Wirbt denn’s Biomarkt für Atomenergie?

– oder ist für den Inhaber Thomas Greim Werbung durch öffentliche Aufmerksamkeit wichtiger als der Atomausstieg?

Wer „Kernkraft? Ja, bitte!“ sagt, muss auch „Atomkraft? Nein Danke“ sagen, denn’s wir ernten sonst, was wir säen!

Situation:

Derzeitig versucht die Atomlobby mit dem Slogan „Atomkraft, ja bitte!“, eine Kehrtwende vom Atomausstieg einzuleiten.
Nun hat die denn’s Biomarkt und BioMarkt Verbundgruppe Ende September die Initiative „KERNKRAFT? JA, BITTE!“ gestartet . Gemeint ist hier eine zukunftsfähige, gentechnikfreie Ökozüchtung zur Ausnutzung der natürlichen Kernkraft des Saatgutes.
Mitglieder des Anti-Atom-Bündnis Berlin Potsdam sind auf diese bewusst als Werbestrategie eingesetzte Provokation aufmerksam geworden und bewertet diese wie folgt:

Bewertung durch das Anti-Atom-Bündnis Berlin Potsdam

  1. In der deutschen Bevölkerung wird das Wort „Kernkraft“ überwiegend mit dem Synonym „Atomkraft“ assoziiert. Dabei ist das  Wort „Atomkraft“ zum Glück bei der Mehrheit der Deutschen negativ besetzt.
  2. Fakt ist, dass sich nur wenige Kunden intensiver mit Werbung auseinandersetzen.
    Die Initiatoren der Initiative müssen sich deshalb im Klaren darüber sein, dass

    1. diese negative Assoziation von einem Teil der Kunden auf die Bio-Branche übertragen wird und
    2. ein wahrscheinlich größerer Teil der Kunden im Unterbewusstsein die Assoziation herstellt, „Wenn selbst die Bio-Branche die Atomkraft unterstützt, dann kann sie ja nicht so schlimm sein“.
  3. Die Initiatoren der Initiative belasten mit diesem vermeintlichen Wortspiel die Klärung des Weges zur Bewältigung der gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen bezüglich der Klimapolitik und des notwendigen Umbaus der Energiewirtschaft bei gleichzeitigem Atomausstieg.
  4. Ziel dieser Werbestrategie war es, über diese Verwirrung die eigene Marke in ein breites öffentliches Gespräch zu bringen. Die bewusste Ausnutzung einer Provokation als Werbestrategie verhöhnt jedoch alle, die unter den Auswirkungen der Atomtechnologie leiden, litten und leiden werden, wie auch die, die sich für ein Beenden dieser verheerenden Technologie vehement einsetzen.

Das Anti-Atom-Bündnis Berlin Potsdam fordert die Initiative auf, die Kampagne mit einer eindeutigen Distanzierung bezüglich der Atomkraft zu beenden.

Denn’s Biomarkt hat sich innerhalb einer Woche nicht dazu geäußert. Daher hat das Anti-Atom-Bündnis in Berlin und Potsdam an die auf der Internetseite1 aufgeführten Lieferanten2 und Züchter3 mit einem öffentlichen Schreiben gewandt.

Öffentliches Schreiben an Anbauverbände und Unternehmen des Anti-Atom-Bündnisses in Berlin und Potsdam4

Sehr geehrte Biobauern, Planer, Beschäftigte und Engagierte des Anbauverbandes Demeter e.V.,
sehr geehrte Inhaber, Betreiber und Beschäftigte von Unternehmen, die Bio-Produkte verarbeiten oder vermarkten!

In der Öffentlichkeit, u.a. bei den Mitgliedern des Anti-Atom-Bündnisses in Berlin und Potsdam, entsteht der Eindruck, dass Sie in der von der Atomlobby im Rahmen der Klimadebatte losgetretenen Diskussion für eine Renaissance der Atomenergie eintreten. Dies geschieht in Verbindung mit der Werbekampagne des Handelsunternehmens Denn´s, das zurzeit den Slogan „Kernkraft? Ja bitte!“ aggressiv in der Öffentlichkeit lanciert.

Hier ist Ihr Anbauverband bzw. Ihr Unternehmen / Unternehmensgruppe als Unterstützer aufgeführt.
„Kernkraft“ steht im öffentlichen Sprachgebrauch eindeutig als Synonym für die Atomkraft, was durch eine Recherche im Internet leicht nachvollziehbar wird.

Auch auf erneute Nachfrage bezeichnet Denn´s es als „Missverständnis“, dass „Kernkraft? ja bitte“ mit „Atomkraft? ja bitte“ in Zusammenhang stehen könnte. Denn´s hat sich in u.a. Ihrem Namen weiter auf diese Art der Propaganda festgelegt und sich nicht von dem Synonym für „Kernkraft“ = „Atomkraft“ distanziert, um Verzeihung gebeten oder die Angelegenheit öffentlich dementiert. Das legt die dringende Vermutung nahe, dass Denn´s nicht Willens ist oder sogar vertraglich gebunden dazu nicht in der Lage ist.

