Nachtflugverbot

Das Bundesverwaltungsgericht hat am 3.4.2012 für den Flughafen Frankfurt/M. entschieden, dass das Nachtflugverbot (von 23 bis 5 Uhr) gilt. Bereits zuvor hatte der Hessische Verwaltungsgerichtshof entschieden, dass zwischen 23.00 Uhr abends und fünf Uhr morgens planmäßige Flüge nicht zulässig seien.

Für die Gegner der Nachtflüge ist das ein Sieg, aber nur ein schwacher Trost, denn in den zwei Randzeiten (von 5 bis 6 und von 22 bis 23 Uhr) sind insgesamt 133 Flüge zugelassen – mehr als ein Flug pro Minute! Das ist nicht viel weniger, als in den Tages-Flugstunden. Menschen, die in der Ein-/Abflugschneise wohnen wird damit vom Bundesgerichtshof beschieden: „6 Stunden Schlaf sind genug.“ Das gilt aber nur für diejenigen, die  genau um 23 Uhr einschlafen.

Trotzdem sind, wie die Frankfurter Rundschau berichtete, die

„Lufthansa-Aktien nach dem Urteil über ein dauerhaftes Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen abgerutscht. Die Papiere von Europas größter Fluggesellschaft gaben am Mittwoch zeitweise um knapp vier Prozent auf 10,135 Euro nach und waren damit zweitschwächster Wert im Dax. Lufthansa-Chef Christoph Franz beurteilte die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts als schwereren Schlag gegen den Wirtschaftsstandort Deutschland. „

Nicht die Gesundheit der betroffenen Menschen ist für Herrn Franz entscheidend, sondern der Profit seines Unternehmens. Dass dafür der „Wirtschaftsstandort“ herhalten muss, ist pure Demagogie.
In das gleiche Horn stößt der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer, indem er vor einem „flächendeckenden Nachtflugverbot an deutschen Flughäfen“ gewarnt hat.  „Ein generelles Nachtflugverbot, insbesondere für Fracht, hätte für den Standort Deutschland unabsehbare negative Folgen“, sagte Pfeiffer. Das dürfe es daher nicht geben. Es müssten „vernünftige Lösungen“ gefunden werden, die sowohl die Interessen der Wirtschaft als auch die der lärmgeplagten Anwohner berücksichtigten.

Von den 17 Flughäfen in Deutschland existiert auf 6 kein Nachtflugverbot (Erfurt, Hahn, Hannover, Köln/Bonn, Münster/Osnabrück, Nürnberg). Für die restlichen bestehen zumindest Einschränkungen:

Berlin-Schönefeld:    Zwischen 22 Uhr und Mitternacht sowie zwischen 5 und 6 Uhr durchschnittlich 77 Starts und Landungen erlaubt, maximal 103.

Bremen:     Nachtflugverbot zwischen 23.30 Uhr und 6 Uhr früh.

Dresden:    Zwischen 0 Uhr und 5 Uhr früh keine Charter- und Linienflüge.

Düsseldorf:    Zwischen 22 Uhr und 23 Uhr 33 Landungen erlaubt, keine Starts. Bestimmte Airlines dürfen bei Verspätungen bis Mitternacht und zwischen 5 Uhr und 6 Uhr landen. Darüber hinaus in der Nacht nur kleine Propellermaschinen starten und landen.

Frankfurt:    siehe oben

Hamburg-Fuhlsbüttel:   Nachtflugverbot von 23 bis 6 Uhr.

Leipzig:   Nachtflugverbot für Passagiermaschinen zwischen 23.30 Uhr und 5.30 Uhr. Frachtflüge ohne Einschränkungen.

München:   Zwischen Mitternacht und 5 Uhr nur Luftpost- und Vermessungsflüge sowie Maschinen mit Sondergenehmigung. Von 22 Uhr bis 6 Uhr nur Flugzeuge, die einen bestimmten Lärmpegel nicht überschreiten.

Saarbrücken:   Betriebszeit zwischen 6 Uhr früh bis 22.30 Uhr.

Stuttgart:    Zwischen 23.30 bis 6 Uhr Ruhe mit Ausnahme von Postflügen.