Heilie Hallen; Foto Michael Fiegle - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia

Wälder und Klimaschutz

Diese Woche hat der Klimagipfel in Madrid (COP25) begonnen.

Ohne Waldwirtschaft sind die Pariser Klimaziele Makulatur!

Heilie Hallen; Foto Michael Fiegle - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia
Foto Michael Fiegle – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia

Wälder spielen beim Klimaschutz eine wichtige Rolle, Urwälder und bewirtschaftete Wälder.
Unter dem Einfluss von Peter Wohlleben und verschiedener Umweltverbände wie Greenpeace und Nabu wird die Stilllegung von Waldflächen in größerem Umfang gefordert.
Mit romantisierenden Argumenten wird den Leuten Sand in die Augen gestreut und eine „heile Welt der Wildnis“ vorgegaukelt.
Auch bei den GRÜNEN in Bund und Land sitzen viele, so die Fraktionsvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Katrin Göring-Eckardt, und der Umweltminister von Baden-Württemberg, Franz Untersteller, die in Unkenntnis der Sachverhalte große Waldflächen in Deutschland lieber stilllegen wollen als sie zu nutzen.
Das ist klimapolitisch absolut kontraproduktiv!

Klimapolitik ignoriert Wissenschaft?

Die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse sind eindeutig. Die Bewirtschaftung des Waldes in Deutschland spart uns jedes Jahr mindestens 100 Millionen Tonnen Treibhausgase!

Ich habe zu diesem Thema verschiedentlich Stellung genommen, u.a.:

  • IRSLINGER, R. 2019: Greenpeace-“Waldvision“ schadet Wald und Klima : Ein Beitrag zur Debatte um das Bundes-Klimaschutzgesetz. In: Holz-Zentralblatt 27, S. 594. Download „Waldvision“ hier
  • Der Staatsanzeiger von Baden-Württemberg hat mich daraufhin um ein Interview gebeten:
    HAUßMANN, D. 2019: Holzverwendung ist Klimaschutz . Interview mit Prof. Roland Irslinger. In: Staatsanzeiger von Baden-Württemberg 33, S. 14. Download Interview hier

Ein Dokument, das aufzeigt, wie die Klimaschutzleistung des Waldes quantifiziert werden kann und die wissenschaftlichen Hintergründe beleuchtet und mit internationalen Studien hinterlegt: Erläuterungen zum Klimaschutz durch Wald

  • Lokal schützen – global verschmutzen! Das kann nicht Inhalt deutscher Umweltpolitik sein!
  • Sind 10% des Staatswaldes in Deutschland stillgelegt, müssten rechnerisch sämtliche innerdeutschen Flüge gestrichen werden, um die zusätzlichen Emissionen zu kompensieren!
  • Hände weg von Urwäldern! Die Flächenstilllegung von Wald in Deutschland zerstört Urwald in Osteuropa!

Mit freundlichen Grüßen aus Tübingen

Prof. a.D. Roland Irslinger
Ökologie
Hauffstr. 11/1
72074 Tübingen

Ich war 35 Jahre lang Inhaber der Professur „Ökologie“ an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg am Neckar in Forschung und Lehre.

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2 Gedanken zu „Wälder und Klimaschutz“

  1. Hallo Herr Irslinger,

    Ihre Darstellung der Ergebnissen der Studie „Waldvision“ von Greenpeace und dem Ökoinstitut Freiburg hier auf der Plattform, sowie Ihre hier im Beitrag verlinkten Ausführungen, scheinen mir leider verkürzt und einseitig.

