Extremwetterereignisse und ihre Auswirkungen auf den Bevölkerungsschutz

Internationale hochrangige Expertentagung 22./23. November 2012 in Bonn

„Nach Auswertungen des A1B-Szenarios, welches als ein moderates, aber durchaus realistisches Szenario eingestuft und deshalb bei vielen Modellsimulationen verwendet wird, kann zukünftig von folgenden möglichen Veränderungen bei den Parametern Temperatur, Niederschlag und Wind ausgegangen werden: Die mittlere Temperatur Deutschlands hat sich bereits in den letzten 130 Jahren um ca. 1,2 °C erhöht und liegt somit deutlich über der mittleren globalen Temperaturzunahme, welche bis jetzt 0,8 °C beträgt. Bei 85 % der in einem Ensemble von 19 Klimaprojektionsläufen untersuchten Regionalmodelle treten Werte auf, die in Mitteleuropa regional zu einer Zunahme der Jahresmitteltemperatur schon bis zur Jahrhundertmitte von teilweise bis zu 3,5 °C, gegen Ende des Jahrhunderts sogar teils bis zu 4.5 °C führen können.

Ebenfalls ist mit einem Anstieg der heißen Tage insbesondere in Gebieten wie dem Oberrheingraben zu rechnen. Regional könnte somit die Anzahl an Tagen mit Temperaturen über 30 °C auf bis zu 35 im Jahr ansteigen. …

Aller Voraussicht nach muss sich der Bevölkerungsschutz aber grundsätzlich auf lokal und regional sehr unterschiedliche Auswirkungen von verändernden Klimaparametern und Extremwetterereignissen vorbereiten. Insbesondere ein Anstieg der extrem heißen Tage um das 15-20fache bis 2050 ist – den Modellen nach – durchaus als realistisch anzusehen. Daher wurde nach dem Sommer 2003 mit über 7.000 zusätzlichen Todesfällen aufgrund der Hitze auf Grundlage eines thermophysiologischen Modells, in dem die Wärmebelastung des Menschen simuliert wird, ein neues Hitzewarnsystem installiert. “
Klaus-Jürgen Schreiber studierte an der Universität Hannover Meteorologie, wo er im Anschluss von 1986 bis 1991 als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt war. Seit 1991 ist er für den Deutschen Wetterdienst (DWD) tätig, in welchem er seit 2008 innehat die Leitung der Abteilung Klimaüberwachung übernommen hat. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen neben der meteorologischen Datenerfassung vor allem in der Klimaüberwachung sowie auf dem Gebiet der Klimadienstleistungen und des Klimawandels.
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