Der Soforthilfe muss eine ambitionierte Reform der EU-Agrarpolitik folgen

Die am 22.8.18 beschlossenen Finanzhilfen für Landwirte mit dürrebedingten Ernteausfällen kommentiert Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):

 „Die kurzfristigen Finanzhilfen für die betroffenen Agrarbetriebe sind zu begrüßen. Um den Bauern nicht nur kurzfristig zu helfen, sondern die Betriebe vor zukünftigen Schäden zu bewahren, müssen Steuermittel für den Umbau zu einer umweltfreundlichen und klimaschonenden Landwirtschaft genutzt werden.

Bereits heute wird sehr viel Geld für die Landwirtschaft und die ländlichen Räume ausgegeben: Während der laufenden Förderperiode fließen innerhalb von sieben Jahren 44 Milliarden Euro aus den Töpfen der EU-Agrarpolitik nach Deutschland. Davon werden fast fünf Milliarden Euro jährlich als pauschale Flächenprämien an die Agrarbetriebe ausgeschüttet, ohne dass diese Gelder an konkrete Leistungen in den Bereichen Umwelt, Tierwohl oder Klimaschutz gebunden sind. Dieses Geld muss in Zukunft sinnvoller verteilt werden.

Der BUND fordert, dass den dürrebedingten Soforthilfen jetzt eine ambitionierte Reform der EU-Agrarpolitik folgt. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner muss sich für eine klare ökologisch-soziale Wende in der Agrarpolitik einsetzen. Die pauschalen Flächenprämien müssen abgeschafft und umweltfreundliche Betriebe unterstützt werden. Es ist notwendig, instabile und anfällige Hochleistungssysteme in der Landwirtschaft zu ersetzen durch agrarökologische Anbaumethoden, die Bäuerinnen und Bauern eine Zukunft bieten und unsere Ernährung sichern. Mit den Milliarden der EU-Agrarpolitik könnte bereits ab 2021 mit dem Umbau begonnen werden.“

 

Umsteuern ist überlebenswichtig!

„Eine regionale, umweltverträgliche und soziale Land- und Ernährungswirtschaft muss her!“ fordert Dr. Johanna Scheringer-Wright, Mitglied des Parteivorstandes der Partei DIE LINKE und Mitglied des Thüringer Landtages.

Die Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft in Deutschland und der Europäischen Union geht weiter in die falsche Richtung. Anstelle auf gesunde Nahrungsnahrungsmittel für alle, Vielfalt, Umweltverträglichkeit und Sicherung der Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu setzen, werden die Konzentration und das Wachstum in der Branche vorangetrieben. Als jüngste Beispiele sind hierfür das „Höfesterben“ während der Milchkrise oder auch die Übernahme von Monsanto durch Bayer zu nennen.

Die Orientierung in der Landwirtschaft auf den kapitalistischen Markt führt immer wieder zu Überproduktion in den industrialisierten Ländern, die mit Agrarsubventionen auch noch angekurbelt wird. Um der Überproduktion her zu werden, werden die Produkte dann durch wiederum subventionierte Exporte in Schwellen- und sogenannte Entwicklungsländer abgesetzt. Mit diesen Exporten einher geht insbesondere der Import von Futtermitteln in die industrialisierten Länder.

Dieser ausbeuterische Zweiklang raubt den Bauern die Existenzgrundlage.

Damit sind Überproduktion auf der einen Seite bei gleichzeitigem Hunger, Unterernährung und Armut auf der anderen Seite programmiert.

Nutznießer dieser Entwicklung sind die Konzerne der Branche. Zur Zementierung ihrer Macht werden CETA, TTIP und viele andere Freihandelsabkommen weltweit durchgedrückt. Dies geschieht zum Schaden von Milliarden Menschen weltweit und auf Kosten des Klimas und der Umwelt.

Ein Umsteuern ist überlebenswichtig.

Da geht es zum ersten um eine Ökologisierung und Regionalisierung der landwirtschaftlichen Produktion. Die Tiere, die uns Milch und Fleisch liefern, müssen mit regional angebauten Futtermitteln gefüttert werden. Dadurch werden die klimaschädlichen Transporte vermieden und auch der Raubbau in Drittländern eingeschränkt, weil dort weniger Fläche für die Erzeugung von Eiweißfuttermittel für die Industrienationen verbraucht wird.

