Leserbrief

zum Interview in der jungen Welt, 6.8.2016
„Das Thema zu setzen, ist immer wieder schwer“ (klick)

(siehe auch „Den sozial-ökologischen Umbau mit Leben füllen“ – klick)

Ich glaube nicht, dass es schwer ist, dieses Thema in der Partei DIE LINKE. zu setzen – die überwiegende Mehrheit der Mitglieder sieht ganz deutlich, dass ein faires und menschliches Sozialsystem nur erreicht werden kann innerhalb eines ökologisch nachhaltigen Systems – wir sind nicht zuletzt Tiere mit Selbstbewusstsein innerhalb einer fragilen und einzigartigen Umwelt. Und das Ökosystem passt sich den Anforderungen des Kapitalismus nicht an.

Für mich wird hier deutlich, dass die Ausgrenzung bestimmter Themen viel mehr damit zu tun hat, das eine Minderheit in der Partei schon “in unserem Namen” mit den Grünen und der SPD über eine Koalition verhandelt, und nun alle Punkte beseitigen muss, die gefährden, dass z. B. der fds mit dicken Posten belohnt wird, wenn DIE LINKE in eine Koalitionsregierung einsteigt. Die beiden Hauptthemen, die um einmal Ramelow‘s Begriff zu leihen “ausgeklammert” werden müssen, sind:

  1. Die NATO-Frage ist ein absolutes No-Go sowohl für SPD, als auch die Grünen, und
  2. Die Grünen werden eine Regierungsbildung mit der Partei DIE LINKE. auch nur erwägen, wenn sie freie Hand über die ökologischen Fragen bekommen.

Mattias Höhn’s Versuch, ökologische Themen nicht zu setzen, wurde abgesehen von einigen bemerkenswerten Ausnahmen, unterstützt vom Parteivorstand (PV), der jetzt überwiegend aus Mitgliedern besteht, die um Listenplätze und Posten für potentielle Regierungsposten rangeln (der PV setzt sich jetzt zusammen aus 41% MdBs und deren Mitarbeitern / 68% aus MdBs/MdLs etc.; der Geschäftsführende Parteivorstand besteht zu 92% aus MdBs/MdLs und deren Mitarbeitern – die einzige Ausnahme ist Bernd Riexinger, der aber sicher hofft in den Bundestag nach der nächsten Bundestagswahl einzuziehen).

Die linke Bewegung hat immer Probleme, weil die parlamentarischen Gruppen weniger (historische) “Materialisten” sind, als vielmehr “materialistisch” im Vergleich zu den “normalen” Mitgliedern – und die daher aus den Parteipositionen Waren formen und mit ihnen in der parlamentarischen Arena handeln.

Das scheint sehr stark in der Partei DIE LINKE. zu sein. Die Parlamentarier entscheiden die politischen Inhalte für uns, weil sie besser wissen, was gut ist für eine demokratische Partei. Vielleicht sollten wir ihnen die ganze Arbeit des Bundestagswahlkampfs selber machen lassen…

Vielen Dank,
Mike Wright



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