Wolfgang Methling, Umweltminister Mecklenburg Vorpommerns (PDS):
Umweltpolitik Mecklenburg Vorpommerns (Bandmitschnitt)
Ich möchte zu folgenden Dingen sprechen:
Ich möchte zunächst etwas zum Politikstil sagen, der
medienübergreifend ist, aus meiner Sicht außerordentlich
wichtig ist, damit Politik gelingen kann, unabhängig von
den Inhalten, die man natürlich niemals von Stilfragen trennen
kann.
Ich werde dann etwas sagen
zu ökologischen Grundsatzfragen, - zur nachhaltigen Entwicklung
in unserem Lande,
zu Fragen des Naturschutzes,
zur Landschaftspflege,
zum Gewässerschutz,
zur Kreislaufwirtschaft Abfall,
zum Bodenschutz, Immissions- und Klimaschutz und
schließlich die Fragen des Strahlenschutzes und der Reaktorsicherheit
behandeln.
Das sind Aufgaben, mit denen wir in Mecklenburg-Vorpommern im
Umweltministerium vertraut oder betraut sind. Ich bin fast nicht
zuständig für Energiepolitik, sondern für Klimaschutzfra-gen.
Energiepolitik ist Aufgabe vorrangig des Wirtschaftsministers,
und leider sind wir da nicht gerade Bündnisgenossen.
Es wäre auch günstig, wenn wir für andere Bereiche
verantwortlich wären. Ich habe da an-dere Vorstellungen
vom Zuschnitt dieses Ministeriums. Aber meine Meinung war erstens
nicht gefragt und zweitens hätte sie sich nicht durchgesetzt,
denn unser Koalitionspartner hatte da andere Vorstellungen. Nichtsdestotrotz
sind wir ein kleines, aber feines Ministerium, was ent-schlossen
Umweltpolitik in Mecklenburg-Vorpommern machen kann.
Vielleicht sollte ich etwas dazu sagen, wie es überhaupt
dazu gekommen ist, daß ich Um-weltminister geworden bin.
Das war ziemlich zum Schluß, in den letzten Stunden, in
den letz-ten Tagen vor der Berufung des Kabinetts. Ich habe mehrere
Jahre die Kommission Umwelt und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern
geleitet. Mal zusammen mit Caterina Muth, mal einige Jahre allein.
Ich habe vorher an der Universität Rostock im Arbeitskreis
Umwelt und Naturschutz gearbeitet und bin beruflich tätig
an der Agrarwissenschaftlichen Fakultät, war Sprecher des
Fachbereiches Agrarökologie und habe mich vor allen Dingen
mit Fragen der umwelt- und tiergerechten Haltung von Nutztieren
beschäftigt. Das ist sozusagen mein fachli-cher Hintergrund
dafür, daß ich Umweltminister geworden bin.
Wir werden insgesamt zu bilanzieren haben, spätestens in
3 Jahren. Wir haben nächste Wo-che unser Jubiläum -
am 3. November 1999 sind wir ein Jahr im Amt. Und was ich heute
vor-stelle, ist praktisch das, was wir in diesem einen Jahr uns
vorgenommen haben bzw. ver-wirklicht haben.
Und wenn ich gleich da anfangen darf - ich komme zum Schluß noch
einmal darauf zurück - dann will ich sagen, wenn ich die
Koalitionsvereinbarung als Gradmesser nehme, dann haben wir bis
auf einen Punkt die Koalitionsvereinbarung bereits nach einem
Jahr erfüllt. Insofern haben wir, denke ich, im Bereich
der Umweltpolitik eine Arbeit geleistet, die sehr entschlossen
die Aufgabe angegangen ist, und wir haben trotzdem noch sehr
viel zu tun, weil es natürlich in der täglichen Arbeit
zu untersetzen ist. Und wir gehen selbstverständlich in
dem, was wir entwickeln und tun, über das hinaus, was Rahmen
der Koalitionsvereinbarung ist.
Hinsichtlich des Politikstils ist es mir außerordentlich
wichtig hervorzuheben, daß es eine gute Zusammenarbeit
mit den Umwelt- und Naturschutzverbänden geben muß.
Ich betrachte diese Zusammenarbeit als unverzichtbar, und wir
haben dazu auch gleich in den ersten Tagen und Wochen entsprechende
Akzente gesetzt.
Am deutlichsten ist das zum Ausdruck gekommen bei der Einbeziehung
der Umwelt- und Na-turschutzverbände in die Vorbereitung
der Meldung von FFH-Gebieten. Dieses war sozusa-gen ein Paukenschlag
unserer Vorgehensweise. Ich werde noch heute dafür kritisiert,
daß wir zunächst mit Umwelt- und Naturschutzverbänden über
die Ausweisung der FFH-Gebiete gesprochen haben, alle anderen
fühlen sich dadurch sozusagen benachteiligt.
Ich habe aber gesagt, wir werden das weiter so machen. Und ich
denke, daß sich das in der Zusammenarbeit mit den Verbänden
positiv ausgewirkt hat. Die Verbände sind in dem Fall für
uns vor allen Dingen der BUND, der NABU und die GRÜNE LIGA.
Wir haben gestern darüber gesprochen, wie wir die Zusammenarbeit
mit GREENPEACE entwickeln können. Da gibt es eine solche
Landesorganisation nicht. Aber mir ist auch das ganz wichtig.
