definierten
Ausstieg aus der
Braunkohleverstromung zu bewerten.