    Ihre Beiträge sind zudem in einem Ton gehalten („tickende Zeitbombe“, „unkalkulierbares Risiko“), der zum einen den von Ihnen angeführten wissenschaftlichen Begründungen nicht angemessen ist und zum anderen lassen Sie außen vor, dass hier in vielen Fragestellungen innerhalb der Wissenschaft noch Uneinigkeit herrscht. So ist zum Beispiel die Frage des richtigen Umgangs beim Thema Kohlenstoff im Ökosystem Wald keineswegs so eindeutig wie sie sagen. Es gibt genug Studien, die nachweisen, dass eine Bewirtschaftung des Waldes, keineswegs positive Effekte auf die Kohlenstoffspeicherung hat. Siehe hierzu z.B. Achat DL et al. (2015) oder auch diesen von 190 Wissenschaftlern unterzeichnete offenen Brief http://www.fao.org/family-farming/detail/en/c/1039527/.
    Ihr Vorwurf an die Autor*innen der Studie, die Substitution von Holzprodukten außer acht zu lassen, wird von Ihnen ebenfalls als Argument zur Diskreditierung der Studie genutzt. Substitution ist dabei aber keine eigene Speicherleistung des Waldes, sondern elementar abhängig von der tatsächlichen Nutzung. Zu dieser gibt es, was ebenfalls die Autor*innen der Studie so offen benennen, noch großen Forschungsbedarf, da es sich um ein noch recht unerforschtes, komplexes Themenfeld handelt. Ob das Holz energetisch oder stofflich verwertet wird, macht natürlich einen großen Unterschied auf die letztendliche CO2 Bilanz. Genauso wäre es nötig, Themen wie Suffizienz hier auszusprechen – ein Thema welches Sie ebenfalls leider vermeiden. Mir geht es also nicht darum, den Substitutionseffekt zu negieren, er sollte nur korrekt in der Diskussion genutzt werden. Zum Beispiel, wenn verschiedene Produktionssysteme verglichen werden.

    Es ist dabei unverhältnismäßig, in den Medien und auf einer kritischen Plattform wie der ökologischen Plattform der Linken in derlei Gestalt zu polemisieren. Auch das permanente Ausspielen von Umwelt- und Klimaschutz ist dabei weder wissenschaftsbasiert, noch in irgendeiner Form progressiv. Indem Sie ihr duales Denksystem – keine Waldnutzung hier, Waldbewirtschaftung dort – in den Medien projizieren, erweisen Sie dem Wald einen Bärendienst. Trotz einiger positiver Entwicklungen sind wir weit von einer Forstwirtschaft entfernt, die den Wald als Ökosystem statt reinen Holzproduzent betrachtet und sich entsprechend verhält. Diese nun als den Klimaretter zu bezeichnen, wo neben Licht auch sehr viel Schatten existiert, ist zu kurz gegriffen. Für Laien in der Diskussion vermitteln Sie außerdem den Eindruck, dass Fragen die noch diskutiert werden, längst eindeutig beantwortet seien, das ist schlicht fahrlässig.

    Ich möchte zum Abschluss betonen, dass die Studie „Waldvision“ sich einer konstruktiven Diskussion stellen muss, diese aber bitte auch von Ihnen so geführt werden sollte. Ihr Fokus auf einen großen Kohlenstoffspeicher durch erwirtschaftetes Holz, geht dabei an der Vielschichtigkeit der Thematik vorbei. Sicher ist, wir brauchen Holzwirtschaft, weil wir das Produkt Holz brauchen. Doch weder ist Holzverwendung pauschal Klimaschutz, noch darf das Thema des Kohlenstoffspeichers die gesamte Diskussion um den Waldumbau überdecken. Der Wald ist für das globale Ökosystem und den Menschen aufgrund diverser Faktoren von unschätzbarer Wichtigkeit, seine Rolle im Bezug auf die Biodiversität ist dabei eine weitere, von Ihnen unterschlagene. Diese kann sich nur angemessen erholen und dann auch untersucht werden, wo der Mensch den Wald in Ruhe lässt. Eine Waldvision mit weniger Holzeinschlag nun als Zeitbombe für das Klima zu bezeichnen, verschiebt die Verantwortung vom Mensch als Verursacher, zum Wald als möglichen Problemlöser und ignoriert zum Beispiel das Thema der Speicherung von Kohlenstoff in Böden. Statt dass der Mensch also seine Treibhausgasemissionen reduziert, soll erstmal nur der Wald entsprechend umgebaut werden. Nochmal: Ihre rein auf Kohlenstoffspeicherung des Waldes ausgelegte Problemlösung, negiert nicht nur die existierende wissenschaftliche Diskussion darüber, welche Bewirtschaftungsformen angemessen sind bzw. ob überhaupt bewirtschaftet werden sollte, sondern lässt diversen Funktionen des Waldes außer Acht, welche ebenfalls essentiell sind. Ihre simple Darstellung dieser nicht jedermensch im Detail bekannten Thematik, hat für mich weder etwas mit linker, ökologischer Politik, noch mit tatsächlichem Klimaschutz zu tun.

