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Thesen zur 5. Ökologischen Konferenz der PDS Brandenburg 2005

„Umweltschutz ist öffentliche Daseinsvorsorge - über die Notwendigkeit ökologischer Nachhaltigkeit und ihre soziale Dimension“


Ilse Spahn, Kirsten Tackmann


Zukunftssicherung geht sozial und ökologisch - oder gar nicht!

Die aktuelle Krise der westlichen Industriegesellschaft ist auch in Brandenburg unter anderem charakterisiert durch die Erosion ihres solidarischen Zusammenhalts, ihres sozialen Gefüges. Immer mehr Menschen werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt oder gar darüber hinaus. Die Folgen der aktuellen Politik sind schwerwiegender, als das Fehlen finanzieller Absicherung des Alltags für immer mehr Menschen und die damit verbundenen persönlichen Zukunftsängste. Und sie gehen weit über die Summe der Einzelschicksale hinaus: Wo Chancen für ein selbst bestimmtes Leben gering sind, wird die Aufforderung zu demokratischer Verantwortungsübernahme für die Zukunft der Gesellschaft oft als Farce empfunden. Eine Entfremdung der Menschen von der Gesellschaft, in der sie leben, ist gleichzeitig eine Bedrohung für diese Gesellschaft. Das derzeitige Maß an Politikverdrossenheit bedroht die Demokratie. Dabei gilt gerade: Wo Regierende die Alternativlosigkeit ihrer Politik proklamieren, ist die gemeinsame Suche nach zukunftsfähigen Alternativen wichtiger denn je. „Eine andere Welt ist möglich“ darf keine leere Symbolik sein, sondern muss gelebt werden und erlebbar sein!
Dazu werden überzeugende, realistische Ideen gebraucht und eine gesellschaftliche Atmosphäre, in der politische Einmischung und demokratische Debatte nicht nur geduldet, sondern ausdrücklich gewollt ist. Es geht nicht darum, eine falsche Politik besser zu erklären, sondern sie zu ändern. Dabei geraten zurzeit nicht nur die sozialen, sondern auch die natürlichen Lebensgrundlagen wieder zunehmend unter die Räder kurzsichtiger kapitalistischer Markt- und Verwertungslogik. Soziale und ökologische Interessen der Menschen werden im Schatten vermeintlicher ökonomischer Sachzwänge gegeneinander ausgespielt. Verlierer auf diesem Weg sind nicht nur die, die heute leben, sondern auch kommende Generationen.
Uns demokratischen Sozialistinnen und Sozialisten geht es darum, gemeinsam mit Gleichgesinnten und Bündnispartnern für eine zukunftsfähige Politik zu streiten. Dazu gehört auch eine neue öffentliche Debatte zu den Grundwerten dieser Gesellschaft: was wollen, was müssen und was können wir uns leisten, um heute und in Zukunft friedlich, selbst bestimmt und demokratisch miteinander leben zu können? Das schließt Fragen einer gerechten Beteiligung an der Finanzierung der Gesellschaft und gerechten Verteilungsverhältnissen ebenso ein wie einen sorgsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen und einer umweltschonenden Lebensweise.
Für die PDS bedeutet dabei Nachhaltigkeit, dass Ökologie, Ökonomie und Soziales gemeinsam gedacht werden – und nicht nur in den Dimensionen des eigenen Alltags, sondern auch in gesamtgesellschaftlichen Dimensionen und ihrer zeitlichen und räumlichen Fernwirkungen. Denn noch nie war diese Aussage so wahr wie unter den Bedingungen der Globalisierung: Wir leben in „einer Welt“ - und wir haben nur diese eine. Der Umgang mit unserem natürlichen Lebensumfeld und den natürlichen Ressourcen wird darüber entscheiden, ob und wie die kommenden Generationen auf dieser Erde leben können. Der ökologische Umbau der Gesellschaft, wie auch die PDS ihn fordert, ist sozial und ökonomisch gestaltbar - und er ist dringender denn je. Das Erreichen des „points of no return“ (Punkt jenseits dessen keine Rückkehr zum Ausgangspunkt mehr möglich ist) scheint bereits absehbar. „Allein in den vergangenen 50 Jahren haben die Menschen der Umwelt so großen Schaden zugefügt, dass die Existenz zukünftiger Generationen gefährdet ist . . . Die sinkende Leistungskraft von Ökosystemen wird vermutlich dazu führen, dass die internationalen Entwicklungsziele (Millenium Development Goals) nicht erreicht werden, schreibt das Potsdam-Institut für Klimafolgeforschung (PIK) . . .“ . Es muss gehandelt werden, bevor es endgültig zu spät ist.


I. Für einen ökologischen Umbau der Gesellschaft als Alternative zur neoliberalen Politik - Die globalen Beschlüsse (Rio, Johannisburg und AGENDA 21)

Die Forderung nach einem ökologischen Umbau der Gesellschaft ist die zwingende Schlussfolgerung aus der Erkenntnis, dass sich die menschliche Gesellschaft als abhängigen Teil der Natur versteht: wir sind Gäste auf dieser Erde und sollten uns so verhalten. Seit mehreren Jahrzehnten weist die Wissenschaft auf die Grenzen und Zukunftsrisiken wirtschaftlichen Wachstums hin . In hartnäckiger internationaler Diskussion wurden entsprechende Beschlüsse auf den UN-Konferenzen 1992 in Rio und 10 Jahre später in Johannisburg gefasst. Es wurden 3 Hauptspannungsfelder zwischen der menschlichen Gesellschaft und ihres natürlichen Lebensumfeldes beschrieben: Klimawandel, Land- und Forstwirtschaft einschließlich biologischer Vielfalt (u. a. Artensterben) sowie geologische und geophysikalische Spuren der Handlungen von Menschen (Ressourcenraubbau, Umweltverschmutzung).
Die Umsetzungsstrategien für die entsprechenden Konventionen sind in der AGENDA 21 beschrieben, die ausdrücklich auf die Stärkung der Rolle wichtiger gesellschaftlicher Akteure hin orientiert: Frauen, Kinder und Jugend, Initiativen in den Kommunen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NGO). Die Sicherung der demokratischen Mitwirkung ist ein zentrales Anliegen dieses Prozesses. Für die regionale Ebene wurden LOKALE AGENDEN 21 angeregt. Sehr oft war und ist kräftiger Druck in und außerhalb der Parlamente nötig, um das zu erreichen oder Erreichtes am Leben zu halten. Weltweit sind erst wenige hundert entstanden, davon die meisten in Europa. Nach anfänglichem Optimismus und Zuversicht droht diese wichtige Entwicklung derzeit ins Stocken zu geraten. Auch auf internationaler Ebene.10 Jahre nach Rio wurden auf der UN-Konferenz von Johannisburg die Beschlüsse von 1992 zwar bestätigt, aber gleichzeitig festgestellt, dass sie nur sehr zögerlich in die Tat umgesetzt wurden. Im Gegenteil – ihnen entgegenstehende neoliberale Konzepte sind jetzt in vielen Teilen der Erde herrschende Politik. Mit schwerwiegenden Folgen für die sozialen und natürlichen Lebensverhältnisse der Menschen.
Seit Rio haben sich die von der menschlichen Gesellschaft in der Natur ausgelösten Veränderungsprozesse fortentwickelt – nach ihren eigenen, objektiven Gesetzen und weitgehend unabhängig vom Willen der Menschen. Das gilt sowohl für das Klima als auch für das Artensterben und anderes mehr. Die Veränderungen scheinen auf vielen Gebieten rasanter zu sein, als bislang prognostiziert. Sie sind zwar nicht nur durch den Menschen verursacht, aber Menschen sind für diese Entwicklung mitverantwortlich.
Forderungen zu einem ökologischen Umbau der Gesellschaft sind nicht neu und Lippenbekenntnisse der verantwortlichen Politik in Bergen von Akten zu besichtigen – allein es fehlt der Wille, diese Probleme endlich ernst zu nehmen und Lösungsvorschläge auch umzusetzen. Dabei gilt: „Klimaschutz kostet Geld – ohne ihn wird es noch teurer.“

II. Die PDS hat programmatische Antworten auf die Zukunftsherausforderungen

Die PDS sagt auch in diesem Kontext: Politik ist nie alternativlos. Das muss unsere eigenen politischen Vorstellungen einschließen. Unsere Überlegungen zu nachhaltigen Entwicklungskonzepten sind ein ausdrückliches Diskussionsangebot an alle Interessierten, an Mitstreiterinnen und Mitstreiter.
Nachhaltigkeit als Einheit von sozialem, ökologischem und ökonomischem Handeln ist zentraler Inhalt sowohl des im Dezember 2003 beschlossenen Parteiprogramms der PDS als auch des Perspektivprogramms des Landeverbands Brandenburg bis 2020. Sozial auch im ökologischen Kontext schließt für uns ein, Konfliktlösungen durch Krieg und Gewalt abzulehnen, Geschlechtergerechtigkeit herzustellen, körperliche und mentale Gesundheitsgefährdungen zu vermeiden, ein selbst bestimmtes Leben durch Möglichkeiten des Erarbeitens des Lebensunterhaltes in Würde sowie Lebenschancen für alle durch für alle zugängige Bildung zu sichern.