Ich betrachte die Verbände als meine Lobby. Und ich gehe
auch davon aus, daß das Um-weltministerium die Lobby für
die Umweltverbände ist. So verstehen wir uns. Wir haben
un-terschiedliche Funktionen, zum Teil auch unterschiedliche
Auffassungen. Aber wir sind ab-solut Partner in der Realisierung
der Umweltpolitik.
Ich glaube, wenn wir so vorgehen, dann werden wir bei aller
Differenziertheit und gegensei-tiger Kritik, die wir manchmal
haben, Gutes erreichen. Das ist ein neuer Stil von Politik, zumin-dest
in Mecklenburg-Vorpommern. Zu anderen Bundesländern kann
ich mich nicht äußern. Er wird zu neuen Inhalten und
ich denke auch zu neuen Ergebnissen führen.
Zweitens ist mir im Politikstil die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft
wichtig. Es gab ja hier einen gewissen Reibungspunkt. Wir haben
in unserem Lande sehr, sehr viel Umwelt- und Naturwissenschaft,
die in den Bereichen tätig ist, die in unserem Ministerium
zu entscheiden sind.
Und wir ziehen die Wissenschaft heran zur Beratung in Gutachten,
Aufträgen, Projekten, Stu-dien, die Grundlage für unsere
Entscheidung sein können, was nicht heißt, daß wir
die Vor-schläge der Wissenschaft in jedem Fall umsetzen
können und wollen.
Wir werden im November einen wissenschaftlichen Beirat einrichten,
einen Beirat, der in Strategie-Beratungen für uns etwas
leisten soll. Auch das ist, denke ich, ein wichtiger Mar-kenstein,
den wir hier gesetzt haben.
Drittens ist mir wichtig, daß das Umweltministerium ein
Ministerium ist, was auch in der Zu-sammenarbeit mit kleineren
und mittleren Unternehmen seine Arbeit leistet. In der Beratung,
in der Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen,
die sich mit innovativen Umwelttechni-ken, nachhaltigen Technologien
beschäftigen. Es muß deutlich werden, daß Umweltbehörden
nicht Verhinderungsbehörden sind, sondern an der Förderung
von Innovationen interessiert sind. Dem stellen wir uns in einigen
Bereichen. Darauf komme ich noch zurück.
Mir ist die rechtzeitige Einbeziehung von Betroffenen, von Bürgern,
von Kommunen, von Un-ternehmen und Vereinen wichtig. Vor allen
Dingen bei der Ausweisung der Schutzgebiete haben wir dieses
getan. Manche bezweifeln, daß wir das tun wollten. Aber
wir haben das in unserem Land beispielhaft praktiziert, bei allen
Vorwürfen, die es hin und wieder in der Pres-se gibt. Wir
haben die Öffentlichkeit in einer Art und Weise beteiligt,
die es in den anderen Bundesländern nicht gibt.
Und es ist eine sehr intensive Arbeit, die wir auf diesem Gebiet
leisten, was sich in Stunden ausdrückt, die ich unterwegs
bin, die die Mitarbeiter unterwegs sind, und ich glaube, letztend-lich
lohnt sich dieses Gespräch vor Ort. Ich glaube, daß es
wirklich wichtig ist, einen solchen Politikstil zu pflegen, um
eine größere Akzeptanz bei Mehrheiten zu erreichen
für Erfordernis-se des Umwelt- und Naturschutzes. Deswegen
hebe ich das hier hervor. Möglicherweise ist das ein zu
persönlicher Stil von mir.
Der nächste Punkt, und das hängt damit zusammen, das
ist die
Öffentlichkeitsarbeit.
Wir haben keine andere Chance, als über dauerhafte Öffentlichkeitsarbeit
um diese Akzep-tanz zu ringen. Und die hat man am ehesten, diese Öffentlichkeit,
wenn man vor Ort ist. Und glaubt doch ja nicht, daß es
so einfach ist, nur weil man ein Umweltminister ist, daß man
in die Landespresse kommt. Dort kommt man am ehesten hin, ins
Fernsehen bin ich bisher nur so gekommen, weil irgendwo ein Skandal
im Hintergrund war. Es ist sehr schwer, mit positiven Botschaften
in die Medien zu kommen. Und deswegen ist es wichtig, daß man
viel vor Ort ist. Man erreicht Doppeltes - man spricht mit den
Leuten und man erreicht dabei die Medien, und ich habe eine Pressesprecherin,
die eine außerordentlich versierte Arbeit leistet und uns
viel organisiert. Hin und wieder ist ein Skandälchen auch
ganz gut, über Grundsätzliches zu spre-chen.
Aber wie auch immer, wir organisieren diese natürlich nicht.
Aber ich habe da auch eine gan-ze Reihe von Altlasten abzutragen.
Jetzt stehe ich zum Beispiel im Wind, mit Tributylzinn, so als
hätte ich das selbst versenkt dort unten, mit Altreifen,
die brennen usw. Also, es gibt er-hebliche Probleme.
Und laßt mich eines zum Schluß noch eines sagen,
was den Politikstil betrifft - vielleicht ein bißchen im
Gegensatz zu dem was Volker Lüderitz gestern gesagt hat.
Er hat sich zu den schwarzen Beamten im Umweltministerium geäußert.
