Regionaler Atomkrieg führt zu globaler Hungersnot

Die IPPNW hat am 25.4.2012 eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der berichtet wird über eine vom Schweizer Außenamt finanzierte

Neue internationale IPPNW-Studie

Die Ergebnisse werden demnächst im Journal „Climatic Change“ veröffentlicht.

In der Studie wird gezeigt, dass bereits ein „kleiner“, regionaler Atomkrieg mit weniger als 100 Atomwaffen das Klima und die landwirtschaftliche Produktion so gravierend verändern, dass mehr als ein Milliarde Menschenleben gefährdet wären.

Dr. med. Ira Helfand, Autor der Studie „Hungersnot gefährdet eine Milliarde Menschen – globale Folgen eines regionalen Atomkriegs auf Landwirtschaft, Lebensmittelversorgung und menschliche Ernährung„, mahnt: „Die Ergebnisse der Studie belegen, dass auch relativ kleine atomare Arsenale – über die beispielsweise Indien und Pakistan verfügen – unser Ökosystem im Falle eines begrenzten Atomkrieges dauerhaft verändern können. Deswegen muss sich unser Denken über Atomwaffen grundlegend verändern.“

Dr. Helfand und eine Gruppe von Experten aus Landwirtschaft und Ernährungswissenschaft arbeiteten mit wissenschaftlichen Daten aus Studien zum regionalen Atomkrieg und Klimawandel. Sie fanden heraus, dass sinkende Temperaturen und reduzierte Niederschläge in Folge eines Atomkriegs in wichtigen landwirtschaftlichen Regionen den Anbau von Getreide, Mais und Reis gravierend stören und weltweit zur Nahrungsmittelknappheit und Preiserhöhungen führen würden.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • In den USA würden die Maisernten ein Jahrzehnt lang um durchschnittlich 10% geringer ausfallen, wobei der stärkste Rückgang (20%) im fünften Jahr aufträte. Bei Sojabohnen betrüge der Produktionsrückgang 7%, mit dem stärksten Verlust (mehr als 20%) ebenfalls im fünften Jahr.
  • Die chinesischen Reisproduktion würde zurückgehen. Während der ersten vier Jahre würde der Rückgang durchschnittlich 21% betragen; über die nächsten sechs Jahre hinweg läge die durchschnittliche Einbuße bei 10%.
  • Steigende Lebensmittelpreise würden Hunderte Millionen der ärmsten Menschen der Welt den Zugang zu Nahrung abschneiden. Selbst wenn die Agrarmärkte weiterhin normal funktionieren würden, wären innerhalb von zehn Jahren 215 Millionen Menschen unterernährt.
  • Eine signifikante, anhaltende Ertragsminderung könnte zu Panik und Hamsterkäufen führen und die verfügbare Nahrung weiter reduzieren.
  • Die weltweit 925 Millionen Menschen, die bereits chronisch unterernährt sind, konsumieren im Durchschnitt täglich 1.750 Kalorien oder weniger. Sogar eine nur zehnprozentige Reduzierung ihrer Nahrungsaufnahme brächte diese Gruppe in Lebensgefahr.

Der Autor fordert weitere Forschung zum Thema. Dr. med. Lars Pohlmeier, Vize-Präsident der IPPNW (Europa) sagt: „Ungeachtet der Notwendigkeit weiterer Untersuchungen zeigen die vorläufigen Daten in aller Deutlichkeit die Gefahr, der die Menschheit durch das atomare Wettrüsten in Südasien und durch die größeren und gefährlicheren Nuklearwaffenarsenale der anderen Atommächte ausgesetzt ist.“

Die Zusammenfassung der Studie auf deutsch finden Sie unter http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomwaffen/IPPNW-Studie_Nukleare-Hungersnot_2012.pdf

Die gesamte Studie in englischer Sprache können Sie herunterladen von http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomwaffen/NuclearFamineIPPNW0412.pdf

Kontakt:

Angelika Wilmen,
Tel. 030-69807415,
Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW),
Körtestr. 10,
10967 Berlin

Der neue Extraktivismus

Eine Debatte über die Grenzen des Rohstoffmodells in Lateinamerika.

