Schrottvergoldung

Entwurf eines Gesetzes zur Weiterentwicklung des Strommarktes

Die Liste der Kraftwerke, die ab Oktober 2016 schrittweise vom Netz genommen werden, aber in Bereitschaft bleiben, umfasst acht Kraftwerksblöcke der Stromkozerne RWE, Vattenfall und Mibrag.
Bei Stromengpässen sollen sie in Betrieb gehen. Dafür haben sie eineinhalb Wochen Zeit.

In dem 182 Seiten starken Referentenentwurf zum Strommarkt 2.0 findet sich auf den Seiten 23f unter dem Paragrafen 13g „Stillegung von Braunkohlekraftwerken“ die Liste der stillzulegenden Kraftwerksblöcke:

  1. bis zum 1. Oktober 2016: Kraftwerk Buschhaus,
  2. bis zum 1. Oktober 2017:
    a) Block P des Kraftwerks Frimmersdorf und
    b) Block Q des Kraftwerks Frimmersdorf,
  3. bis zum 1. Oktober 2018:
    a) Block E des Kraftwerks Niederaußem,
    b) Block F des Kraftwerks Niederaußem und
    c) Block F des Kraftwerks Jänschwalde,
  4. bis zum 1. Oktober 2019:
    a) Block C des Kraftwerks Neurath und
    b) Block E des Kraftwerks Jänschwalde.

„Die stillzulegenden Anlagen dürfen jeweils ab dem in Satz 1 genannten Kalendertag für vier Jahre nicht endgültig stillgelegt werden. Nach Ablauf der vier Jahre müssen sie endgültig stillgelegt werden.“

Die in Reserve zu haltende Leistung beträgt insgesamt 2.370MW. Die vierjährige „Sicherheitsbereitschaft“ muss von uns, den Stromkunden „natürlich“ vergütet werden

„in Höhe der Erlöse, die sie mit der stillzulegenden Anlage in den Strommärkten während der Sicherheitsbereitschaft erzielt hätten, abzüglich der kurzfristig variablen Erzeugungskosten.“[1]

Als Begründung für die Sicherheitsbereitschaft wird die Notwendigkeit angeführt, Schwankungen in der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen auszugleichen. Allerdings kann von „Bereitschaft“ keine Rede sein, denn die Anlagenbetreiber haben elf Tage Zeit, die Nettonennleistung zu erreichen, nachdem sie von den Übertragungsnetzbetreibern informiert wurden.

Jörg Staude schreibt auf klimaretter.info:

„Bis die Kohle-Reserve Strom erzeugt, ist der Engpass vorbei

Dass Braunkohle-Blöcke mit mehreren hundert Megawatt sehr träge Kraftwerke sind und technisch gesehen am besten in der sogenannten Grundlast Tag und Nacht durchlaufen, ist beileibe nichts Neues. Das weiß man natürlich auch im Wirtschaftsministerium. Aber zehn Tage Zeit, um von null auf hundert zu kommen?

Für den Grünen-Politiker Oliver Krischer ist das mehr oder weniger ein Witz. Eine „Reserve, die erst nach elf Tagen den vereinbarten Strom produziert“, brauche niemand, lästert er in Richtung Regierung. Ein Versorgungsengpass sei dann schon längst vorbei oder der Blackout schon da. Ist diese ganze Fristsetzung vielleicht nur ein großer Fake?

Tatsächlich sind die zehn Tage selbst für einen im Reservemanagement geübten Übertragungsnetzbetreiber wie Amprion ungewöhnlich. Dort plant man in der Regel eine Woche im Voraus den Einsatz der Kraftwerke und holt, wenn sich Engpässe abzeichneten, dann vor allem Gaskraftwerke aus der Reserve. Die lassen sich bekanntlich deutlich schneller hochfahren.
„Statt flexible und weniger klimaschädliche und moderne Gaskraftwerke in die Reserve zu nehmen, werden die ältesten und schmutzigsten Mühlen gesponsert“, kritisiert denn auch Eva Bulling-Schröter von der Linksfraktion die großzügige Frist.“

Betrachten wir die einzelnen Anlagen näher:

  • Das Kraftwerk Buschhaus gehört damit zu den 30 Kohlekraftwerken mit dem größten absoluten CO2-Ausstoß in Deutschland. (Wikipedia – klick).
  • Kraftwerk Frimmersdorf Block P (Inbetriebnahme 1966) und Block Q (Inbetriebnahme 1970) haben ihren Abschreibezeitraum von 20 Jahren bereits mehrfach überschritten.  „Kraftwerkskritiker bemängeln am Kraftwerk Frimmersdorf die hohen Emissionen an Stickstoffoxiden, Schwefeloxiden, Quecksilber und Feinstaub, an dem Krebs erzeugende Substanzen (Blei, Cadmium, Nickel, PAK, Dioxine und Furane) haften können.“ (Wikipedia – klick)
  • Kraftwerk Niederaußem Block E ((Inbetriebnahme 1970) und Block F ((Inbetriebnahme 1971) sind ebenfalls mehrfach abgeschrieben. Auch hier trifft die Kritik der hohen Schdstoffemissionen zu.
  • „Mit einem jährlichen Ausstoß von 23,7 Millionen Tonnen CO2 (2006) liegt es auf Platz 7 der Weltrangliste der Kraftwerke mit den meisten Emissionen, innerhalb der Europäischen Union auf Platz 3. Beim Ausstoß pro kWh liegt es hier mit 1,2 kg CO2 (nach dem Kraftwerk Niederaußem) auf Platz 4. Obgleich das Kraftwerk Jänschwalde der jüngste der drei verbliebenen Kraftwerksstandorte der Lausitz ist, hat es trotz Ertüchtigung die durchschnittlich älteste Technik.“ (Wikipedia – klick)
  • Kraftwerk Neurath Block C (Inbetriebnahme 1973) ist ebenfalls mehrfach abgeschrieben. „Auf der Liste der „gesundheitsschädlichsten Kohlekraftwerke Deutschlands“ rangiert das Kraftwerk auf Platz 7.“ (Wikipedia – klick)

Wir halten fest:

Die Anlagen, die zur Sicherheits“bereitschaft“ ausgewählt wurden, sind am Ende ihrer Lebensdauer, mit anderen Worten:
Sie haben nur noch Schrottwert. Dafür, dass sie vier Jahre lang nicht abgerissen werden, erhalten RWE, Vattenfall und Mibrag Milliarden Subventionen.
Das Geld dient nicht der Energiewende. Es könnte wesentlich besser eingesetzt werden für Gaskraftwerke, die Schwankungen im Angebot erneuerbarer Energien schneller ausgleichen können.

 


Fussnote(n)

[1↑] In vier Jahren verdienen Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 2370 MW und 6000 Vollaststunden (Kohlekraftwerke) pro Jahr bei einem Strompreis ca. 30€/MWh insgesamt 1,7 Mrd. €.
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Kommentar

Der Begriff „Subvention“ ist unpassend: Anders als bei Subventionen aus dem allgemeinen Haushalt handelt es sich bei den Milliarden für die Schrottreaktoren um eine „Umlage“, die wir VerbraucherInnen mit dem Netzentgelt unter dem Vorwand der Energiewende bezahlen. Hier gehen Lüge und staatliches Handeln Hand in Hand.

Petra

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