Ich halte das für eine nicht sehr gelun-gene Einschätzung.
Wir haben uns darauf einzustellen, daß wir mit einer Verwaltung
zu ar-beiten haben, die da ist. In dem Ministerium, was ich zu
leiten habe, sind 4 Leute neu. 2 davon sind, außer mir,
Mitglied der PDS. Von meinen 6 Abteilungsleitern sind 5 CDU-Mitglieder
und davon zum Teil richtige Parteisoldaten, wenn ich das mal
im Jargon sagen darf, die also sehr eifrig in ihrer Partei arbeiten.
Und wir stehen vor der Situation, daß wir mit diesen zusammen
Umweltpolitik machen wollen und möglichst eine neue. Wir
können diese Behörde nicht aus-wechseln. Welche Möglichkeiten
haben wir dann also, eine andere Politik zu machen? Mal abgesehen
von der Rechtssetzung, die wir ja auch nur mit Mehrheiten verändern
können. Es gibt aus meiner Sicht nur eine Möglichkeit
zu arbeiten - auf der Basis von Sachkompetenz, kollegialer Zusammenarbeit
und Vertrauen. Nur wer Vertrauen gibt, kann auch Vertrauen ernten.
Und auf der Basis von sehr sachlichen Gesprächen haben wir
erreicht, daß in vielen Umweltbereichen von den gleichen
Menschen, die seit 8 Jahren von CDU-Ministern gesteuert sind,
eine neue Politik gemacht wird. Und dieses bitte ich zu beachten,
darauf haben wir uns einzustellen. Es ist nämlich nicht
so einfach, daß aus einem Landtagsbeschluß und aus
der Meinung einer Fraktion oder einer Koalition tatsächlich
in der täglichen Arbeit neue Politik wird.
Dieses haben wir uns täglich zu erringen. Und damit kann
man auch für PDS werben, indem man sagt, das sind ja welche,
die nicht alle rausschmeißen, das sind welche, die wollen
mit uns arbeiten. Und das ist für die gesellschaftliche
Akzeptanz auch sehr gut. Deswegen habe ich das hier hervorgehoben,
weil es mir nicht als Bagatelle erscheint, worauf man sich ein-läßt,
wenn man eine Arbeit als Minister übernimmt, oder es kann
ja auch als Dezernent in einer Kreisverwaltung oder Stadtverwaltung
sein. Dort ist es ähnlich.
Und ich meine, wenn wir uns darauf einstellen, daß vielleicht
hin und wieder eine solche Si-tuation vorkommen kann, dann müssen
wir uns auch darauf einstellen, daß wir Menschen vorbereiten,
die diese Aufgabe wahrnehmen können, die fachlich und auch
rechtlich dafür qualifiziert sind. Mit meiner rechtlichen
Qualifikation ist nicht viel her, die habe ich aus meiner Zeit
der Hochschullehrertätigkeit mit einbringen können.
Aber es wäre besser, wenn ich da noch cleverer wäre.
Und deswegen meine ich, wir haben uns darauf vorzubereiten, damit
wir vom ersten Tag an eine erfolgreiche Arbeit leisten können.
Mein Staatssekretär ist übrigens ein SPD-Mitglied,
und wir haben sowohl inhaltlich als auch menschlich sehr gute
Grundlagen für eine Zusammenarbeit, was auch nicht überall
so ist. Es ist nicht so, daß die Zusammenarbeit im Kabinett
ausschließlich und tagtäglich von übergroßer
Harmonie getragen wäre. Da gibt es schon hin und wieder
Differenzen. Und es gibt auch Minister, die in dieser Koalition
nach wie vor keine Herzenssache sehen, um das einmal vor-sichtig
zu sagen. Deswegen haben wir auch täglich durch unsere Arbeit
die anderen Minister zu überzeugen.
Zu einigen Grundsatzfragen; ich will das nur stichpunktartig
nennen, was wir in Angriff ge-nommen haben, damit Ihr ermessen
könnt, was da nun tagtäglich so eine andere Umweltpolitik
ist.
Ich hatte schon über den wissenschaftlichen Beirat gesprochen.
Wir werden ihn u. a. dazu nutzen, regelmäßig Grundsatzdebatten
zu führen, zu strategischen Fragen der Entwicklung der Umweltpolitik,
soweit man das in einem Land überhaupt tun kann. Aber ich
denke, auch Länder haben dazu Beiträge zu leisten.
Wir werden eine "Akademie für Nachhaltige Entwicklung" bilden.
Sie wird nur privat zu finan-zieren sein. Ich werde also bei
Millionären sammeln gehen müssen. Ich hoffe, Ihr findet
das nicht schlimm. Anders ist das nicht zu finanzieren. Ich wollte
es eigentlich lieber aus dem Haushalt geregelt haben, aber die
Finanzmittel im Hause ließen das nicht zu.
Jetzt werden wir diese Akademie über eine Stiftung finanzieren.
Diese Akademie soll kein Gebäude sein, sondern ein symbolisches
Dach, unter dem Kriterien, Inhalte, Richtung der nachhaltigen
Entwicklung bestimmt werden. Wir haben sehr viel kompetente Wissenschaft
und auch Unternehmen, die sich dort betätigen können.