Herausgegeben vom Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika und der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Deckblatt_Der_neue_Extraktivismus Lateinamerika ist seit Jahrhunderten Rohstofflieferant für Europas Industrie. Dies hat sich trotz der politischen Umwälzungen des letzten Jahrzehnts nicht grundlegend geändert. Obwohl die Rechte der Natur heute z.B. in der Verfassung Ecuadors verankert sind, besteht die ökonomische Fixierung auf den Export von Rohstoffen weiter, teilweise sogar in verstärktem Ausmaß. Daran regt sich Kritik von links.

Das Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V. (FDCL) hat gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung ein Buch herausgegeben, in dem lateinamerikanische und deutsche AutorInnen die Fallstricke und Alternativen dieses (post)extraktivistischen Wirtschaftsmodells diskutieren.

Das Buch kann ab dem 15. März 2012 in gedruckter Form über die Rosa-Luxemburg-Stiftung oder das FDCL bezogen oder hier als pdf herunter geladen werden.

Wirtschaftsdiktatur in Europa

Die online-Redaktion Amerika 21 lässt den in Lateinamerika bekannten Befreiungstheologen Frei Betto zu Wort kommen, der die europäische Politik als Wirtschaftsdiktatur kritisiert. Herausforderungen der Armut und ökologischen Zerstörung blieben unbeantwortet

 

Nachhaltigkeit – Landwirtschaft im Tropenparadies

Die AG Cuba Sí hat zusammen mit der Kubanischen Vereinigung für Tierproduktion (ACPA, Kuba) und am 24. und 25. Oktober 2011 in Berlin einen Workshop „Zu Fragen der Nachhaltigkeit in Kuba und der Karibik“ durchgeführt.

Die regelmäßigen Erfahrungsaustausche mit ACPA und internationalen Wissenschaftler/-innen evaluieren den Umsetzungsstand der Nachhaltigkeit auf den Projekten von ACPA und Cuba Sí und thematisieren die aktuellen Herausforderungen für eine ressourcenschonende Landwirtschaft in den Tropen.

In den Jahren 2006 und 2009 fanden bereits Nachhaltigkeitsworkshops mit den kubanischen Partnern und Akteuren in Kuba statt. 2011 hat Cuba Sí diesen fachlichen Erfahrungsaustausch erstmals in Berlin organisiert und so ACPA die Gelegenheit geboten, sich und seinen Arbeits- und Forschungsstand auch deutschen Landwirtschaftsexpert/-innen vorzustellen.

Hier kann der Band mit Vorträgen und Diskussionsbeiträgen herunter geladen werden (klicken; 25 Seiten, 1,8MB).

Tarantel Nr. 54 (09/2011)

 Tarantel 54 28 Seiten,3 Abb.Redaktionsschluss: 15.08.2011

Link zur Ausgabe

In eigener Sache

Bericht von einer Klausurtagung der Bundestagsfraktion der LINKEN und der Sitzung des Koordinierungsrates der Ökologischen Plattform
Beschlüsse des Koordinierungsrates
Einladung

Grundsatzfragen und Perspektiven

Salzburger Festspiele: Jean Zieglers nicht-gehaltene Rede
Vom Lob des Verzichts – „Wo die Wachstumskritiker landen“
Nichts dazu gelernt – Die falsche Dichotomie der in ihrer obsoleten Ideologie gefangenen Altlinke
n Steht die Wachstumskritik wirklich im Dienst des Großkapitals?
Lebendige Dörfer in Europa. Vernetzung, Zusammenarbeit und Selbstbewusstsein der Dorfbewegungen wachsen
Bericht von der internationalen Dorfkonferenz in Berlin am 13./14.5.2011
Vom Ökofeminismus zum Atomausstieg der Frauen

Atomkraft/Energie

Sofortiger Atomausstieg als wesentliches Element eines sozial-ökologischen Umbaus der Gesellschaft

Aus den Ländern

Ökologische „Großbaustellen“ der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag
Unser Hamburg – unser Netz: Riesenerfolg des Volksbegehrens
Mitgliederversammlung der Ökologischen Plattform Rheinland-Pfalz (ÖPF RLP)
Solidarität des Klima- und Energie­camps mit lokalem Widerstand

Bücherecke

WBGU-Gutachten: „Welt im Wandel, Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“
Einfach aufladen. Mit Elektromobi­lität in eine saubere Zukunft

Es sind nicht „unsere“ Rohstoffe!

