„Verbesserung der Akzeptanz von CCS“

Liebe CCS-Gegner,

wir schreiben heute seit längerer Zeit einen Newsletter an alle, die sich in unsere Mitstreiterliste eingetragen haben. Wir bitten alle dringend um Unterstützung, nehmt euch ausnahmsweise einmal Zeit diese etwas längere Nachricht durchzulesen.

Wir müssen leider feststellen, dass sich das CCS-Karussell jetzt auf EU-Ebene beschleunigt weiter dreht. Zur Zeit gibt es dort starke Aktivitäten und eine Gesetzesinitiative für einen neuerlichen Anschub der CO2-Speicherung und der CCS-Technologie. Dazu und zur „Verbesserung der Akzeptanz von CCS“ wurde ein so genannter Konsultationsaufruf von
der EU-Kommission gestartet, an dem sich jeder EU Bürger beteiligen kann und den wir gerne nutzen wollen, um unseren Beitrag hierzu zu leisten.

Wir haben uns die Argumente der Befürworter auf EU-Ebene angesehen und haben festgestellt, dass sie mit einem krassen Unwissen um die damit verbundenen Probleme argumentieren. Um die Kommissare und deren Mitarbeiter zum Thema etwas genauer zu informieren, haben wir den unten stehenden Text verfasst.

Wenn Sie dem zustimmen können, klicken Sie auf die unten angefügte E-Mailadresse. Es öffnet sich dann eine leere E-Mail mit dieser E-Mailadresse als Adressat. Markieren Sie den darunter stehenden Text, kopieren ihn (rechte Maustaste…) und fügen ihn in die neue noch leere E-Mail ein. Zum Schluss schreiben Sie am Textende ganz unten Ihre eigenen Absenderangaben hinzu (wichtig, weil nur EU-Bürger an der EU-CCS-Kommunikation berücksichtigt werden) und schicken die E-Mail ab.

Gerne kann dieser Text auch erweitert oder verändert und in weiteren E-Mailverteilern verbreitet werden.

Mit herzlichen Grüßen

Bürgerinitiative CO2ntra Endlager Neutrebbin/Märkisch Oderland

Stefan Schick


Bitte senden an:

ENER-CCS-COMMUNICATION@ec.europa.eu

Empfänger:

Europäische Kommission
Generaldirektion Energie
Referat C.1 – Erneuerbare und CCS
Rue De Mot 24
1049 Brüssel, Belgien

Beitrag zur konsultativen Mitteilung über die Zukunft von CCS in Europa

Sehr geehrte Damen und Herren der Europäischen Kommission,

bereits im ersten Satz des Konsultationsaufrufs steht als leider unzutreffende Prämisse:

„Die CO2-Abscheidung und -Speicherung („Carbon Capture and Storage “, CCS) ist eine der Schüsseltechnologien, mit deren Hilfe der steigende Bedarf an fossilen Brennstoffen mit der Notwendigkeit zur Verringerung der Treibhausgasemissionen in Einklang gebracht werden kann …“

Die CCS-Technik hat mit Klimaschutz jedoch überhaupt nichts zu tun.

Dies hat der deutsche Gesetzgeber erkannt und den Begriff „Klimaschutz“ folglich als Gesetzeszweck aus §1 des deutschen CCS-Gesetzes eliminiert. Vielmehr scheint ein rein wirtschaftliches Interesse das primäre Ziel der CCS-Propagandisten zu sein, was der Konsultationsaufruf am Ende dann auch folgendermaßen formuliert:

„Ziel ist, … fossilen Brennstoffen ihren Platz im Energiemix der EU zu sichern.“

Es geht also um die Erhaltung des Status Quo der fossilen Industrien. Kann das ein verantwortbares Ziel europäischer Politik sein?