Wir wollen auch unseren Beitrag leisten zur Beschreibung der
Kriterien für ökologische Nach-haltigkeit von den Ressourcennutzungen
bis hin zur Vor- und Nachsorge. Wir haben mehr Geld eingestellt
im Landeshaushalt für Öko-Audit, und wir wollen auch
die Verbindung zwi-schen Öko-Audit und ISO-14000 haben,
damit die Unternehmen davon gleichzeitig profitieren können.
Wir fördern mehr als bisher lokale Agenden, für nachhaltiges
Leben und Wirtschaften in den Kommunen, zur Zusammenarbeit der
Kommunen mit Unternehmen, mit Gewerkschaf-ten, mit anderen Organisationen.
Wir werden mehr machen im grenzüberschreitenden Umweltschutz.
Bisher war die Zusam-menarbeit Mecklenburg-Vorpommerns vor allen
Dingen durch die Zusammenarbeit mit der Wojewodschaft Sczcecin
gekennzeichnet. Meines Erachtens ist das unzureichend. Und ich
habe in den ersten Monaten meiner Amtszeit einen Besuch in Finnland
gehabt, und ich werde solche Reisen fortsetzen. Wir wollen also über
die Ostsee hinaus unsere Verantwortung wahrnehmen für den
Naturschutz und den Klimaschutz im Ostseeraum. Und dafür
ist die Zu-sammenarbeit mit den anderen Ländern wichtig.
Um dieses leisten zu können, haben wir auch viel zu tun
in der Förderung der Umweltforschung. Das Umweltministerium
will mehr tun in der Forschungsförderung als bisher vorhanden
gewesen ist. Ich kann das als jemand sagen, der auf der anderen
Seite gestanden und bedauert hat, daß das eigene Umweltministerium
so selten Forschungsaufträge an die eigene Wissenschaft
vergibt. Ich will dabei keinen Ost-West-Gegensatz aufmachen,
sondern ich denke, es ist normal, daß wir unsere eigenen
Ka-pazitäten nutzen, das Informationssystem, was lange schon
vor sich her dümpelt, endlich besser einführen. Das
hat natürlich etwas mit Hardware, mit PC-Ausstattung, mit
Geld zu tun, es hat mit Software zu tun. Wir werden dabei auch
unsere Wissenschaft, soweit erforder-lich, mit einbeziehen.
Wir haben das "Freiwillige ökologische Jahr" im
Aufkommen auf 120 Plätze erhöht. Möglicher-weise
nicht viel, wenn man das mit anderen Bundesländern vergleicht.
Aber es sind 30 Plätze mehr als vorher, die müssen
finanziert werden. Und dafür haben wir das Geld eingestellt.
Wir haben, und damit darf ich vielleicht auf dem Gebiet abschließen,
was die Grundsatzfragen betrifft, wir haben eine Strukturveränderung
im Ministerium vorgenommen. Wir haben eine Abteilung "Integrierter
Umweltschutz und Nachhaltige Entwicklung" gebildet. Eine
solche Ab-teilung gibt es bisher in den anderen Bundesländern
nicht.
Dieses haben wir personal- und sachkostenneutral machen müssen.
Das hatte zur Folge, daß wir andere Zusammenlegungen vornehmen
mußten, die aber auch sehr schöpferisch sind. Wir
haben die Bereiche Wasser und Boden zusammengeführt. Ich
glaube, es ist ein großes Problem, daß die Umweltbehörden
immer medial handeln und denken. Die Schublade Wasser, die Schublade
Boden usw. Und deswegen meine ich, ist es auch eine Veränderung,
die wichtig ist. Gleiches trifft zu für die Zusammenführung
von Immissionsschutz und Abfallwirt-schaft. Die meisten abfallwirtschaftlichen
Projekte sind immissionsschutzrechtlich zu prüfen. Insofern
ist es gut, daß dieses zusammengeführt wurde.
Zum Naturschutz und zur Landschaftspflege
Wir werden unsere Nationalparkkonzepte weiter entwickeln, was
den Schutz betrifft, was die Öffnung betrifft, in der
Verbindung mit dem Tourismus, dort wo es möglich ist.
Wir möchten die Nationalparke und anderen Großschutzgebiete
weiter entwickeln. Wir haben im Lande 3 Nationalparke, 2 Biosphärenreservate,
wir haben 4 Naturparke, ein 5. Naturpark wird von mir im November
festgesetzt werden, auf der Insel Usedom. Und darüber
hinaus haben wir noch viele Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete.
Wir werden also diese Konzepte weiter entwickeln. Pflege- und
Entwicklungspläne dienen dazu, dieses zu tun. Sie sind
im Moment in der Erarbeitung, z. T. in der öffentlichen
Anhörung. Wir haben die Ausweisung weiterer Schutzgebiete
vorbereitet.
Was die Ausweisung der FFH-Gebiete betrifft, will ich sagen,
bei allen Abstrichen, die wir möglicherweise in der Ressortabstimmung,
in der öffentlichen Anhörung zulassen müssen,
werden wir ein Konzept haben, was naturschutzfachlich überzeugend
ist und das letztend-lich mit Zähneknirschen auch von den
Umwelt- und Naturschutzverbänden getragen werden kann. Ich
vergleiche auch mit anderen Bundesländern, soweit ein Vergleich
bei Schutzgebie-ten überhaupt möglich ist, denn letztendlich
entscheidet die Naturraumausstattung darüber, was wir als
Natur einbringen können in den Europäischen Verbund
für "NATURA 2000". Aber ich glaube, das wird sehr
respektabel sein. Wir werden etwa 8 % der Landesfläche melden,
8,7% nach dem letzten Vorschlag, in 139 Gebieten. Und wenn die
EU-Vogelschutzgebiete dazu gezählt werden, dann sind es
22 % - 23 % der Landesfläche, die zum Netz "NATURA
2000" gehören. Dazu kommen noch die Art. 10 Gebiete,
die letztendlich das Netz insgesamt bilden. Und ich glaube, das
ist etwas, was sich sehen lassen kann.