Mit diesen Überlegungen nehmen wir teil an einer breiten, öffentlichen Debatte zur Zukunft unserer Gesellschaft. In einem Verbundprojekt „Arbeit und Ökologie“ der Hans-Böckler-Stiftung des DGB wurde bereits im Jahre 2000 nachgewiesen, dass mit nachhaltigen Entwicklungskonzepten die Arbeitslosigkeit in Deutschland nicht ansteigt, wie oft behauptet, sondern entscheidend gesenkt werden könnte. Dennoch wird die neoliberale Politik fortgesetzt, mit dem Ergebnis sich verstetigender Massenarbeitslosigkeit und wachsender Umweltzerstörung.
Die PDS weiß, dass sie allein gesellschaftliche Veränderungen nicht erreichen wird. Durch gemeinsames Agieren mit Interessierten und Gleichgesinnten aus Politik, Vereinen, Verbänden und Gewerkschaften müssen gesellschaftliche Mehrheiten nach links verschoben werden. Dazu muss auch die PDS ihre Bündnisfähigkeit und –bereitschaft beweisen.


III. Der Klimawandel als Beispiel für die Verknüpfung fataler sozialer und ökologischer Konsequenzen zukunftsunfähiger Politik

Von den vielen bei der Rio- Konferenz behandelten Themen ist der Klimawandel in besonderer Weise als Beispiel dafür geeignet, die Eigendynamik von anthropogen (vom Menschen) ausgelösten Umweltveränderungsprozessen, sowie ihre gesellschaftlichen Ursachen und sozialen Folgen darzustellen. Unsere Fähigkeit, heute auf die aktuell messbaren und wahrscheinlich zu erwartenden Veränderungen angemessen zu reagieren, entscheidet über die Zukunft der kommenden Generationen. „Business as usual hätte schwerwiegende Folgen“ .
Es ist vermutlich im Universum eine absolute Ausnahme, dass ein Planet eine Atmosphäre hat, die menschliches Leben ermöglicht: eine Atmosphäre, die warm genug ist, mit Luft zum Atmen und Wasser zum Trinken.
Die Experten sind sich unterdessen nahezu einig: Der Wandel der klimatischen Verhältnisse auf der Erde hin zu ungünstigeren Bedingungen hat bereits begonnen und zeigt in allen Teilen der Erde Wirkungen. Und sie sind sich auch darin weitgehend einig: Dieser Klimawandel ist hauptsächlich bedingt durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe (CO2-Emissionen).
Zu den wahrnehmbaren Veränderungen werden regelmäßig Einschätzungsberichte einer UNO-Kommission (Intergovernmental Panel on Climate Change-IPCC) erarbeitet, in der sowohl Regierungsvertreter als auch Wissenschaftsexperten vertreten sind.

Im IPCC arbeiten 3 Gruppen zu folgenden Problemkreisen:
1. Das Klimasystem der Erde
2. Auswirkungen, Anpassung und Verwundbarkeit
3. Wege zur Milderung von Klimaänderungen

Außerdem gab es 2 internationale UNO-Klimakonferenzen: 1979 und 1991* . Vom Januar bis März 2001 wurden bei internationalen Konferenzen, an denen Delegierte von über 100 Regierungen teilnahmen, die dritten Einschätzungsberichte des IPCC und die Zusammenfassungen für Politiker vorgelegt, diskutiert und gebilligt.
Angesichts der in diesem Bericht beschriebenen Entwicklung wird es für dringend erforderlich gehalten,
· a. diesen Klimawandel nicht weiter zu forcieren (d. h. die CO2-Emissionen zu verringern) und
· b. sich an den bereits vorhandenen Klimawandel anzupassen (Anpassungsstrategien)
· Auch dazu liegen Empfehlungen vom IPCC vor . Für verschiedene Vorhersageszenarien werden mögliche Handlungslinien beschrieben, bei denen folgende Einflussfaktoren berücksichtigt werden müssen:
· Die Bevölkerungsentwicklung
· Anwachsende kulturelle und soziale Wechselwirkungen mit einer wesentlichen Reduktion der regionalen Differenzen im pro Kopf Einkommen
· Die ökonomische Entwicklung (insbesondere das Energieerzeugungssystem aufgrund der besonderen Klimawirksamkeit)
· Das Tempo bei der Einführung neuer Technologien (d. h. die Entwicklung der Produktivkräfte)

Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass bei Beibehaltung der bisherigen Wirtschaftsweise (insbesondere bei unveränderter Nutzung fossiler Energiequellen) und einem Anstieg der Bevölkerung bis Mitte des 21. Jahrhunderts mit anschließendem Rückgang eine weitere Erwärmung der Atmosphäre mit stark steigender Tendenz bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu erwarten ist (Szenario 1).
Bei gleicher Bevölkerungsentwicklung (Anstieg bis 2050, danach Rückgang) aber rascher Änderung der ökonomischen Strukturen (Dienstleistungs- und Informationsökonomie mit Reduktionen in der Materialintensität und Einführung von sauberen und ressourceneffizienten Technologien) würde sich eine deutlich geringere Temperaturerhöhung (<2°C) bis Ende des 21. Jahrhunderts) erreichen lassen, die dann auch endet. Dieses Szenario 2 setzt auf globale Lösungen für ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeit einschließlich verbesserter Gerechtigkeit. Diese Maßnahmen würden demnach nicht nur die Klimaveränderungen verlangsamen, sondern auch andere gesellschaftliche Probleme der Menschheit lösen. Es setzt jedoch global weitgehend einheitliches Handeln voraus, was bei den gegenwärtigen Machtverhältnissen am Beginn des 21. Jahrhunderts wenig realistisch erscheint.
Mit lokalen Lösungsstrategien (Szenario 3), die auf ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeit orientieren, ließe sich immerhin selbst bei einer ständig wachsenden Bevölkerung und einem geringeren, aber vielfältigeren technologischen Wandel (orientiert auf Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit die Erwärmung) immer noch auf um etwa 2,5°C und nur ein mäßiges weiteres Wachstum nach dem Jahr 2100 begrenzen.
Alle vorgeschlagenen Handlungslinien unterstreichen die Notwendigkeit, den Klimawandel nicht als ein naturwissenschaftliches Phänomen zu betrachten, sondern seine gesellschaftlichen Ursachen und Folgen in die Lösungssuche einzubeziehen, d. h. nachhaltige Entwicklungskonzepte anzustreben und durchzusetzen. Diese wissenschaftlich fundierten Aussagen sollten Ermutigung für all jene sein, die sich im Sinne der AGENDA 21 für die vorrangige Orientierung auf lokale und regionale Nachhaltigkeit engagieren.
Welche Veränderungen zum Klimaschutz wurden bisher erreicht? Obwohl bereits 1992 auf der Rio-Konferenz die Klimarahmenkonvention (UNFCCC) verabschiedet wurde, sind erst mit dem Kyoto-Protokoll 1997 konkrete Maßnahmen zur Minderung des CO2-Ausstoßes beschlossen worden. Und erst 2004 - nach 7 Jahren! - wurde das Kyoto-Protokoll von einer ausreichenden Anzahl Staaten ratifiziert, um es in Kraft treten zu lassen. Die politisch Verantwortlichen, aber auch die Gesellschaft insgesamt, haben sich das Klimaproblem viel zu langsam bewusst gemacht und sehr spät Maßnahmen beschlossen, die den Klimawandel zumindest verlangsamen. Das Kyoto-Protokoll ist dennoch nicht unwichtig. Es ist eine völkerrechtlich verbindliche Grundlage für eine dringend notwendige Trendwende: weg von fossilen Energien hin zu Energieeinsparung/Energieeffizienz und erneuerbare Energiegewinnung.
Das erreichte Tempo ist angesichts des fortschreitenden Klimawandels vermutlich zu gering. Darauf hat der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) Ende 2003 in einem Sondergutachten reagiert. Er empfiehlt Maßnahmen zu treffen, um die Klimaänderung global auf eine Erwärmung von 2°C bis 2100 zu begrenzen.
Der begonnene Prozess des Klimawandels wurde zwar hauptsächlich durch den Menschen verursacht, aber er folgt, einmal ausgelöst, natürlichen Gesetzmäßigkeiten und ist nach Expertenauffassung in absehbarer Zeit nicht mehr rückgängig zu machen. Umso mehr sind wir zur Debatte und Entscheidung über Reaktionsoptionen gezwungen. Dazu gehören Anpassungsstrategien ebenso wie die verstärkte Förderung von Maßnahmen, die den Klimawandel verlangsamen.


