Temelin

AKW Temelin; Foto: Vince Smith, UK
Foto: Vince Smith, UK

Am 22.7.2013 meldete DPA unter der Überschrift

Tschechischer AKW-Betreiber fordert Atomstrom-Förderung

„Den endgültigen Vertrag zum Ausbau des Kraftwerks können wir erst unterzeichnen, wenn der Staat ein Kompensationsschema verabschiedet hat“, sagte ČEZ-Strategiemanager Pavel Cyrani der Wirtschaftszeitschrift „Euro“ vom Montag. Die Diskussion darüber verlaufe „nicht gerade in einem schwindelerregenden Tempo“, beklagte er. Unter anderem die deutsche Bundesregierung hatte sich zuletzt gegen eine Förderung der Atomkraft in der Europäischen Union ausgesprochen.

Pavel Cyrani ist Direktor für strategische Entwicklung des tschechischen Energiekonzerns ČEZ a.s., Betreiber des AKW Temelín. Er hatte bereits früher erklärt: „Es ist derzeit unmöglich ein Kernkraftwerk auf der Basis des aktuellen Marktpreises zu errichten“ und die Absicht geäussert, von der tschechischen Regierung eine „Preisgarantie“ für den erzeugten Strom zu verlangen.

Nun doch kein Ausbau

Wie die Salzburger Nachrichten heute (23.7.13) mitteilen, wird die tschechische Regierung „keine Beschlüsse für den Ausbau des südböhmischen Atomkraftwerkes Temelín fassen“. Tschechische Medien hatten am Montag berichtet, dass  Staatspräsident Miloš Zeman das bestätigt hat.

Zeman führt laufend Gespräche mit den Chefs der Fraktionen im Abgeordnetenhaus, um die eventuelle Unterstützung für das Rusnok-Kabinett bei der bevorstehenden Vertrauensabstimmung zu sondieren. Rusnoks Beamten-Regierung will zur Beruhigung der angespannten politischen Situation im Lande beitragen. Rusnok selbst hatte kürzlich erklärt, dass sein Kabinett mit dem Temelín-Ausbau „keine Eile“ habe.
Dagegen hat der tschechische Umweltminister Tomas Podivinsky [1] den geplanten Ausbau des südböhmischen Atomkraftwerks Temelin unterstützt. Er begründete dies mit der Notwendigkeit einer „stabilen Energieversorgung des Landes“. Seiner Meinung nach könne die Leistung der beiden bereits bestehenden Blöcke nicht durch Kohlekraftwerke ersetzt werden, denn das würde einem 150 Kilometer langen Kohlezug entsprechen „und wenn man versuchen würde, die Energie aus Temelin auf Solarkraftwerke zu überführen, dann handelt es sich um eine Fläche in der Größe von 50.000 Fußball-Spielfeldern“.
Doch wie Radko Pavlovec in seinem Blog mitteilt, „exportierte Tschechien (2010) die Rekordstrommenge von 17 TWh, das ist um 20 Prozent mehr als die Produktion der beiden Blöcke des AKW Temelín und in Relation zum Landesverbrauch ein einsamer europäischer Spitzenwert.“

Ursprünglich sollte die tschechische Regierung heute den lukrativen Ausbauvertrag mit dem Auftragnehmer unterzeichnen. Er umfasst ein Volumen von rund 200 Mrd. Kronen (7,71 Mrd. Euro). Um ihn bewarben sich der US-Konzern Westinghouse, das tschechisch-russischeKonsortium MIR.1.200 aus Škoda JS, Atomstrojexport und Gidropress sowie die französische Areva. Areva wurde jedoch aus dem Verfahren ausgeschlossen.


[1↑] Podivinsky ist ein ehemaliger Diplomat an der tschechischen Botschaft in Wien

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