Deswegen finde ich es etwas traurig, daß man ohne längeres Überlegen
diese Herange-hensweise beschädigt. Wenn wir dafür
eine Mehrheit gefunden haben in unserem Land, ist das ein stolzes
Ergebnis, ein Ergebnis, was man nicht so sehr kritisieren sollte,
wie das hin und wieder getan wird. Das ist zumindest meine Erfahrung.
Ich habe auf dem Gebiet der Ausweisung der FFH-Gebiete über
60 Veranstaltungen vor Ort durchgeführt, der Staatsse-kretär
40 Veranstaltungen. Das gibt es in keinem anderen Bundesland,
daß Minister und die Staatssekretäre täglich
draußen sind und über diese Fragen sprechen. Das ist
für uns eine große Chance, über Naturschutz wieder
mehr zu sprechen. Dazu gab es schon lange keine Diskussion. In
der Wende wurden die Nationalparke sozusagen wie als Bombe reingesetzt.
Es war eine einmalige Chance, die ist genutzt worden. Da darf
man Michael Succow und an-deren sehr dankbar sein. Das wäre
heute so sicherlich nicht mehr möglich. Und dieses jetzt
wieder aufzugreifen, diesen Naturschutzgedanken, und nicht der
These zu folgen "Nun ist aber genug mit Umwelt- und Naturschutz",
das erfordert eine erneute Diskussion darüber. Insofern
kommt die FFH-Diskussion uns sehr entgegen, und das, was die
EU dort beschlos-sen hat, und das, was Herr Töpfer mit unterschrieben
hat, ist sicherlich für uns eine sehr gute Sache.
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es z. Z. kaum ein wichtigeres
Thema, als die Ausweisung von FFH-Gebieten. Das sichert uns sicherlich
eine gewisse Publizität. Aber das hatten wir nicht so angelegt.
Wir setzen uns dafür ein, daß Naturschutzflächen
nicht verkauft werden dürfen. Aber ich muß darauf
hinweisen, es gibt nur ein Moratorium, ausgelöst durch eine
Weisung eines Fi-nanzministers, der schon lange nicht mehr Finanzminister
ist.
Und was der neue Finanzminister tun wird, wissen wir nicht.
Wir möchten eine rechtliche Regelung haben, daß Naturschutzgebiete
nicht verkauft werden dürfen. In unserem Lande betrifft
das 60.000 bis 70.000 Hektar, die Naturschutzflächen sind,
und wo die Gefahr be-steht, daß sie privatisiert werden
sollen, was nicht immer eine große Gefahr ist. Es kommt
immer auf den Einzelfall an.
Aber wir haben dort noch viel zu tun und bitten auch die Bundestagsfraktion
um Unterstüt-zung bei dieser Frage. Die ostdeutschen Bundesländer
sitzen da fast alle in einem Boot. Aber es ist ein ziemlich kleines
Boot im Vergleich zu der großen Fregatte Finanzministerium,
die davon nicht berührt ist und die vor allen Dingen Geld
in der Kasse sehen möchte. Und insofern ist das eine schwierige
Sache, die dort zu leisten ist.
Wir werden unsere Stiftung für Umwelt- und Naturschutz
im Lande stärken. Wir haben eine, die ein Hungerdasein hat.
Wir wollen wenigstens erreichen, daß sie nicht stirbt.
Und das allein ist schon wichtig genug.
Wir werden das Landesnaturschutzgesetz novellieren. Dort geht
es vor allem um die Ver-bandsklage, aber nicht nur um die Verbandsklage.
Es wird wieder ein schwieriges Unterfan-gen, wie Ihr Euch wohl
vorstellen könnt. Es ist Gegenstand der Koalitionsvereinbarung.
Aber wir werden das dann im nächsten Jahr angehen.
Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern ein Moorschutzkonzept erarbeitet.
Ein Moorschutz-konzept, was es in anderen Bundesländern
so nicht gibt. Ein Konzept des sozialverträglichen Rückzugs
der Nutzer, der Bauern, aus vor allen Niedermoorflächen,
die durch Entwässerung dazu gebracht wurden, daß sie
immer mehr degradieren, daß dabei CO2 emittiert wird. Es
ist also ein Beitrag zum Klimaschutz, zum Naturschutz, zum Gewässerschutz,
und ich sage auch immer wieder - es ist ein Bauernschutzprogramm.
Weil nämlich die Nutzung dieser Moo-re fast perspektivlos
ist. Man freut sich ja in manchen Gegenden, überhaupt noch
Rinder auf der Weide zu sehen. Und die Rinder werden immer mehr
in den Stall gehen, soweit wir denn überhaupt noch welche
haben, weil sie 10.000 l Milch eben nur im Stall leisten können
und nicht auf der Weide. Ich rede nicht davon, daß es gut
ist, daß sie 10.000 l Milch geben sollen. Aber das entwickelt
sich, Genossen Bauern .....