IV. Umsetzung von Anpassungsstrategien an den Klimawandel sind dringender denn je

Die menschliche Gesellschaft muss sich an den bereits eingetretenen Klimawandel anpassen, um extrem negative Auswirkungen zu begrenzen. Dabei geht es weniger um eine spezielle Klimapolitik, sondern vor allem um die seit langem als notwendig erkannte Änderung der Wirtschafts- und Lebensweise hin zu einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Entwicklung. Das kann nicht nur global geschehen, denn die dafür bedeutenden Faktoren (siehe These III) wirken regional unterschiedlich und stehen in Wechselwirkung zueinander (Klimafaktoren, Bevölkerung, Energiesystem und Produktivkräfte).
Dabei ist der Klimawandel nicht nur auf seine allmählichen, für den einzelnen Menschen nicht immer wahrnehmbaren Folgen reduziert, sondern zeigt sich z. B. auch in häufigeren und intensiveren Extremereignissen (mehr und heftigere Stürme, stärkere Niederschläge als Regen oder auch Schnee, aber auch extreme Trockenheit, siehe IPCC-Bericht 2001), deren Auswirkungen oft verheerend für die Betroffenen sind. Ihr Zusammenhang mit den Klimaveränderungsprozessen wird aber nicht immer wahrgenommen und richtig bewertet.
Auch für den Wasserkreislauf hat der Klimawandel teilweise dramatische Konsequenzen. Dabei ist die Verfügbarkeit von Wasser eine entscheidende Lebensgrundlage auf der Erde - für Flora und Fauna, als das wichtigste Lebensmittel für uns Menschen und zur Produktion von Lebensmitteln und Gebrauchsgütern.
Jedes Konzept für “Regionale Nachhaltigkeit“ muss also unter anderem die folgenden Einflussfaktoren berücksichtigen:
· 1. Die Temperatur, ihr Niveau und ihre Änderungstendenz
· 2. Die Verfügbarkeit von Wasser und deren Änderungstendenz
· 3. Die Bevölkerung, deren Dichte (d. h. Einwohnerzahl pro Fläche) und deren Entwicklungstendenz (z. B. nimmt in den europäischen Staaten die Bevölkerung ab, während sie in Asien und Afrika in vielen Staaten zunimmt)

· 4. Das Energiesystem (wird vorwiegend fossile oder atomare oder erneuerbare Energie benutzt?) und der Trend zur notwendigen Energiewende. Dabei begünstigen erneuerbare Energien die regionale Entwicklung
· 5. Stand der Produktivkräfte und deren Entwicklungstendenz (d. h. in wieweit die bisherige Produktionsweise unverändert fortgesetzt wird oder ob die „ökonomischen Strukturen in Richtung auf eine Dienstleistungs- und Informationsökonomie mit Reduktionen in der Materialintensität und mit der Einführung von sauberen und ressourceneffizienten Technologien“ verändert werden (siehe IPCC-Bericht).

Wie unterschiedlich diese Faktoren in verschiedenen Regionen der Erde wirken, wird beispielhaft an 2 Beispielen gezeigt: dem Einzugsgebiet des Nil (Anlage 2) und Tendenzen in Teilen des Einzugsgebietes der Elbe (Anlage 3).
Diese Beispiele zeigen, dass Anpassungsstrategien nicht global und allgemeingültig erarbeitet werden können, sondern nach genauer Analyse jeweils für die konkrete Region entwickelt und durchgesetzt werden müssen. Dabei ist eine Trendwende nicht nur für Extremereignisse und Katastrophen, sondern für das tägliche Wirtschaften objektiv notwendig. Dies setzt ein Umdenken in der Wirtschafts- und Lebensweise der Menschen voraus, das jedoch nicht von Oben verordnet werden kann. Es bedarf der demokratischen Mitwirkung und Gestaltung aller Betroffenen und Verantwortlichen. Unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen ist dafür insbesondere außerparlamentarischer Druck dringend notwendig (Agenda 21 als Prozess gesellschaftlichen Umdenkens). Die Suche nach Verbündeten in den Parlamenten und Regierungen ist dabei unabdingbar. Eine solche Adresse und verlässliche Partnerin für Nichtregierungsorganisationen will und muss die PDS in parlamentarischer Verantwortung sein.


V. Die Energiewende steht auf der Tagesordnung

Die Energiewende (ob global oder regional) ist von zentraler Bedeutung sowohl für den Klimaschutz und als auch für den ökologischen Umbau der Gesellschaft an sich: weg von fossilen Energiequellen und atomarer Energieerzeugung hin zu Energieeinsparung, effizienterer Nutzung und Erzeugung aus erneuerbaren Energiequellen. Die absehbare Endlichkeit fossiler Energiequellen erzwingt diese Energiewende ohnehin. Ihre zunehmende Verknappung birgt die Gefahr gewalttätiger Verteilungskämpfe. Da die ökonomischen Erschließungsbedingungen ungünstiger werden, wird der Preis für fossile Energieträger rasant in die Höhe getrieben, was bei der großen Abhängigkeit der Industriewirtschaften schwerwiegende Folgen hat. Die Energiewende ist also auch ökonomisch zwingend. Zudem wird in der Bundesrepublik ab 2010 mit einem erheblichen Bedarf an neuen Erzeugungskapazitäten gerechnet.
Das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) der Bundesregierung war also ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, weitere sind aber erforderlich. „100% erneuerbare Energien bis 2050“ könnte der energiepolitische Standpunkt der PDS zu diesem Thema formuliert werden. Das Bundesumweltamt ist da bescheidener und fordert bis 2050 50%. Erneuerbare Energien haben für die Gesellschaft einen entscheidenden Vorteil: sie können regional erzeugt und genutzt werden (Dezentralisierung der Energieerzeugung und des Energieverbrauchs, Verringerung des Überleitungsaufwandes und -verlustes). Das ist nicht nur ökologischer, es bringt auch neue Arbeitsplätze und - bei Nutzung des Energiespeichers Pflanze - neue Erwerbsmöglichkeiten für Landwirte und Waldbesitzer („Die Ölscheichs von morgen“), gerade in wirtschaftlich oder natürlich benachteiligten Regionen. Gleichzeitig ist auch dies ein Spannungsfeld verschiedener Interessen. Windmühlen beispielsweise sind nicht an allen Windeignungsstandorten sinnvoll und in unbegrenzter Zahl und Höhe akzeptiert. Bei Entscheidungen zu Standort und Zahl muss die demokratische Mitbestimmung in den Regionen sowohl durch die Betroffenen als auch durch unabhängige Experten gesichert sein. Auch großflächige Monokulturen von Energiepflanzen müssen aus ökologischer Sicht abgelehnt werden, auch wenn die Nutzung dieser Pflanzen an sich zu befürworten ist.
Die Entwicklung regionaler Konzeptionen zur Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien unter Einbeziehung und demokratischer Mitbestimmung aller gesellschaftlichen Akteure, einschließlich der betroffenen Bevölkerung, hält die PDS für unerlässlich. Eine Dezentralisierung der Energieerzeugung bleibt eine Machtfrage: Die wenigen Energieerzeuger-Konzerne, die aktuell den Markt mit konventionellen Technologien dominieren, wehren sich erbittert. Es muss trotzdem angestrebt werden, sie in den gesellschaftlichen Diskurs über die notwendige Energiewende einzubeziehen.
Die Nutzung solarer Energien ist eine zutiefst friedliche Alternative: sie sind überall vorhanden und bieten daher keinen Grund für gewalttätige Auseinandersetzungen oder Kriege.
Es müssen jedoch noch einige Probleme bis zu „100% Nutzung erneuerbarer Energien“ gelöst werden. Hier haben Forscher und Entwickler ein weites, interessantes Betätigungsfeld (z. B. Verbesserung des Wirkungsgrads; Suche nach effizienten Speichermöglichkeiten, u. a. zum Ausgleich diskontinuierlicher Erzeugung; Verbesserung der ökologischen Gesamtbilanz). Ökologischer Strom muss auch zu sozial verträglichen Preisen abgegeben, noch besser auch erzeugt werden. Hier ist Forschungsförderung im gesamtgesellschaftlichen Interesse.
Kerngedanke der Energiewende ist aber nicht nur eine technologische Änderung der Energieerzeugung, sondern auch eine möglichst sparsame Verwendung der erzeugten Energie. Das kann erreicht werden durch z. B.:
· Kraft-Wärme-Kopplung und
Wärmedämmung in Wirtschafts- und Wohngebäuden (erhebliche Einsparung an Heizkosten)


