Klimabilanz

Berliner U-Bahn- und Stra­ßen­bahn­pla­nun­gen

Schienen­verkehr ist umwelt­freund­lich – wirklich? Unter welchen Bedin­gun­gen?

In einer Studie1 hinterfragen die Autoren2 die Annahme, dass dem öffentlichen Verkehr eine grundsätzlich positive Klimabilanz zu unterstellen sei. Sie wollen die Vor- und Nachteile verschiedener Verkehrsmittel ermitteln.

In ihrer Aufgabenstellung schreiben sie:

Zu den Kriterien, die bei der Bewertung bereits Berücksichtigung finden, gehört der finanzielle Aufwand. In dem sich vertiefenden Diskurs wird auch meist die Dauer der Umsetzung berücksichtigt: also die Zeiträume, die für die Planungen, Genehmigungsverfahren und Baumaßnahmen erforderlich sind, bis der Nutzen des Verkehrsmittels zum Tragen kommt. Die Klimabilanz allerdings, die in unserem Denken notwendigerweise eine immer größere Wichtigkeit einnimmt, spielt bei der Beurteilung verkehrspolitischer Maßnahmen bislang eine untergeordnete Rolle. Im Gegenteil, dem öffentlichen Verkehr wird, weil er ja Auto-Wege einspart, eine grundsätzlich positive Klimabilanz unterstellt.

Die Vorgehensweise der Untersuchung ist wie folgt beschrieben:

Im Sinn einer gesamtwirtschaftlichen Beurteilung wird der Aufwand in Relation gestellt zum Nutzen. Dazu wird die Klimafreundlichkeit eines künftigen U-Bahn-Verkehrsangebots ins Verhältnis gesetzt zur Klimabelastung des Baus seiner Infrastruktur. Zum Vergleich wird unter gleicher Fragestellung ein Streckenneubau für Straßenbahnen untersucht. Die Aufgabenstellung erfordert eine genaue Ermittlung der CO2-Emissionen des Tunnel-, Bahnhofs- und Gleisbaus sowie die Umrechnung der Ergebnisse auf konkrete U-Bahn- und Tram-Bauprojekte. Für den Klimanutzen werden anhand vorliegender Fahrgastprognosen die eingesparten Kilometer von Pkw- und Busfahrten errechnet, um die Minderung der Kohlendioxidemission zu ermitteln. Mit beiden Kennwerten — Klimaschaden und Klimanutzen — kann der Zeitraum berechnet werden, innerhalb dessen die Emissionen des jeweiligen Bauvorhabens sich amortisieren.

Entscheidend für das Ergebnis von Ökobilanzen ist der Bilanzierungsrahmen, denn durch die Festlegung, welche Prozesse und damit verbundenen Emissionen in die Bilanz einbezogen werden, kann das Ergebnis massiv beeinflusst werden. Leider werden die Annahmen und Prämissen in Veröffentlichungen von Ökobilanzen nicht immer transparent dargestellt.
Für die hier besprochene Studie trifft das aber nicht zu; sie ist durchaus nachvollziehbar und die Annahmen sind plausibel.

Daher haben die Ergebnisse das Potential, die politische Auseinandersetzung und den bevorstehenden Wahlkampf zu befeuern. Ein Beispiel ist diese (aus dem Zusammenhang gerissene, aber im Text begründete) Aussage:

Ein Straßenbahn-Neubau erfordert wegen des begrenzten Raums manchmal auch den Wegfall eines Fahrstreifens für Autos, dies ist gerechtfertigt.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden: https://www.oekologische-plattform.de/wp-content/uploads/2020/12/klimabilanz-ubahn-tram.pdf_c.pdf


  1. Herausgeber: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V.(BUND) — Arbeitskreis Mobilität;
    Berliner Fahrgastverband IGEB — Interessengemeinschaft Eisenbahn, Nahverkehr und Fahrgastbelange Berlin e. V.;
    LAG Mobilität Bündnis 90 / Die Grünen Berlin, Facharbeitsgruppe Öffentlicher Verkehr;
    Stadt für Menschen — www.stadtfuermenschen.org 

  2. Matthias Dittmer, Sprecher der Initiative Stadt für Menschen;
    Dr. Frank Geraets, Diplom-Mathematiker;
    Axel Schwipps, Dipl.-Ing. Bau- und Verkehrswesen 

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1 Gedanke zu „Klimabilanz“

  1. Hallo,

    Ich kann die Berechnung zum CO2 Wert e-Autos nicht nachvollziehen.
    Zum Wert selbst:
    Bei Verbrennern wird nur der Wert Neuzulassungen 2019 genommen, was ja sehr unpräzise ist.
    Bei elektro: es wird mit 220g CO2 pro kWh gerechnet.
    Der durchschnittliche Verbrauch sind zb. 17,5kWh/100km, macht daher 220g*17,5/100=38,5g/km.
    Der ökologische Rucksack der Herstellung von e-Autos ist zwar größer als von Verbrennern.
    Aber nicht so hoch, dass der Extrarucksack relativ zu Verbrennern auf die gesamte Lebensdauer bezogen mehr als 110g/km ausmacht.
    Unberücksichtigt bleibt auch eine Änderung des Strommixes.

    Also Vergleichbarkeit U-Bahn zu Straßenbahn ist sehr ausführlich, der Vergleich zu Bussen und Autos schlecht.

    VG Andreas

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