Und insofern müssen wir auf dem Gebiet, was wir zu bearbeiten
haben, eine Antwort geben. Und wir haben sie gegeben. Wir werden
jährlich 9 Mill. Mark ausgeben für dieses Moor-schutzprogramm,
20 Jahre lang. Und das ist doch etwas, was man auch zur Kenntnis
neh-men sollte, wenn man über Umwelt- und Naturschutzarbeit
redet.
Wir werden die Weiterbildung für Naturschutz wieder einführen.
Wir hatten eine wunderbare Landeslehrstätte für Naturschutz.
Die ist aufgegeben worden. Wir werden sie wieder in Kraft setzen,
vielleicht auf einem etwas geringerem Niveau, aber wir werden
wieder diese Weiter-bildung für Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern
durchführen. Und vielleicht können wir etwas Gemeinsames
machen. Die vorhergehende CDU/FDP-Regierung hat sozusagen diese
Errungenschaft nieder gemacht. Soweit zum Naturschutz.
Küstenschutz haben wir natürlich zu leisten, und das
ist eine Pflichtaufgabe, da braucht es keinen PDS-Minister, um
zu erkennen, ob die Küste geschützt werden soll oder
nicht. Ich kann ja die Frage stellen: Wollen wir die Natur nicht
walten lassen? Aber die Frage ist eben leider nicht sehr günstig
zu beantworten.
Wir bemühen uns, Nährstoffausträge in die Gewässer
zu reduzieren. Wir haben immer noch das Problem der hohen Stickstoffbelastung
der Gewässer.
Wir haben die Wasser- und Abwasserzweckverbände zu stützen.
Dazu werden Mittel im Haushalt eingestellt; 10 Millionen Mark,
um denen, die in Not sind, zu helfen. Allerdings ist es sehr
kompliziert. Die Ursachen, warum sie in Not geraten sind, sind
sehr unterschiedlich. Manchmal sind es auch Ursachen, die mit
der Führung dieser Verbände zu tun haben. Und da beschweren
sich dann die anderen, die ihre Arbeit gemacht haben, darüber,
daß jene ein Mißmanagement haben und dafür noch
belohnt werden, in dem sie Millionen kriegen.
Also, es ist nicht in jedem Falle dort so einfach. Wir wollen
uns bemühen, Wasser- und Ab-wassergebühren zu dämpfen.
Ich will dort sehr maßvoll sein in der Zielstellung. Wir
werden dezentrale Abwasserreinigungsanlagen mehr fördern.
Das kann ich nach den täglichen För-derbescheiden sagen,
die ich unterschreibe. Soweit vielleicht zum Wasser und Abwasser.
Zur Kreislaufwirtschaft
Es ist heute früh schon dazu ein Vortrag gehalten worden.
Die Umwelt- und Naturschutzpolitik in Mecklenburg-Vorpommern
ist insbesondere auf dem Gebiet der Abfallwirtschaft eine ganz
neue. Nicht in allen Details unumstritten. Ich werde es sicherlich
auch hier erleben. Aber ich bitte, die Gesamtsituation zu berücksichtigen.
Was vorher war, und wie die Rechtslage ist. Vorher hatten wir
eine Abfallwirtschaftspolitik, die absolut zentralistisch war,
dirigistisch war, die sozusagen nahtlos an die DDR-Planwirtschaft
anschloß und deswegen genauso ge-scheitert ist, wie die
Planwirtschaft in der DDR. Es gab einen Abfallwirtschaftsplan,
der letzt-endlich nicht im Leben umgesetzt worden ist. Wir haben,
so weit wie wir es konnten, diesen ignoriert oder etwas anderes
gemacht. Letztendlich ist er nicht wirksam gewesen, weil das,
was dort angesetzt war, nicht erfolgreich war.
Dieser Abfallwirtschaftsplan war darauf orientiert, und das
wäre durchgesetzt worden, auf ein oder zwei Müllverbrennungsanlagen
im Lande und die Nutzung der vorhandenen Deponi-en. Wir haben
jetzt noch 10 Deponien, die technisch einwandfrei instand sind.
3 ganz neue und die anderen sind entsprechend nachgerüstet
worden. Das ist für ein Land wie Mecklen-burg-Vorpommern
eine ganz gute Ausstattung, die über einige Jahre noch bestehen
wird.
Das ist die Ausgangssituation, die andere Seite ist die Rechtslage.
Wir haben eine TA Sied-lungsabfall, die überarbeitet wird.
Die Rechtslage sieht so aus, daß ab dem Jahre 2005 nur
noch Siedlungsabfälle deponiert werden können, die
einer Vorbehandlung unterzogen sind, damit die Deponien weitgehend
nachsorgefrei und emissionsarm sind.
Nach der bisherigen Darstellung müßte das eine Müllverbrennung
sein. In den ersten Amtsta-gen, die ich zu absolvieren hatte,
wurde ich gefragt, wie ich mir die Abfallwirtschaft vorstelle.
Und ich habe damals schon gesagt, daß ich mir sie so vorstelle,
daß alternative Behandlungs-verfahren eine Chance bekommen
sollten. Das ist dann durch die Umweltministerkonferenz auch
unterstützt worden, und die TA Siedlungsabfall wird überarbeitet.