Die Wahrscheinlichkeit, dass insbesondere Ihre Radio- und Kino-Werbungen bei den Bürgern missverstanden und im Unterbewusstsein falsch abgelegt werden, ist sehr hoch. Für uns wurden damit ethische / moralische Grenzen in der Werbung klar überschritten.

Deshalb richtet das Anti-Atom-Bündnis in Berlin und Potsdam die Fragen an Sie:

  • Haben Sie, als wesentliche Stütze des Biolandbaus, als bedeutender ökologischer Anbauverband bzw. ökologisch und nachhaltig arbeitendes Unternehmen (arbeitende Unternehmensgruppe) sich dieser Werbekampagne wissentlich angeschlossen oder diese ausgelöst? D.h., wird diese Werbung tatsächlich in Ihrem Namen veröffentlicht?
  • Wenn ja, haben Sie Geld von der Atomindustrie dafür erhalten?
  • Wenn ja, wie vereinbaren Sie diese Propaganda mit Ihrem jahrzehntelangen Kampf für Fruchtbarkeit, die Erhaltung unserer Lebensbedingungen und mit Ihren strengen Verbandsrichtlinien bzw. Ihrer grundsätzlich ökologischen Firmenphilosophie?
  • Wenn nein, würden Sie sich klar und öffentlich gegen die Atomkraft positionieren? Auch gegenüber Denn´s? Dazu können Sie gern die Grafik im Anhang nutzen. Sie ist vom Grafiker dafür frei gegeben.

Sehr geehrte Damen und Herren, Ihre Antwort ist von großem öffentlichen Interesse, weil davon ausgegangen werden kann, dass sonst Ihr „Kernkraft? ja bitte“ als eine Verhöhnung aller Kernkraftopfer empfunden würde, von allen, die Opfer kennen, behandelt haben, sterben sahen, die für das Ende dieser gefährlichen Energie gekämpft haben, die sich ernsthaft mit der Suche nach einer Endlagerung der Hinterlassenschaften der Kernenergie befassen, die versuchen, ein Freimessen und Ausbreiten der strahlenden Abfälle der Kernenergie zu verhindern und dieses Thema für zu belastet halten, als dass man damit eine Propagandakampagne und Geschäfte macht, ohne in den Verdacht zu geraten, das Wort „Kernkraft“ wieder salonfähig machen zu wollen. Wer die Aggressivität der erneuten, kommerziellen Werbemanöver der Kernkraftbefürworter mit all ihren Tricks erlebt hat, (z.B. sich fälschlicherweise als Retter des Klimas hinzustellen,) könnte Ihren Verband bzw. Ihr Unternehmen nur meiden – es sei denn, Sie machen deutlich, das Sie zwar für Körner, aber ebenfalls für „Atomkraft, nein danke“ stehen.
Zu Ihrer Information finden Sie die Presseerklärung des Anti-Atom-Bündnisses in Berlin und Potsdam im Anhang.

Bitte beachten Sie, dass es vorgesehen ist, Ihre Reaktion zu veröffentlichen.
Mit der dringenden Bitte um eine Antwort und öffentliche Klarstellung

Mitglieder des Anti-Atom-Bündnisses in Berlin und Potsdam

Bisher wurde auf der Internetseite des Anti-Atom-Bündnisses in Berlin und Potsdam noch keine Antwort veröffentlicht.


  1.  

  2. https://www.kernkraft-ja-bitte.de/gemeinsam-aktiv/unsere-lieferanten/ 

  3. https://www.kernkraft-ja-bitte.de/gemeinsam-aktiv/%C3%B6koz%C3%BCchter/ 

  4. veröffentlicht: 6. November 2019 

1 Gedanke zu „Wirbt denn’s Biomarkt für Atomenergie?“

  1. Selbstverständlich positionieren wir uns klar gegen die Atomkraft

    veröffentlicht: 21. April 2020 auf: https://www.atomreaktor-wannsee-dichtmachen.de/

    Beim Aufräumen unseres Postfaches ist leider erst jetzt ein damals übersehenes Antwortschreiben auf unser

    Öffentliches Schreiben an Anbauverbände und Unternehmen

    vom 06.11.2019 wieder aufgetaucht. Da die Firma Spielberger GmbH sich explizit gegen Atomkraft ausgesprochen hat und mit einer Veröffentlichung ihrer Antwort auf unserer Webseite einverstanden war, holen wir dies nun nach und bitten wegen der verspäteten Veröffentlichung um Entschuldigung.
    Brief der Firma Spielberger GmBH vom 14.11.2019: https://www.atomreaktor-wannsee-dichtmachen.de/downloads.html?download=75:antwort-spielberger-gmbh

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