Tönnies, Campina und das Klima

Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung, 2.8.2018

Die Trockenheit hält Europa in Atem und hat den Kreis Gütersloh fest im Griff. Im Versmolder Naturschutzgebiet Bruch verenden Hunderte von Fischen; in Hamburg und anderswo in Deutschland sind es sogar tausende Fische, die infolge der anhaltenden Hitze und der Algenentwicklung in den Flüssen und Seen sterben. In Greffen hat die Trockenheit einen Brand in der Lagerhalle eines Recyclingunternehmens verursacht, in der Patthorst kann die Feuerwehr das Übergreifen eines Feuers auf den Wald verhindern. Seit 9 Jahren gehen die Niederschläge in Ostwestfalen-Lippe merklich zurück. Wie schon im letzten Jahr rufen die Versorger zum sparsamen Umgang mit Wasser auf. Den Landwirten im Kreis drohen erhebliche Ernteeinbußen. Andreas Westermeyer, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes, spricht von einer „wirtschaftlichen Katastrophe“. Das Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung verweist darauf, dass gerade die Fleisch- und Milchkonzerne und somit die konventionelle Landwirtschaft Hauptverursacher des Klimawandels sind. Nun kommen die Szenarien zum Tragen, vor denen Umweltverbände seit Jahren und Jahrzehnten warnen. 

Seit Wochen herrscht Dürre in vielen Teilen Deutschlands (Creative Commons, Quelle: pixabay)

Ein aktueller Report der Nichtregierungsorganisation Grain und des Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP) bestätigt: die Fleisch- und Milchkonzerne schaden dem Klima mehr als die Ölindustrie.

Das Gutachten untersucht die direkten CO2-Emissionen der 35 weltgrößten Agrarunternehmen. Wächst die Branche in diesem Tempo weiter, wird die Fleisch- und Molkereiindustrie im Jahr 2050 etwa 80 Prozent des jährlichen Treibhausgasbudgets der Erde verbrauchen. Auf Platz 24 der „Weltrangliste“ der agroindustriellen Klimakiller taucht der fünftgrößte Schlachthof der Welt auf, die „Tönnies Holding ApS & Co. KG“. Tönnies‘ jährliche CO2-Emissionen entsprechen denen des ganzen Bundeslandes Thüringen.

Allein das ist Grund genug, den Antrag auf Erweiterung der Schlachtkapazitäten abzulehnen. Oder hat der „beste Kreis der Welt“ ein Herz für Klimakiller, Brunnenvergifter und Ausbeuter? Auch eine zukunftsfähige Versorgung der Bürgerinnen und Bürger im Kreis mit sauberem Wasser scheint den Verantwortlichen nicht sonderlich wichtig. Mit der Erweiterung wird der Wasserverbrauch von Tönnies in Rheda um rund 1.000 m³ täglich auf dann 6.500 m³ steigen.

Für das Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung wäre unter diesen Umständen eine Zustimmung zur Erhöhung der Schlachtkapazitäten der Firma Tönnies geradezu kriminell.

Es entsteht auch der Eindruck, dass dem Kreis Gütersloh die Zukunft derer egal ist, die jetzt in Landwirtschaft, Fleisch- und Molkereikonzernen arbeiten. Obwohl klar ist, ein „Weiter so“ darf es nicht geben, fehlt auch im Kreis Gütersloh jegliches Konzept für die Schaffung ökologisch nachhaltiger und sozial und ethisch vertretbarer Arbeitsplätze.

Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung
https://buendnis-gegen-die-toennies-erweiterung.de/



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