Fracking – bitte nicht verwirren lassen!

Am 30.7.14 stellte die neue Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA) Maria Krautzberger das neue (Pro-)Fracking-Gutachten ihrer Behörde vor. Ihrer Stellungnahme zufolge soll Fracking bei der Förderung von Schiefer- und Kohleflözgas verboten werden. Sie tut so, als sei Fracking insgesamt vom Tisch und als stütze das Gutachten die Pro-Fracking-Eckpunkte von Wirtschafts- und Energieminister Gabriel und Umweltministerin Dr. Hendricks (beide SPD).
Aber: Mehr als 75 Prozent aller für Fracking in Frage kommenden Flächen in Deutschland betreffen Gas und Öl im Sandstein, das sogenannte „Tightgas“ und „Tightöl“.  Das betrifft auch fast alle Lagerstätten in Schleswig-Holstein. Was Krautzberger verschweigt: Die UBA-Studie zählt auch Tight-Gas und Tight-Öl zu den „unkonventionellen Fracking-Lagerstätten“ (siehe: Neue UBA-Studie: kein Freibrief für Fracking) und steht damit im Widerspruch zu den „Eckpunkten“. Dabei hatten sich vor allem die Ölkonzerne um eine Umdefinition bemüht: Das im festen Sandstein eingeschlossene Erdöl und Erdgas solle künftig als „konventionelle Lagerstätte“ gehandelt werden, die angeblich geringeres Gefährdungspotenzial aufweise als Fracking im Schiefergas.

Maria Krautzberger war von 1992 bis 1999 als SPD-Umweltsenatorin in Lübeck tätig, danach fungierte sie als Staatssekretärin für Verkehr und Stadtentwicklung (einschließlich Umweltfragen) im Berliner Senat, wurde aber im Dezember 2011, 57-jährig, in den Einstweiligen Ruhestand versetzt. Seit Mai 2014 ist sie nun Präsidentin des UBA – und m.E. eine brave, eher blasse Parteisoldatin.

Fracking-Studien im UBA

Aufgrund der immer heftigeren öffentlichen Diskussion wurde vor mehreren Jahren das Umweltbundesamt (UBA) mit einer Studie zu den Gefahren des Frackings beauftragt.
2011 präsentierte es Teil I mit der Aussage: Fracking enthalte Risiken, die einer gründlichen Erforschung bedürfen.
Daraufhin organisierte und finanzierte der Konzern Exxon Mobil einen sogenannten „neutralen Expertenkreis“, der sich an der „Erforschung der Risiken“ beteiligte. Im Januar 2014 präsentierte das UBA den Entwurf der jetzt vorgelegten Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas insbesondere aus Schiefergaslagerstätten; Teil 2 – Grundwassermonitoringkonzept, Frackingchemikalienkataster, Entsorgung von Flowback, Forschungsstand zur Emissions- und Klimabilanz, induzierte Seismizität, Naturhaushalt, Landschaftsbild und biologische Vielfalt.

Hauptsächlich verantwortlich für die Ausarbeitung war ein Pforzheimer Unternehmen (RiskCom), dessen Repräsentant dem „neutralen Expertenkreis“ angehörte. Der BBU (Bundesverband Bürgerinitiativen  Umweltschutz) formulierte gemeinsam mit zwanzig Bürgerinitiativen, darunter auch der Aktionsgemeinschaft „Stoppt Fracking im Großraum Kiel – für eine postfossile Zukunft!“, eine mehr als fünfzig Seiten umfassende Stellungnahme, in der eine gründliche Überarbeitung gefordert wurde.

Die zugesagte Überarbeitung blieb aber weitgehend aus.

Hajü Schulze

Seite drucken Drucken