Kohleverstromung und das Märchen vom grünen Kapitalismus

„Das Märchen vom grünen Kapitalismus“1 ist eine grundsätzliche Auseinandersetzung der Initiative Ökosozialismus zum begrenzten Potenzial rein technischer Lösungen:
http://oekosozialismus.net/wp-content/uploads/2019/02/m%C3%A4rchen.pdf
 
Wer zügig aus der Kohleverstromung aussteigen will, muss sich vor allem Gedanken um die Möglichkeiten der absoluten Verbrauchsreduktion machen, lautet unser Fazit. Wir möchten mit dieser Position einen Beitrag zur Debatte auf dem Weg zu einer wirklich nachhaltigen Gesellschaft leisten und stellen uns gern der Diskussion.
 
Bruno Kern, Initiative Ökosozialismus
http://oekosozialismus.net


  1. https://www.oekologische-plattform.de/2018/06/weg-vom-exportmodell-hin-zur-sozial-oekologischen-wirtschaftsdemokratie/ 

1 Gedanke zu „Kohleverstromung und das Märchen vom grünen Kapitalismus“

  1. Dank für diesen verdienstvollen Versuch eines Überblicks, einer Gesamtschau!

    Eine gewisse Tendenz zum „unschön-Rechnen“ der PV und auch der Wasserstoff-Speicherung scheint mir vorzuliegen. Doch möchte ich an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen.

    Die Grundaussage, dass der Energieverbrauch erheblichst gesenkt werden muss, teile ich.

    Ein Wort zu der von Bruno Kern vorgestellten Lösung: „Was, wie und wie viel produziert wird, kann nicht länger dem Chaos partikulärer Profitinteressen überlassen bleiben, sondern muss – auf möglichst demokratische und partizipative Weise – bewusst organisiert werden.“

    Die „möglichst demokratische und partizipative Weise“ ist der springende Punkt. Hier bekommen wir es mit dem Bewusstsein zu tun. Es ist nicht unmöglich, dass dieses sich weiter entwickelt. Ein diffuses Bewusstsein, dass es mit einer bloßen Umstellung der Energietechnik nicht getan ist, sondern dass eine umfassende Veränderung unseres gesamten Lebensstils ansteht, ist durchaus schon verbreitet. Vom gelegentlichen Denken zum Handeln ist es allerdings ein weiter Weg. Das jahrzehntelange Bemühen der Medien (an vorderster Stelle immer noch das Fernsehen), Lethargie zu verbreiten und auch noch die brisanteste Nachricht als Unterhaltungsprodukt zu stilisieren, ist nicht wirkungslos geblieben.

    Die Photovoltaik – vom „Balkonkraftwerk“ bis zur autonomen Selbstversorgung ganzer Quartiere und Dörfer – ermöglicht ein eigenständiges (von Konzernen und Regierung höchst unerwünschtes) Handeln. Und wenn der grundlegende Wirtschaftszweig (die Energieerzeugung) von wenigen Konzernen in die Hände von Millionen Menschen (2 Mill. sind es heute schon in Deutschland) übergeht, dann bedeutet dies eine Entmachtung der Konzerne und eine Selbstermächtigung besagter Millionen – die individuell, aber mehr noch z.B. genossenschaftlich organisiert, zu Werke gehen werden. Diese gesellschaftliche Emanzipation, diese Selbstbefreiung durch Verantwortungsübernahme kann die Basis für die weitere umfassende und lebensnotwendige Umgestaltung unserer Daseinsweise werden – hin zu einer globalen Subsistenzwirtschaft.

    Davon sollte man die Menschen durch eine ungünstige Darstellung der Photovoltaik nicht abhalten. Und was an ihr noch nicht perfekt ist, braucht so nicht zu bleiben. Die Realität ist dynamisch. Am Recycling, an der Nutzung unproblematischer Materialien, am Wirkungsgrad wird ständig gearbeitet (kann z.B. im pv-magazine gut verfolgt werden). Und wenn die Fördergelder, die weiterhin in die fossile und atomare Energieerzeugung fließen, der 100%igen Versorgung durch Sonnenenergien zugute kämen, wären wir längst viel weiter.

    Die 100%ige Versorgung geht aber auch heute schon. Jedenfalls in meinem Haushalt: Seit 2013 versorge ich mich (24 Stunden pro Tag und an 365 Tagen im Jahr) zu 100% mit dem Strom meiner 3 KWp-PV-Anlage. Auch die Wärme kommt zum großen Teil per Solarthermie von der Sonne, der Rest aus Totholz des nahen Kiefernwaldes. Und an dieser Stelle dazu sagen muss ich, dass mein Monatseinkommen 750 Euro beträgt (damit sich keine in eine unzutreffende Richtung gehende Gedanken bilden können). An trüben Wintertagen muss ich mit dem Stromangebot etwas haushalten. Aber die Tuchfühlung mit dem Wetter empfinde ich nicht als Nachteil, sondern als Erfahrungsbereicherung.

    Keiner von uns weiß, wie die Weltgeschichte weitergeht und niemand hat die Hebel in der Hand, mit denen sie optimal gesteuert werden könnte. Wir können immer nur das tun, was uns im gegenwärtigen Moment als richtig erscheint. Die Erfindung der Dampfmaschine läutete die industrielle, kapitalistische Revolution ein. Die Erfindung der Photovoltaik gibt ein Produktionsmittel in die Hände von Massen von Menschen, das es ihnen ermöglicht, vom Protest gegen Herrschende weiterzuschreiten zum eigenverantwortlichen praktischen Aufbau einer demokratischen Energieerzeugung, und von dort zur Sanierung unserer ganzen Daseinsweise.

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