    Mit freundlichen Grüßen
    Simon Rzadtki

  2. Sehr geehrter Herr Irslinger,

    mit großem Interesse habe ich (über den Umweg der Homepage der Ökologischen Plattform bei der LINKEN) Ihren Beitrag zum Thema „Heile Welt Wildnis“ gelesen.
    Herr Wohlleben, NABU, Greenpeace und andere haben gut reden – mit den Problemen der kleineren Waldbesitzer beschäftigen die sich aber offensichtlich nicht.

    Wir haben ca. 16 Ha in einer westdeutschen Mittelgebirgsregion geerbt. Fichten wurden auf diesen Flächen seit über 100 Jahren als „Brotholz“ angepflanzt. Bei jeder Investition in den bäuerlichen (Klein-)Betrieb konnte auf diesem Weg ein einigermaßen erträglicher Erlös erzielt werden. So kam Bargeld ins Haus, wenn nicht Teile der Großfamilie sich zusätzlich bei der Bahn, Ämtern, Kleinbetrieben verdingten. Wer redete vor 60 Jahren von „Klimawandel“? Da war man froh, dass die Abluft des Ruhrgebiets nicht über den Rotharkamm schwappte. Aus der Sicht heutiger Besserwisser haben die Altvorderen dummerweise auf die falsche Baumart gesetzt.

    Seit einigen Jahren wurden nun auf kleinen Flächen Buchen unter Fichtendach und Weißtannen (im Gatter) angepflanzt. Der nächste Sturm machte dann die Deckung platt und die Zäunung dazu – Folge u.a. in kurzer Zeit Halbierung der Weißtannen durch Verbiss. Sturmschäden an den letzten großen Fichten machten auch einen Teil der ca. 12-jährigen Douglasien platt. Wie kann man auch solche „invasiven“ Sorten ausprobieren, wäre wohl die Frage der selbsternannten Experten.

    Jetzt gibt es noch neue Flächen mit Lärche und Fichte, dazwischen Wildkirsche, Ahorn und vereinzelt Eichen, Randbepflanzung mit Hainbuche an windexponierten Stellen. Verkaufserlöse aus dem Sturm- und Käferholz der verbleibenden Fichten decken aber nicht mal die Kosten für eine Wiederaufforstung, geschweige denn eine Pflege. Windräder im Wald sind erst recht nicht gewünscht.

    Sollen solche Grundeigentümer im Sinne von Greenpeace die Flächen sich selbst überlassen? Beste Deckung für das Rotwild- und Schalenwild, aber die Jagd, in welcher Form auch immer, wird von Tierschützern (Bambi lässt grüßen!) ebenfalls abgelehnt. Dazu wird von den Touristikern und gesetzlich eine Wegesicherung erwartet. Neben der unbezahlten Arbeit ist für die eingesetzten Maschinen (leider mit Akku-Sägen und e-Mobilen kaum machbar) dann indirekt noch die CO2-Abgabe beim Sprit fällig.

    Da plädiere ich dafür, Eigentümern von Wald- und Grünflächen für die Landschaftspflege und die CO2-Bindung auf ihren Flächen mindestens einen angemessenen Anteil an der eingesammelten CO2-Abgabe zu zahlen.

    Mit freundlichem Gruß
    Waldemar Grytz

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