Elektromobile statt Fossile

Leise und sauber statt laut und dreckig

Eine Verkehrswende und das Ende fossilen Automobilwahns sind nicht in Sicht. Stattdessen seit Jahren nur hinhaltendes Gerede der tonangebenden Parteien CDU/CSU/SPD von Konferenz zu Konferenz. Wenn gehandelt wird, dann nur im Interesse der Autokonzerne. Die Liste dafür ist ellenlang. So die – einige Jahre ist`s schon her – Abwrackprämie zur Steigerung der Profite der Autokonzerne oder ständig verschleppte Maßnahmen von Bund und Ländern zu sauberer Luft (wogegen jetzt die Deutsche Umwelthilfe zurecht klagt) mit steigenden Gesundheitskosten durch Lärm, giftige Stickoxide und Feinstäube. Dazu kommen zu Hauf staatlich geförderte Plattformen, Netzwerke und Förderprogramme für einen Antriebs- und Verkehrswechsel, die mehr im eigenen Saft schmoren mit ihren Ergebnissen, weil die Vorfahrt immer noch Benzin- und Dieselfahrzeugen gehört. Dazu passt als Höhepunkt im Profitpoker der VW-Abgasskandal. Bewusst und willentlich wurden hier im Konkurrenzkampf mit den Motormanipulationen Klima- und Gesundheitsschäden in Kauf genommen. Sage niemand, Bundesregierung und Kraftfahrtbundesamt hätten von nichts gewusst.

Alternativen zum Verkehrsumbau werden ignoriert

Im gleichen Atemzug werden ernst zu nehmende Alternativen für einen Verkehrsumbau von Politik, Medien und Autokonzernen entweder wortreich zerredet oder beschwiegen. So zuletzt im Jahre 2014 das Verbändekonzept von WWF, VCD & Co für einen klimafreundlichen Verkehr bis 2050 mit starkem Ausbau des ÖPNV, Verkehrsvermeidung und Halbierung von heute 44 Millionen auf künftig 22 Millionen PKW. Elektromobilität ist ein zentraler Baustein auf diesem Weg.

E-Autos: kommende Profite für die Autokonzerne

Um möglichen Absatzklemmen und dem ramponiertem Ansehen der Automobilbranche zu entkommen, ist nun der Ruf zum Bau von Elektroautos lauter geworden, Zumal sich am Horizont global neue Wachstumsmärkte für Elektroautos abzeichnen.
Das trifft sich gut mit dem schon länger bestehenden Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen. Bis 2030 sollen es inzwischen gar sechs Millionen werden. Schöne Ziele, längst auch im Interesse der Autokonzerne und sie passen wie die berühmte Faust auf `s Auge zu den skandalös verheimlichten und erhöhten CO2-Abgaswerten der Autos des VW-Konzerns. Den Konzernen geht es nur darum, den Flottenverbrauch der modern aufgeputzten fossilen Dinosaurier zu senken, damit die von der EU vorgegebenen CO2-Ziele erreicht werden. Da reicht es allemal, wenn die teuren Fahrzeuge wie mit der Gießkanne über das Land verteilt verkauft werden. Egal ist zudem, wie häufig sie genutzt werden. Ein Irrweg, der nur kostbare Ressourcen frisst und zu nichts führt außer zu vollen Kassen für die Konzerne.

Elektromobilität sinnvoll in ÖPNV und Ballungszentren einsetzen

Sinnvoll wird das Ganze erst, wenn Elektromobilität gleichzeitig für gesündere Luft und weniger Lärm in Großstädten und Ballungszentren mit ihrem vielen Stop-and-go Verkehr sorgt! Deshalb ist der Einsatz von Elektrofahrzeugen dort vorrangig. Nur dann kommen die Vorteile des Elektroantriebs voll zur Geltung. Und es sollten zudem Fahrzeuge sein, die täglich viel unterwegs sind. Das sind in erster Linie Busse im ÖPNV, dann Taxen, Mietwagen, Car-Sharing Flotten, Handwerk, Dienstleister und innerstädtischer Lieferverkehr. Gerade Elektrobussen kommt eine herausragende Funktion für gesündere Luft zu. Mit Blick darauf hält der Leiter des Elektromobilitäts-Projects „Competence E“ vom Karlsruher Institut für Technologie – Andreas Gutsch – das Ziel der Bundesregierung für eine Million Elektrofahrzeuge für „grundlegend falsch“. So reduziert ein Elektrobus den Ausstoß an Kohlendioxid um die gleiche Menge wie 60 Elektroautos. Ganz zu schweigen von weniger Lärm, Stickoxiden und Feinstäuben. Statt einer Million Elektroautos bräuchte man nur 17.000 Elektrobusse, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Allein in Berlin betreibt die BVG insgesamt mehr als 1400 fossile Busse, die gegen E-Busse ausgetauscht werden könnten.

Autokonzerne verpflichten zu Ökostrom für Elektromobile

Der gezielte Einsatz von E-Bussen und den anderen genannten Elektroautos lässt sich politisch leicht durchsetzen. Die Instrumente dafür liegen auf der Hand oder besser auf der Straße: punktgenaue steuerliche Erleichterungen bei Kauf und Betrieb, Fördermittel und günstige Beschaffungskredite für den ÖPNV. Und die heutigen Batterien reichen für die täglichen Kilometerleistungen im innerstädtischen Verkehr sommers wie winters allemal. Nur eines muss klar sein: Für den Betrieb von Elektrofahrzeugen ist nur erneuerbarer Strom zu verwenden, der vorrangig von kostengünstigem Wind, aber auch von  Sonne, Wasser und Bio-Abfällen diverser Herkunft stammt. Strom verdient keine Unterstützung, der aus üppigem Energieholzeinschlag im Wald oder flächendeckendem Maisanbau stammt. Ein guter Vorschlag stammt noch von Hermann Scheer, den er bereits 2010 im Memorandum von EUROSOLAR zu „Mehr Tempo für Elektromobilität“ unterbreitet hat. Danach sind die Autohersteller darauf zu verpflichten, erneuerbarem Strom zu produzieren. Auch das ist politisch machbar. Staatlicherseits gibt es keine Steuererleichterungen etc., wenn es im Gegenzug durch die Autohersteller keine verbindlichen Zusagen und keine überprüfbare Bereitstellung von Investitionsmitteln gibt. Schon beim Kauf haben Stromerzeugungskapazitäten für jedes Fahrzeug bereit zu stehen, die es für den Rest des Autolebens braucht. Dann entfällt, dass immer mehr Elektromobile mit Strom aus dem Deutschen Energiemix betrieben werden. Denn der besteht aus Noch-Atomstrom, Kohle-, Gas- und erneuerbarem Strom. Durch den Zuwachs an erneuerbaren Energien und ein viel zu langsames „Aus“ für Kohlekraftwerke wird der Strommix in den nächsten Jahren zwar grüner, aber immer noch – wenn auch abnehmend – geprägt sein von einer negativen CO2– und Schadstoffbilanz. Dadurch kommen die Vorteile der Elektromobilität nicht voll umfänglich zur Geltung. Dann werden vor allem die Schornsteine der Kohlekraftwerke zum Auspuff für Elektrofahrzeuge.

Dr. Detlef Bimboes
Mitglied der Ökologischen Plattform bei der Partei die LINKE

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