VI. Die ökologisch sinnvolle Verkehrswende jetzt einleiten

Ein ökologisch besonders sensibler, aber sehr bedeutsamer Bereich des Energieverbrauchs (und via Straßenbau sowie direkt als Luftverschmutzer auch in Bezug auf das natürliche Lebensumfeld der Menschen) ist der Fahrzeugverkehr. „ . . . noch bleibt der motorisierte Verkehr . . . das Sorgenkind der Klimapolitik. Es (sind) zwar kleinere Einsparerfolge bei den einzelnen Fahrzeugen zu verzeichnen, gleichzeitig (nehmen) die CO2-Emissionen mit dem Wachstum der Verkehrsströme aber weiter zu.“ Neben einer effizienteren Nutzung und der Verwendung alternativer Kraftstoffe wären mit einer Reduzierung des Individualverkehrs und einer stärkeren Förderung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs (ÖPNV) erhebliche Energieeinsparungen möglich. Die gegenwärtig politisch Verantwortlichen tun genau das Gegenteil - sie schränken die realen Nutzungsmöglichkeiten des ÖPNV sowohl logistisch (Verfügbarkeit) als auch finanziell (Preisgestaltung) drastisch ein. Gleichzeitig wird insbesondere auf dem Arbeitsmarkt ein extremer Druck hin zu immer größerer individueller Mobilität ausgeübt. Daher sind gegenwärtig Forderungen nach einer wesentlichen Reduktion des Autoverkehrs ökologisch berechtigt, aber die Chance ihrer (insbesondere auch sozial gerechten und verträglichen) Umsetzung begrenzt. Dagegen ist eine deutliche Reduktion des Spritverbrauchs (je 100 km) technologisch längst machbar und überfällig. Auch die weitere Entwicklung alternativer, umweltgerechter Antriebsmittel - z. B. Biogas und Bioöle - muss gefordert und gefördert werden. Der Güterverkehr gehört dringend weg von der Straße auf Schiene oder, wo sinnvoll, auf die Wasserstrassen. Die Milliarden für die Verkehrsinfrastruktur (Straßenbau) müssen zugunsten nachhaltiger Mobilitäts- und Transportmodelle umverteilt werden. Eine ökologische Finanzreform, die Abschaffung der Steuerfreiheit von Kerosin sowie eine effektive Subventionierung des ÖPNV sind logische politische Konsequenzen. Dabei sollten Erfahrungen zu regional angepassten Konzepten für eine flexible Organisation des ÖPNV analysiert und erfolgreiche Lösungsansätze weiter entwickelt werden.
Dem Mythos, dass mit dem Neubau von Straßen und Autobahnen automatisch ein Schleusentor für Wirtschaftsinvestitionen geöffnet wird, müssen nüchterne, langfristige und belastbare Analysen zum tatsächlichen regionalen Bedarf an Verkehrswegen entgegengesetzt werden. Das gilt auch für den Ausbau von Wasserstraßen. Eine objektive Abwägung zwischen Kosten, Nutzen und „Kollateralschäden“ verkehrspolitischer Entscheidungen ist aus Sicht der PDS zwingend erforderlich und sollte selbstverständlich sein.
Darüber hinaus unterstützt die PDS zur Verbesserung bzw. Erhaltung von Lebensqualität und Gesundheit der Bevölkerung die Umsetzung bzw. Einhaltung der seit dem 01. Januar 2005 geltenden EU-Luftqualitätsrichtlinie, denn die Gewährleistung einer hohen Qualität unserer Atemluft gehört zu den elementaren Aufgaben des Schutzes der natürlichen Lebensbedingungen der Menschen. Eine kurzfristige Maßnahme zur Reduzierung von Feinstaub ist die Ausstattung von Dieselfahrzeugen mit Russfiltern und die Förderung von Fahrzeugen, die durch Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, Erdgas und Wasserstoff betrieben werden können. Die PDS sieht jedoch die sozialen Grenzen der Erfüllung dieser ökologisch sinnvollen Maßnahmen. In Zeiten massiven Verlusts an Kaufkraft durch Sozialabbau, Massenarbeitslosigkeit, die Ausweitung prekärer Erwerbsverhältnisse und Billiglohnbereiche ist der finanzielle Spielraum vieler Menschen dafür nicht gegeben. Auch hier sind ökologische und soziale Bedingungen in der Gesellschaft miteinander verknüpft.
Die Verkehrswende muss zudem eng verbunden mit Lärmschutz sein, denn der Verkehr, insbesondere der Luft- und Straßenverkehr, ist als eine der größten Quellen der Lärmverursachung auszumachen. Die Richtlinie 2002/49/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Juli 2002 über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm sollte umgehend in nationales Recht umgesetzt werden. Darüber hinaus ist die seit 4 Jahren von der Bundesregierung angestrebte Novellierung des Gesetzes zum Schutz vor Fluglärm längst überfällig. Die neuen Lärmgrenzwerte sollten sich an den gesundheitsorientierten Werten der Fluglärmstudie des Umweltbundesamtes orientieren. Wirksame Immissionsschutzgrenzwerte müssen so definiert sein, dass die Flughafenbetreiber aktiven Lärmschutz betreiben müssen. Zur Vermeidung von gesundheitsschädigendem Lärm sollten Nachtflugverbote geprüft werden.


VII. Mit sozialer und ökologischer Verantwortung den ländlichen Raum wirtschaftlich entwickeln

Die Agrarwirtschaft (Landwirtschaft, Gartenbau, Binnenfischerei und Ernährungsgewerbe) ist in Brandenburg das Rückgrat ländlicher Räume - bezüglich Wertschöpfung und regionaler Möglichkeiten zur Erwerbsarbeit, aber auch als eine Mitgestalterin der Kulturlandschaft. Daher verknüpfen sich hier ökologische, ökonomische und soziale Interessen der Menschen in besonderer, sehr unmittelbarer Art und Weise miteinander. Es gilt es politische Rahmenbedingungen zu schaffen, in der die Agrarwirtschaft ihre Potenzen entwickeln kann. Es ist ein Vorurteil, dass Umweltschutz und ökologische Nutzungskonzepte des natürlichen Lebensraums Jobvernichter wären - sie können im Gegenteil zum Motor des Arbeitsmarkts werden. Fachlich begründete Konzepte müssen dabei Grundlage politischer Entscheidungen sein. Die PDS unterstützt alle Initiativen, die der regionalen nachhaltigen Entwicklung dienen, wie den „Tag der Regionen“ und andere.
Um unter den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen Landwirtschaft ökonomisch, sozial und ökologisch gestalten zu können, müssen Benachteiligungen einzelner Unternehmensformen, Produktionsstandorte oder landwirtschaftlicher Erzeugnisse ausgeschlossen werden. Die PDS unterstützt den Anspruch der flächendeckenden Landbewirtschaftung, Maßnahmen zur nichtkommerziellen Nutzung und Pflege von Kulturlandschaftselementen eingeschlossen (soweit sie sinnvoll und gesellschaftlich gewollt sind). Der im Ergebnis der GAP-Reform (Gemeinsame Europäische Agrarpolitik) befürchteten Reduzierung der Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf ein Minimum soll entgegengewirkt werden. Dazu müssen in weitaus stärkerem Maße auch nicht landwirtschaftliche Perspektiven für Wertschöpfung und Beschäftigung entwickelt und gestaltet werden. Dem Schutz der Umwelt und einer vielfältigen Kulturlandschaft, der Nutzung nachwachsender Rohstoffe und regenerativer Energien kommt dabei künftig eine besondere Rolle zu. Die Entscheidung über das anzustrebende sozial- und umweltverträgliche System der Agrarförderung stellt eine Kernfrage der Agrarpolitik dar. Die Agrarförderung ist auf die Entwicklung der multifunktionalen Landwirtschaft und der ländlichen Räume auszurichten. Kriterien sollen die Bewirtschaftungsintensität, die finanzielle Anerkennung der Natur-, Umweltschutz- und Landschaftspflegeleistungen der Landwirtschaft, die Begrenzung negativer Liberalisierungsfolgen auf ertragsschwachen und marktfernen Standorten, der Grad der Selbstversorgung und der Regionalisierung der Produktion sowie der Absatzmöglichkeiten sein.
Eine vielfältige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen in einer ökologisch sinnvoll gestalteten Kulturlandschaft ist wichtig – auch mit Blick auf die Attraktivität einer Region für Tourismus und Identität stiftende Wirkung für die regionale Bevölkerung – Aspekte, die die Motivation zum Schutz dieses natürlichen Umfelds verstärken können. Einer weiteren Zersiedelung und Zerschneidung der Landschaft muss entgegengewirkt werden. Die Einspeisung von Ausgleichmaßnahmen in integrierte Projekte mit ökologischem Gesamtkonzept ist aus Sicht der PDS nicht nur aus fachlichen Erwägungen sinnvoll, sondern auch, weil hier die Gedanken weg von Insel- und Refugiumsdenken und musealem Schutzgedanken hin zu einem Gesamtblick auf das natürliche Umfeld gefördert wird.
Aufgrund der klimatischen Verhältnisse in Brandenburg (Dürre, Überschwemmung) sind die Vorschläge zur Einkommensabsicherung bei gravierenden Ertragsausfällen in der Landwirtschaft auf der Basis einer durch EU, Bund, Land und Landwirten getragenen Mehrgefahrenabsicherung politisch zu unterstützen. Ebenso bedeutsam für Brandenburg und seine ländlichen Räume sind die Wälder. Mit einem Waldanteil von einem Drittel der Landesfläche ist die Forstwirtschaft der größte Flächennutzer nach der Landwirtschaft. Damit ist die Holzgewinnung und –verarbeitung ein auch traditionell wichtiges wirtschaftliches und soziales Standbein im ländlichen Raum. In der Forstpolitik sind weiterhin der Erhalt und der Ausbau der Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen der Wälder zu gewährleisten. Um die gegenwärtig ungenutzten Potentiale für Wertschöpfung und Beschäftigung zu erschließen ist eine alle Besitzarten umfassende Forstwirtschaftskonzeption erforderlich. Für die Sicherung einer nachhaltigen und großflächigen, einheitlichen Kleinprivatwaldbewirtschaftung und im Interesse der über 100.000 Eigentümer sind forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse unabdingbar. Die PDS Brandenburg besteht weiterhin auf ein Verkaufsmoratorium des Preußenwaldes und die Verankerung der Unveräußerlichkeit des Landeswaldes in der Landesverfassung.
Brandenburg verfügt über ein deutschlandweit einzigartiges Großschutzgebietssystem.
Mehr als 40% der Landesfläche sind Schutzgebiete mit unterschiedlichem Status. Fließgewässer und Seen sind ein prägendes Element der Kulturlandschaft in Brandenburg. Ca. 10.000 Standgewässer und ca. 33.000 km Wasserläufe umfassen ca. 2,3% der Landesfläche. Sie verbinden verschiedene Landschaftselemente und bieten mit ihren unterschiedlichen gewässertypischen Strukturen nicht nur vielfältige Lebensräume für Fauna und Flora, sondern sind auch besondere Anziehungspunkte für Freizeit- und Erholungsuchende. Millionen Bürger und Feriengäste - nicht nur aus Berlin - schätzen den hohen Erlebnis- und Erholungswert Brandenburgs und verbringen Freizeit und Urlaub bevorzugt in der naturnahen Kulturlandschaft. Im ländlichen Raum Brandenburgs liegen Chancen und Potentiale vor allem im naturverträglichen Ausbau des sprunghaft ansteigenden Rad- und Wassertourismus. Das betrifft Radwanderwege, Fahrrad- und Bootsausleihstationen sowie Herbergen. Die Unternehmen können damit werben, in der Küche Produkte aus der Region zu verarbeiten, Bauernhöfe können mit Hofläden ein weiteres Standbein aufbauen, ein Hotel kann umweltschonend geführt werden und eine autofreie Anbindung ermöglichen. Nischen, in denen neue Märkte erschlossen werden können, bestehen in der besonderen Qualität von Kinder- und Jugendreisen, beim Urlaub auf dem Bauernhof und in besseren Reisebedingungen für Menschen mit Behinderungen. Darin sieht die PDS einen Weg für diese Branche in Brandenburg, ein spezielles eigenes Klientel zu erschließen und damit eine Chance, im Wettbewerb der Urlaubs- und Freizeitregionen zu bestehen und gleichzeitig ökologischer zu handeln, als bei Prestigeprojekten der bisherigen Landesregierung wie Lausitzring und Tropical Island. Die ökologisch sinnvolle Gestaltung und Pflege einer vielfältigen Kulturlandschaft ist Grundvoraussetzung für einen naturnahen Tourismus, der durch touristische Übernutzung ebenso konterkariert würde wie durch eine Entnutzungstendenz landwirtschaftlicher Flächen oder großflächige Monokulturen.


