Bahnhofswald in Flensburg

Der seit fast fünf Monaten besetzte Bahnhofswald in Flensburg wird nach dem Töten von Bäumen durch von den Investoren Beauftragte am Freitag nun auch von offizieller Seite geräumt. Die Stadt Flensburg hat ein Amtshilfeersuchen an die Polizei gestellt. Damit zeigt sich, dass Selbstjustiz offensichtlich doch zum Erfolg führt: Nach allen Versprechen, wegen der verschärften Corona-Situation in Flensburg diesen Monat nicht mehr zu räumen, hat Oberbürgermeisterin Simone Lange diese nun doch gebrochen.

Am Freitag noch hatte die Justizministerin erklärt:

„Das Gewaltmonopol liegt sicherlich nicht bei privaten Sicherheitsdiensten“.

Trotzdem hatte die Polizei die Fällarbeiten zunächst ungehindert weiter gehen lassen und beschränkte sich auf Aufforderungen, das zu unterlassen. Als sie diese nachdrücklich durchsetzte, war es bereits zu spät: Durch Rundumanschnitte waren die meisten Bäume unwiderbringlich zerstört. Dabei wurde auch ein Baum mehr als 5cm angesägt, auf dem sich noch eine Person befand, welche dadurch von den Investoren bewusst in Lebensgefahr gebracht wurde.
Am Abend waren die Bäume in Absprache gefällt worden.

Ebenfalls Abends untersagte die Oberbürgermeisterin durch eine Allgemeinverfügung eine angemeldete Mahnwache ab 0 Uhr weiter durchzuführen, die sich in Sichtweite des Waldes befand.

Heute1 nun wird nun auf Anordnung der Stadt Flensburg und gegen alle bisher getätigten Aussagen und Versprechen, die Polizei den Rest der Baumhäuser und die Personen im Wald gewaltsam räumen. Der neue Räumungsvorwand diesmal: Coronaverstöße in den Baumhäusern, obwohl die Menschen dort nicht zwischen den Baumhäusern durchwechseln und dort seit Monaten zusammen wohnen! Dabei ist gerade der auflaufende Polizei-Großeinsatz ein viel gefährlicherer Angriff auf die Gesundheit der Menschen, die in Flensburg und allen Orten von denen die Polizei kommt, leben. Denn in Flensburg treten die gefährlichen Mutationen gehäuft auf, welche die Polizei nun in andere Orte schleppen wird.

All das passiert allein auf Grund des Profitinteresses der Investoren Jan Duschkewitz und Ralf Hansen, die auf dem Gelände ein Hotel und ein Parkhaus bauen wollen und deshalb das intakte innerstädtische Waldgebiet vernichten wollen.2 Ihr Vorgehen mit einer Privatarmee in den Wald zu kommen und ohne Rücksicht auf das Leben der Besetzer*innen und Selbstjustiz zu üben, wird so von offizieller Seite belohnt: Sie kommen damit durch.
Zahlreiche illegale Waldfällungen in Schleswig-Holstein zeigen: Das Profitinteresse geht vor.

„Wir sind wütend. Wütend über den ganzen Plan, hier ein Parkhaus und ein Hotel zu bauen, wo wir Wald für unser Klima und unsere Zukunft viel dringender brauchen. Wir sind wütend über gebrochene Versprechungen. Wütend auf die Investoren, auf die Stadt, auf den Staat, auf die Polizei, die all das durchsetzt. Wir werden den Wald verteidigen.“

erklärt eine Besetzerin,

„Und selbst wenn der Wald fällt, werden wir nicht aufhören gegen das geplante Projekt zu streiten, mit unterschiedlichsten Mitteln und Wegen.“


  1. 21.2.2021 

  2. https://www.bahnhofsviertel-flensburg.de/ 

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2 Gedanken zu „Bahnhofswald in Flensburg“

  1. All die Stadt- und Straßenbäume, und -sträucher sind Klimaschützer. Trotzdem finden überall Fällorgien statt : Die Ausreden reichen von „Park wieder in den Zustand von 1890 zurückzführen“ über Protzbauprojekte bis zu – leider nicht nur Autostraßen – sondern auch Schnellradwegen . Zum Waldschutz muß noch ein Förderprogramm (u/o Vorschriften? ) für wirklich naturnahe Parks und Gärten, sowie Blüh-wiesen, Bäume und Sträucher auf Flächen um große öffentliche, gewerbliche etc. Gebäude dazukommen.
    Leider werden die Fällereien von Linken-Ratsfraktionen zu oft ignoriert oder sogar mitgetragen, jedenfalls hier in Aachen . Baum- und Strauchschützer/innen müssen sich wohl bundesweit vernetzen , um das Bewußtsein zu ändern.

  2. Erklärung von einigen Besetzer*innen des Bahnhofswaldes zur Räumung am 23.2.21:

    Heute fallen die letzten Bäume. Und dann ist er weg, der Bahnhofswald, der eben nicht nur eine Ansammlung von Bäumen war, sondern ein Zuhause. Ein Zuhause für Tiere und seit dem 1. Oktober letzten Jahres auch für viele Menschen. Ein bunter Ort voller Toleranz, Respekt und Freiheit in der grauen Stadt.

    Seit Freitag werden mit Gewalt Bäume gefällt und Menschenleben riskiert. Seit Sonntag räumen Bullen das Gelände, holen Menschen gewaltsam aus den Bäumen, nehmen Menschen fest und fügen denen Schmerzen zu, die versuchen zu verhindern, dass Bäume fallen, die nicht gefällt werden dürfen.

    “Der Rechtsstaat schützt auch Ihre Interessen” sagte Simone. “Diesen Februar wird nicht mehr geräumt” sagte diese verlogene, scheinheilige Verräterin von Oberbürgermeisterin.

    Kaum ein Mensch in Flensburg will dieses Hotel. Und dennoch wird ohne Rücksicht ein Lebensraum zerstört. Dennoch werden ohne Rücksicht auf Corona mehrere Hundertschaften mit Cops, die durch ihre Uniform jegliches Herz und selbstständiges Denken verloren haben und auch noch stolz darauf sind, in die Stadt geholt. Auch in dieser Hinsicht wurden unglaublich viele Menschen in Gefahr gebracht.
    Und all das nur, um die Interessen von zwei Investoren mit einer Stange Geld umzusetzen. Scheiß doch auf Leben, Freiheit und Zukunft. Hauptsache Geld.
    Viele Menschen in Flensburg haben durch diese Aktion jegliches Vertrauen in die Stadt, die Politik, Polizei, und den Rechtsstaat verloren, auch solche die dies vorher noch hatten.
    Ihr habt es offiziell verkackt.

    Wir werden weiter kämpfen und nicht aufhören. Sie werden das bereuen.

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