Das ist absolut sicher, und mechanisch-biologisch und andere
Behandlungsverfahren werden aufgenommen wer-den als mögliche
Behandlung. Allerdings bei Anlegung hoher ökologischer Standards.
Und jetzt muß ich eine Wahrheit sagen. Wenn man diese anlegt,
sind auch mechanisch-biologische Behandlungsverfahren ziemlich
teuer. Und ich kann als Umweltminister, und das können wir
alle nicht, die in der Umweltpolitik arbeiten, eine Abfallbehandlung
gut finden, die mit geringeren ökologischen Standards verbunden
ist. Und deswegen muß man alles sehr komplex betrach-ten,
was die ökologischen Gefahren für die Umwelt betrifft.
Ich denke, die Diskussion wird in die Richtung gehen, daß die
TA Siedlungsabfall so erweitert wird, daß andere Verfahren
möglich sind. Dafür haben wir uns eingesetzt. Das ist
auch Gegenstand der Koalitionsverein-barung.
Jetzt fasse ich einmal in einigen Punkten zusammen, wie wir
jetzt die Abfallwirtschaftspolitik definiert haben, angesichts
dieser Ausgangslage.
Übrigens haben wir in Ostdeutschland einen großen
Vorteil - wir haben bisher "nur" Deponi-en. Über
die anderen Dinge ist noch nicht entschieden. Im Westen ist es
anders. Deswegen darf man sich auch nicht wundern, daß sie
gern an ihren Müllverbrennungsanlagen festhal-ten, weil
sie genug davon haben. Das ist bei uns zum Glück anders.
Und wir sind in Mecklen-burg-Vorpommern jetzt dabei, die Weichenstellung
vorzunehmen, soweit Politik Weichenstel-lung vornehmen kann.
Grundsätze unserer Abfallwirtschaftspolitik sind:
Den Beitrag zur Abfallvermeidung zu leisten, den wir leisten
können, im Land und in der Kommune. Wir können nicht
die Verpackungsverordnung außer Kraft setzen und die
anderen rechtlichen Regelungen. Wir können nur das machen,
was bei uns möglich ist. Das kann auch in der Kommune
sein. Aber über Gebühren läßt sich da
auch nicht alles steuern. Aber wir werden natürlich versuchen,
dieses zu tun.
Es geht um das Recycling, d. h. um eine echte Kreislaufwirtschaft.
Stofftrennung, Stoffmanagement und Recycling. Da haben wir noch
sehr viel zu tun. Wir haben z. T. Recycling-Anlagen, die völlig überdimensioniert
sind, oder wir haben Anlagen zur Behandlung von kompostierbarem
Material in Größenordnungen - 745.000 t Kapazität
für die Kompostierung von Bioabfall.
eine Deregulierung der Abfallwirtschaftsplanung und
eine Förderung dezentraler Strukturen
Um Gebühreneffekte zu erreichen, Gebührensenkung oder
wenigstens Dämpfung, wollen wir Wettbewerb von Standorten,
Technologien und Anlagen. Aus meiner Sicht ist das die einzige
Möglichkeit, daß Kommunen in der Lage sind, sich selbst
aus der Schlinge zu befreien, indem sie sich Vertragspartner
suchen und das auch dürfen. Das durften sie bisher nicht.
Und deswegen bin ich für Wettbewerb, nicht, weil ich ein
Wettbewerbsfetischist bin. Es ist die einzige Möglichkeit,
kommunale Selbstverwaltung wahrzunehmen, und das auch nur in
gewissem Maße und begrenzt. Wir müssen sehr aufpassen,
daß wir die Bedingungen so beschreiben, daß die Effekte
so eintreten, wie wir es wollen.
fördern wir alternative Abfallbehandlungsverfahren.
Verbindung von Abfallwirtschaft und Energiewirtschaft. Die heizwertreiche
Fraktion kann nach Vorbehandlung, in welcher Art auch immer,
thermisch verwertet werden. Diese Verbindung zwischen Abfallwirtschaft
und Energiewirtschaft geht vor allem, wenn wir sie dezentral
in Blockheizkraftwerken mit Kraftwärmekopplung machen. Wir
haben bereits dezentral einige Projekte, die solche Heizkraftwerke
darstellen, die mit nachwachsenden Rohstoffen versorgt werden,
mit Rohstoffen, die bei uns im Lande erzeugt werden. Und wir
möchten, daß diese Heizkraftwerke sowohl Biomassen
als auch, wenn denn erforderlich und gewünscht, Restfraktionen
des Hausmülls mit verwerten. Wir möchten nicht, daß es
Anlagen sind, wenn sie es überhaupt tun, die ausschließlich
Müll verwerten, weil sie dann nach Müll heischen. Es
geht darum, daß sie auch eine andere Möglichkeit haben,
die betriebswirtschaftliche Situation zu gestalten. Und dafür
haben wir noch sehr viele Möglichkeiten. Sehr viele Abfälle
oder Biomassen, die man energetisch nutzen könnte, sind
in unserem Lande noch nicht genutzt. Es ist ausgerechnet worden,
daß wir den Energiebedarf des Landes zu 40 % aus nachwachsenden
Rohstoffen absichern könnten. Wenn wir dann Wind dazunehmen
und Solarenergie, könnten wir uns bald selbst energetisch
versorgen, ohne irgend etwas anderes noch dazu zu haben.