VIII. Wasser als natürliche Ressource der Menschheit in dieser einen Welt erhalten

Die Verfügbarkeit über natürliche Ressourcen wird durch die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen die Menschen leben, einerseits und die ökologischen Bedingungen ihres natürlichen Lebensumfelds andererseits bestimmt. Dabei gerät in jüngster Zeit das Wasser in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen steuert die Welt auf eine dramatische Wasserkrise zu. Der Verbrauch habe sich in den vergangenen 50 Jahren fast verdoppelt . Die UN rief am 22. März, dem Weltwassertag 2005, die internationale Dekade „Wasser zum Leben“ 2005-2015 aus, um „das Bewusstsein für das nur begrenzt verfügbare Lebenselixier weltweit (zu) stärken“.
Das Beispiel der Verteilung des Wassers in der Nil-Region (siehe Anlage 2) zeigt, dass sich soziale Konflikte zunehmend auch durch die Veränderung der natürlichen Lebensbedingungen zuspitzen können. Die nächsten Kriege werden vielleicht nicht mehr um Öl, sondern um Wasser geführt. Probleme mit der Wasserversorgung können die schon heute große Armut in vielen so genannten Entwicklungsländern weiter verschärfen. Dieses Problem wird potenziert, weil wir Bewohner der immer noch reichen Industrieländer aus Afrika, Asien und Südamerika Baumwolle, Kaffee, Kakao, Tee und Südfrüchte beziehen, die dort auf Flächen angebaut werden, die angesichts der absehbaren Bevölkerungsentwicklung dringend für die Nahrungsmittelproduktion gebraucht werden. Und: diese Kulturen brauchen oft mehr Wasser, als regionale Pflanzen, die der Ernährung dienen. Diese auf Export ausgerichteten landwirtschaftlichen Abhängigkeiten existieren seit der Eroberung der „Neuen Welt“ durch Kolumbus und ihre zunehmende Tendenz wird durch den sich globalisierenden Markt seit ca. 100 Jahren weiter verstärkt. Im Spannungsfeld zwischen Erwerbsmöglichkeiten für die regionale Bevölkerung und durch sie verursachte Umweltschäden müssen Interessen zukunftsfähig, also sozial und ökologisch ausbalanciert werden.
Im Interesse gleicher Chancen für alle Menschen ist eine friedliche Eine-Welt-Politik nötig, um die jetzt schon vorhandenen Probleme zu lösen und zusätzliche zu vermeiden. Nachhaltige, in der regionalen Bevölkerung verankerte Entwicklungskonzepte in allen Teilen der Erde sind aktive und direkte Armutsbekämpfung, die mehr zu Sicherheit und Frieden in dieser Welt beitragen kann, als jeder Krieg gegen den Terrorismus, der ohnehin unsinnig ist.
Eine Möglichkeit der Menschen in den modernen Industriegesellschaften, diesen strukturellen Kapitalismusfolgen in den so genannten Entwicklungsländern entgegen zu wirken, wäre der Verzicht auf „Kolonialwaren“ und die Nutzung saisonaler, regionaler Produkte - oder der Kauf von Produkten aus dem Fairen Handel, bei dem die Produzentin oder der Produzent so viel für seine Ware erhält, dass sie/er ihren/seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.
Auch in Brandenburg gibt es eine Fehlmenge im Landeswasserhaushalt. Das Defizit betrug 1990 13 km3, heute beträgt es immer noch 9 km3 und wird durch den Klimawandel (Extremtrockenheiten) verschärft. So muss das Land Brandenburg aus dem Freistaat Sachsen Wasser zu Lasten des ohnehin verschuldeten Landeshaushalts hinzukaufen. „Das politische Tabu im Umgang mit der Versteppung Brandenburgs ist ohne Zeitverzug zu brechen.“ Dafür sind kurzfristig Maßnahmen zur Wasserrückhaltung in der Landschaft umzusetzen. Sinnvolle Wiedervernässungsprojekte wie im Rhinluch sind zu fördern. Ein Moorschutzprogramm fordert die PDS Brandenburg seit vielen Jahren.


IX. Weltweite Bevölkerungszahl und – entwicklung als soziales und ökologisches Spannungsfeld

Bei den Anpassungsstrategien zum Klimawandel spielen Bevölkerungszahl und ihre Entwicklung eine entscheidende Rolle. Laut einer UNO-Studie von 2005 wird die Weltbevölkerung bis zum Jahre 2050 um 40% auf dann 9,1 Milliarden Menschen steigen. Dabei bleibt die Bevölkerungszahl in den Industrieländern im Wesentlichen unverändert; d.h. der gesamte Bevölkerungszuwachs ist in den so genannten Entwicklungsländern zu erwarten. Damit sind die Auswirkungen sowohl des Klimawandels als auch der Bevölkerungsentwicklung dort - wie am Beispiel des Nils gesehen - deutlich dramatischer als in den Industrieländern.
Es ist bekannt, dass die Bevölkerungsentwicklung wesentlich vom Verhältnis der Geschlechter zueinander bestimmt wird. Daher ist auch die Frage nach den Chancen der Frauen auf ein selbst bestimmtes Leben, auf Bildung und gesellschaftliche Anerkennung Teil eines Konzepts zur nachhaltigen Entwicklung einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Das gesellschaftliche Verhältnis zwischen den Geschlechtern entscheidet mit über ihre gemeinsamen Zukunftschancen.
In Europa sind rein formal gesetzlich Frauen den Männern gleichgestellt, in der gesellschaftlichen Realität sind jedoch deutliche und leider wieder zunehmende Defizite offensichtlich. Frauen werden zunehmend in die Defensive gedrängt und sind zuerst von Armut bedroht – direkt als Frau oder als Mutter. Die historisch gesehen am besten ausgebildete Frauengeneration der ehemaligen DDR trifft dieses Abrutschen auf der gesellschaftlichen Leiter besonders hart – sozial, emotional, politisch. Viele fühlen sich der strukturellen Benachteiligung in der derzeitigen Gesellschaft schutzlos ausgeliefert. Gleichzeitig wollen gerade sie keine Opfer sein. Die zunehmende Abwanderung junger, gut qualifizierter Frauen hat für die Zukunftsfähigkeit Brandenburgs verheerende Folgen, aber die Landesregierung versucht allenfalls Anpassung an diese Entwicklung statt gegenzusteuern.
Der Zugang zu Bildung ist seit über 100 Jahren in Europa auch für Frauen garantiert. In Europa spielen Kinder als individuelle Alterssicherung keine Rolle mehr, weder politisch noch sozial. Damit hat sich in diesem Zeitraum in Europa der Bevölkerungszuwachs in einen Bevölkerungsrückgang gewandelt: Hatten um 1900 Familien noch bis zu 10 Kindern, so haben heute die Familien meist nur 1 oder 2, viele Paare gar keine Kinder. Gleiche Bildungschancen für Mädchen und Jungen und ein soziales Sicherungssystem unabhängig von der Kinderzahl würden in den so genannten Entwicklungsländern einen großen Schritt bedeuten, das Bevölkerungswachstum der Erde besser zu steuern. Die auf dem Weltgipfel in Johannisburg 2002 beschlossene „Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung“ für den Zeitraum von 2005-2014 verweist auf diesen Ansatz.


X. Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse

Zu der allgemeinen Feststellung, dass sich die Menschheit, will sie in einer sozialen, friedlichen Zukunft leben, auch in die naturgegebenen Bedingungen auf dem Planeten Erde einfügen muss, sind aus dem sich bereits vollziehenden Klimawandel einige konkrete Bedingungen für dieses „Einfügen in die Natur“ abgeleitet worden.

*Global ist die Energiewende objektiv notwendig, wobei sie regional angepasst realisert werden muß, um den weiteren Klimawandel zu bremsen.

* Bei der Ausarbeitung der Anpassungsstrategien an den Klimawandel sind die Wechselbeziehungen zwischen Temperaturbedingungen, Wasserverhältnissen und Bevölkerungsentwicklung regional ganz verschieden( These V, Anlagen 1 und 2), so dass regional unterschiedliche Anpassungsstrategien objektiv nötig sind ( wichtig für regionale Wirtschaftskreisläufe).

* Für die Bevölkerungsentwicklung sind die gleichen Chancen für beide geschlechter ganz wesentlich; insbesondere für Bildung.