Zudem müssen in den industrialisierten Ländern die Düngung und der chemische Pflanzenschutz reduziert werden. Wir müssen hin zu nachhaltigen Erträgen, die die Ernährung sichern aber gleichzeitig das Klima und die Umwelt schützen.

Dies ist nur möglich, wenn es eine Abkehr von der Exportorientierung der Land- und Ernährungswirtschaft gibt und einen Bruch mit dem kapitalistischen Wachstumszwang.

DIE LINKE ruft zur Teilnahme an der Demonstration „Wir haben es satt“ auf.
Die Demonstration findet am 21.01.2017 statt und startet um 12.00 Uhr am Potsdamer Platz in Berlin.

FÜR gutes Essen und FÜR gute Landwirtschaft!

… findet vom 2.-5. Oktober 2014 zum ersten Mal das „Stadt Land Food” Festival in Berlin-Kreuzberg, Markthalle neun statt.

Am Ernte-Dank-Wochenende werden bäuerliche Landwirtschaft und das Lebensmittelhandwerk werden als positive Alternative zur industriellen Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie präsentiert.

Für die Stilllegung von 50 Prozent aller deutschen Autobahnen und 75 Prozent aller Flughäfen

plädiert Niko Paech in seinem lesens- und vor allem bedenkenswerten Interview

„Letzte Zuckungen eines Körpers, der nicht sterben will“

im Oldenburger Lokalteil.

Hier sind drei Zitate:

„Die Energiewende in Deutschland ist eine der größten ökologischen Katastrophen, die wir bis jetzt erlebt haben. … Wir haben diese Energiewende deshalb ins Gespräch bringen können, weil sie unser Wohlstandsmodell gegen jede ökologisch motivierte Kritik immunisiert, aus der sich sonst die Schlussfolgerung ziehen ließe, dass wir unsere Ansprüche reduzieren müssten.“

Ich kaufe Bioprodukte, um moralisch zu kompensieren, dass ich ein viel zu großes Haus bewohne. Man kann aus der einzelnen Handlung eben keinen Rückschluss auf die ökologische Gesamtperformance einer Person ziehen. Diese symbolische Kompensation ist daher ein ganz wichtiger Schrittmacher der Biobranche.“

„Was die Amerikaner mit dem Fracking machen, ist nur ein kleiner Aufschub – und ein ökologischer Wahnsinn, der das Problem nicht lösen wird. Es geht ja nicht nur um Öl-, sondern auch um die bereits genannte Flächenknappheit und Phosphor; es geht um Coltan, Palladium, Neodym. Wir haben uns durch die digitale Revolution so abhängig gemacht von seltenen Erden, dass die Sollbruchstellen unseres Wohlstands immer offenkundiger werden. Und deswegen frustriert mich das eigentlich nicht, Nachrichten zu hören, in denen so getan wird, als könne man mit minimalen Reparaturmaßnahmen ein zum Scheitern verurteiltes Modell doch noch retten. Das sind die letzten Zuckungen eines Körpers, der nicht sterben will; solche Sachen wie ein Jade-Weser-Port, eine Küstenautobahn oder hier in Oldenburg IKEA, ein Einkaufszentrum und so weiter – das sind Amokläufe einer angstgetriebenen Politik, die verzweifelt an einem Modell festhält, das schon nach Verwesung riecht.“

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Kommentar:

Eine Frage, die Paech unverständlicherweise ausklammert, ist, in welchem politischen und polit-ökonomischen Rahmen seine Empfehlungen eine Chance hätten, akzeptiert zu werden. Die Frage „Kapitalismus oder Sozialismus?“ darf nicht ignoriert werden.

Herzliche Grüße
Saral Sarkar

siehe auch:Zwei Diskurse, die an einander vorbeilaufen

Bio-Bluff

Mit freundlicher Genehmigung der Kleine(n) Zeitung GmbH & Co KG; 8010 Graz, Schönaugasse 64 geben wir hier eine Rezension wieder:

Die Geschichte von den gestressten Bio-Hühnern

Eines scheint klar: Es wird wieder für Aufregung sorgen, das neue Buch von Clemens G. Arvay.
Wie schon in „Der große Bio-Schmäh“, scheut der Grazer Agrarbiologe auch in „Friss oder stirb“ den Kampf mit den großen Handelsketten in keiner Weise.