Rede von Ulla Lötzer, DIE LINKE im Deutschen Bundestag am 17.3.2011

Die Diskussion um die Rohstoffpolitik wird geführt, als ginge es um den freien Zugriff „unserer“ Wirtschaft auf „unsere“ Rohstoffe, die scheinbar nur aufgrund eines Missverständnisses der Natur im Boden anderer Länder liegen. Statt einer verschärften Konkurrenz um den Zugang zu begrenzten Rohstoffen, brauchen wir auf internationaler Ebene partnerschaftliche Regeln und die Einführung sozialer und ökologischer Mindeststandards in Handelsverträgen.

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Katastrophen können vermieden werden!

Erklärung der Teilnehmer des Bundestreffens der Ökologischen Plattform bei der Partei DIE LINKE

Wieder haben wir es mit einem der für Natur und Mensch gefährlichsten, verbrecherischen Auswüchse kapitalistischer Profitgier zu tun.

Das Öldrama im Golf von Mexiko wäre bei mehr Verantwortung und Achtung vor dem höchsten Gemeingut der Menschheit, der Natur, seitens der US-Administration und des britischen Ölkonzerns British Petrol zu vermeiden gewesen.

Es ist immer dasselbe Szenarium. Wenn es um Maximalprofite geht, werden Warnungen vor dem Einsatz gefährlicher Technologien in den Wind geschlagen und, wie es sich erweist, auch Vorkehrungen für die Vermeidung von Havarien unterlassen. Daher kann man in solchen Fällen wie dem aktuellen nicht einfach von Unfall oder Unglück sprechen. Es handelt sich um kalkulierte verbrecherische Politik.

Die Katastrophe vor der Küste der USA mit unermesslichen Verwüstungen im Ozean und an den Küsten kann nur als erneute Mahnung an die Menschheit verstanden werden, sich sehr energisch von der Abhängigkeit von Erdöl, Atomkraft und Kohle für die Energieerzeugung frei zu machen, flächendeckend unter Nutzung vornehmlich regionaler und lokaler Möglichkeiten zum Ausbau und zur Anwendung erneuerbarer Energien überzugehen und so die Macht der Energiekonzerne zu beschneiden.

Rödinghausen, 29.5.2010

Ziehen Sie endgültig die Hermesbürgschaft vom Ilisu-Staudammprojekt zurück!

An die deutsche Bundeskanzlerin Frau Angela Merkel!
An den Wirtschaftsminister Herrn Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg!
An die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Frau Heidemarie Wieczorek-Zeul!
An den Bundesminister der Finanzen Herrn Peer Steinbrück!
An den Bundesminister des Auswärtigen Herrn Frank-Walter Steinmeier!

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin!
Sehr geehrte Frau Ministerin und sehr geehrte Herren Minister!

Ziehen Sie endgültig die Hermesbürgschaft vom Ilisu-Staudammprojekt zurück!