Dabei haben diese Maßnahmen immer auch eine soziale Dimension - sowohl hinsichtlich der Folgen als auch hinsichtlich der politischen Handlungsstrategien. Zur Bewältigung der Zukunftsprobleme dieser Welt ist eine nachhaltige Wirtschafts- und Lebensweise zwingend erforderlich. Dass heißt so zu leben, dass auf der Erde natürliche Lebensbedingungen für die heutigen und die künftigen Generationen der Menschen erhalten bleiben. Dabei sind die ökologischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen im gesellschaftlichen Zusammenhang zu betrachten (Dreieck der Nachhaltigkeit). In diesem Dreieck sind die ökologischen Bedingungen die entscheidenden Rahmenbedingungen, in die sich die menschliche Gesellschaft einfügen muss! Die sozialen und ökonomischen Bedingungen sind diesem Ziel entsprechend zu gestalten!
Damit stellt sich das demokratisch-sozialistische Politikkonzept der PDS deutlich einerseits dem neoliberalen Weg entgegen, der der ökonomischen Entwicklung absolute Priorität einräumt – koste es, was es wolle. Wir sind dagegen der Auffassung: die Wirtschaft ist für die Menschen da und nicht umgekehrt. Andererseits lehnen wir elitäre Umsetzungskonzepte für Nachhaltigkeit ab und anerkennen die Notwendigkeit und Verpflichtung, die sozialen Voraussetzungen zu schaffen, die den Menschen eine nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise ermöglicht. Das ist Aufgabe der Politik.


Aus den bisherigen Thesen II bis VI ergibt sich ein Gegenkonzept zur gegenwärtigen neoliberalen, globalen Wirtschaftslogik. Dieses Gegenkonzept läuft auf eine
· globale Energiewende zur Energieeinsparung und zur Einführung erneuerbarer Energien und der allmählichen Abnahme der Nutzung fossiler Energien ( und Abschaffung der Atomenergie und auf
· eine regional nachhaltige Entwicklung mit regionalen Wirtschaftskreisläufen hinaus.

Die ökologische Wende liegt objektiv im Interesse der Menschen, weil sie selbst und ihre Nachkommen auf diesem Planeten leben möchten. Sie zu realisieren werden breite Bündnisse und ein kluges, interdisziplinäres Denken und Handeln gebraucht. Alternativen zur herrschenden Politik sind nicht nur möglich - sie sind auch dringend nötig. Nachhaltige Entwicklung ist keine Ressortangelegenheit des Umweltschutzes. Notwendig ist vielmehr ein Zusammenwirken der verschiedenen Institutionen sowie politischen Ebenen und Verantwortlichen. All das wird sich nicht im Selbstlauf entwickeln, es ist viel mehr Druck aus der Gesellschaft, außerhalb und innerhalb der Parlamente nötig. Auch daran, ob nachhaltige Entwicklungskonzepte in dieser Gesellschaft eine Chance bekommen, wird sich die Demokratie messen lassen müssen.
In diesem Sinne ist für die PDS die Zusammenführung des politischen Handelns auf außerparlamentarischer und parlamentarischer Ebene unter Einbeziehung von über die derzeitige Gesellschaft hinaus gedachten Alternativen elementares Politikverständnis.


XI. Eine andere Bewertung der Arbeit

Eine nachhaltige, zukunftsfähige Entwicklung der Gesellschaft ist eng verbunden mit der Frage nach einer gerechten Gestaltung des Lebens der heutigen Generationen nebeneinander auf der Erde und die Sicherung der natürlichen und sozialen Lebensbedingungen künftiger Generationen. Dabei geht es nicht nur um die biologische Reproduktion der Art „Mensch“, sondern auch ihres sozialen Gefüges.
Wenn das Handeln der Menschen darauf ausgerichtet ist, sich selbst nicht nur als biologisches, sondern auch als soziales Wesen zu reproduzieren, müssen individuelle Bewertungen von Regelungen, Entscheidungen und ihren Auswirkungen durch eine gesamtgesellschaftliche Bilanz ergänzt werden. Nicht nur das, was dem Einzelnen nutzt oder schadet, ist Maßstab, sondern auch die Konsequenzen für alle. Eine solche gesamtgesellschaftliche Bilanz muss zukünftig auch bei der Neubewertung von „Arbeit“ eine wichtige und generelle Rolle spielen.
In diesem Sinne schafft Arbeit die Voraussetzungen dafür, den Stoffwechsel des Menschen mit der Natur zu gestalten, um die jetzigen und die kommenden Generationen von Menschen zu ernähren, zu kleiden, ihnen Wohnung zu geben, sie zu pflegen, gesund zu erhalten, zu bilden und auszubilden. Arbeit ist demnach auf mehr gerichtet als nur auf das Ziel, Wohnung, Nahrung und Kleidung zu produzieren. Die letztgenannte Arbeit wird in der Warenproduktion geleistet. Adelheid Biesecker nennt diese Arbeit Erwerbsarbeit.
Die darüber hinausgehende, im o. g. Sinne für heutige und künftige Generationen notwendige Arbeit, wird als Reproduktionsarbeit bezeichnet. Derzeit wird in der Regel nur die Erwerbsarbeit bezahlt, während z B. Versorgungsarbeit, die meist von Frauen geleistet wird, in der Regel nicht bezahlt wird. Es gehört zu einem nachhaltigen Gesellschaftskonzept, Reproduktionsarbeit (Versorgungsarbeit, Eigenarbeit und Gemeinwesenarbeit) gesellschaftlich deutlich höher zu bewerten. Grundlage dafür ist zunächst, dass sie als für die Gesellschaft erforderlich anerkannt wird und andere ökonomische Rahmenbedingungen als für die Erwerbsarbeit geschaffen werden. Dass bedeutet,
· anzuerkennen, dass ihre Behandlung nach den Gesetzen der Warenproduktion (Verwertungslogik) nicht sinnvoll ist
· sie bezahlbar zu gestalten (z. B. „non profit sector“) oder einen
· „Öffentlich geförderten Beschäftigungssektor“ zu schaffen.

Wird gesellschaftlich notwendige Arbeit ohne Gewinnbestrebungen so bezahlt, dass eine Existenzsicherung und Sozialversicherungsanspruch begründet wird, ist sie ein besseres und würdigeres Konzept, als Massen- und Langzeitarbeitslosigkeit über staatliche Almosen zu finanzieren. Diese Überlegungen sind eine wesentliche Seite der sozialen Nachhaltigkeit! Im Verbundprojekt „Arbeit und Ökologie“ der Hans-Böckler-Stiftung des DGB wurde nachgewiesen, dass mit einem nachhaltigen Entwicklungskonzept die Arbeitslosigkeit in Deutschland entscheidend gesenkt werden könnte. Obwohl dieses Konzept der rot/grünen Regierungskoalition in Deutschland bereits im Jahre 2000 vorgelegt wurde, wird es bis heute nicht umgesetzt.
Solange die Arbeitslosigkeit so hoch ist, müssen die Betroffenen auch zur Selbsthilfe greifen. Dazu gehören die Tauschringe, in denen die Mitglieder ihre Arbeit austauschen. Sie bieten die Möglichkeit, notwendige Dienstleistungen zu bekommen und zu geben, ohne Geld ausgeben zu müssen. Dabei werden die eigenen Fähigkeiten trainiert und die Gemeinschaft gibt sozialen Halt und Unterstützung. Jetzt im Jahre 2005 gibt es in Deutschland bereits 264 Tauschringe, die miteinander vernetzt sind und regelmäßige Treffen mit Erfahrungsaustausch veranstalten. Diese Tauschringe sind selbst organisierte gesellschaftliche Nachhaltigkeit!

XII. Ein soziales Umsetzungskonzept für den ökologischen Umbau wird gebraucht

Ein zukunftsfähiges Umsetzungskonzept für den ökologischen Umbau der Gesellschaft muss für die PDS soziale und ökonomische Bedingungen mitdenken. Die natürlichen Lebensbedingungen der heute lebenden Menschen müssen und können verbessert und für die kommenden Generationen gesichert werden – weltweit, bundesweit und in Brandenburg.
Das ist auch unser Auftrag aus dem Parteiprogramm der PDS. „In einer sozialistischen Gesellschaft, die wir anstreben, dienen Produktions-, Verteilungs- und Konsumtionsweise dem Ziel, allen die Bedingungen eines selbst bestimmten und solidarischen Lebens zur Verfügung zu stellen. Um dies zu erreichen, streben wir nach einer Veränderung des Typs von wirtschaftlichem Wachstum und wissenschaftlich-technischem Fortschritt, der der Zerstörung der Umwelt Einhalt gebietet und den nachfolgenden Generationen eine bewohnbare Welt hinterlässt.“
Bereits im Jahr 2000 (!) hat der Landesverband der PDS Brandenburg für unser Bundesland eine nachhaltige Entwicklung gefordert. 2004 wurde dem Parteitag in Blossin das Perspektivprogramm bis 2020 vorgelegt: „Perspektive Brandenburg 2020. Ein neues Brandenburg: Ein Land der sozialen Gerechtigkeit - attraktiv, lebenswert, tolerant und weltoffen. Miteinander verändern.“
Damit haben wir unsere Ideen und Vorschläge für ein nachhaltiges Brandenburg zur öffentlichen Diskussion mit allen Interessierten, Mitstreiterinnen und Mitstreitern vorgelegt!
Auf der 5. Ökologischen Konferenz der PDS werden die folgenden Themen näher betrachtet:
· „Globalisierung und Regionalisierung - zwei Seiten einer Medaille“
· „100 Prozent regenerativ bis 2050 - nur Vision oder reales Konzept?“
· „Nachhaltige Energiewirtschaft in Brandenburg - Jobkiller oder Quelle zukunftsfähiger Beschäftigung?“
· „Nachhaltiges Wirtschaften - Chance für Wertschöpfung im ländlichen Raum“
· „Verkehrswende - sozial nötig und regional möglich“

Die Autorinnen:
Dr. Ilse Spahn, AG Umwelt
Dr. Kirsten Tackmann, stellv. Landesvorsitzende

Wir bedanken uns herzlich bei allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus dem Landesverband, der Landtagsfraktion und der AG Umwelt, sowie Sympathisantinnen und Sympathisanten, die sich durch Textbeiträge oder kritische bzw. ergänzende Hinweise an der Erarbeitung dieser Thesen beteiligt haben.

