Hiroshima + 70 und Fukushima + 4

Was hat die japanische Regierung aus Atomkatastrophen gelernt?

Das muss mensch sich fragen, wenn 2015 – 70 Jahre nach dem ersten verheerenden Einsatz einer Atombombe mit ca. 140.000 Toten –  das japanische Jahr der „Rückkehr zur Atomkraft“ werden soll.
Die Begründung: Begrenzung der Treibhausgasemissionen.

Zwar hat im April 2015 das Bezirksgericht der Provinz Fukui dem Energiekonzern Kansai Electric verboten, zwei Reaktoren des Atomkraftwerks Takahama westlich von Tokio hochzufahren. Dennoch will die Regierung an ihren Plänen festhalten, die AKW wieder an Netz zu nehmen, die den neuen Sicherheitsbestimmungen entsprechen: Die Rückkehr zur Atomenergie sei ein wichtiger Schritt, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Angesichts der in einigen Jahrzehnten durch die Folgen des Klimawandels zu erwartenden weltweiten Opferzahlen sind die 19.000 Toten durch die Reaktorkatastrophe in Fukushima möglicherweise „nicht viel“. Doch aus Profitgründen wird so getan, als gäbe es nur eine Wahl zwischen Klima- und nächster Atomkatastrophe. Das ist einfach nur eine Lüge. Sie soll verschleiern, dass – wie der Papst meint: „die Stunde gekommen [ist], in einigen Teilen der Welt eine gewisse Rezession zu akzeptieren und Hilfen zu geben, damit in anderen Teilen ein gesunder Aufschwung stattfinden kann.“

Die „komplexe sozio-ökologische Krise“ (Franziskus) kann nur zusammen mit dem Kapitalismus überwunden werden. Eine solche Einsicht ist von der japanischen Regierung allerdings nicht zu erwarten (von unserer natürlich auch nicht).

Wolfgang Borchardt
6.8.2015

Seite drucken Drucken