Internationales Anti-Atom-Sommercamp in der Bundesrepublik

Vom 17.-23. Juli 2017 werden Expert*innen, Organisator*innen und Aktivist*innen aus mehr als einem Dutzend Ländern von drei Kontinenten, die besorgt über den Weiterbetrieb der Atomindustrie sind, in Döbeln, Mittelsachsen, zusammen kommen, um die fortlaufenden Anti-Atom-Kämpfe zu stärken. Das Internationale Anti-Atom-Sommercamp setzt seinen Schwerpunkt auf die Uranindustrie und auf Laufzeitverlängerungen sowie den Neubau von Reaktoren. Ab sofort ist die Anmeldung zu diesem Gathering möglich und interessierte Menschen sind eingeladen mit den Camp-Organisator*innen in Kontakt zu treten.

Das Nuclear Heritage Network, eine weltweite informelle Plattform von Anti-Atom-Aktivist*innen, arrangiert diese Zusammenkunft, zu der 60-100 Teilnehmer*innen aus aller Welt erwartet werden. Dort sollen Anti-Atom-Initiativen miteinander in Kontakt kommen, über atompolitische Themen informiert werden, zu denen sich die verschiedenen Beteiligten engagieren, und die Bewegung gestärkt werden, die gegen die immer noch mächtige Atomlobby antritt. Seit 2008 war das Nuclear Heritage Network Initiator*in einer Vielzahl internationaler Treffen wie dem bevorstehenden. Diese fanden in verschiedenen europäischen Ländern wie Frankreich, Finnland, Tschechien und der BRD statt.

Uran ist der Stoff, der alle Konflikte um die Atomkraft verbindet, denn er taucht im Brennstoff, beim Bergbau, als Atommüll und als Element auf, das in verschiedenen Stadien der Uranverarbeitungskette bearbeitet wird. Das internationale Sommercamp wird Organisator*innen zusammenbringen, die gegen die Uranindustrie Kampagnenarbeit leisten, deren Themen bekannter machen und dazu beitragen, dass Aktivist*innen von verschiedenen Aktionsfeldern zusammenkommen.

Der Neubau von Atomkraftwerken und die Laufzeitverlängerung von alternden Reaktoren sind eine drängende Gefahr, die im Gegensatz zu den verschiedenen nationalen Atomausstiegs-Politiken mehrerer Staaten akut ist. Planungen für weitere dieser Risikoanlagen und zur Verlängerung der Betriebszeiten gibt es überall auf der Welt, obwohl die strauchelnde Atomindustrie mit großen ökonomischen Problemen konfrontiert ist. – Diese existierten zwar schon vorher, sind aber durch die Krise der Finanzmärkte stärker sichtbar geworden. Das Sommer-Gathering wird eine Plattform für Initiativen sein, die gegen diese Entwicklungen ankämpfen. Es wird Informationen zu Atomanlagen und ihren speziellen Risiken bereitstellen, aber hat auch zum Ziel neue Partner*innen für den Widerstand gegen die Atomlobby zu finden.

Ein erster Programmentwurf wurde nun auf der Internetseite des Camps veröffentlicht: http://camp2017.nuclear-heritage.net . Die Teilnehmer*innen können sieben Tage voller Informationen und Eindrücke, Workshops zur Entwicklung gemeinsamer Aktionen, eine Exkursion zu einem stillgelegten Uranbergwerk, Skillsharing, Aktionen und Workshops zur Erhöhung der Handlungsfähigkeit der Anti-Atom-Bewegung erwarten.

Bürger bremsen Stromtrassenausbau

Seit 2009 sah das Programm des Netzausbaus (EnLAG-Vorhaben) den dringenden Bedarf von 1.855 km Hochspannungsleitungen vor, die bis 2015 realisiert werden sollten. Gebaut wurden aber bisher nur 268 km. Die Einsprüche von Bürgern sind wesentliche Ursache der Verzögerung. Die Kläger gingen bis zum Bundesverwaltungsgericht.

Vor allem für die Stromversorgung Süddeutschlands wird nach planmäßigem Abschalten des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld Ende 2015 eine neue Stromtrasse über Thüringen von Nord nach Süd gebraucht. Das Programm des Bundesbedarfsplanes sieht weitere 2.800 km Stromtrassen in Form von 3 großen Gleichstromleitungen in Nord-Süd-Richtung vor. Auch hier gibt es Bürgerproteste.

Nach den Festlegungen im Koalitionsvertrag wird der Bau von Windkraftanlagen in den südlichen Bundesländern und auch in Mitteldeutschland weitgehend zum Erliegen kommen. Nur noch an der Küste gibt es geeignete Referenzstandorte. Wo soll dann der Windstrom für den Transport nach dem Süden kommen? Da wurde bereits von den Energiekonzernen Vorsorge getroffen. An der Küste werden Steinkohlekraftwerke gebaut, die mit billiger Kohle aus Übersee befeuert werden. Das Gerede über den Transport von Erneuerbarem Strom nach Süden als Begründung diente nur als Tarnung für die wahren Absichten. Bürgerproteste sind auch aus diesem Grunde berechtigt.

Götz Brandt,  9.12.2013

Anti-Atom-Demo in Münster

Münster, 28. Mai 2011: „Für einen sofortigen Atomausstieg“, demonstrierten über 7000 Menschen, darunter auch zahlreiche Mitglieder von DIE LINKE. OV Senden-Ascheberg
Bei 21 Großdemonstrationen in der ganzen Bundesrepublik haben an diesem Tag mehr als 160.000 Menschen demonstriert. Ihre Botschaft: Schluss mit der tödlichen Risikotechnologie Atomkraft. Atomausstieg jetzt!

