Beton ist kein geeigneter Baustoff mehr

Ein Schriftwechsel

Zum „Leben im zärtlichen Beton“1 hatte ich dieser Tage auch einen Gedankenaustausch mit der Architektenkammer hier bei uns. Als Antwort bekam ich anhängenden kommentierten Auszug aus einem Chemiefachbuch. Demnach wird das beim Brennen freigesetzte CO2 beim Aushärten wieder gebunden.

Leserbrief

Betreff: Leserbrief „Leben in zärtlichem Beton“
An: Redaktion BKZ2 <redaktion@bkz.de>

In Zeiten der Klimakrise bzw. des Klimanotstands ist Beton nicht mehr der geeignete Baustoff. Für jede Tonne Zement fällt bei der Produktion eine Tonne CO2 an. Selbst wenn ein Haus energieeffizient ausgestaltet ist, hat es die Umwelt schon so erheblich bei der Herstellung des Betons belastet, dass dies nicht wieder einholbar ist. Deshalb verstehe ich nicht, weshalb solche Häuser heute noch als Vorbild am Tag der Architektur der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

„Allerdings drücken Beton und dessen Bestandteil Zement aufs Klima: Die Zementherstellung ist, je nach Rechenweg und einbezogenen Produktionsprozessen, verantwortlich für 4 bis 8 % der globalen CO2-Emissionen. Gut die Hälfte davon entsteht beim Brennen von Zementklinker, wo für jedes produzierte Molekül Kalziumoxid ein Molekül CO2 austritt. Hinzu kommt die nötige Energie zum Heizen, die ebenfalls noch zum großen Teil aus fossilen Energieträgern stammt. Zusammengerechnet führt das dazu, dass für jede Tonne Zement bei der Produktion eine Tonne CO2 anfällt. Wäre die Zement-Industrie ein Staat, sie läge bei den CO2-Emissionen an dritter Stelle, hinter China und den USA.“

Quelle: https://www.chemietechnik.de/klimabilanz-der-zementindustrie/

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard Muth

Antwort

Hallo Herr Muth,

anbei der Auszug aus dem Lehrbuch der anorganischen Chemie.3 Es sieht so aus, als würde das beim Brennen ausgetriebene CO2 beim Aushärten wieder eingelagert.
Wie sagt doch der Schwabe: So isch no au wieder!

Es wurde übrigens auch noch nicht thematisiert, dass der Mensch beim Atmen Kohlendioxid ausstößt.
Man könnte ja mal untersuchen, wie hoch der unnötige Ausstoß beim Stuttgart-Lauf ist …

Freundliche Grüße
Hellmut G. Bomm
Grafik-Designer AGD4


  1. https://www.bkz.de/kultur/leben-in-zaertlichem-beton-29223.html 

  2. https://www.bkz.de 

  3. print_Zement 

  4. siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Allianz_deutscher_Designer 

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2 Gedanken zu „Beton ist kein geeigneter Baustoff mehr“

  1. Die Antwort von Herrn Bomm dient m.E. einzig und allein der Erhaltung des Status quo nach dem Schema: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Damit erübrigt sich natürlich das Nachdenken über Alternativen. Es ist ja auch bequemer, als bisheriges eigenes Handeln kritisch zu hinterfragen.
    Wenn er schreibt: „Es sieht so aus, als würde das beim Brennen ausgetriebene CO2 beim Aushärten wieder eingelagert“, zeigt er damit zunächst nur, dass er am oberflächlichen Schein hängen geblieben ist. Eine ebenso oberflächliche Recherche bei Wikipedia liefert z.B.:

    „Zement ist, im Gegensatz zu (Luft-)Kalkmörtel, ein hydraulisches Bindemittel. […] Er erhärtet nicht wie Luftkalk unter Aufnahme von Kohlenstoffdioxid aus der Luft, sondern reagiert mit Wasser unter Bildung unlöslicher, stabiler Verbindungen. Diese Verbindungen, die Calciumsilikathydrate, bilden feine nadelförmige Kristalle aus, welche sich untereinander verzahnen und so zur hohen Festigkeit eines Zementmörtels oder Betons führen.“(https://de.wikipedia.org/wiki/Zement#Hydratation_und_Festigkeitsentwicklung)

    Doch wenn Herr Bomm seine von ihm angeführte Quelle bis zum Seitenende gelesen und durchdacht hätte:

    „Später geht zusätzlich das überschüssige Ca(OH)2 unter Aufnahme von CO2 aus der Luft in CaCO3 über.“,

    könnte ihm selbst klar geworden sein, dass zumindest ein Teil des Ca(OH)2 kein CO2 bindet.
    Damit ist die CO2-Bilanz nicht einmal für CaCO3-Brand ↔ Zement-Abbund neutral. Zu den Netto-Emissionen der beiden betrachteten Reaktionen kommen in der Zementindustrie Emissionen aus zusätzlichem Klinker-Brand sowie der bis dahin völlig unberücksichtigte Energieaufwand für Steinbruch, Transport, (mehrfaches) Mahlen – um nur die wichtigsten zu nennen.
    Beton verlangt darüber hinaus Energie (und damit verbunden CO2-Emissionen) für: Kiesabbau, Zement- und Kiestransport zur Baustelle, Wasserbereitstellung, Mischen, Schalungsbau und das Betonieren selbst.

    Solide Betrachtungen berücksichtigen nicht nur einen Parameter (z.B. CO2 – oder wie Herr Bomm sogar nur einen Parameter in zwei gegenläufigen Reaktionen), sondern erstellen Ökobilanzen(siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Lebenszyklusanalyse).(Beispiel: Gegenüberstellung Massivhaus oder Holzhaus – Welche Bauweise ist ökologischer?“; https://www.bauunternehmen-zimmermann.de/downloads/oekobilanz.pdf) Doch auch Ökobilanzen sind nicht unumstritten, denn das Ergebnis – insbesondere Vergleiche verschiedenen Produkte oder Technologien – wird sehr stark vom „Bilanzrahmen“ beeinflusst. Darunter versteht man die in der Sachbilanz(https://de.wikipedia.org/wiki/Sachbilanz) berücksichtigten Parameter. Der Vergleich „Massivhaus oder Holzhaus“ würde wahrscheinlich ein anderes Ergebnis liefern, wenn er die Erschöpfung oder Regenerierbarkeit der eingesetzten Ressourcen berücksichtigte. Kürzlich berichteten die Medien beispielsweise, dass weltweit der Sand knapp wird(https://reset.org/blog/sand-%E2%80%93-das-gelbe-gold-und-seine-schattenseiten-08232017, https://www.focus.de/wissen/natur/wuesten-helfen-nicht-wenn-inseln-verschwinden-der-erde-geht-der-sand-aus_id_9344860.html, )…

    All das scheint Herrn Bomm nicht zu interessieren (oder er weiß nichts davon?) und wenn er dann mit Hinweis auf das menschliche Atmen meint, gegen den o.g. Leserbrief argumentieren zu können, macht er sich als ernsthafter Gesprächspartner gänzlich unglaubwürdig.

    • Beim Einsatz von Recyclingbeton ist immerhin eine Einsparung von 20 – 30 % CO2 möglich. Das löst die Probleme nicht, ist aber besser als nichts. Energie- und Ressourceneffizienz gehören zusammen, die Energieeffizienzrichtline muss durch eine Ressourceneffizienzrichtlinie ergänzt werden.
      Dietmar Lohmann
      Haus der Kongresse für Umwelt – Bau – Verkehr Dresden e. V.

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