Anlage1

Auszug aus „ Information: Die neuesten Einschätzungsberichte des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) zur Klimaänderung und Schlussfolgerungen der AGU
(W. Böhme, 4. 4.2001, ergänzte Fassung vom 13. 9. 2001)

Der IPCC- Spezialbericht (SRES) enthält umfassende Angaben über Emissionsscenarien und
Handlungslinien, die mit diesen Szenarien verträglich sind. Diese Angaben sind auch in die
Zusammenfassungen der Berichte der Arbeitsgruppen I und III für Politiker aufgenommen. Wir halten diese Handlungslinien und Szenarien für die Bewältigung der Klimaproblematik für sehr bedeutend und führen sie nachfolgend an: Es sind insgesamt 4 Handlungslinien- und Szenarienfamilien aufgeführt (von uns wurden die Aussagen über die Änderung der mittleren globalen Temperatur bis zum Jahre 2100 und die Stärke des Endwachstums der globalen Temperatur zu diesem Zeitpunkt aus Abbildungen aus diesem Bericht übernommen, wobei die Unsicherheit der Angabe der Erwärmung +/-50% umfasst; ein starkes Endwachstum bedeutet, dass auch zu Beginn des nächsten Jahrhunderts eine deutliche weitere Verschärfung der Erwärmung auftreten würde):

A1. Die A1-Handlungslinien und S/eine zukünftige Welt mit sehr raschem ökonomischem Wachstum, einer globalen Bevölkerungszahl, die in der Mitte des 21. Jahrhunderts das Maximum erreicht und nachher abnimmt, und einer raschen Einführung neuer und effizienterer Technologien.
Grundannahmen sind: Konvergenz zwischen den Regionen, Aufbau von Kapazitäten und anwachsende kulturelle und soziale Wechselwirkungen mit einer wesentlichen Reduktion der regionalen Differenzen im pro Kopf Einkommen. . . . Es gibt (innerhalb A1) drei Gruppen von Szenarien mit unterschiedlichen Richtungen des technologischen Wandels im Energiesystem:
· A1F1: Intensive Nutzung fossiler Quellen (2100: +4°C+/-50% und starkes Endwachstum)
· A1T: Nicht fossile Quellen (2,5°C, kein Endwachstum)
· A1B: gemischte Nutzung . . . unter der Annahme, dass ähnliche Verbesserungsraten alle Energieversorgungs- und Endnutzungstechnologien betreffen (2,9°C, mäßiges Endwachstum)

A2. DieA2-Handlungslinien- und Szenarien-Familie beschreibt eine sehr heterogene Welt: Grundannahme ist das Selbstvertrauen lokaler Identitäten und ihre Bewahrung. Die Fruchtbarkeitsverhältnisse konvergieren zwischen den Regionen sehr langsam, was zu einer
kontinuierlich anwachsenden Bevölkerung führt. Die ökonomische Entwicklung ist vorrangig
regional orientiert; das ökonomische pro Kopf Wachstum und der technische Wandel ist mehr zersplittert und langsamer als bei anderen Handlungslinien (3,8°C und sehr starkes Endwachstum)

B1. Die B1-Handlungslinie- und Szenarien-Familie beschreibt eine konvergente Welt mit den gleichen Veränderungen der Population wie unter A1, aber mit raschen Änderungen in den ökonomischen Strukturen in Richtung auf eine Dienstleistungs- und Informationsökonomie mit Reduktionen in der Materialintensität und mit der Einführung von sauberen und ressourceneffizienten Technologien. Nachdruck wird gelegt auf globale Lösungen in Richtung auf ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeit einschließlich verbesserter Gerechtigkeit aber ohne zusätzliche Klimainitiativen (1,9°C und fast kein Endwachstum)

B2. Die B2-Handlungslinie und Szenarien-Familie beschreibt eine Welt, in der Nachdruck auf lokale Lösungen mit Richtung auf ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeit gelegt wird. Es ist eine Welt mit ständig anwachsender globaler Bevölkerung, aber mit einer geringeren Rate als unter A2 und mit einem geringeren, aber vielfältigeren technologischen Wandel als bei den Handlungslinien B1 und A1. Da das Szenario auch auf Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit orientiert ist, konzentriert es sich auf lokale und regionale Ebenen (2,6°C und mäßiges Endwachstum).

Wir kommen zu dem Schluss, dass mit unseren Vorstellungen zu Nachhaltigkeit, Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit vorrangig die Handlungslinien- und Szenarien-Familie B2 verträglich ist. Zumindest sind die vom IPCC mit der Szenarien-Familie B2 verbundenen Aussagen ermutigend, den bisherigen Weg weiter zu verfolgen, globale Nachhaltigkeit im Sinne der Agenda 21 über vorrangige Orientierung auf lokale und
regionale Nachhaltigkeit anzustreben . . .

Anlage2
(Autorin: Ilse Spahn)

Beispiel Einzugsgebiet des Nil

a. Der Nil ist mit 6800 km Lauflänge der längste Fluss der Erde. Sein Einzugsgebiet umfasst 10% der Fläche Afrikas (Lit. 1). Zu den Anrainern gehören 10 afrikanische Staaten, insbesondere Äthiopien, Sudan und Ägypten.
b. Der gesamte Zufluss des Nil stammt von den am Oberlauf liegenden Anrainern, insbesondere Äthiopien. Im 3000 km langen Unterlauf durch Sudan und Ägypten durchfließt der Nil Steppen und Wüsten ohne weiteren Zufluss. Außerdem ist der Wasserverlust durch Verdunstung sehr hoch, insbesondere durch die Dammbauwerke (Stauseen in Ägypten und Sudan).
c. Der Abfluss aus dem Äthiopischen Teil des Nil wird auf 100 Milliarden m3/Jahr b.z.w. 76,5 Milliarden m3/Jahr aufgrund unterschiedlicher Messreihen angegeben. Mit dem Nilabkommen von 1959 wurden 86 Milliarden m3/Jahr zwischen Ägypten und
Sudan aufgeteilt, ohne die Interessen Äthiopiens zu beachten. Bisher deckt Äthiopien seinen
Wasserbedarf durch die hohen Niederschläge (1.500 mm/ Jahr), wobei auch nur eine geringe
Verdunstung (600mm/Jahr) auftritt. Da Äthiopien eine sehr hohe Bevölkerungszunahme erwartet, kann die Landwirtschaft nicht allein durch Niederschläge gesichert werden; künftig muss es auch Nilwasser entnehmen und Bewässerungslandwirtschaft betreiben.
d. Wie stark das Bevölkerungswachstum ist, belegen folgende Zahlen (Lit. 1 S.241): heute, Anfang des 21. Jahrhunderts, leben in den 3 Ländern Ägypten, Äthiopien und Sudan 162 Millionen Menschen. Im Jahr 2050 werden in diesem Gebiet schon 364 Millionen Menschen leben. Das sind 200 Millionen Menschen mehr als heute! Dabei ist das Bevölkerungswachstum in Äthiopien am höchsten, da fast die Hälfte der Bevölkerung dort heute jünger als 15 Jahre ist, während in Ägypten und Sudan nur etwa 1/3 der Bevölkerung sehr jung ist.
Im einzelnen (Zahlen auf Millionen gerundet)


Jahr______2000_____2050____Zuwachs 2000 – 2050

Ägypten____68______114_________46
Sudan______31_______64_________33
Ä thiopien___63______186________123
Summe____162______364________202

e. Verschärft kann dieser Konflikt noch werden, da der Monsun durch den Klimawandel Störungen haben wird, so dass die hohen Niederschläge nicht mehr regelmäßig fallen.

Es wird also eine Neuaufteilung des Nilwassers unausweichlich, um im Einzugsgebiet des
Nil mehr als doppelt soviel Menschen wie heute ernähren zu können.

