Nachhaltige Entwicklung in Kuba – Erfahrungen und Perspektiven

In Vorbereitung der Konferenz Rio+20 fand zu dem obigen Thema am 29. Mai 2012 in Berlin eine Veranstaltung statt, die vom Netzwerk Cuba in Kooperation mit der NaturwissenschaftlerInnen-Initiative „NatWiss – Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit e.V.“, dem Verein „Unterstützung internationaler Kommunikation kritischer WissenschaftlerInnen und IngenieurInnen e.V. – KriWi“ und dem internationalen Netzwerk „INES – International Network of Engineers and Scientists for Global Responsibility“ organisiert wurde.

Prof. Dr. María Cristina Muñoz Pérez,

Direktion für Forschungsprojekte und –programme der Umweltagentur des kubanischen Ministeriums für Wissenschaft, Technologie und Umwelt (CITMA) hielt das Hauptreferat. Ihr Vortrag ist sehr ausführlich referiert im Schattenblick, weshalb ich hier auf die Wiedergabe verzichten kann.

Jorge Jurado,

Botschafter der Republik Ecuador in Deutschland, referierte über die Position seines Landes zum Thema Nachhaltigkeit.

Zunächst hob er Kubas Unterstützung für Ecuador bei der Modellierung der Auswirkungen des Klimawandels, der Alphabetisierungskampagner „Yo si puedo“ und der Unterstützung Behinderter durch Analyse der genetischen Veranlagung hervor.

Dann sprach er über die neue ecuadorianische Verfassung, die 2008 unter Mitwirkung der Bevölkerung ausgearbeitet wurde, und in der umweltpolitische Aspekte einen besonders hohen Stellenwert haben. Allein der Bereich Wasser umfasst beispielsweise 47 Artikel. Unter Artikel 71 ist das „Prinzip des Guten Lebens“ fixiert, das die Rechte der Natur („Pacha Mama“) voraussetzt. Das beinhaltet:

  • Die Natur hat ein Exitistenzrecht und Bewahrungsanspruch und darauf, dass die Erneuerung ihrer Lebenszyklen, ihrer Struktur, ihrer Funktion und ihrer Entwicklungsprozesse beachtet werden;
  • Ecuador hat die vielfältigste Flora und Fauna der Erde mit mehr Arten auf 1km2, als in USA und Kanada zusammen.
  • Um diesen Artenreichtum zu erhalten und die einzigartige Natur auch für die gesamte Menschheit zu schützen, beinhaltet der natürliche Plan für gutes Leben, dass 52% des nationalen Territorium mit natürlicher Vegetation erhalten werden; jedes Naturschutzgebiet steht unter dem Schutz der Verfassung.

Weitere Punkte sind:

  • Die Einhaltung der umweltpolitischen Verpflichtungen ist bindend für alle natürlichen und juristischen Personen.
  • Die Verfügbarkeit und der freie Zugang zu Wasser stellt ein fundamentales Menschenrecht dar. Das schliesst jegliche Privatisierung von Wasser aus (siehe dazu „Alternatives Weltwasserforum in Marseille erfolgreich“ in Tarantel Nr. 57 und „Der Kampf ums Wasser„).

Im Hinblick auf Rio+20 stellte er fest, dass die wesentlichen Ursachen mangelnder Nachhaltigkeit seit 1992 erhalten geblieben sind: Wir weigern uns (oder sind nicht in der Lage) die Komplexität zu erkennen; ein großes Problem sind Vereinfachungen, die den Prozessen in der Umwelt nicht gerecht werden. Das gesamte System der Weltwirtschaft ist ungerecht, ausschließend und nicht nachhaltig und „Green Economy“ bewahrt seine Grundlage. Die Warenstrombilanzzen zeigen, dass die Industriestaaten von den Entwicklungsländern versorgt werden, das heisst, auf Kosten ihrer Ressourcen leben; die finanziellen Handelsbilanzen verschleiern diese Ungerechtigkeit. Wörtlich sagte er:

„Man hat uns angewöhnt, ständig in monetären Kartegorien zu sprechen, aber wir müssen über Biomasse, Dienstleistungen und nicht erneuerbare Energien reden.“

Reinhard Baier

vom NABU – AG Kubakrabbenschutz stellte ein ganz konkretes Projekt der Zusammanarbeit deutscher und kubanischer Naturschützer vor, bei der die brandenburgischen Erfahrungen beim Schutz der Kriechtiere erfolgreich auf die kubanmischen wandernden Krabben angewendet wurden.

Das Projekt ist unter dem Titel „Licht am Ende des Tunnels  – Pilotanlage zum Schutz der Kubanischen Landkrabbe funktioniert“ ausführlich auf der Nabu-Seite dokumentiert.

 

Wolfgang Borchardt

 

 

Ergänzung 26.6.12:

weitere Berichte über das Treffen am 29. Mai 2012 im Schattenblick

(1) Bericht über den Vortrag von Frau Prof. Dr. María Cristina Muñoz Pérez
(2) Interview mit Frau Prof. Dr. María Cristina Muñoz Pérez
(3) Bericht über den Vortrag von Jorge Jurado, Botschafter der Republik Ecuador in Deutschland
(4) Bericht über den Vortrag von Reinhard Baier

Schattenblick-Druckausgaben:
(1) www.schattenblick.de/da/2012/06/sb_120609_schattenblick_druckausgabe.pdf
(2) www.schattenblick.de/da/2012/06/sb_120611_schattenblick_druckausgabe.pdf
(3) www.schattenblick.de/da/2012/06/sb_120620_schattenblick_druckausgabe.pdf
(4) www.schattenblick.de/da/2012/06/sb_120621_schattenblick_druckausgabe.pdf