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Neue Technologien für neue Großmachtkriege

IMI-Kongress1)Die Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V. arbeitet seit 1996 in einem breiten Spektrum friedenspolitischer Themen mit einem starken Fokus auf ...weiter lesen 2019

Globale Konflikte treten in jüngster Zeit wieder vermehrt zwischen diversen Großmächten auf. Dabei spielt der Wettlauf um die Führerschaft bei militärisch relevanten Technologien eine besondere Rolle. Durch sog. „Sprunginnovationen“, die vor der Konkurrenz zu entdecken und zu implementieren sind, versprechen sich die Akteure den entscheidenden Vorteil auf dem Schlachtfeld der Zukunft. „Digitalisierung“ ist dabei nicht nur ein Modewort, sondern die Vision von einer umfassenden Kampfwertsteigerung mit der Unterstützung durch künstliche Intelligenz. Bestehende Rüstungsgüter vom Kriegsschiff und Flugzeug über den Panzer bis hin zum einfachen Soldaten sollen vernetzt und mit Sensoren ausgestattet werden, um in Echtzeit Lagebilder des Kampfgeschehens zu erstellen und in die Kommandozentralen zu übermitteln. Dieses „gläserne Gefechtsfeld“ soll die militärische Überlegenheit herbeiführen. Aktuelle Rüstungsprojekte der Europäischen Union beabsichtigen darüber hinaus eine Kooperation zwischen bemannten und unbemannten Waffensystemen (sog. „manned-unmanned teaming“).

Die hiermit formulierten Ansprüche erfordern eine tiefgreifende Umstrukturierung der Forschungslandschaft und der Rüstungsindustrie. Digitale Systeme müssen in deutlich kürzeren Zyklen entwickelt, getestet, beschafft und für den Einsatz bereitgestellt werden, Wissenschaft, Industrie und Militär enger kooperieren. Mit der Beschleunigung technologischer Innovationen in der Kriegführung geht ein Trend vom „Erhalt der rüstungsindustriellen Basis“ zum Aufbau einer „permanenten Kriegswirtschaft“ einher.

Programm

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Fußnoten   [ + ]

1. Die Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V. arbeitet seit 1996 in einem breiten Spektrum friedenspolitischer Themen mit einem starken Fokus auf Deutschland und seine Rolle in der Welt. – http://www.imi-online.de
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1 Gedanke zu “Rüstung Digital”

  1. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat in einem neuen Gutachten u.a. festgestellt:

    „Im Cyberraum [sind] klassische Paradigmen wie Angriff und Verteidigung, Unterscheidungen in rein defensive und offensive Fähigkeiten und das Prinzip der Territorialität nur schwer zu verwenden[…]. Der Ursprung eines Angriffs kann selten unmittelbar beobachtet werden und muss ex post mit erheblichem forensischen Aufwand recherchiert werden – falls dies überhaupt gelingt.“ (Hervorhebung von mir)

    Das Gutachten ist nachlesbar in einem Artikel „Geheimes Bundestagsgutachten attackiert Hackback-Pläne der Bundesregierung“ auf Netzpolitik.org (https://netzpolitik.org/2019/geheimes-bundestagsgutachten-attackiert-hackback-plaene-der-bundesregierung/). Darin wird gezeigt, dass digitale Gegenschläge („Hackbacks“) „sinnlos, gefährlich und verfassungswidrig“ sind.

    Während es in der Kongressankündigung heißt:

    „Digitale Systeme müssen in deutlich kürzeren Zyklen entwickelt, getestet, beschafft und für den Einsatz bereitgestellt werden, …“

    macht das Gutachten deutlich, dass „digitale Waffen wartungsaufwändige Einmal-Wirkmittel mit hohem Proliferationsrisiko“ sind – also auch gegen den Erst-Anwender wieder eingesetzt werden können.
    Und wie werden sie getestet – ohne eingesetzt zu werden, also ohne einen Angriff zu starten?
    Die „permanente Kriegswirtschaft“ wird von einem permanenten digitalen Krieg nicht mehr zu trennen sein.

    Die Bundesregierung befindet sich auf dem Weg dahin, weicht aber einer klaren Aussage aus (siehe https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/054/1905472.pdf und https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/119/1911920.pdf).

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