Japan atomstromfrei?

Der „Jahrestag“ der Katastrophe von Fukushima rückt immer näher und das Thema gelangt wieder ins Licht der (Medien-) Öffentlichkeit.

Am 27.2.2012  veröffentlichte die New York Times einen Bericht, der Rebuild Japan Initiative Foundation über den Unfall. Darin wird berichtet, dass ein Team von 30 Universitätsprofessoren, Anwälten und Journalisten über sechs Monate hindurch mehr als 300 Interviews geführt hat. Befragt wurden die Verantwortlichen von Tepco und die wichtigsten Kabinettsmitglieder vom damaligen Premierminister Naoto Kan. Auf 400 Seiten untersuchtdie „Rebuild Japan Initiative Foundation“, was damals auf Regierungsebene beraten und entschieden wurde.

Die New York Times schreibt:

„In den kritischen Momenten des Kernunfalls des letzten Jahres kannten die japanischen Führer den wirklichen Schaden am Kraftwerk nicht und dachten insgeheim über die Möglichkeit nach, Tokio zu evakuieren – gerade als sie versuchten, die Gefahren öffentlich herunterzuspielen.“

In der Regierung und bei Tepco gab es Panik wegen der Unklarheit über die Situation im Abklingbecken am Reaktor 4, in dem rund 10.000 gebrauchte Brennstäbe lagerten. Daher wollte Tepco seine gesamten Mitarbeiter abziehen. Die japanische Regierung hat das verhindert.

Erst nach fünf Tagen konnte mit Hilfe eines Hubschrauberfluges geklärt werdeen, dass sich in dem Becken noch genügend Wasser befand, heißt es in dem Bericht. Ohne dieses Wasser hätten sich die Brennstäbe unkontrolliert erhitzen können – mit der Folge des Austritts noch größerer Mengen Radioaktivität. Der damalige Regierungssprecher Yukio Edano, erinnert sich:

„Wenn wir Tepco erlaubt hätten sein Team abzuziehen, hätten wir Fukushima aufgegeben. … Letztendlich hätte irgendwann sogar die Evakuierung Tokios auf der Tagesordnung gestanden.”

Eine weitere Dokumentation „Fukushima – Die Wahrheit hinter dem Super-GAU“ hat arte am 6.3.2012 gesendet. Auch darin wurde gezeigt, wie bis in die jüngste Vergangeheit von der internationalen Atomlobby und der japanischen Regierung vertuscht und gelogen wurde (Der Film ist auch auf YouTube zu sehen.).

Ebenfalls am 6.3.2012 gab es in frontal21 dazu einen Beitrag „Atomares Netzwerk erfasst ganzes Land“ und am 7.3.12 bringt das ZDFDie Fukushima-Lüge„.

So viel zur Geschichte.

Gegenwärtig sind in Japan nur noch zwei von 56 Reaktoren am Netz, denn auch in Japan wurden Stresstests aller AKW angeordnet. Wenn im Mai wegen einer Routineinspektionen auch die letzten beiden Reaktoren abgeschaltet werden, wird Japan atomstromfrei. Kein Reaktor darf wieder ans Netz, der nicht einen Stresstest überstanden hat.  Dazu soll in Computersimulationen geprüft werden, ob die Anlagen Erdbeben und Tsunamis überstehen können, wie sie 2011 auftraten. Unklar ist aber, ob auch das gleichzeitige Auftreten mehrerer Naturkatastrophen bewertet werden muss. Die Regierung hat noch nicht entschieden, wie weiterhin mit den Sicherheitsauflagen umgegangen werden soll, aber die lokalen Behörden haben das Wiederanfahren bisher verweigert und es bleibt unsicher, wie sie sich künftig verhalten.
1) Die Rebuild Japan Initiative Foundation („Japan-Wiederaufbau-Initiative“) wurde im März 2011 als Reaktion auf die großflächige Verwüstung gestiftet, die nach dem Erdbeben und Tsunami im östlichen Japan auftrat.
Vorsitzende dieser Organisation sind Yoichi Funabashi, Programm-Direktor der „Unabhängigen Untersuchungskommission für den Fukushima Daiichi Kernunfall“ und ehemaliger Chefredakteur der zweitgrößten japanischen Tageszeitung Asahi Shimbun und Koichi Kitazawa, ehemaliger Vorsitzender derjapanischen Wissenschafts- und Technologieagentur und Vorsitzender der unabhängigen Expertenkommission der Stiftung Japan-Wiederaufbau-Initiative.

Film hier ansehen: