Staudenhof in Potsdam soll wieder blühen

Grüne Liga Brandenburg kritisiert geplanten Gebäudeabriss

In den letzten Jahren wurden in Potsdam zahlreiche Gebäude, die in der DDR gebaut wurden, abgerissen. Insbesondere in der Innenstadt werden gestützt auf die Barocke Stadterweiterung diese Baulücken mit neobarocken Bauten geschlossen. Eines der letzten architekturhistorischen Gebäude aus der Zeit der DDR war die Fachhochschule am Alten Markt. Ein markantes bauliches Merkmal dieses Gebäudes war die spezielle Wabenkonstruktion. Noch heute kann man einige Waben, die gerettet werden konnten, an anderen Häusern im Stadtbild entdecken. Auch der an die Fachhochschule angrenzende Staudenhof, der dem Plattenbau seinen Namen gab, ist bereits verschwunden. Die kleine grüne Oase mit Gehölzen, Stauden, Sitzgelegenheiten und Skulpturen musste einer geplanten Straße weichen.

Am kommenden Mittwoch soll nun die Stadtverordnetenversammlung einen weiteren Gebäudeabriss beschließen. Das Staudenhofgebäude, ein intaktes Wohngebäude, soll einem an die barocke Stadtgeschichte angelehnten Neubau weichen.

Der Abriss sowie die Folgeplanung sind sowohl ökonomisch wie auch ökologisch fragwürdig. In Abriss und Neubau sollen ca. 39,5 Millionen Euro fließen. Bei einer Sanierung des Bestandes könne man wahrscheinlich mit der Hälfte der Baukosten rechnen. Eine belastbare Finanzkalkulation hat die städtische Wohnungsgesellschaft „Pro Potsdam“ bis heute nicht vorgelegt.

Laut Berechnungen der Grauen Energie sind mindestens 10.000 t CO2 im Staudenhofgebäude gebunden. Diese werden durch den Abriss freigesetzt. Um diese CO2 Bilanz auszugleichen, müssten etwa 17.000 Bäume im Stadtgebiet gepflanzt werden. Auch lässt sich mit dieser Planung das Ziel nach mehr Solar- und Gründächern in Potsdam nicht umsetzen. Allein die Ausrichtung der Spitzdächer in Nord-Südrichtung beim geplanten Neubauvorhaben erschwert die Anwendung von Solartechnik. Der sanierte Staudenhofkomplex würde sich dagegen für Solar- sowie Gründächer hervorragend eignen.

Jegliche Maßnahmen sollten zukünftig sich an konkreten Nachhaltigkeitkriterien messen lassen. Deshalb erwarten wir von den Potsdamer Stadtverordneten die Entscheidung auszusetzen und erst nach Vorlage einer belastbaren Kostenabschätzung unter Einbeziehung jeglicher Nachhaltigkeitsaspekte eine sachdienliche Entscheidung zu fällen.

Grüne Liga Brandenburg e. V.
Potsdam, den 03.05.2021:

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