Arvay berichtet von Irreführung der Konsumenten, falscher Landwirtschaftsidylle und dreistem Etikettenschwindel im Lebensmittelhandel. Aktueller denn je, möchte man meinen – wenig verwunderlich ist dahin gehend, dass der ursprüngliche Erscheinungstermin des Buches nach vorne verlegt wurde.

Elf Wochen lang reiste Arvay quer durch Europa und besuchte Landwirte in Österreich, Deutschland, Wales oder England – am Ende der Reise stehen 210 Seiten, geprägt von abwechselnden Textgattungen und Schauplätzen. In Interviews lässt der 33-Jährige Bio-Bauern von der „Überschwefelung im Bio-Apfelbau“ erzählen – in reportageartigen Sequenzen schildert er, wie ihm mit fadenscheinigen Ausreden der Zutritt zu Stallungen von „Bio-Hühnern“ verweigert wurde.

Kosmetische Normen für Karotten, Federnkannibalismus bei gestressten Hühnern, falsch deklarierte Bio-Lebensmittel in österreichischen Supermärkten. Arvay schreibt schonungslos, bleibt dabei aber präzise und umfassend. Viele Kritikpunkte kennt man aus seinem Vorgängerwerk, neu ist der lösungsorientierte zweite Teil des Buches.

Der Autor verfasst ein Plädoyer für ein dezentrales Lebensmittelsystem und beschwört das Modell einer solidarischen Landwirtschaft. Weg von fixen Abnahmepreisen und weg von Supermärkten und Discountern, die für Arvay neben dem unkritischen Konsumenten das Problem darstellen. Die Hoffnung auf wirklich ökologisch produzierte Nahrungsmittel geht nach der Lektüre nicht verloren. Im Gegenteil: Viele positive Beispiele hat der Steirer gefunden – manchmal musste er halt länger suchen.

MARKUS ZOTTLER

Trailer zum Buch:


Clemens G. Arvay: Friss oder strirb; Ecowin Verlag GmbH, 232 Seiten, 21,90 €, ISBN 978-3-7110-0030-9

Grüne in Brandenburg auf sandigem Boden

Rezension von Roland Schnell

Sammelband der Landtagsfrak­tion zur Agrarpolitik in Brandenburg

Die »roten Barone« scheinen für Bündnis 90/Die Grünen in Branden­burg eine grö­ßere Gefahr darzustel­len als Monsanto und der restliche agroin­dustrielle Komplex. Rund ein Drittel der 200 Seiten des Buches mit dem Titel „Umbrüche auf märkischem Sand“ beschäf­tigt sich mit den Unge­rech­tig­keiten bei der Bodenreform in der DDR und den weiteren Unge­rech­tig­keiten bei der Umwandlung der Land­wirt­schaftlichen Pro­duktions­genoss­en­schaften (LPG) nach dem Ende der DDR.

Dass diese Schwerpunktsetzung kein Zufall ist, bestätigt Axel Vogel als Vorsitzender der Landtagsfraktion im Vorwort. Er weiß von der über die Jahrtausende währenden Umgestaltung des märkischen Sands durch menschliche Arbeit in fruchtbaren Boden, meint aber, es würden „all diese Verände­rungen in Umfang und Geschwindigkeit von den Umgestaltungen der Landwirtschaftsst­rukturen in der DDR weit übertroffen.“ Dabei kann er sich kaum als Opfer der SED-Politik darstellen. Geboren in Bochum, hat er die Partei „Die Grünen“ in der Bun­desrepublik mitbegründet und lange für deren Landtagsfraktion in Bayern gearbei­tet.

Die DDR kann er erst nach deren Ende kennengelernt haben, als er ab 1991 erst in der Projektgruppe „Großschutzgebiete“, dann als Abteilungsleiter in der Umweltver­waltung des Landes Brandenburg gearbei­tet hat. Er und eine Reihe weiterer Autoren des Sammelbands wollen die beklagens­werten Irrwege der Agrarpolitik als naht­losen Übergang der alten Eliten aus der Plan- in die Marktwirtschaft deuten.