Literatur: 1.
Warnsignal Klima „Genug Wasser für alle ?“ Wissenschaftliche Auswertungen , Hamburg 2005 /ISBN-3-9809668-1. Beitrag: H. J. Luhmann “Die Verschärfung des Konflikts um die landwirtschaftliche Nutzung des Nilwassers“, S.239 – 244

Anlage3
(Autorin: Ilse Spahn)

Beispiel : Einige Aspekte zum Einzugsgebiet der Elbe

Im Einzugsgebiet der Elbe steht im Vergleich zu Deutschland insgesamt relativ wenig Wasser zur Verfügung, weil mit 630 mm/Jahr (Reihe 1961-1990) 150mm/Jahr weniger Niederschlag fallen als im Durchschnitt in Deutschland; denn das Elbeeinzugsgebiet liegt schon im Übergangsgebiet zwischen atlantischem und kontinental geprägtem Klima (Frank Wechsung 2004).
Vorteilhaft ist, dass das Flussgebiet der Elbe auf 600 km von 1.091km Flusslänge nahezu unverbaut ist. Am Mittellauf der Elbe zwischen Mulde- und Saalemündung befindet sich mit 117,4 km2 das größte geschlossene Auenwaldgebiet Mitteleuropas. Auch im Spree-Havelgebiet gibt es noch große Feuchtgebiete z. B. den Spreewald. Die Gestaltung des regionalen Wasserkreislaufes im Elbeeinzugsgebiet ist dennoch eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft; sind doch im letzten Jahrhundert erheblich Nachhaltigkeitsdefizite im Elbegebiet verursacht worden:
· Gewässerbelastungen mit Nähr- und Schadstoffen, abgebaut etwas durch die Deindustrialisierung in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung Deutschlands
Der Bergbau in den sächsischen und Brandenburger Braunkohletagebauen stellt während des Abbaues und auch noch lange Jahre nach dessen Ende einen sehr starken Eingriff in den Wasserhaushalt dar

Viele Meliorationsmaßnahmen dienten der Trockenlegung von Feuchtgebieten im Interesse der Landwirtschaft. Sie beschleunigten den Abfluss des Niederschlagswassers, was bei der zunehmenden Trockenheit in vielen Teilen des Elbegebietes ungünstig ist

Soweit einiges zum Ausgangszustand im Elbegebiet zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Vor diesem Hintergrund sind die beginnenden Klimaänderungen zu bewältigen. Diese brachten bisher im Elbegebiet zunehmende Winterniederschläge, abnehmende Sommerniederschläge und eine Temperaturzunahme. Es wird mit einer weiteren Erwärmung bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts um1.4°K im Vergleich zum Zeitraum 1951-2000 gerechnet (Frank Wechsung 2004), was zu höherer Verdunstung und Versteppungstendenzen insbesondere im Sommerhalbjahr führen kann.
Dabei muss die Gesellschaft in der Lage sein, außer diesen allmählichen Änderungen des Klimas Extremereignisse wie das Elbehochwasser 2002 und die außerordentliche Trockenheit des Jahres 2003 mit möglichst geringen Schäden zu überstehen.

Zunächst einiges zum Elbehochwasser 2002 :

Bei Hochwasser im Hauptfluss also der Elbe gibt es Möglichkeiten der Vorhersage und auch der Vorsorge, indem man Überflutungsflächen nicht bebaut und sie nur eingeschränkt landwirtschaftlich nutzt. Anders ist die Situation in kleinen Gebirgszuflüssen zu einem großen Fluss wie z.B. den linken Elbezuflüssen aus dem Osterzgebirge: Gottleuba, Müglitz, Rote und Wilde Weißeritz. Dort ist das Elbtal tief zwischen Osterzgebirge und Elbsandsteingebirge eingeschnitten, es bildet einen nach Norden offenen Trichter. Damit werden bei nördlichen Winden in der unteren Atmosphäre die Niederschlagsprozesse besonders verstärkt und der gefallene Niederschlag fließt bei den kurzen Lauflängen der Flüsse zwischen Erzgebirgskamm
(etwa 900 m) und Mündung in die Elbe (weniger als 150 m) ab. In den vergangenen Jahrhunderten traten dort immer wieder sehr starke Sommerhochwässer auf (1897, 1927, 1954, 1957 und 1958). So haben schon unsere Vorfahren in diesen Flüssen Talsperren gebaut, um in Trockenzeiten genug Trink- und Brauchwasser zu haben und um bei Hochwasser die Risiken zu mildern.
In den 60ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde im Auftrag des Hydrologischen Institutes der Technischen Universität Dresden (Prof. S. Dyck) diese Strategie des Hochwassermanagements mit Talsperren mit einer Reihe von Forschungsarbeiten überprüft. So wurden 143 Niederschlagssituationen in diesem Gebiet zwischen 1946 und 1966 untersucht; die dazu gehörenden Gebietsniederschläge (Dauer mehr als ein Tag) erreichten Werte von maximal 200 mm (I. Spahn 1969).
Im August 2002 wurden im gleichen Gebiet am Kamm des Osterzgebirges an der Station Zinnwald- Georgenfeld folgende Niederschläge gemessen: am 12. 08. 312 mm und in der Zeit vom 11. -13. 08.02 406,2 mm. G. Malitz vom Deutschen Wetterdienst (DWD) stellt dazu fest, dass dieser Wert von 312 mm Niederschlag der größte Tageswert der Niederschlagshöhe ist, der seit Beginn der routinemäßigen Messungen in Deutschland registriert wurde (G. Malitz 2002). Das ist also eine andere Größenordnung als in den früheren Jahrzehnten!
Solche Ereignisse kann man nicht langfristig vorhersagen. Die Risikovorsorge mit dem Talsperrenbau und deren abgestimmten Management zwischen meteorologischen und hydrologischen Institutionen bleibt bei den kleinen Gebirgsflüssen eine richtige Strategie.
Die Gesellschaft muss sich angesichts des beginnenden Klimawandels mit den Hochwasserrisiken auseinandersetzen. Eine interdisziplinär erarbeitete Studie kommt zu dem Schluss, “dass weder bei der Hochwasservorsorge noch bei der Bewältigung von Hochwasserkatastrophen in Deutschland das erforderliche Maß an Kooperation, Kommunikation und Führung vorhanden ist. Bei beiden mangelt es an ausreichendem Zusammenwirken über Fach- und Raumgrenzen sowie insbesondere über Bundesländergrenzen hinweg.“ (U. Grünewald 2003)
Hochwasserereignisse sind schlimm, richten große Schäden in Natur und Gesellschaft an. Schlimmer jedoch sind die entgegen gesetzten Ereignisse: große, lang anhaltende Trockenheit wie z. B. im Jahre 2003.
Das gilt im Elbegebiet vor allem für dessen Teile, die in Brandenburg liegen, denn Brandenburg gehört mit Jahresniederschlägen von unter 600 mm zu den trockensten Regionen in Deutschland (im Nordosten sogar noch unter 500 mm im Jahr Niederschlag). Hinzu kommt noch der Sandboden in vielen Teilen Brandenburgs. Bei diesen Ausgangsbedingungen wirkt sich eine so extreme Trockenheit wie im Sommer 2003 besonders stark aus. Die Schäden in Form von Ernteausfällen, Wassermangel und gesundheitlichen Schäden (Erhöhung der Zahl der Sterbefälle) sind insgesamt höher als bei Hochwässern wie das von 2002. Insgesamt ist es also notwendig, die Einschätzungen, die in der „Studie zur klimatischen Entwicklung im Land Brandenburg bis 2055“ vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) getroffen worden sind, ernst zu nehmen und in Handlungen umzusetzen (Manfred Stock 2003):
„ Innerhalb der nächsten 50 Jahre sind bei einem moderatem Temperaturanstieg von 1,4 °K in Brandenburg folgende Klimaänderungen im Vergleich zur aktuellen Situation zu erwarten:

• Niederschlagsrückgang um 2050. Jahressumme unter 450 mm im Nordosten und im Süden Brandenburgs sogar unter 400 mm ... Die Sommerniederschläge nehmen weiter deutlich ab.

• Aber mit einer Zunahme von Starkregenereignissen ist zu rechnen ... Zunahme der Sonnenscheindauer ...

• Abnahme der Bewölkung ...

Auswirkungen auf Wasserhaushalt und Vegetation:
Der Landschaftswasserhaushalt in Brandenburg ist geprägt durch niedrige jährliche Niederschlagssummen ..., so dass das geringe Wasserdargebot während des Sommerhalbjahres der limitierende Faktor für das Wachstum der natürlichen Vegetation und der Nutzpflanzen ist. Gleichzeitig ist der Wasserverbrauch durch Industrie, Haushalte, Tourismus und Landwirtschaft gemessen am Wasserdargebot sehr hoch, so dass es zu Nutzungskonflikten z. B. zwischen Wasserwirtschaft und Naturschutz kommen kann ... “
Betrachtet man die in dieser Studie untersuchten Auswirkungen eines eher als „konservativ“ zu bezeichnenden Klimaänderungsszenariums, so wird deutlich, dass sich diese Konflikte zukünftig eher noch verstärken können. Für den Zeitraum 2040-2050 ändert sich bedingtdurch niedrigere Niederschläge und höhere Temperaturen

• die Evaporation um -13 %,

• die Grundwasserneubildung um -42 %

• und der Gesamtabfluss um -24 % gegenüber den jetzigen Werten.

Wenn man bedenkt, dass schon heute z. B. zwischen dem Bergbau und dessen Folgen, sowie dem Wasserbedarf im Spreewald und dem großen Wasserbedarf für Industrie und Bevölkerung in und um Berlin in Trockenzeiten Konflikte entstehen, so werden sich diese verstärken.
Diese wenigen Beispiele aus dem Einzugsgebiet der Elbe zeigen: Bei der Anpassung an die Klimaauswirkungen ist unser Umgang mit den Wasserressourcen von entscheidender Bedeutung. Das gilt schon heute und erst recht in der Zukunft.

Literatur:

Frank Wechsung „Herausforderungen des globalen Wandels für das Elbegebiet, Forschungsschwerpunkte und der Integrative Methodische Ansatz (IMA) von Glowa-Elbe“ in Globaler Wandel (Glowa) des Wasserhaushaltes im Elbeeinzugsgebiet, Glowa-Elbe, Abschlusskonferenz in Potsdam 15.-16.03.04
I.Spahn „Methoden zur Auswahl und Meteorologischen Analyse sommerlicher Hochwassersituationen im Mittelgebirge“ Dissertation Karl Marx Universität Leipzig 1969
G. Malitz DWD Zum Starkniederschlagsgeschehen im August 2002 In: Mitteilungen der
Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG)/3/2002
U. Grünewald „Hochwasservorsorge in Deutschland - Lernen aus der Katastrophe im Elbegebiet 2002“ Hydrobrief Nr. 22 Dezember 2003
Manfred Stock in öffentliche Anhörung im Landtag Brandenburg am19.02.03