Mit diesem Schreiben ersuchen wir Sie, dass die deutsche Hermesbürgschaft für das Ilisu-Staudamm- und Wasserkraftprojekt im kurdischen Teil der Türkei sofort zurückgezogen wird. Dieses Projekt hat inakzeptable negative soziale, ökologische und politische Folgen, und die türkische Regierung verletzt offenkundig immer wieder die von Ihnen für die Umsetzung des Projektes gestellten Auflagen.
Auf internationaler Ebene würde der Bau des Ilisu-Staudammes den Konflikt um das Wasser des Tigris zwischen der Türkei, dem Irak und Syrien im ohnehin von Konflikten und Kriegen geplagten Mittleren Osten anheizen. Denn zwischen diesen drei Staaten gibt es keine Abkommen über die Nutzung des Flusses. – Auch hat die Türkei bisher die „UN-Konvention über die nichtschiffbare
Nutzung grenzüberschreitender Wasserwege“ von 1997 nicht unterzeichnet.
Der am Tigris Fluss geplante Ilisu-Staudamm hätte erwiesenermaßen massive negative Auswirkungen auf das Leben der Menschen in der betroffenen Region. Sollte das Projekt wie geplant umgesetzt werden, machen Sie sich mitschuldig daran, dass bis zu 78 000 Menschen ihren angestammten Lebensraum verlieren, ohne eine angemessene Entschädigung zu erhalten, und in Folge dessen eine Massenflucht in die bereits jetzt völlig überforderten Städte der Umgebung einsetzt – mit katastrophalen sozio-ökonomische Folgen.
Über 80 % der direkt Betroffenen und alle betroffenen Gemeinden der Region stellen sich gegen dieses Projekt. Sie glauben nicht den Versprechungen der Regierung über die Schaffung vieler Arbeitsplätze. Das ist schon an anderen in der Region bereits umgesetzten Talsperrenprojekten deutlich zu sehen.
Der Ilisu-Staudamm ist auch in menschenrechtlicher Hinsicht ein großes Problem, weil seit den 80er Jahren in der betroffenen Region systematisch die Menschenrechte verletzt werden und die staatliche Repression in den letzten zwei bis drei Jahren nochmals zugenommen hat.
Darüber hinaus hätte der geplante Staudamm die Zerstörung des vielfältigen Ökosystems im Tigristal zur Folge. Der Stausee würde durch die Versalzung und Vergiftung des Wassers weitreichende irreparable Schäden an der Umwelt verursachen. In dem betroffenen Gebiet wären viele endemische und global bedrohte Arten wie die Euphrat-Weichschildkröte (Rafetus euphraticus) und der Rötelfalke (Falco naumanni) betroffen. Auch unterhalb des Staudamms bis weit in den Irak wären negative ökologische Folgen sicher. Das lokale Klima in der Stauseeregion könnte sich auf eine gefährliche Art verändern und die wenigen Waldbestände bedrohen.
Das Umkippen des Stausees könnte zur Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria und Typhus und damit zu einer ernsthaften Gefährdung der umliegenden Bevölkerung, d.h. von mehreren hunderttausenden Menschen führen.
Auch auf kulturellem Gebiet würde das Projekt irreparable Schäden verursachen. Mit der antiken Stadt Hasankeyf und ihrer mehr als 10 000 Jahre zählenden Siedlungsgeschichte wäre ein einzigartiger Ort verschiedenster Kulturen zerstört. In diesem wichtigen Teil Obermesopotamiens sind darüber hinaus über 300 uralte archäologische Stätten von der Überflutung bedroht. So hat eine Anfang April 2009 von mehreren Wissenschaftlern in der Türkei veröffentlichte Untersuchung ergeben, dass Hasankeyf und das Tigristal 9 von 10 Kriterien für eine Aufnahme in das UNESCO-Weltkultur- und -naturerbe erfüllen. (Zum Vergleich: Venedig bzw. die ägyptischen Pyramiden erfüllen 5 bis 6 Kriterien.) Kurz gesagt wäre der Bau von Ilisu ein Verbrechen an einem wichtigen Teil der Zeugnisse der Menschheitsgeschichte.
Wir rufen Sie daher eindringlich auf zu überdenken, ob Ihre Regierung als Mitverursacherin einer humanitären, ökologischen, politischen und kulturellen Katastrophe dastehen möchte. Handeln Sie verantwortungsbewusst, und ziehen Sie sich endgültig von der Kreditversicherung des Ilisu-Staudamms zurück!

Hochachtungsvoll!
Die Teilnehmer des Bundestreffens der Ökologischen Plattform bei der LINKEN,
Warmensteinach (Fichtelgebirge), 09. Mai 2009
f.d.R. Manfred Wolf