Raus aus der Atomkraft!

Raus aus der Atomkraft und rein in eine erneuerbare und demokratisierte Energieversorgung.

Beschluss der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag vom 10. Mai 2011

Kurz vor dem 25. Jahrestag von Tschernobyl hat uns die Katastrophe der japanischen Atomkraftwerke in Fukushima auf dramatische Weise abermals die unbeherrschbaren Gefahren der Atomkraft vor Augen geführt. Die schrecklichen Ereignisse in Japan verdeutlichen uns erneut: Der Betrieb von Atomkraftwerken ist unverantwortbar, in Japan, in Deutschland, weltweit. Nur ein zurückgebautes Atomkraftwerk ist ein sicheres Atomkraftwerk.

Jetzt müssen Konsequenzen gezogen werden. Jetzt, nicht irgendwann. „Abschalten“ lautete die unüberhörbare Forderung mehrerer hunderttausend Menschen bei den Großdemonstrationen am 26. März und am 25. April 2011 auf den Straßen der Republik. Wann, wenn nicht jetzt?!

Raus aus der Atomkraft in sieben Schritten. Rein in eine ganz andere Energiepolitik – sozial, ökologisch, demokratisch. DIE LINKE. im Bundestag zeigt wie:

1.            Sofortige Stilllegung von elf Atomkraftwerken

Deutschland exportiert seit Jahren Strom ins Ausland. Der Kraftwerkspark in Deutschland ist derart überdimensioniert, dass elf der siebzehn Atomkraftwerke in Deutschland sofort stillgelegt werden können – ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Diese elf Atomkraftwerke umfassen u.a. die sieben von der Bundesregierung während des „Atom“-Moratoriums vorübergehend vom Netz genommenen AKWs sowie den Pannenmeiler Krümmel. Die elf Atomkraftwerke trugen in den letzten Jahren knapp neun Gigawatt zur gesicherten Nettoleistung der Stromerzeugung in Deutschland bei (vgl. Anhang 1). Diese können durch überschüssige Erzeugungskapazitäten im deutschen Kraftwerkspark problemlos ersetzt werden. Dass damit keinerlei Einschnitte bei der Versorgungssicherheit verbunden sind, zeigt die aktuelle Situation. Denn momentan (Anfang Mai) sind aufgrund des „Atom“-Moratoriums und wegen laufender Revisionen elf AKWs nicht am Netz. Die folgende Tabelle verdeutlicht, dass alle Nichtverfügbarkeiten von Kraftwerken aufgrund von Revisionen und Ausfällen sowie notwendiger Reservekapazitäten zur Gewährleistung der Stabilität der Stromnetze bei der Kalkulation der überschüssigen Kraftwerkskapazitäten berücksichtigt wurden.

  • Die sieben ältesten AKWs – Biblis A, Neckarwestheim 1, Biblis B, Brunsbüttel, Isar 1, Unterweser und Philippsburg 1 – und das Pannen-AKW Krümmel sind sofort und auf Dauer stillzulegen. Gleiches gilt für das wegen seiner Lage in einem Erdbebengebiet gefährdete AKW Neckarwestheim 2 sowie die AKWs Grundremmingen B und C.

Tabelle: Kraftwerkskapazitäten in Deutschland (in GW)

  2008 2009 2010*
Netto-Kraftwerksleistung 147,1 152,7 135,0
Gesicherte Nettoleistung 90,5 92,8 89,9
  + Kaltreserve** 1,6 1,6 1,6
  – Jahreshöchstlast 76,8 73,0 76,7
  – Langfristreserve** 6,6 6,6 6,6
Überschusskapazitäten des bestehenden Kraftwerkparks 8,7 14,8 8,2

Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz (2011); Bundesnetzagentur (2009, 2010); *Bundeswirtschaftsministerium (2011), **Öko-Institut (2011).

Netto-Kraftwerksleistung: Die an das Stromnetz oder Direktverbraucher abgegebene Leistung eines Kraftwerks. Sie ergibt sich aus der Brutto-Leistung nach Abzug der elektrischen Eigenverbrauchsleistung des Kraftwerks während des Betriebs.

Gesicherte Nettoleistung: Inländische Kraftwerksleistung abzüglich der nicht einsetzbaren Leistung, der Einschränkungen durch Ausfälle und Revisionen, der Reserve für Systemdienstleistungen, Leistungsreduktionen von Wasserkraftwerken und Reduktionen der elektrischen Erzeugungsleistungen von KWK-Anlagen infolge Fernwärme-Auskopplung. Nur 5-10 Prozent der installierten Kraftwerksleistung von Windkraftanlagen wird dabei als gesichert betrachtet. Bei Photovoltaik wird der Wert Null angenommen.

Kaltreserve: Kraftwerke, die nicht mehr zur Stromerzeugung eingesetzt werden, jedoch konserviert, d.h. nicht endgültig stillgelegt sind, und bei Bedarf wieder angefahren werden können.

Jahreshöchstlast: Die im Zeitraum eines Jahres viertelstündig gemessene Höchstlast (= höchster Stromverbrauch). Die Jahreshöchstlast tritt typischerweise an einem Winter-Abend bei Dunkelheit auf.

Langfristreserve: Ein Teil der unter Abzug der gesicherten Nettoleistung verbleibenden Leistung wird als längerfristige Reserve für solche unvorhergesehene Kapazitätsengpässe vorgesehen, die nicht von der kurzfristigen Reserve für die Systemdienstleistungen (als Teil der gesicherten Nettoleistung) abgedeckt werden können.