In einem sehr überschaubaren Zeitraum werden die fossilen Brennstoffe erschöpft sein. Vorher werden die Preise dafür ins Uferlose steigen – mit CCS schneller als ohne. Was aber kommt danach und wann beginnt die Zeit „danach“? Darüber müssen wir heute entscheiden. Nicht nur die Notwendigkeit, den Klimawandel zu begrenzen, sondern die Energieversorgung selbst erfordert zwingend den Aufbau einer Vollversorgung durch erneuerbare Energien in nicht allzu ferner Zukunft – jedenfalls schneller, als sich eine neue (und teure) Generation von Wärmekraftwerken rentieren könnte. Dagegen würde der Umweg über eine „temporäre“ Beibehaltung eines hohen Anteils fossiler Brennstoffe (und CCS) die Energiewirtschaft zu einem zweimaligen kostenintensiven Umbau zwingen: zunächst eine neue Generation von CCS-kompatiblen Wärmekraftwerken, später dann der Umstieg auf Erneuerbare. Und es käme außerdem eine weitere Endlagerproblematik zu der des Atommülls hinzu, mit Kosten, die künftige Generationen zu tragen haben, Endlagerstätten, die über Jahrzehnte und Jahrhunderte überwacht werden müssten.

Die Darstellung der Ausgangslage im Einführungsabschnitt der COM(2013)180 geht weiterhin von folgenden Prämissen aus:

  1. Fossile Energieträger werden mindestens im heutigen Umfang auch langfristig zur Verfügung stehen.
  2. Eine steigende Preisentwicklung fossiler Energieträger (infolge aufwändigerer Förderbedingungen und allgemeiner Verknappung) wird nicht stattfinden.
  3. Europa hat eine ausreichende Kapazität, einen wesentlichen Anteil der in Wärmekraftwerken (und zusätzlich in anderen industriellen Prozessen) anfallenden CO2-Mengen unterirdisch dauerhaft einzulagern.
  4. Mit einer für umfangreiche Investitionsentscheidungen und politische Rahmensetzungen ausreichenden Gewissheit kann angenommen werden, dass CCS alle Versprechungen erfüllt.
  5. Für das Erreichen der behaupteten Klimaschutzwirkungen ist es ausreichend, CCS in den nächsten Jahren in Demonstrationsprojekten zu erproben und später (wann? – nach 2035?) im groß-industriellen Maßstab anwendungsbereit zu machen.

Alle diese Annahmen sind entweder unzutreffend, nicht beweisbar bzw. bloßes Wunschdenken. Hier raus folgen Schlussfolgerungen, wie etwa der Satz:
„Inzwischen bleibt jedoch immer weniger Zeit, um den Klimawandel einzudämmen, so dass der Einsatz von CCS immer dringlicher wird.“,
die ich nicht teile: am dringlichsten ist die Reduktion der Verwendung fossiler Energieträger und nicht deren Fortverwendung mit Hilfe fragwürdiger Technologien, die enorme Folgeaufwendungen in technologischer und finanzieller Hinsicht implementieren.Im Abschnitt 2.2.6 („Potenzial von CCS in Europa und weltweit“) wird die gleiche Logik wieder bemüht: Über 2050 hinaus seien fossile Energieträger unverzichtbar. Um die CO2-Minderungsziele dennoch zu erreichen, brauche man CCS.
Auf Seite 12 wird aus IEA Energy Technology Perspectives 2012 zitiert, ohne CCS würden sich die Kapitalkosten für das Erreichen der Klimaziele um 40% erhöhen. CCS erhöht zugegebenermaßen die Produktionskosten um 60-100% (siehe z.B. MEMO/13/276), also was gibt es da noch zu überlegen?

Der gesamte Abschnitt 2.2.6 wird seiner Überschrift nicht gerecht. Das Potenzial für CCS wird schließlich nicht vorrangig durch die möglicherweise anfallende CO2-Menge limitiert, sondern weit mehr durch die Gesamtkosten (einschließlich Transportinfrastruktur), die geologischen Voraussetzungen der Einlagerung, das Zeitfenster der Anwendbarkeit, den Gesamteffekt (unter Einrechnung des Brennstoffmehrverbrauchs und möglicher Endlager-Leckagen), die

Bereitschaft der Allgemeinheit und ihrer Institutionen zur Subventionierung und die Geschwindigkeit der Entwicklung von Alternativen (dezentrale Energiewirtschaft auf der Basis erneuerbarer Energien). Betrachtet man diese Faktoren mit, dann sinkt das Potenzial für CCS von Jahr zu Jahr.

Wieso wird bei der Betrachtung von EOR das Gefahrenpotenzial / Vorsorgeprinzip hervorgehoben (Seite 14 oben), bei der CO2-Einlagerung in salinen Aquiferen jedoch nicht? In Abschnitt 3 wird die wirtschaftliche Nicht-Darstellbarkeit von CCS-Projekten in aller Breite beklagt.

