COP 20 – Friede, Freude und nichts weiter?

Die UN-Klimakonferenz in Lima hat Halbzeit. Alle freuen sich:
E.ON, der größte europäische Energiekonzern, hat angekündigt, aus den fossilen Energien auszusteigen. China will seine Verantwortung im Klimaschutz anerkennen, Norwegen seine Finanzzusagen in den Grünen Klimafonds verdoppeln und Peru 60 Prozent seiner Energieversorgung bis zum Jahr 2025 aus Erneuerbaren gewinnen.

Noch vor fast genau zwei Jahren, am 9.12.2012 hat Hans-Josef Fell (energiepolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag) nach der 18. (wiederum erfolglosen) UN-Klimakonferenz die Umweltvereine aufgerufen, die weiteren Klimakonferenzen zu boykottieren.

Was hat sich inzwischen verbessert? Nach dem letzten, fünften Sachstandsbericht des IPCC müssen wir trotz immer wieder betonter Unsicherheiten der Klimamodelle davon ausgehen, dass das 2ºC-Ziel für die maximal zulässige Klimaerwärmung nicht erreicht werden kann. Dabei darf nicht vergessen werden, dass diese 2ºC-Grenze bereits einen Kompromiss darstellt zwischen der bisherigen Wirtschaftsweise und den Erfordernissen, den menschgemachten Einfluss auf das Erdklima zu minimieren. Als diese Grenze festgelegt wurde, wurde eingeschätzt, dass die Schäden gerade noch beherrschbar bleiben werden.

Inzwischen wissen wir, dass das Eis des Nordpolarmeers und der grönländische Eisschild schneller schmelzen, als die Klimaprogramme vorhergesagt haben. Mit anderen Worten: Die Unsicherheiten der Klimamodelle sind keinesfalls ein Grund, weiterhin die Hände in den Schoß zu legen und zu hoffen, dass es schon nicht so schlimm kommen werde. Im Gegenteil: Unsicherheit heißt auch, dass es noch schlimmer werden kann, als die Simulationen vorhersagen.
Und es wird – wie immer – die ärmsten Länder am stärksten treffen. Das zeigt auch der Globale Klima-Risiko-Index_2015.

Klima-Risiko-Index_2015_Weltkarte
Durch den Wirbelstrum Hagupit gilt zur Zeit für die Philippinen „Land unter“.



Der ferne Osten Russlands wird in diesem Winter schon vom zweiten Schneestrum heimgesucht mit meterhohem Schneefall und tagelangen Stromausfällen.



Bei ersten Schneesturm im Oktober – ungewöhlich früh im Jahr – sind die Fräsen im nassen Schnee stecken geblieben.

im_Schnee

Natürlich kann mensch sich darüber freuen, dass E.ON den Schwerpunkt auf erneuerbare Energien legen will. Doch das als Einsicht in öklogische Notwendigkeit zu interpretieren wäre naiv. Es ist eher zutreffend, dass der Konzern die Gunst der Stunde bzw. das EEG in seiner gegenwärtigen Missgestaltung nutzt, um auf diesem Gebiet Profit zu machen und im gleichen Zuge die Risiken der Atomenergie abzuschieben.

Wir werden sehen, ob COP 20 substantielle Ergebnisse bringt oder es beim ein guten Gefühl bleibt.



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