Haben wir festgelegt, daß die Abfallwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern
stattfindet. Wir wollen die Abfälle, die bei uns anfallen,
selber bei uns verwerten. Das ist ein Wirtschaftssektor, auf
dem heiß gekämpft wird, und den werden wir nicht abgeben.
Wir möchten, daß Abfälle aus unserem Lande grundsätzlich
nicht in anderen Ländern gehandelt werden. Es macht aber
natürlich Sinn, in grenznahen Bereichen auf Antrag dieses
dann zu genehmigen.
Soweit zur Abfallwirtschaft.
Nun zum Immissions- und Klimaschutz
Wir tun alles, im Unterschied zum Wirtschaftsministerium, um
regenerativen Energien eine Chance zu geben. Bei der Solarenergie,
Windenergie kommt es darauf an, wie sie mit dem liberalisierten
Energiemarkt zurechtkommen. Ein Schwerpunkt stellt die energetische
Verwer-tung von Biomassen, Biodiesel oder Öl dar.
Es wäre optimal, wenn die Bauern sich ihr Öl erzeugen,
mit dem sie dann Traktor fahren, weil sonst wieder andere Interessenssphären
dazwischen sind, die das unmöglich machen. Wir werden Biogas
fördern. Wir fördern Deponiegasgewinnung. Wir haben
bei sinkenden Haus-halten die Mittel, die wir in diesen Bereich
einsetzen, von 2,3 Millionen auf 3 Millionen in diesem Jahr erhöht
und werden im nächsten Jahr zu 6,8 Millionen kommen, und
das bei sinkenden Haushaltsanteilen. Ich denke, das macht deutlich,
was das Umweltministerium auf diesem Gebiet tut. Auch wenn wir
nicht alles tun können. Der Wirtschaftsminister hat nämlich
in der gleichen Zeit seine Anteile in diesen Größenordnungen
reduziert. Er ist ja für eigentliche Technologienförderung
zuständig und nicht wir.
Laßt mich letztlich etwas sagen zur Reaktorsicherheit
und zum Strahlenschutz. Mecklenburg-Vorpommern ist aus der Kernenergie
ausgestiegen. Die Entscheidung wurde vor Jahren ge-troffen, und
wir haben jetzt diesen Ausstieg abzusichern. In Mecklenburg-Vorpommern
ist ein Zwischenlager Nord errichtet worden für 476 Millionen
Mark. Dieses ist ein Lager, was nach meiner Einschätzung
hohen Sicherheitsstandards gerecht wird. Es ist ein Zwischenlager,
das sich in unmittelbarer Nähe des KKW´s Greifswald-Lubmin
befindet. Ich denke, daß das also für die Lagerung
unserer Abfälle eine sehr günstige Situation ist. Daß die
Endlagerfrage noch nicht geklärt ist, ist etwas ganz anderes.
Wir haben jetzt erst mal an dieses Zwischenlager zu denken, und
das sind immerhin Jahrzehnte, die wir uns dann damit beschäftigen.
Wir nehmen die Abfälle aus Rheinsberg auf, und ich denke,
das ist letztendlich auch eine vernünftige Re-gelung zwischen
beiden Ländern.
Wir stehen vor der Aufgabe, daß wir dazu Castortransporte
vornehmen müssen und zwar von den nicht mehr genutzten abgebrannten
Brennelementen. Dies ist ein Transport zum Aus-stieg aus der
Kernenergie, und es gibt politisch keine vernünftige Alternative,
und ich bitte Euch, dieses zu differenzieren. Es sind andere
Transporte. Sie dienen dem Ausstieg aus der Kernenergie.
Wir suchen die sicherste Lösung, und die ist im ZLN. Und
wir werden deshalb für diese Transporte als Behörde
zuständig sein, und dann kann es sein, das eben der PDS-Umweltminister
Methling sich für diese Castortransporte einsetzen muß.
Und ich tue das aus vernünftigen Gründen. Ich habe
kein Problem damit.
Aber es wäre natürlich schlecht, muß ich gestehen,
darüber will ich mit Jürgen Trittin reden, der will
in den nächsten Wochen zu uns kommen, wenn nun ausgerechnet
dieser Castor-transport der erste ist, der in Deutschland erfolgt
und alle sich an diesem Castortransport rei-ben, der völlig
verschieden ist von den anderen. Wie Ihr gehört habt, wollen
wir an diesem Standort des Ausstiegs wieder einen Einstieg vornehmen,
nämlich in andere Energien.
Zusammenfassend laßt mich sagen: Der Umweltminister Methling
hat im Kabinett was zu sagen, manche meinen, er sagt zuviel.
Aber ich denke, wir haben nicht nur die Möglichkeit, etwas
zu sagen, sondern ich habe auch die Möglichkeit, etwas durchzusetzen
und umzuset-zen. Nämlich erstens die Koalitionsvereinbarungen
und zweitens eine ganze Reihe mehr von dem, was ich hier angesprochen
habe. Es ist nicht alles das, was Eurer Meßlatte entspricht
und meiner auch nicht. Aber ist eine ganze Menge, was wir in
unserem Lande anders ma-chen können. Das wollte ich Euch
vorstellen.