Wäre es dann nicht vernünftiger, die gegenwärtige Situation als Chance zu begreifen? Angesichts des bereits einsetzenden Umbaus der Energiewirtschaft (Dezentralisierung, Diversifizierung der erneuerbaren Quellen, Bürgerbeteiligung, intelligentere Methoden der Energieanwendung, Speichertechniken, virtuelle Kraftwerke, …) sind Instrumente wie NER300 realitätsfremd geworden. Das muss einfach einmal anerkannt werden, dann kann das Geld in die richtige Richtung fließen.

Stattdessen wird überlegt, wie zusätzliche Geldmittel in schwindelerregender Höhe generiert werden können, um eine Technologie zu fördern, die niemand (außer einer unbeweglichen EU-Bürokratie und Subventionsabgreifern) mehr will und braucht: die einzige Möglichkeit zur Durchsetzung von CCS in Anlagen energiewirtschaftlicher Größe bestünde nämlich darin, eine zusätzliche Geldquelle für Subventions-Abschöpfer zu schaffen, was hoffentlich nicht Wirklichkeit wird.

„Sowohl Energieversorger, die fossile Brennstoffe als Rohstoffe nutzen, als auch die Anbieter fossiler Brennstoffe sollten jedoch im Hinblick auf ihre künftigen wirtschaftlichen Aussichten ein starkes Interesse an einer erfolgreichen Entwicklung von CCS haben, denn ohne CCS sehen sie einer unsicheren Zukunft entgegen.“

Doch eine andere Lösung liegt auf der Hand: fortschritlich denkende energiewirtschaftliche Investoren können flexibler sein als die schwerfällige EU und rechtzeitig auf das richtige Pferd der erneuerbare Energien setzen als auf die alten Dinosaurier (Kohlekraftwerke) um sie in Frieden sterben zu lassen.

„ … Wer jedoch informiert ist, tendiert eher dazu, die Technologie zu unterstützen. …“ (Abschnitt 3.2).

Es hilft den weitsichtigen Planungen der EU nicht weiter, von Gefälligkeitsaussagen von Gutachten auszugehen, die keine langfristigen gesellschaftlichen Perspektiven entwickeln, sondern nur dumpfe und kurzfristig denkende Profiteure bedienen.

Das Gegenteil des zitierten Satzes ist richtig: Zwar wissen viele Menschen über CCS nicht viel, sobald jedoch Informationen über CCS-Projekte ans Licht der Öffentlichkeit gelangen, reagiert eine Mehrheit aus guten Gründen zunehmend besorgt, viele beschaffen sich weitere Informationen und werden zu gut informierten Gegnern der riskanten Technologie.

Argumente der Bürgerinitiativen gegen CCS
Die Punkte 1. – 6. beziehen sich auf Probleme genereller Art, die Punkte 7. – 14. auf die Speicherung in salinen Aquiferen, wo die größten Speicherpotenziale für CCS gesehen werden.