Die Opfer der Bodenreform seien durch das Zusammenwirken von alten SED-Ka­dern, die sich in der Leitung der Großbet­riebe behaupten konnten, mit dem konserv­ativen Deutschen Bauernverband West (DBV) und dessen willfährigen Brandenbur­ger Landesbauernverband (LBV) ein zwei­tes Mal um ihr Hab und Gut gebracht wor­den. Doch das ergibt nur ein blasses Bild, da kaum Betriebe und Personen mit Namen genannt oder Abläufe im Detail beschreiben werden. Die wenigen nament­lich genannten Personen sind Politiker der SPD, wie der ehemalige Argrarminister Edwin Zimmermann oder der Abgeordnete und LBV-Vorsitzende Udo Folgert.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass ehe­malige Bürgerrechtler aus der DDR hier ihren Frust über ihre Bedeutungslosigkeit abladen wollten. Als Gegenentwurf zu den Großbetrieben wird das süddeutsche Modell der Familienbetriebe auf der eige­nen Scholle propagiert, die in der DDR bereits von den LPG und ihren Nachfolgern aufgesogen wurden.

Infolgedessen ist das Referenzszenario nicht das Brandenburg der preußischen Junker mit ihren, oft von Verwaltern aus dem Bürgertum durchorganisierten und nach neuesten wissenschaftlichen Erkennt­nissen geführten Betriebe mit einem schlecht entlohnten, rechtlosen landwirt­schaftlichen Proletariat, sondern die nach der Enteignung der Junker und Aufteilung derer Flächen entstandenen Neusiedler. Ein Modell, das sich angesichts von Akteu­ren ohne Vorkenntnisse in der Landwirt­schaft und dem Mangel an Arbeitsgerät als wenig erfolgreich erwies. Aber kühn wird behauptet: „Als […] Wilhelm Pieck am 2. September 1945 zur Bodenreform auf­rief, war sie längst beschlossene Sache. […] Doch wie so oft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten versuchte die Partei, die von ihr verfolgte und brachial durchge­setzte Politik so zu präsentieren, als sei sie der Vollzug spontaner Masseninitiativen“. Die Autoren lassen jedes Verständnis für die antifaschistische Grundstimmung nach dem Ende des 2. Weltkriegs vermissen und geißeln die DDR-Landwirtschaft als hoch­gradig ineffizientes, Umwelt zerstörendes System, das von ignoranten und inkompe­tenten SED-Bonzen geleitet wurde.

Es wird schlicht ignoriert, dass so kaum die Grundversorgung eines 17 Millionen-Volkes zu gewährleisten gewesen wäre – von den Eiern und dem Schweinefleisch für West-Berlin ganz abgesehen. Ignoriert wird, dass die LPG-Bauern den Luxus einer Neubau­wohnung, regelmäßigen Urlaub, Kranken­versorgung, Kinderkrippe sehr wohl zu schätzen wussten und sich enga­giert und fachlich hochqualifiziert um Ackerbau und Vieh­zucht gekümmert haben.

Natürlich war nicht alles in der DDR-Land­wirtschaft uneingeschränkt richtig. Gerade aus ökologischer Sicht gibt es vieles zu kri­tisieren, aber es gab eben auch positive Ansätze, die in der pauschalen Verdam­mung durch B’90/Die Grünen untergehen. Beispielsweise die planmäßige Organisa­tion von Fruchtfolgen zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit über mehrere Jahre oder der Anspruch, das Futter für die Tier­produktion in der Region anzubauen. Prin­zipien, die heute durch die Tendenz zur Regionalisierung wieder höchst aktuell sind. Sogar an der Nutzung von regenerati­ven Energien, wie Biogas, wurde in den 1980er gearbeitet und ohne die politischen Veränderungen hätte die DDR hier vermut­lich eine Spitzenposition in Europa einge­nommen.

Es ist den Herausgebern hoch anzurech­nen, dass auch andere Stimmen zu Wort kommen. So schildert Thomas Jülke, kein SED-Genosse, aus Sonnewalde lebendig, faktenreich und humorvoll, wie er als studierter Genossenschaftsbauer 1989 zu der Rolle kam, einen Betrieb mit 1.000 Mitarbeitern, 7.500 ha Ackerfläche und Ställen voller Vieh im neuen System am Leben zu erhalten. Er hält nichts von der naiven Kritik an Großbetrieben und schreibt: »Kann eine Bäuerin, die morgens in aller Frühe die Kühe melkt, dann die Schulstullen für die Kinder schmiert, noch schnell den Gemüsegarten versorgt, im Hofladen den selbst gemachten Käse an die gut ausgeruhte Kundin aus der Stadt verkauft, nach Mittag die Schularbeiten der Kinder kontrolliert, […] nach dem zweiten Melken […] eigentlich noch die Buchhal­tung erledigen?«. Die Agrargenossenschaft Sonnewalde e.G. ist heute ein moderner Großbetrieb auf 2.290 ha.

