Jutta Ditfurth: Krieg, Atom, Armut. Was sie reden, was sie tun: Die GRÜNEN

Rezension von Götz Brandt

Dieses Buch der Insiderin Jutta Ditfurth schildert die Entwicklung der Partei die GRÜNEN über 30 Jahre hinweg von einer linken antikapitalistischen, atomkritischen Friedenspartei, die bei ihrer Gründung 1980 in Karlsruhe den Staat als Interessenvertreter des Kapitals einschätzte und keine Ministerposten wollte. Sie war eine staats- und kapitalunabhängige gesellschaftliche Gegenmacht und deshalb für die regierenden Parteien „politikunfähig“.

Der Wandel zu einer Partei, die verantwortlich war für den Atomkonsens ohne Laufzeitbegrenzung der AKW, die Kriegstote als „Kollateralschäden“ von Kriegen aus „humanitären“ Gründen vertrat, die die Menschenrechte mit militärischen Mitteln verteidigte, die mit Hartz III und IV die soziale Segmentierung der Bevölkerung vorantrieb, die Teile des Sozialstaates zerstörte, um das deutsche Kapital in der weltweiten Konkurrenz, der Exportfähigkeit und Profitträchtigkeit zu stärken, begann 1988, als die drei linken ParteisprecherInnen durch die „Realos“ aus dem Vorstand gedrängt wurden. Danach traten über 10 000 linke Mitglieder aus. Die bisherigen Ziele der GRÜNEN wurden aufgegeben.

Fortan wollten die GRÜNEN einen „ökologischen Kapitalismus“ als neue „grüne FDP“ (Fischer). Der „konsumfreudige Citoyen“ war daraufhin die Zielgruppe der GRÜNEN. Ab 1998 durften die GRÜNEN nach diesem Anpassungsprozess im Bundestag mitregieren. Sie mutierten zum Interessenvertreter deutscher Kapitalinteressen und viele GRÜNE meinten sogar, dass gemeinsam mit der CDU der ökologische Umbruch der Wirtschaft leichter zu erreichen wäre als mit anderen Koalitionären.

Dieses Buch sei vor allem den Realos in der Linken empfohlen, damit sie Anschauungsunterricht erhalten, wohin das Mitregieren führen kann, nämlich zur Aufgabe einer antiimperialistischen Fundamentalopposition und zum Interessenvertreter des Kapitals.

Jutta Ditfurth: Krieg, Atom, Armut. Was sie reden, was sie tun: Die Grünen.; 3. Auflage 2011, ISBN 978-3-86789-125-7, 14,95 €



Seite drucken Drucken