  1. Gigantische Größenordnung des CO2-Volumens
    Ein Projekt in energiewirtschaftlichem Maßstab müsste ein CO2-Volumen von ca. 6 Mio t flüssiges CO2 pro Jahr (der Wert des ehemaligen Vattenfall-Projektes Jänschwalde) einlagern. Das entspricht einem Tankgüterzug mit einer Länge von ca. 4.000 km. Die weltweit bisher größten Lagerprojekte in salinen Aquiferenn überschreiten nicht 1 Mio t pro Jahr und liegen alle in fast unbewohnten Gebieten. Nicht nur eine mögliche Lagerleckage, bereits der Transport der gewaltigen CO2-Mengen durch Rohrleitungen stellt eine Katastrophengefahr dar. CO2 sammelt sich in Senken und kann so Menschen in großer Zahl töten.
  2. Hoher Energieaufwand, unvollständige Abscheidung
    Der Energieaufwand für die Produktion einer Kilowattstunde Strom wird sich (laut Internationaler Klimakonferenz) mit CCS um mindestens 40% steigern. Wahrscheinlich könnten nur max. 80-85% des CO2 aus den Verbrennungsprozessen abgeschieden werden.
  3. Unzureichende Haftung
    Keine Versicherung ist bereit, das Risiko von CO2-Endlager zu versichern. Die Betreiber werden gesetzlich nur für wenige Jahrzehnte zur Haftung verpflichtet, während alle Beteiligten von einem Risiko für mindestens 1.000 Jahre ausgehen. Das bedeutet, dass bei einem Schadenseintritt der Steuerzahler, wie schon beim Atommüll, den größten Teil des Haftungsrisikos zu tragen hat, ohne zuvor in irgendeiner Weise ein Mitspracherecht erhalten zu haben
  4. Fehlleitung von Forschungsmitteln
    Die für die CCS-Technologie verausgabten Forschungsmittel wären zur Weiterentwicklung erneuerbarer Energien sinnvoller (und klimawirksamer) eingesetzt (siehe oben).
  5. Nutzungskonkurrenz um tiefe geologische Schichten
    CCS steht in Konkurrenz zu anderen Nutzungen der tiefen geologischen Schichten. Die enorme Potenz der Tiefengeothermie wird durch CCS-Pläne erheblich gemindert. Laut Aussagen des Bundesverbandes für Geothermie ist eine Parallelnutzung nach dem derzeitigen Stand der Technik nicht denkbar. Ein weiteres Beispiel ist die Erforschung von Kavernenspeichern. Diese stünden bei Verwendung als CO2-Endlager nicht mehr als Druckluftspeicher zur Verstetigung des Angebots aus erneuerbaren Energien zur Verfügung. In Schleswig-Holstein wurde ein Forschungsprojekt zum Thema Pressluftspeicher mit dem Verweis auf geplante CO₂-Endlager bereits untersagt.
  6. Touristische Entwicklung, Attraktivität von Regionen und Grundstückswerte
    Bekannt werdende Pläne für CO2-Endlager entwerten nachweislich ganze Landschaften. Zuzugswillige ändern ihre Pläne, Immobilien werden unverkäuflich, verfallen im Wert und werden unbeleihbar. Die gesamte Wirtschaftsentwicklung wird nachhaltig gestört. In Ostbrandenburg, wo CO2-Endlager geplant waren/sind, gibt es hierfür Belege.
  7. Irreführender Vergleich von Gasphasenspeicher und Flüssiglager
    In der öffentlichen Meinungsbildung werden Sicherheitsbedenken oft mit dem Verweis auf die bestehenden Gaslager (z.B. unter Berlin) abgetan und den Menschen suggeriert, dass diese Gasspeicher als Referenzobjekte für etwaige CO2-Endlager dienen würden. Gasspeicher sind jedoch nicht mit CO2-Endlagern zu vergleichen. Ein Gaslager ist räumlich eindeutig auf einen eingeschlossenen Hohlraum beschränkt. Ihr Inhalt ist eine wertvolle Ressource, welche bei möglichen Leckagen immer gesichert werden würde. CO2-Endlager beinhalten immer auch giftige Abfallprodukte der CO2 produzierenden Industrie, welche nicht zwischengespeichert, sondern dauerhaft deponiert werden sollen. CO2-Endlager in salinen Aquiferen sind räumlich/seitlich nicht begrenzt und es befindet sich Salzwasser in der Zielformation, welches verdrängt werden muss. Im Gegensatz zum Verhalten gasförmiger Stoffe sind die hydraulischen Effekte und die Diffusionsfähigkeit des CO2 im Formationswasser von ganz anderer Natur.
  8. Ungewollte hydraulische Verdrängungseffekte, Grundwassergefährdung