Auch ökologischer Landbau kann in großem Stil betrieben werden, wie das Bei­spiel Brodowin zeigt. Aus einer LPG wurde ein Demeter-Betrieb im UNESCO Biosphä­renreservat Schorfheide-Chorin mit 70 fest­angestellen Mitarbeitern. Es werden jähr­lich 4 Millionen l Milch und Milchprodukte von 260 Milchkühen und ebensovielen Ziegen in der eigenen Molkerei verarbeitet.

Die Vermarktung von Bio-Produkten, spezie­ll auf dem Berliner Markt, ist das Thema der Analyse von Michael Wimmer, dem Geschäftsführer der Fördergemein­schaft ökologischer Landbau (FÖL). Trotz der rasch wachsenden Nachfrage in Berlin, der Hauptstadt der Bio-Supermärkte, neh­men die Ökoflächen in Brandenburg, nach einem furiosen Start in den 1990er Jahren, kaum noch zu. Wimmer ortet das Problem in den fehlenden Strukturen zur Weitervera­rbeitung der Rohware zu Pro­dukten, wie sie von den Kunden verlangt würden, etwa Tiefkühlkost, Wurst oder gar Conveni­ence-Produkten. Neue Molkereien in Mün­cheberg, Lobetal oder Brodowin sieht er als Hoffunungschimmer.

Das Konfliktfeld »Landwirtschaft und biolo­gische Vielfalt untersucht Tom Kirschey, der Landesvorsitzende des NABU Branden­burg. Er lenkt den Blick auf die Entwässe­rungsgräben, die er als »klaffende Wunden in der Landschaft bezeichnet. Es sei bekannt, dass damit das Wasser flächen­haft rasch abgeführt würde, was wiederum zu Überschwemmungen an anderer Stelle führe, und trotzdem seien diese von der Landesregierung in die Liste der von der EU-Wasserrichtlinie geschützten Gewässer aufgenommen worden. Kirschey bezweifelt, dass allein die DDR-Strukturen für die Fehl­entwicklungen in Brandenburgs Landwirt­schaft verantwortlich seien. Es seien 20 Jahre ins Land gegangen, in denen man die Weichen hätte anders stellen können.

Auf die oft unterschätzte Bedeutung der Honigbiene weist Wolfgang Voigt, vom Lan­desverband der brandenburgischen Imker hin, er muss aber feststellen, dass die Stu­dien zum Zusammenhang zwischen Wald­sterben, Artenrückgang, Klimawandel und Honigbiene von der Landesregierung ignoriert werden.

Einen Teilerfolg kann Christof Potthof vom Gen-Ethischen Netz­werk verzeichnen. Die rot-rote Koa­li­tion habe sich im Herbst 2009 für ein Konzept der gentechnikfreien Land­wirtschaft ausgesprochen. Offensichtlich die Reaktion auf jahrelange Proteste und Aktionen, bis zu »Feldbefreiungen« im ganzen Land, das schon 8 gentechnikfreie Regionen mit zusammen 100.000 ha auf­weist. Potthof spricht die Probleme, speziell in der SPD mit ihren personellen Verflech­tungen an, die einer konsequenten Umsetzung entgegenstehen.

Das Buch schließt mit einem agrarpoliti­schen Konzept, in dem die Postionen zu den einzelnen Politikfeldern knapp umrissen werden.

Der Band stellt eine unverzichtbare Materi­albasis für jeden dar, der sich mit Gegen­wart und Zukunft der Landwirtschaft in Brandenburg beschäftigen will. Die Darstel­lung der Vergangenheit und ihrer Auswir­kungen ist ideologisch bestimmt, was sich aus der Geschichte der Partei B’90/Die Grünen erklärt. Mit den undifferenzierten Angriffen gegen Großbetriebe und einer pauschalen Kappung bei Direktzahlungen werden sie bei Brandenburgs Agrariern kei­nen Fuß auf den sandigen Boden bekom­men.

Umbrüche auf märkischem Sand
Brandenburgs Landwirtschaft im Wandel der Zeit – Entwicklungen, Risiken, Perspektiven. Fraktion Bündnis 90, Die Grünen im Branden­burger Landtag (Hrsg.; Juli 2011, Oekom Ver­lag München, 200 Seiten, 14,90 Euro.

