Klimastreik – auch in Betrieben

Die „Initiative Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter für Klimaschutz“1 ruft ihre Kolleg*innen auf, sich dem Globalen Klimastreik anzuschließen:

Für den 20. September ruft Fridays for Future (FFF) zu einem “globalen Streik” unter dem Motto #AlleFürsKlima auf. Häufig fällt in dem Zusammenhang das Wort vom “Generalstreik für das Klima”. Als Gewerkschafter*innen begrüßen wir den Aufruf von FFF, dass sich die Gewerkschaften und alle Beschäftigten an den Klimastreiks beteiligen sollen. (…) In dem Sinne finden wir es einen Fortschritt, dass Frank Bsirske, der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, am 5. August in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) angekündigt hat:

“Wir werden zur Teilnahme an den Veranstaltungen aufrufen. Es geht darum, Flagge zu zeigen – wir brauchen ein deutlich konsequenteres Handeln der Politik beim Klimaschutz.”

Diese Unterstützung für FFF ist ein wichtiger erster Schritt. Doch das reicht noch lange nicht aus. Bsirske hat – wie viele seiner Kolleg*innen aus anderen Gewerkschaftsführungen – verkündet:

“Wir rufen natürlich nicht zu einem ordentlichen Streik auf, das geht nicht. Es wird auch nicht jeder seine Arbeit unterbrechen können. Aber wer kann, sollte ausstempeln und mitmachen.”2

Wir halten diese Aussage für falsch: Denn wer kann tatsächlich ausstempeln oder Urlaub nehmen? Sicher nur eine kleine Minderheit aller Beschäftigten und sicher nicht die große Masse. Gewerkschaften haben in der Vergangenheit immer wieder politisch gestreikt: gegen die Rente mit 67 und erfolgreich für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Nur eine aktive Haltung der Gewerkschaften kann die Trennung zwischen Umwelt- und Gewerkschaftsbewegung aufheben. (…) Aus diesem Grund wenden wir, die Unterzeichner*innen, uns mit diesem Statement an die Spitzen von ver.di, IG Metall und allen Gewerkschaften, auch außerhalb des DGB:

Ruft offiziell zu einem ordentlichen Streik auf! Die Zukunft aller Arbeiter*innen ist vom Klimawandel betroffen!

Gleichzeitig wenden wir uns auch an alle Kolleg*innen in den Betrieben und in gewerkschaftlichen Basisstrukturen: Lasst uns gemeinsam nach Lösungen suchen, wie wir uns am 20.9. kollektiv am Klimaprotest beteiligen. Betriebs- und Personalräte können zu Betriebs- und Personalversammlungen aufrufen, gewerkschaftliche Betriebsgruppen und Vertrauensleutekörper können Betriebsgruppentreffen und offene Versammlungen einberufen, um eine gemeinsame Beteiligung zu diskutieren und zu organisieren. Zugleich können diese Versammlungen – genauso wie gewerkschaftliche Ehrenamtlichen-Strukturen auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene – ebenfalls Aufrufe an die Gewerkschaftsspitzen richten, zu einem ordentlichen Streik aufzurufen…3

Die zunehmende Verschärfung der Erderhitzung und anderen krisenhaften Entwicklungen (Ressourcenerschöpfung, Verlust der Biodiversität, Bodendegradation, sinkende Agrarproduktion, Überfischung und Versauerung der Ozeane – um nur einige zu nennen) verringert alle Handlungsspielräume – nicht nur beim Klimaschutz.

Auch, wenn es viele noch nicht wahrhaben wollen: Das gilt ebenfalls für die des Kapitalismus. Dazu müssen sich auch die Gewerkschaften positionieren.

Siehe auch


  1. http://www.labournet.de/politik/gw/gw-in-d/gewerkschafterinnen-fuer-klimaschutz/ 

  2. Das erinnert an den Kauf einer Bahnsteigkarte vor Besetzen des Bahnhofs – https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_gefl%C3%BCgelter_Worte/D#Deutsche_Revolution%C3%A4re_besetzen_einen_Bahnhof_erst_nach_Kauf_einer_Bahnsteigkarte 

  3. Quelle: http://www.labournet.de/politik/gw/selbstverstaendnis/klimastreik-am-20-september-2019-oekologische-notwendigkeit-und-gewerkschaftliche-debatte-um-das-streikrecht/ 

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