    Bei den salinen Aquiferen handelt es sich nicht um Hohlräume oder abgepumpte Lager wie bei Öl oder Gas, sondern um ein Sandgestein, welches vollständig mit hochgradig salzigem Wasser gefüllt ist (der Salzgehalt liegt um ein vielfaches höher als bei Meerwasser). Dieses wird vom eingepressten CO2 verdrängt. Sowohl die Internationale Klimakonferenz als auch das Geoforschungszentrum Potsdam sehen das Risiko, dass es auch weit von der Verpressungsstelle entfernt zum Eindringen des verdrängten Salzwassers in höhere Grundwasserleiter kommen kann.
    Dieser Verdrängungseffekt würde erst günstgstenfalls nach ca. 50 km Entfernung seine Kraft verlieren.
  9. Risse und Heterogenitäten im Endlager
    Für die Endlager sind schon kleinste Risse und Migrationswege von enormer Bedeutung, weil das CO2 im überkritischen flüssigen Zustand eingelagert werden soll. Überkritisches flüssiges CO2 verteilt sich hervorragend an bestehenden Brüchen und Rissen in der Lagerformation. Der verwendete Überdruck von 200 bis 250 bar hätte die Potenz einer Verschleppung des CO2 über hunderte Kilometer. Dieser unterirdische „Pipelineeffekt“ riskiert die Ablagerung erheblicher Mengen des CO2 in weit entfernten Gebieten, die nicht mehr als Endlager vorgesehen sind und welche wesentlich dünnere oder evtl. gar keine Deckschichten besitzen. Derzeit gibt es keine Erkundungstechnologie, die im Vorfeld Aufschluss über Brüche, Risse oder Heterogenitäten geben kann, die eine Dimension von 25 cm und kleiner besitzen.
  10. Überdruckbelastung tiefer geologischer Schichten
    Es ist wissenschaftlich unumstritten, dass kleinste Drucküberlastungen in der Tiefe zu eruptiven Erscheinungen und Entladungen geologischer Strukturen führen können, wie z.B. Erdbeben nach Fracking-Aktivitäten zeigen. Vollkommen unklar ist, wie der Untergrund bei dem betroffenen Volumen eines CO2-Speichers auf derartige Überlastungen reagieren wird. Auch dort, wo es bisher kaum Erdbeben gab, könnten im Umfeld eines Endlagers seismische Ereignisse auftreten. Diese stellen in der Folge die Sicherheit des Endlagers selbst in Frage.
  11. Alte Bohrlöcher
    Mitteleuropa ist geologisch gut erkundet. Das heißt aber auch, es gibt zahlreiche ungenutzte und unzureichend dokumentierte Tiefenbohrungen. Viele sind verhältnismäßig eng, durchstoßen aber viele Erdschichten und sind für die Ansprüche eines Überdrucklagers absolut unzureichend geschlossen worden. Besonders in Ostdeutschland sind viele solcher Bohrungen zu finden. Ihr genauer Verlauf ist auf Grund der geringen Dimensionen nicht mehr feststellbar. Es ist noch unklar, wie deren Verschluss nachträglich hergestellt werden kann; Spezialzemente, welche den hohen Anforderungen eines CO2-Endlagers entsprechen könnten, befinden sich erst in Erprobung. Die Dichtigkeit über einen Zeitraum von 1.000 Jahren und mehr kann aus heutiger Sicht nicht gewährleistet werden.
  12. Überkritisches CO2
    In Endlagern in salinen Aquiferen wie sie Ostdeutschland vorgesehen sind müsste das CO2 in eine Tiefe von ca. 1500 m in seinem überkritischen Zustand gepresst werden. CO2 in diesem Zustand besitzt einen sehr guten Diffusionskoeffizienten. Zudem hat dieser Zustand des CO2 hervorragende Lösungsmitteleigenschaften, besonders in Bezug auf organische Substanzen, was eine wichtige Bedeutung bei der Auswaschung der Deckschichten haben kann. Auf Grund des sehr guten Diffusionskoeffizienten muss man davon ausgehen, dass bisherige Erfahrungen mit der Dichtigkeit der Deckgebirge von Gasspeichern nicht auf die Lagerung von überkritischem CO2 zu übertragen sind.
  13. Verunreinigung des CO2
    Das einzulagernde CO2 enthält als Abfallprodukt industrieller Prozesses undefinierte und nicht zu überwachende Beimengungen. So werden jährlich hunderttausende Tonnen unbekannter teils giftiger Substanzen in das Endlager mit eingebracht, deren Abbau- bzw. Reaktionsprodukte oder Wirkungen ebenfalls unklar sind.
  14. Saure Eigenschaft des CO2-Wasser-Gemisches
    CO2 bildet mit Wasser Kohlensäure. Diese kann einerseits zur Auflösung von Kalkstrukturen in der Speicherformation führen, andererseits sind Auswaschungs- und Auflösungsvorgänge an den Deckschichten unvermeidbar. Ein struktureller Kollaps des Deckgebirges wäre denkbar, wenn große Teile der Lagerformation selber durch die Kohlensäure zersetzt werden würden.