Oktober 2011

Beiträge zur Umweltpolitik – Heft 16

Zukunftsgerechte Landwirtschaft in Deutschland

Deckblatt Zukunftsgerechte Landwirtschaft 94 Seiten
Autoren: Detlef Bimboes, Götz Brandt, Johanna Scheringer-Wright
1. Aufl. (01/2010, Mai 2011)
Hrsg.: Ökologische Plattform bei der Partei DIE LINKE, Bundesarbeitsgemeinschaft Agrarpolitik und ländlicher Raum beim Parteivorstand der Partei DIE LINKE; 2011

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel Inhalt Seite
Vorwort 5
1. Globale Herausforderungen für die Landwirtschaft 7
1.1. Die gesellschaftliche Entwicklung 7
1.2. Das Wachstum der Erdbevölkerung 8
1.3. Ökologische Gerechtigkeit in der Welt herstellen 10
1.4. Die Tragfähigkeit der Erde und der Agrarflächenbedarf 15
1.5. Die Gefahr der Bodendegradation 17
1.6. Die Auswirkungen des Klimawandels 18
1.7. Die Energieversorgung der Landwirtschaft 22
1.8. Die Versorgung mit Mineraldüngern 24
1.9. Die Versorgung mit Maschinen und Anlagen 28
1.10. Der Futtermittelimport und die industrielle Tierhaltung 29
1.11. Der Fischfang in den Weltmeeren 31
1.12. Der Import von Gemüse, Obst und Südfrüchten 33
1.13. Probleme künftiger Wasserversorgung für die Landwirtschaft 34
1.14. Probleme wachsender Brandgefahren für die Landwirtschaft 34
2. Landwirtschaft im Griff von kapitalistischer Agrarpolitik und Agrarmultis 36
2.1. Die Abhängigkeit von den Agrarmultis 36
2.2. Die Subventionierung der Landwirtschaft durch die EU 37
2.3. Das Hirngespinst von der Bekämpfung des Hungers durch „Grüne Revolution“ und Marktwirtschaft 41
3. Aufbruch in eine ökologische und zukunftsfähige Landwirtschaft. 44
3.1. Der zur Verfügung stehende Boden in Deutschland 44
3.2. Die Einrichtung der Landwirtschaft nach den Bedürfnissen einer gesunden Ernährung 46
3.3. Konventionell, integriert oder öko? 50
3.4. Welche Viehbestände sind für eine gesunde Ernährung notwendig? 53
3.5. Welche Hektarerträge sind zukünftig zu erwarten? 55
3.6. Die Flächeninanspruchnahme für eine gesunde Ernährung und das Anbauverhältnis bei weitgehend dezentraler Eigenversorgung mit Grundnahrungsmitteln 55
3.7. Die Einrichtung der Landwirtschaft nach Umweltanforderungen (Biolandwirtschaft) 57
3.8. Die Nährstoffversorgung, Humuswirtschaft und das Wiederherstellen von betrieblichen Kreisläufen. 59
3.9. Wie kann das Eiweißproblem für die Tierfütterung gelöst werden? 59
3.10. Bisherige und künftige Entwicklung der Betriebsgrößen 61
3.11. Der Umfang der notwendigen erweiterten Reproduktion in der Landwirtschaft 63
3.12. Der notwendige Zukauf von Produktionsmitteln 65
3.13. Nutzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts 66
3.14. Konsequenzen des Umbaus der Landwirtschaft 68
4. Vorschlag für ein langfristiges politisches Leitbild der LINKEN auf dem Gebiet der Landwirtschaft 70
5. Vorschläge für politische Ziele der LINKEN auf dem Gebiet der deutschen Landwirtschaft bis 2050 und ihre Umsetzung 73
5.1. Umweltgerecht und Ressourcen sparend produzieren 73
5.1.1. Agrarpolitik 73
5.1.2. Umwelt- und Klimaschutzpolitik 75
5.1.3. Wirtschafts- und Finanzpolitik 75
5.1.4. Arbeits- und Sozialpolitik 76
5.2. Gesunde Lebensweise, gesunde Ernährung 76
5.3. Regional produzieren, verbrauchsnah versorgen 76
5.4. Umbauprozesse sozialverträglich gestalten 78
Literaturverzeichnis 79
Tabellenverzeichnis 85
Abkürzungsverzeichnis 86
Glossar 88
Autoren 94