Zusammengefasst: Es erfordert einen enormen Aufwand (sowohl finanziell als auch an zusätzlich erzeugtem CO2), europaweit mehrere 100 Megatonnen CO2 jährlich abzuscheiden und unter die Erde zu bringen. Die Dichtigkeit Der CO2-Speicher ist nicht garantiert. Im Falle der Undichtigkeit der Speicher hat CCS dann dem Klima geschadet statt genützt.

Beantwortung der Fragen des Abschnitts 5

Frage 1:
Sollten Mitgliedstaaten, die derzeit einen hohen Kohle- und Gasanteil am Energiemix sowie in Industrieverfahren aufweisen, verpflichtet werden – sofern sie dies nicht bereits getan haben –,

a. einen klaren Fahrplan für die Umstrukturierung des Stromerzeugungssektors zugunsten von Energieträgern ohne CO2-Emissionen (Kernenergie oder erneuerbare Energien) bis 2050 zu entwickeln,
b. eine nationale Strategie zur Vorbereitung der Einführung der CCS-Technologie zu entwickeln?

Antwort: Ein klarer Fahrplan für die Umstrukturierung des Stromerzeugungssektors zugunsten von erneuerbare Energien ist eindeutig zu bevorzugen. Es ist zu überlegen, wie die heute noch zu stark von fossilen Energieträgern abhängigen Staaten von der EU dabei unterstützt werden können.

Frage 2:
Wie sollte das EHS umstrukturiert werden, damit es auch wirksame Anreize für die CCS-Einführung bieten kann? Sollte dies durch Instrumente auf der Grundlage von Versteigerungseinnahmen ergänzt werden, ähnlich wie dies im Rahmen des Programms NER300 der Fall ist?

Antwort: Jeder Zubau erneuerbarer Energien sollte zur sofortigen Reduzierung der im Umlauf befindlichen CO2-Zertifikate führen – in einer Weise, die den „Verursacher“ (der ja in der richtigen Richtung gehandelt hat) nicht schädigt.

Frage 3:
Sollte die Kommission weitere Unterstützungsinstrumente vorschlagen oder folgende weitere politische Maßnahmen erwägen, um den Weg für eine rasche Einführung zu bereiten:

a. Unterstützung durch die Verwendung von Versteigerungserlösen oder andere Finanzierungsansätze,
b. einen Emissionsstandard,
c. ein CCS-Zertifikatesystem,
d. politische Maßnahmen anderer Art.

Antwort: Es sollte kein Mittel in dieser Richtung geschaffen werden. Am wenigsten schädlich wäre ein Emissionsstandard, denn er hätte schlimmstenfalls verbietende Wirkung.

Frage 4:
Sollten Energieversorger künftig verpflichtet werden, bei allen neuen Investitionen (Kohle- und möglicherweise auch Gaskraftwerke) CCS-fähige Ausrüstung zu installieren, um die erforderliche Nachrüstung mit CCS zu erleichtern?

Antwort: Nein, denn solche Investitionen wären zum Fenster hinausgeworfenes Geld.

Frage 5:
Sollten Anbieter fossiler Brennstoffe mit Hilfe spezieller Maßnahmen, die eine zusätzliche Finanzierung sicherstellen, zur CCS-Demonstration und –Einführung beitragen?

Antwort: Nein, denn CCS soll weder demonstriert noch eingeführt werden.

Frage 6:
Welche Haupthindernisse bestehen für eine ausreichende CCS-Demonstration in der EU?

Antwort: Die Haupthindernisse für CCS-Demonstrationsprojekte sind die Sinnlosigkeit (wirtschaftlich, umweltpolitisch, sozial) und Schädlichkeit der CCS-Technologie.

Frage 7:
Wie kann die öffentliche Akzeptanz der CO2-Abscheidung und -Speicherung verbessert werden?

Antwort: Überhaupt nicht.

Vor der EU-Kommission stehen wichtigere Aufgaben als die Beschäftigung mit dem nicht zielführenden Thema CCS. Es muss alles daran gesetzt werden, das System erneuerbarer Energien rechtzeitig grundlastfähig zu machen. Das Potenzial an Wissen, Können und Vermögen muss für die Entwicklung bzw. Optimierung von Energiespeicherung, intelligentem Netzmanagement und Effizienz eingesetzt werden.

Name:
Adresse:
Bundesrepublik Deutschland

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